Schülerbefragung: Bundeswehr und Polizei bleiben beliebteste Arbeitgeber

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BERLIN. Drei von vier Schülerinnen und Schüler suchen hauptsächlich über Soziale Netzwerke nach einem passenden Arbeitgeber für ihren Berufseinstieg. Der öffentliche Dienst insgesamt verliert offenbar an Anziehungskraft.

Die Polizei und die Bundeswehr gewinnen erneut die Gunst der Schüler und Schülerinnen in Deutschland, wenn es um deren Traum-Arbeitgeber geht. So lautet das Ergebnis des aktuellen Schülerbarometers des Marktforschungsunternehmens Trendence, für den 2022 bundesweit 24.764 Schüler und Schülerinnen der Klassen 8 bis 13 befragt wurden. Allerdings holen Arbeitgeber aus anderen Branchen auf. Allen voran der Automobilhersteller Tesla, der als bester Neueinsteiger gleich Platz 5 der beliebtesten Arbeitgeber erreichte.

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Der Social Media Auftritt von Unternehmen ist für Schüler von einiger Bedeutung um einen Arbeitgeber zu finden. Foto: Foundry Co / Pixabay (P. L.)

Zudem sprang der Sportartikel-Hersteller adidas im Jahresvergleich von Platz 6 auf Platz 3 des Rankings. Organisationen aus dem Gesundheitswesen, im vergangenen Jahr noch mit hohen Beliebtheitswerten, fielen hingegen im Ranking zurück, beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz von Rang 7 auf 11, die Diakonie von 33 auf 41 sowie die Malteser von Platz 26 auf 48. Deutliche Zugewinne erzielten dagegen Arbeitgeber aus der Handelsbranche, die insgesamt 7,0% an Beliebtheitspunkten zulegte. Ein großer Sprung im Klassement der beliebtesten Arbeitgeber gelang beispielsweise dem Buchhandelsunternehmen Thalia, das von Rang 20 auf 12 stieg sowie der Modekette H&M, der ein Sprung von Platz 33 auf 13 gelang.

Öffentlicher Dienst verliert im Jahresvergleich deutlich an Anziehungskraft
„Die Anziehungskraft von Polizei und Bundeswehr ist bei der jüngsten Arbeitsmarktgeneration ungebrochen. Allerdings steht die Bundeswehr in diesem Jahr erstmals seit längerer Zeit in der Gunst der Jungs vor der Polizei, während die Mädchen weiterhin die Polizei präferieren. Was den beiden Platzhirschen in unserem Ranking allerdings zu denken geben sollte, ist, dass der Öffentliche Dienst insgesamt auffällig an Attraktivität bei Schülern und Schülerinnen verliert“, so Trendence Geschäftsführer Robindro Ullah zu den Ergebnissen. Tatsächlich hätten Organisationen und Institutionen der öffentlichen Hand im Jahresvergleich 7,1% an Beliebtheitswerten verloren, Arbeitgeber aus der Automobilbranche (+3,6%) sowie eben aus dem Handel (+7,0%) an Anerkennung gewonnen. Zwar sei der Öffentliche Dienst nach wie vor die erste Branche der Wahl für junge Menschen insgesamt, bei den Jungs hinter Automobilherstellern allerdings nur noch auf Rang 2.

Bestimmende Attraktivitätsfaktoren: Kollegenzusammenhalt und Sinnperspektive
Der bestimmende Faktor der Arbeitgeberwahl ist laut der Befragung bei jungen Menschen der Zusammenhalt der Kolleginnen und Kollegen, gefolgt vom Wunsch, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen. Erst auf Rang 3 der wichtigsten Attraktivitätsmerkmale stand das Gehalt. Am wenigsten hoch im Kurs der Schülerinnen und Schüler stünden indes Kriterien wie ein internationales Arbeitsumfeld, die Innovationskraft eines Arbeitgebers sowie die konkreten Produkte oder Dienstleistung. „Wir beobachten bei jungen Menschen nach wie vor den ausgeprägten Wunsch nach einer beruflichen Sinnperspektive. Das ist ein klares Resultat aus den vergangenen zwei Pandemie-Jahren. Dieser Wunsch ist vielen von ihnen zunächst wichtiger als etwa eine gut gefüllte Lohntüte“, so Ullah.

An Insta, youtube oder TikTok führt kein Weg mehr vorbei
Wenn es darum geht, wo Schüler und Schülerinnen nach dem passenden Arbeitgeber für ihren Berufseinstieg suchen, setzen sich soziale Medien immer weiter durch. Schon im vergangenen Jahr waren soziale Netzwerke die meistgenutzte Quelle in diesem Kontext. Nun wuchs deren aktuelle Nutzungshäufigkeit noch einmal um 10,3% auf insgesamt 75,8%. Erst danach folgen Karrierewebsites (66,8%), Printmedien (49,5%, bei einem Plus von 10,7%) sowie Karriereevents (45,2%). Die meistgenutzten Netzwerke für Karrierezwecke sind nach Umfrage Instagram, WhatsApp, youtube und TikTok. Übrigens: Der Anteil der SchülerInnen, die sich noch gar nicht zum Thema Berufseinstieg informiert hatten, war mit 8,3% der Nennungen äußerst gering.

Über die Analyse
Für die Erhebung befragte das Trendence Institut 24.764 Schüler und Schülerinnen der Klassen 8-13. Dabei wurden nur allgemeinbildende Schulen einbezogen. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer*innen betrug zum Zeitpunkt der Befragung (Januar 2022) 16,5 Jahre. 34,5% streben das Abitur an, 40,3% die Mittlere Reife, 12,2% den Hauptschulabschluss sowie 13,1% die Fachhochschulreife. 49% der Befragten waren männlich, 48%weiblich und 3% gaben an divers zu sein. (ots)

Auch die Berufsorientierung leidet: Schülerpraktika sind in der Pandemie weggebrochen

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2 Kommentare
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Carsten60
2 Monate zuvor

Und wie viele bevorzugten bei der Umfrage den Lehrerberuf oder allgemein Berufe im Bildungswesen (auch Kita)?

AusderPraxis
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Wahrscheinlich ebenso viele wie den Beruf (Alten)Pfleger?
Bei meinen 2. 4.Klässlerinnen rangiert der Lehrerberuf immer noch recht weit oben! Allerdings ist es die Reit- bzw. Balettlehrerin, die den Vogel abschießt.
Wenn ich sie frage, ob sie sich nicht auch (Grundschul) Lehrer vorstellen können, sagen viele: Eigentlich schon, aber nur mit netten Kindern!