Leopoldina-Präsident: „Das Wertvollste, was wir haben, sind unsere jungen Menschen“

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MAINZ. Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften, Haug, setzt sich für die Zukunftschancen junger talentierter Menschen ein. «Es darf keine „Lost Generation“ entstehen», warnt er – und macht einen Vorschlag.

Die Leopoldina ist die älteste naturwissenschaftlich-medizinische Gelehrtengesellschaft im deutschsprachigen Raum und die älteste dauerhaft existierende naturforschende Akademie der Welt. Sie steht unter Schirmherrschaft des Bundespräsidenten. Foto: Shutterstock / ArTono

Der Präsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Prof. Gerald Haug, hat einen «Aktionsplan Wissenschaft» gefordert. «Den Aktionsplan würde ich mit mindestens drei Milliarden Euro pro Jahr über fünf Jahre sehen», sagte in Mainz. «Das Wertvollste, was wir haben, sind unsere talentierten jungen Menschen, die dürfen jetzt nicht aus dem Blick genommen werden. Das ist unsere Zukunftsperspektive.» Die jungen Menschen dürften nicht im Stich gelassen werden.

Er vermisse in der politischen Debatte über Not- und Hilfspakete den Schwerpunkt Forschung und Innovation, sagte Haug. «Bei allen Hilfspaketen, die jetzt geschnürt werden, muss eine Zukunftsperspektive auch für junge Menschen entwickelt werden», forderte er von der Bundesregierung. «Deutschlands wichtigste Ressource ist unser Intellekt, unser Können, und gerade auch die Spitzenforschung.»

Haug, der auch Direktor am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz ist, betonte: «Wir brauchen ein resilientes Wissenschaftssystem, um die Krise nicht nur zu verkraften, sondern echte Anreize zu schaffen für Innovation und Forschung.» Dazu müssten Forschung und Wissenschaft auskömmlich finanziert werden.

«Wir haben die ersten Uni-Präsidenten, die überlegen, ob sie die Hörsäle noch heizen können»

Die Inflation von inzwischen zehn Prozent und steigende Energiepreise machten auch den Universitäten und Forschungseinrichtungen wie der Max-Planck-Gesellschaft finanziell stark zu schaffen. «Wir haben die ersten Uni-Präsidenten, die überlegen, ob sie die Hörsäle noch heizen können», erzählte Haug. «Ein Energie-Lockdown geht gar nicht.» Die jungen Menschen brauchten den Kontakt.

«Wissenschaft und Forschung werden mindestens 15 Prozent weniger Geld Ende nächsten Jahres haben», sagte Haug mit Blick auf die Inflation, steigende Energiepreise und Löhne im öffentlichen Dienst. «Das ist genau das Geld, das dann vor allem für die jungen Menschen fehlt, für Doktorarbeiten und Postdoktoranden.»

Auch auf europäischer Ebene müsse die nächste Generation stärker in den Blick genommen werden und Programme wie Erasmus+ – das Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union – müssten ausgebaut werden, forderte Haug. Die Zusammenarbeit mit Großbritannien und der Schweiz dürfe ebenfalls nicht vernachlässigt werden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und die Alexander von Humboldt-Stiftung zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung würden «massiv gekürzt», sagte Haug. «Für eine wertegeleitete Außenpolitik sind junge talentierte Menschen und die Wissenschaft entscheidend.»

Die Nationale Akademie der Wissenschaften befasst sich unabhängig von wirtschaftlichen oder politischen Interessen mit wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsthemen aus wissenschaftlicher Sicht. Die Ergebnisse vermittelt sie der Politik und der Öffentlichkeit und vertritt die Themen national und auch international. News4teachers / mit Material der dpa

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Lera
1 Monat zuvor

Spartipp:

Zu Hause frühstücken ist billiger als im Rahmen des elften Symposiums der Sektion „Netzwerke und Seilschaften zur Förderung uninspirierter C4-Stellen-Besetzer nebst mittelmäßig begabter Doktoranden mit zeitgeistigen Themen“.

Eine Zoom-Konferenz reicht völlig aus, um ein Poster zu präsentieren! Dafür müssen nicht hunderte Leute quer durch Europa reisen. Schluss mit Kulturprogramm, geselligem Beisammensein, Kick-Off-Meeting und Schnittchen.

447
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Auuusser wenn ich eingeladen bin. Ich kann aus dem Stegreif kurze Vorträge etwa zur „Zukunft der base-skills im Schulwesen heute“ oder „Task-based learning im Unterricht von morgen“ halten.

Und Schnittchen, ach, die Schnittchen! Richtige Schnittchen, nix LIDL-Brötchen und ALDI-Kaffee im PZ… für richtige, echte Schnittchen, da ist es mir ne Reise wert.

Realist
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Wenn die Leopoldina zu der Erkenntnis kommt, dass 30 Schüler pro Klasse für die wertvollen Kinder besser sind als z.B. 29 Schüler pro Klasse (Stärkung des sozialen Lernen, sehr wichtig in der Nach-Lockdown-Zeit) oder dass die optimale Lerntemperatur im Klassenraum bei 17°C liegt, haben sich diese Symposien aus Sicht der politischen Klasse mehr als 1000-fach gelohnt. Mehr kann man gar nicht sparen.

S.
1 Monat zuvor
Antwortet  Lera

Sie scheinen schon lange keine Uni mehr besucht zu haben. „Kulturprogramm, Kick-Off-Meeting und Schnittchen“ sind zumindest in den Geisteswissenschaften Fremdwörter.
Und das „Beisammensein“ kostet, da die Reisekosten von Wissenschaftler*innen häufig selbst getragen werden müssen. Das Frühstück zu Hause ist somit günstiger – da haben Sie vollkommen recht.

Lera
1 Monat zuvor
Antwortet  S.

Googeln Sie mal [beliebiges Fach] Tagung.

Gelbe Tulpe
1 Monat zuvor

In fast allen Vorlesungen mit mathematischen Inhalten wurden wir Studentinnen und Studenten wie ein lästiger Ballast behandelt. An der Schule war es oft auch nicht anders.

Ich konnte nicht erkennen, dass wir bzw. unsere Ausbildung als wichtig erachtet wurde. Traurig eigentlich in einem Land, dessen wichtigste Ressource gut ausgebildete Menschen sind.