Lehrkräfte über ukrainische Schüler: „Ich habe den Eindruck, dass die Eltern den Deutschunterricht für ihre Kinder nicht unterstützen“

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DÜSSELDORF. Rund 200.000 ukrainische Schülerinnen und Schüler besuchen mittlerweile deutsche Schulen – was die Lehrkräfte, ohnehin überlastet durch Personalmangel, Corona, Inklusion und Integration, an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit bringt. Ein Hilferuf des Bayerischen Philologenverbands («Wir sind keine Traumaexperten, und unser Zeitkontingent gewährt es auch nicht, psychosoziale Unterstützung im Einzelfall zu leisten») sorgte in der vergangenen Woche für große Resonanzen. Im Leserforum von News4teachers berichteten Lehrkräfte von ihren persönlichen Erfahrungen mit den Geflüchteten – wir veröffentlichen einen lesenswerten Dialog hier noch einmal.

Lehrkräfte beklagen Respektlosigkeiten von ukrainischen Schülerinnen und Schülern – und fragen sich, worin die Ursache dafür liegt. Illustration: Shutterstock

TaMu, 25. Nov. 2022 um 11:23 Uhr

„Da kommen junge Menschen bei uns an, die letztes Jahr um diese Zeit noch keine Ahnung davon hatten, dass sich ihr Land ein Jahr später in ein Schlachtfeld verwandelt haben würde. In diesen Monaten haben sie Extremes erlebt, ihr Zuhause, Verwandte und Freunde verloren, die Väter, Opas, Brüder im Krieg, Angst vor schlimmen Nachrichten. Sie sitzen in deutschen Schulklassen, über die sie nie zuvor nachgedacht haben und sollen Deutsch lernen, dem deutschen Unterricht folgen und gleichzeitig am ukrainischen Unterricht teilnehmen. Sie wollen nicht ausgesprochen unhöflich sein, aber bei so viel Überforderung platzt ihnen irgendwann der Kragen. Kann sich eigentlich niemand in unserer Bildungspolitik vorstellen, wie extrem belastet diese Kinder und Jugendlichen sind? (…)“

Doris, 25. Nov. 2022 um 13:44 Uhr

„Ich unterrichte nun seit den letzten Osterferien verschiedene Lerngruppen von ukrainischen Schülern an einem Gymnasium in einer niedersächsischen Kleinstadt. Als freiberufliche Dozentin für Deutsch als Fremdsprache werde ich von einer kleinen NGO bezahlt, mir der das Gymnasium eine Kooperation eingegangen ist, weil die eigenen DaZ- Lehrer wegen des eklatanten Lehrermangels mit ihren beiden anderen Fächern im Regelunterricht eingesetzt werden müssen, um die reguläre Unterrichtsversorgung einigermaßen gewährleisten zu können.

Ich bin nach den Osterferien mit ähnlichen Gedanken wie Sie, TaMu, und großer Empathie gegenüber den ukrakrainischen Schülern in einer Willkommensklasse von 14 Schülern zwischen 10 und 17 Jahren gestartet.

„Mehrere Schüler weigerten in eine ihnen zugeteilte differenzierende Arbeitsgruppe zu gehen, die im Nachbarraum unterrichtet werden sollte“

Es zeigte sich aber schnell, dass nicht nur der Altersunterschied den DaZ-Unterricht erschwerte, sondern auch der sehr große Unterschied bei Allgemeinbildung und Fremdsprachenkompetenz bei gleichaltrigen Schülern. Wie ich erfahren habe, gibt es keine nationalen Curricula, sondern jede Schule bestimmt im Wesentlichen selbst Inhalte und Schwerpunkte ihres Unterrichts. So hatte ich mehrere 12-Jährige, die schon gut Englisch sprachen aber noch mehr 15-Jährige, die nur ukrainisch oder russisch sprachen.
Mit finanzieller Unterstützung meiner kleinen NGO stellte man mir eine Studentin an die Seite, mit deren Hilfe ich meinen Unterricht besser differenzieren konnte.

Aber bereits hier zeigte sich eine Respektlosigkeit gegenüber uns Lehrern, indem mehrere Schüler sich anfangs weigerten in eine ihnen zugeteilte differenzierende Arbeitsgruppe zu gehen, die im Nachbarraum unterrichtet werden sollte.

Lernspiele im shop.4teachers.de

Nachdem das mit einer Mischung aus Strenge und Geduld endlich gelungen war, beanspruchte ein 15jähriger, der schon während der Osterferien im kirchlichen Gemeindezentrum die erste Lektion des Lehrbuchs bearbeitet hatte, ich solle etwas anderes machen, denn das könne er schon. Ich gab ihm daraufhin differenzierende Aufgaben und wies ihn (auf Englisch) darauf hin, dass auch die anderen 8 Schüler meiner Gruppe die Inhalte der ersten Lektion lernen müssten. Aber auch in den folgenden Tagen betonte er stets wie leicht das alles sei. Oder er weigerte sich eine email zu formulieren, „weil das in der Ukraine nur alte Leute tun“ etc. Erst als ich ihn aufforderte nach vorne zu kommen und den Unterricht für seine Mitschüler zu übernehmen, änderte sich sein Verhalten.

„Die Mütter riefen ihre Kinder oft während des Unterrichts an, obwohl ich darum gebeten habe, dies zu unterlassen“

Gleichzeitig erhöhte ich das Anspuchsniveau und die Unterrichtsgeschwindigkeit und führte wöchentliche Tests ein, was dazu führte, dass die Disziplin beim Bearbeiten der Aufgaben sich deutlich verbesserte. Nur wenig verbesserte sich allerdings das recht häufige laute Reden während des Unterrichts und das Spielen mit dem Handy – bis ich die Handys konsequent zu Beginn der Stunde eingesammelt habe, obwohl ich es eigentlich sinnvoll finde, wenn sie das Handy für Wortübersetzungen nutzen können.

Da die Mütter ihre Kinder oft während des Unterrichts angerufen haben, obwohl ich darum gebeten habe, dies zu unterlassen, ist bei mir der Eindruck entstanden, dass die Eltern den Deutschunterricht für ihre Kinder nicht unterstützen und ihn als lästig empfinden.

Da ich seit 2016 auch viele Kinder und Erwachsene aus anderen Krisen- und Kriegsgebieten unterrichtet habe und dort – trotz in der Regel viel schlechterer Vorbildung – viel mehr Lernwillen und deutlich mehr Respekt gegenüber den Lehrern erfahren habe, kann die Erfahrung von Krieg, Zerstörung, Verlust des Zuhauses und Angst um daheim gebliebene Verwandte keine hinreichende Erklärung für die außergewöhnlich große Disziplinlosigkeit im Unterricht bei vielen der ukrainischen Schüler sein.

Das teilweise respektlose Verhalten gegenüber deutschen Lehrern und manchmal sogar ehrenamtlichen Helfern ist für mich unerklärlich und ehrlich gesagt angesichts der großen Hilfsbereitschaft der deutschen Gesellschaft und Politik auch inakzeptabel.“

Tamu, 25. Nov. 2022 um 14:25 Uhr

„Danke, Doris, für Ihre Beschreibung und auch dafür, dass Sie diese Arbeit für junge Menschen, die geflüchtet sind, machen. Es ist erstaunlich, nicht nachvollziehbar und tatsächlich sehr respektlos. Konnten Sie mit den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern darüber reden? Mich interessiert, welche Gründe es für die Ukrainer gibt, sich so zu verhalten, um besser verstehen zu können. Ich dachte wirklich, es ist die Überforderung durch Fluchterfahrung, was möglicherweise immer noch unter diesem Verhalten steckt. Vielleicht fühlen sie sich wie auf einem Bahnhof auf der Durchreise und nehmen das hier alles nicht ernst? Ich weiß es wirklich nicht.“ News4teachers

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Carsten60
2 Monate zuvor

Hat eigentlich mal jemand näher untersucht, inwieweit die Eltern anderer Zuwanderer den Deutschunterricht für ihre Kinder unterstützen? Irgendwann vor längerem wurde mal gesagt, dass auch viele türkische Gastarbeiter, die mit ihren Familien erstmal hier blieben, davon ausgingen, später wieder in die Türkei zurückzukehren und dann vielleicht ein Geschäft aufzumachen oder ein Haus zu kaufen und jedenfalls materiell besser dazustehen als vorher. Und die syrischen Flüchtlinge dachten wohl auch, sie könnten bald zurückkehren, nur hört man nichts mehr von einem Wiederaufbau der zerstörten syrischen Städte.
Jedenfalls sollte man das allgemeine Klagen über die Benachteiligung von Migrantenkindern in Deutschland (das auch durch PISA angefacht wurde) angesichts des obigen Artikels ein bisschen relativieren. Schulische Bildung erfordert immer zweierlei: ein Angebot und die Bereitschaft, das Angebot auch anzunehmen.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

„Danke“, N4T, dass Sie Carsten und all den anderen Foristas, die Migrant*innen per se negativ gegenüber eingestellt sind, hier so eine „tolle“ Steilvorlage geliefert haben!

Ich würde mir wünschen, dass hier auch die andere Perspektive dargestellt würde. Interviews mit den Kids selbst wären hilfreich. Dann würden könnten Carsten und Co. noch etwas dazulernen. Danke!

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich bin diese undifferenzierte Kommentiererei inzwischen echt leid. Warum sind hier so viele Leute unterwegs, die eine eher unfreundliche Haltung an den Tag legen und nicht bereit sind mehr als eine Seite wahrzunehmen.
Schlimm ist, dass das häufig sogar Lehrkräfte sind. Kommt das von der Verbitterung oder ist es deren Grundhaltung? Beides nicht schön.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Also ist es eure Grundhaltung?

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Mal ganz im Ernst, so ist es richtig schön einfach:
Jedenfalls sollte man das allgemeine Klagen über die Benachteiligung von Migrantenkindern in Deutschland (das auch durch PISA angefacht wurde) angesichts des obigen Artikels ein bisschen relativieren. Schulische Bildung erfordert immer zweierlei: ein Angebot und die Bereitschaft, das Angebot auch anzunehmen.“
Klingt wie „Wir tun schon alles, aber ihr tut nichts, denn ihr nehmt unsere Angebote nicht an.“
Ja, damit ist man fein raus. Blame game gewonnen.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nützt ja nichts – Die Sache mit Lernangebot und Lernbereitschaft stimmt!

Bei allen Schülern und Schülerinnen!

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das Verschweigen von Problemen führt nicht zu deren Lösung, im Gegenteil. Wenn Sie Forumsteilnehmern, die eine von der ihren abweichenden Meinung haben, mit den Attributen „undifferenziert „, „verbittert“ und „unfreundlich“ belegen, dann sollten Sie sich doch mal Gedanken machen, was Ihre Äußerungen nahelegen.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Ja, ja, alte Lehrkräfte haben immer recht.

Teacher Andi
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das habe ich auch schon gemerkt, dass Sie immer Recht haben (wollen).

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Scheuer-Andi?

Streamer01
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Was hat das mit alten Lehrkräften zu tun? Ich bin ein relativ junger Lehrer und der gleichen Meinung.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Streamer01

Dann sind Sie wohl aus Sachsen, was?

Lanayah
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich dachte das sei ein Tippfehler, also alle Lehrkräfte. War wirklich alte Lehrkräfte gemeint? Haben wir es hier mit einem Fall von Altersdiskriminierung zu tun?

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Also ja.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

@DerechteNorden
Sie sollten mal Ihre Schubladen aufräumen! Was Sie hier von sich geben grenzt langsam an Beleidigung! Sind bei Ihnen ALLE Sachsen und älteren Menschen unfähige, intolerante Rassisten? Sie sollten mal über sich selbst nachdenken, ehe Sie Menschen, die anderer Meinung als Sie sind, in irgendwelche Schubladen stecken. Die meisten hier berichten aus der Realität, die sie täglich erleben und Sie bewerten diese Erlebnisse nach Ihren eigenen Maßstäben, ohne über die Ursachen nachzudenken. Sie fordern ständig von allen Foristen hier Toleranz. Für mich gehören Sie mittlerweole zu den intolerantesten hier!

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Es könnte übrigens sehr aufschlussreich für Sie sein, die Lebensläufe führender AfDler in Sachsen und Thüringen zu googeln. Viele von denen sind KEINE gebürtigen OSSIS (z. B. Björn Höcke). Wie passt das in Ihre Schubladen? Warum diese rechten Wessis so viele Mitläufer im Osten finden, steht auf einem anderen Blatt.

Rabe aus NRW
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Langsam reicht es mit der Stänkerei! Verlassen Sie den Raum!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Und nachmittags frei.

Ich verstehe gerade Ihre Kommentare nicht, ich kann sie – ganz ehrlich – nicht einordnen.

Wir haben Probleme mit Schülern und Schülerinnen, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind.

Eine Hilfe wären Dolmetscher – an jeder Schule mit Migranten – in jeder Sprache.

Das kostet natürlich Geld – würde aber sicherlich was bringen.

Ich kann Deutsch, Englisch, Französisch (leidlich).

Und wo werden Kurse für die benötigten Fremdsprachen angeboten? Genau.

Würden die bezahlt werden? Ich lach mich schlapp.

Würden die Stunden während der U-Zeit stattfinden? Trommel auf den Boden!

Würden Stunden abgehängt werden können, wenn ich das in meiner Erholungszeit lerne? Brüll!

Wir werden mit dreißig Schülerinnen und Schülern unterschiedlichster individueller Heterogenität, Nationalität, psychischer Gesundheit (oder eben leider nicht) a l l e i n gelassen. Seit Jahren!

Ich vermute, dass sich überwiegend darüber aufgeregt wird – und das ist m.E. richtig!

Dass das nicht in jedem Kommentar erwähnt wird – vielleicht wird es als bekannt vorausgesetzt. (Schulterzuck, weil nur Vermutung und keine Ahnung!)

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Teacher Andi

Was hat meine Forderung nach Differenzierung mit Verschweigen zu tun?
Das Problem sind nicht diese Menschen, die Sie, Carsten60 und Georg immer wieder so gerne aufs Korn nehmen, sondern die Politik, die nicht reagiert (hat).
Zu den ukrainischen Flüchtlingen: Hier werden Menschen aus Kriegsgebieten quasi dafür kritisiert, dass sie euch nicht die Füße küssen. Wie es ihnen geht, interessiert nicht.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Es sind hier immer wieder dieselben, die auf Menschen mit einem Migrationshintergrund rumhacken. Ältere Menschen und jüngere AfD-Anhänger.

Boomerin
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das ist unverschämt! Ich arbeite jeden Tag mit Jugendlichen aus anderen Ländern und das ist wohl völlig normal für alle Schulformen. Und ich darf mich durchaus zu den älteren Lehrerinnen zählen. Also, nicht alle in diesen Topf werfen!!

DerechteNorden
1 Monat zuvor
Antwortet  Boomerin

Bin selbst alt. Von daher …

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

… sind Sie selbst Ihre belegbare Quelle. ODER WIE?

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Boomerin

Jepp!

DerechteNorden sollte hier wohl besser mal …. differenzieren 😉

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Da bin ich mal auf Ihre Quellen gespannt!

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Nun, Lehrkräfte sehen vielleicht auch einfach die Reallität ….

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Was bitte soll „undifferenziert“ oder „unfreundlich“ daran sein, festzustellen, dass ein schulisches Bildungsangebot auch angenommen werden muss? Genau darum ging es doch in dem obigen Artikel, dessen Text ja nicht von der Redaktion stammt, sondern von Lesern. Sie äußern sich ganz schön arrogant denen gegenüber. Soll die Wahrheit geschönt werden?
Der seit 100 Jahren existierende Strebervorwurf ist auch eine Methode, Bildung abzulehnen. Schüler haben in Deutschland offenbar ein Recht darauf, Lehrer zu ärgern („respektloses Verhalten“) und das Gegenteil von dem zu machen, was die sagen usw. Und dann wundert man sich, wenn bei internationalen Vergleichstests die Ergebnisse mager sind. Übrigens hatte die Ukraine bei PISA 2018 gar nicht gut abgeschnitten. Und das hat mit dem Krieg nichts zu tun.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Macht es nicht besser.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Leider macht es Ihre Aussagen auch nicht besser.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Mich wundert, dass N4T hier nichts geschrieben hat. …

Ron
2 Monate zuvor

Bereits ein vorangegangener Artikel über das Verhalten von ukrainischen Flüchtlingskindern wurde hier im Forum kontrovers diskutiert. Ich meine mich aber zu erinnern, dass viele auch die Lernbereitschaft dieser Schüler betont haben. Die Erfahrungen scheinen also vielfältig zu sein. Anmerken möchte ich aber, dass auch die ukrainische Staatsführung und deren ehemaliger deutscher Botschafter durch recht eigenwillige, extrem fordernde oder herabsetzende Wortbeiträge für Unmut hierzulande gesorgt haben. Ich denke, das hat auch bei einigen Ukrainern Spuren hinterlassen, die nicht zu besonders viel Respekt oder Dankbarkeit gegenüber den Deutschen geführt haben.

Carabas
2 Monate zuvor

Das was ich in Schule erlebe: eine „Bildungsbehörde“, die nicht die Kinder in ihrer Entwicklung unterstützen will und damit sich damit scheut, die großen Räder zugunsten der Kinder zu drehen. Diese werden, wie zuvor die Flüchtlingskinder aus anderen Ländern, von unserem Bildungssystem systematisch demoralisiert und in ihrer Entwicklung behindert.

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Carabas

„… werden … von unserem Bildungssystem systematisch demoralisiert und in ihrer Entwicklung behindert.“
Könnten Sie vielleicht mitteilen, in welchen anderen Ländern Flüchtlinge besser behandelt und in ihrer Entwicklung gefördert werden?
Gab es nicht immer Schauergeschichten, wie schlecht es syrischen Flüchtlingen in Griechenland geht? Sind WIR auch dafür verantwortlich und die griechische Regierung gar nicht (obwohl sie doch Gelder von der EU bekommt) ?

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Carabas

Es ist nicht die Schule, sondern die Politik, die uns in den Schulen seit Jahrzehnten nicht genügend Personal und Mittel bereit stellt.
Das ist ein großer Unterschied.

Derdiedas
2 Monate zuvor
Antwortet  Carabas

Gerade für diese Schüler werden unglaubliche Ressourcen eingesetzt. Am Berufskolleg gibt es ja genau diese Sammelbecken in Form von internationalen Förderklassen, Ausbildungsvorbereitungen und einigen Möglichkeiten einen Schulabschluss mit beruflichen Schwerpunkt nachzuholen. Für ukrainische Kinder gibt es zudem zusätzliche Kurse. In diesen Klassen wird trotz akuten Lehrermangel immer zu zweit unterrichtet. Das führt dann dazu, dass in anderen Bildungsgängen optionale Fächer gestrichen werden. Ich werde dann statt Auszubildenden grundlegende informatische Kenntnisse beizubringen bevorzugt eingesetzt, um 16-18 jährigen die Grundrechenarten beizubringen, wenn sie nicht aus der Ukraine kommen, oder wenn es sich um ukrainische Schüler handelt geht es weniger um den Inhalt als um den nicht einsetzenden Fortschritt entweder ihre Englisch- oder gar Deutschkenntnisse aufzubessern.

Vom nicht vorhandenen Elternkontakt brauchen wir erst gar nicht reden. Unentschuldigte Fehlzeiten werden kommentarlos zur Kenntnis genommen. Da kann man auch keinen Lernprozess bei den Schülern erwarten, wenn die Eltern es nicht vorleben.

Ich habe vorher am Gymnasium gearbeitet und die Welle von 2015 miterlebt. Das Engagement war dort immerhin noch ein stückweit größer Fortschritte der Integration zu machen. Wenn ich das jedoch mit dem damaligen Integrationswillen meiner Eltern vergleiche, ist es einfach nur ernüchternd.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Carabas

Ja, das sehe ich auch so.

Man fragt sich, in wessen Verantwortung das wohl liegt? Grübel. grübel,

Lehrys sind nur noch ausführende Wesen.

Grübel weiter.

Mir fallen nur noch die Glorreichen 16 und die Finanzminister ein.

So!?
2 Monate zuvor

Die Bereitschaft Deutsch zu lernen war oder ist vielleicht da; die Übersetzungsapps, welche anfangs für die ersten Hürden benutzt wurden, helfen auf Dauer jedoch nicht. Die Einsicht darüber ist bei Eltern leider gering. Sie äußern eine Vielzahl an Bitten und Wünsche bzgl. ihrer Kinder und beklagen evtl. das unverhältnismäßige Verhalten anderer SuS, kommen schulischen Anforderungen wie das Bereitstellung von Arbeitsmaterialen oder Anfertigung auch einfacher Hausaufgaben aber nicht regelmäßig nach und weil die Kinder häufig und tagelang fehlen, können sie in der Klasse kaum Freundschaften schließen, außer mit anderen gleichsprachigen Kinder. Auch die Flüchtlingskinder von und nach 2015 waren sicher traumatisiert, nahmen jedoch regelmäßig am Schulunterricht teil und haben sich mehr um Integration bemüht. Nur (m)eine Beobachtung!?

Pappenheimer
2 Monate zuvor
Antwortet  So!?

Ja, nur Ihre Beobachtung und Vergessenheit. Über das respektlose Verhalten in Sprachkursen 2015ff konnte man lesen.

Doris
2 Monate zuvor
Antwortet  Pappenheimer

@ Pappenheimer.
Ich habe seit 2016 Flüchtlingskinder unterrichtet, aber auch junge Erwachsene zwischen 18 und 25, die extern ihren Hauptschulabschluss nachholen wollten sowie einen B1- Kurs für erwachsene Menschen aus vielerlei Länder (Syrer, Iraker, Pakistani, Afghanen, Eriträer, Sudanesen, Kameruner, Rumäninnen und eine Georgierin).

Es bleibt dann nicht aus, dass man Vergleiche anstellt, was schnell zu Verallgemeinerungen führt, die dem jeweils individuellen Schüler nicht gerecht werden. Ich habe daher für mich beschlossen, mir den Blick auf den einzelnen Menschen zu bewahren.

Nichtsdestotrotz kann ich auch nicht ausblenden, wenn sich Verhaltensmuster in einer Gruppe sehr häufen, wie etwa das häufige Schwänzen des Unterrichts. Dieses Phänomen trat in meinen Kursen besonders häufig bei den Familienvätern zwischen 28 und 40 auf – egal, ob Syrer, Iraker oder Pakistani. Oft genug habe ich sie dann am Nachmittag im Zentrum meines Kleinstädtchens gesehen. Die Prüfungen haben sie dementsprechend nicht bestanden. Viele von ihnen leben auch 5 Jahre später noch von HartzIV ( manchmal + Minijob wie z.B. Pizza ausfahren). Die jüngeren Männer aus diesen Ländern dagegen, haben den Unterricht überwiegend regelmäßig besucht und die Prüfungen auch in der Regel bestanden.

Die arabischen Frauen kamen meistens sehr zuverlässig, sofern sie keine Kleinkinder hatten. Wenn sie Kleinkinder hatten, kamen sie nur, wenn spezielle Mutter- Kind- Kurse (mit Betreuung im Nebenzimmer) angeboten wurden. Hier werden die kulturellen Unterschiede – vor allem die Rollenverteilung in der Familie- sehr deutlich.

Mit Afrikanern habe ich überwiegend gute Erfahrungen gemacht, obwohl die schulische Vorbildung oft sehr schlecht war. Aber viele von ihnen kämpfen sich durch und sind auch bereit, harte Arbeit anzunehmen.

Besonders schlechte Ausgangsbedingungen hatten oft die Afghanen in meinen Kursen. Viele hatten vor ihrer Flucht noch nie eine Schule besucht und mussten vor Beginn der Sprachkurse erst alphabetisiert werden, was zu der kuriosen Situation führt, dass sie danach zwar Deutsch lesen können , nicht aber die Schrift ihrer eigenen Sprache.

Zwei meiner afghanischen Schüler haben trotz des bestandenen Hauptschulabschlusses ( 2019) noch keinen Job. Der eine hatte sich in den Kopf gesetzt Verkäufer bei MediaMarkt zu werden. Einen Job bei Edeka wollte er dagegen genausowenig annehmen wie das Angebot einer Ausbildungsstelle bei einem Installateur. Das macht mich dann schon sprachlos.

Andere meiner Schüler mit bestandenem Hauptschulabschluss dagegen haben Jobs gefunden: So weiß ich
– von einem Iraker, dass er nun Maschinenführer in einer kleinen Fabrik ist und seinem Freund, dass er eine Lehre zum Installateur macht. Von einem Kameruner weiß ich, dass er Bauzeichner bei einem Bauunternehmen ist. Eine Irakerin ist Altenpflegerin und eine Syrerin hatte eine Ausbildung zur Optikerin begonnen. Einige wollten den Realschulabschluss nachholen und viele habe ich aus den Augen verloren.

Die ukrainischen Schüler dagegen haben sehr gute Ausgangsbedingungen nicht nur, weil sie alle eine Schule besucht haben – wenn auch mit einem offensichtlich sehr unterschiedlichen Unterrichtniveau.
Sie haben im Vergleich zu anderen Flpchtlingen nur niedrige bürokratische Hürden zu überwinden und es gibt Unterstützung von allen Seiten.

Ich finde es dann schon bemerkenswert, dass die Schüler glauben, sie könnten sich während des Unterrichts in Zimmerlautstärke auf ukrainisch unterhalten. Das gilt übrigens auch in Kursen für ukrainische Mütter, wie ich von einer Kollegin erfahren habe.
Ich finde es – trotz ihrer schwierigen Situation – nicht akzeptabel, dass
die Kinder weder Hausaufgaben machen noch ihre Arbeitsmaterialien mitbringen. So werden Lehrbücher immer wieder zu Hause „vergessen“. Auch finde ich es unnormal und inakzeptbel, wenn eine ganze Reihe von Schülern mehrmals aufgefordert werden müssen, ein Arbeitsblatt auszufüllen oder wenn einige Schüler sich demonstrativ mit ihrem Kopf auf dem Unterarm auf den Tisch legen.

Wenn z B. Austauschschüler aus anderen Ländern ein solches Benehmen an den Tag legen würden, würden wir auch nicht nach Gründen suchen, um das Verhalten schönzureden.

Leider bleiben mir nur Disziplinarmaßnahmen, mit denen ich mich auch selbst bestrafe. So lasse ich mittlerweile alle Schüler ohne Hausaufgaben so lange nachsitzen bis sie die Hausaufgaben nachgeholt haben und gruppiere die Sitzordnung beständig um, wenn die lautstarken Unterhaltungen überhand nehmen, was natürlich zulasten des Unterrichtsflusses geht.

Iella
1 Monat zuvor
Antwortet  Doris

Hallo Doris,
ich habe eine Vorbereitungsklasse mit ukrainischen Schülern und Schülerinnen und teile Ihre Erfahrungen 1:1. Danke für Ihre Beitrage. Man fühlt sich gleich etwas weniger allein damit.

So!?
2 Monate zuvor
Antwortet  Pappenheimer

Ich habe nicht ein respektloses Verhalten der ukrainischen Kinder moniert, sondern den unregelmäßigen Unterrichtsbesuch. Und wenn ich mich richtig erinnere, wurden Flüchtlingskindern bis dato in der Regel kein Smartphone hingehalten, um mir ihnen zu kommunizieren, was zur Folge hatte, dass sie nach einigen Wochen die wichtigsten Begriffe und Sätze für den Schulalltag kannten und sprechen konnten.

Last edited 2 Monate zuvor by So!?
Heinz
2 Monate zuvor

Kann im Text nichts entdecken, was es nicht auch täglich bei unseren deutschen Schülern geben würde. Warum man jetzt von Flüchtlingskindern, die weiss Gott anderes im Kopf haben, plötzlich erwartet, dass sie sich vor Dankbarkeit und Motivation überschlagen ist mir schleierhaft.

FreeSpirit
2 Monate zuvor
Antwortet  Heinz

Verstehe mich nicht falsch. So bin ich selber Lehrerin von Ukrainischen Klassen. Mache aber auch noch zusätzlich Vertretung für andere deutsche Klassen. Vor den Sommerferien konnten die Kinder den Stoff schon ziemlich gut und konnten sogar als Beispiel das ganze Alphabet. Nach den Ferien war jedoch keine Beteiligung mehr da und keiner konnte den Stoff. Selbstverständlich gibt es das auch mal bei deutschen Kinder. Aber als jemand der selber Ausländer ist und mit 0 Deutschkenntnissen hierher kam und alles getan hat um die Sprache zu lernen. Ist es schon ziemlich enttäuschend. Aber das ist jetzt nur ein kleiner Punkt. Was mich am meisten nervt ist. Das dann Mütter unentschuldigt ihre Kinder zu Hause lassen. Ich habe schon öfters klar gemacht das in Deutschland Schulpflicht herrscht. Da es dass aber in der Ukraine nicht gibt, haben sie kein Verständnis dafür. Sie kapieren dann aber nicht, dass ich dann natürlich beim öfteren fehlen, sogar verpflichtet bin die Polizei zu kontaktieren. Auch ist es öfter passiert, dass während des Unterrichts eine Mutter einfach so ihr Kind zum einkaufen usw. abholen wollte. Musste dann natürlich mit ihr diskutieren, dass dies nicht ginge. Was selbstverständlich den Unterricht gestört hat. Auch ist leider zu sehen, dass die Kinder nichts mit den Deutschen Kindern zu tun haben wollen. (Klar auf Grund der Sprache kompliziert) Trotzdem gab es sogar gerne mal Auseinandersetzungen. Genauso ist es sehr schwer die Klasse unter Kontrolle zu bekommen, da sie gerne öfters den Unterricht stören. Was interessant zu beobachten ist, da dies vor den Sommerferien nicht der Fall war. Dieses Problem habe ich zum Beispiel in deutschen Klassen nicht. Und ich solle es wissen, denn ich unterrichte schließlich beide.

Rena
1 Monat zuvor
Antwortet  FreeSpirit

An unserer Ganztagsschule in Mannheim ist die Situation haargenau die Gleiche. Wir haben zwei heterogene Vorbereitungsklassen für Kinder u. Jugendliche aus arabischen, afrikan. Ländern und eine sehr große ukrainische Klasse. Am wenigsten gern unterrichten die Kolleg/innen in der ukr. Klasse, und das sind allesamt nette, engagierte Lehrkräfte. Kein Interesse am Unterricht, unterhalten sich nur untereinander, geben arrogante Antworten, halten sich auf dem Schulhof von allen anderen Ss fern. Und ja, angesichts der vielfältigen Hilfen von allen Seiten KANN man ein wenig Anerkennung und Dankbarkeit für all die Bemühungen erwarten. Doch auch mit den Erwachsenen ist es nicht immer leicht.

mississippi
2 Monate zuvor

Habe auch keine guten Erfahrungen mit Erstklässlern. Obwohl ich es den Kindern und den Eltern erklärt mehrfach habe, dass das nicht geht, packten sie Spielzeug im Unterricht aus, standen auf, machten so gut wie nie Hausaufgaben. Eine Mutter, die in der Ukraine Lehrerin war und sehr gut Englisch sprach, wollte mir weiß machen, das sei in der Ukraine so. Die Kinder dürften spielen, hätten keine Hausaufgaben und würden nicht beschimpft, wenn sie im Klassenzimmer umhergehen und spielen. Außerdem würden sie bald wieder zurückgehen und sowieso zu Hause den ukrainischen Lehrplan machen.

SekII-Lehrer
2 Monate zuvor
Antwortet  mississippi

Ich hoffe sehr, dass Kinder weder in der Ukraine noch in Deutschland „beschimpft“ werden, wenn sie unerwünschtes Verhalten zeigen…

Lera
2 Monate zuvor
Antwortet  SekII-Lehrer

Ich verzichte sicherheitshalber schon lange auf jeglichen Versuch, Erziehungsarbeit zu leisten.

Pappenheimer
2 Monate zuvor

Wenn Lehrer sich auf Eltern berufen, ist das oft ein Aufschrei der Hilflosigkeit, weil man mit dem viel gepriesenen heutigen Spaßunterricht nicht erfolgreich ist. Wie sollen denn Eltern ukrainischer Schüler, die wahrscheinlich meistens kein Deutsch können, den Deutschunterricht unterstützen? Indem sie zuhause schimpfen und meckern, drohen und bestrafen, was alles der Lehrer nicht macht, nicht machen darf, aber auch oft einfach nur nicht machen will?

Doris
2 Monate zuvor
Antwortet  Pappenheimer

„Wie sollen denn Eltern ukrainischer Schüler, die wahrscheinlich meistens kein Deutsch können, den Deutschunterricht unterstützen?“

Z.B. indem die Eltern ihre Kinder im Unterricht nicht anrufen – erst recht dann, wenn sie dazu schriftlich – in ukrainischer Übersetzung – aufgefordert wurden.

Den meisten Lehrern würde es schon reichen, wenn die Schüler einige elementare Höflichkeitsregeln beachten würden. Und ihr Unterrichtsmaterial dabei hätten.
Ich rede hier nicht von Grundschulkindern, sondern von 11 bis 17- jährigen.

Kenny
2 Monate zuvor

Guten Tag,

wir haben hier auch einige Erfahrungen mit geflüchteten ukrainischen Schülern gemacht und ich habe meine eigene Theorie zu dem Thema. Bei uns war es in einigen Klassen ähnlich, in anderen dagegen überhaupt nicht und auch in den Klassen, die ähnliche Probleme hatten, verbesserte sich die Situation schnell als die Dozierenden den Unterrichtsstil änderten. Ich glaube es handelt sich um ein interkulturelles Übersetzungsproblem. Meine Theorie ist, dass Schüler, die einen sehr leistungsorientierten, direktiven und frontalen Unterricht gewohnt sind, einen demokratisch-partizipativen Unterrichtsstil als laissez faire missinterpretieren. In dem Augenblick in dem die Dozierenden selbst leistungsorientierter und direktiver unterrichteten, konnten die Schüler auf erlernte schulische Verhaltensmuster zurückgreifen. Es bleibt natürlich ein Drahtseilakt erfolgsorientiert zu unterrichten und trotzdem demokratisch-partizipative Werte zu vermitteln.

Die gemachte Beobachtung, ukrainischen Schülern und deren Eltern fehle die Motivation deutsch zu lernen, kann ich nur eingeschränkt bis gar nicht bestätigen.
Einzig zu Beginn unseres Projektes gab es einige Schüler, die mehr oder weniger ihre Zeit absaßen und darauf angesprochen explizit äußerten: „Warum soll ich deutsch lernen? In drei Wochen bin ich ohnehin wieder zu Hause.“ Ich war nicht fähig ihnen diese Illusion zu nehmen und als die Jugendlichen auch „emotional angekommen“ waren, waren allesamt sehr motiviert.

Marcus
2 Monate zuvor
Antwortet  Kenny

Vielen Dank für diesen differenzierten Beitrag. Hinzufügen, würde ich gerne unbedingt den Blickwinkel der emotionalen Lage von Lernenden.

Mensch mit Fluchtgeschichten sei es aus Syrien, einem afrikanischen Staat oder eben der Ukraine, haben, und hier insbesondere die Kinder, traumatische Erfahrungen gemacht. Neben, dem sicher vorhandenen, interkulturellen Übersetzungsproblem, darf diese Traumatisierung nicht ausser acht gelassen werden.

Natürlich geht jeder Mensch sehr individuell mit solchen Belastungen um, allerdings sollten PTBS definitiv mehr Aufmerksamkeit bekommen UND die eingesetzten Lehrenden mehr Unterstützung, sei es durch spezielle Fortbildungen, Sozialpädagog*innen/ Sozialarbeiter*innen oder Therapeuten. Auch wenn diese Fachkräfte rar sind, muss sich hier etwas bewegen und zwar frühzeitig!

Carsten60
2 Monate zuvor
Antwortet  Kenny

„als laissez faire missinterpretieren“
Das könnte auch auf deutsche Kinder zutreffen.

Alex
2 Monate zuvor

Typisch deutsches Problem. Lehrer haben keine Ahnung was außerhalb Ihres Weltbildes passiert und projektieren Ihre Vorstellungen an andere.

1) Die meisten Schulen in der Ukraine haben 4 Stunden pro Woche Englisch, nur die Schulen die einen Sprachgymnasium ähnlich sind haben mehr(12-18). Die 1 Klasse in der Ukraine ist den Vorschulklassen in der deutschen Kindergärten sehr ähnlich, es gibt auch eine „echte“ 1 Klasse die ist aber nicht so beliebt.

2) Die meisten Flüchtlinge aus der Ukraine haben nicht vor in Deutschland(und EU generell) zur bleiben. Außerdem hat deutsch keine Bedeutung außerhalb von DACH. Deshalb besteht auch kaum Interesse deutsch zur lernen. Flüchtlinge die aus Syrien(und co) kommen haben vor zur bleiben und sind deshalb etwas mehr motiviert.

3) Kinder sind auch parallel in der Ukrainischen schule (remote), mit Schulaufgaben, Hausaufgaben und alles dazu gehört. Die Kinder müssen quasi zwei Schulen besuchen, weil keine der beiden die andere anerkennt. Kinder die 15-16 sind müssen sich auf Prüfungen vorbereiten die den Abiturprüfungen ähnlich sind. Ohne diese haben die Kinder keine Möglichkeit eine Ukrainische Universität zur besuchen.

TaMu
2 Monate zuvor
Antwortet  Alex

Ach so, ja ne, dann ist klar, warum sie in Doris ‚ Unterricht telefonieren und den Kopf auf den Tisch legen. Mach ich auch immer so auf Seminaren und Weiterbildungen, wenn diese lediglich angeordnet sind, wie Erste Hilfe am Kind. Ich meine, wann passiert schon wirklich was … außerdem habe ich gar nicht vor, mit Kindern in eine Gefahrensituation zu kommen… hi Mum, schön dass du anrufst, ist grad eh nichts Wichtiges los… ja bitte, für mich auch einmal Spaghetti Bolognese heute Abend … grüner Salat dazu? … hmm geht Gurke auch… leecckkaaa, danke Mum … schon ne Idee am Wochenende…?
Würde ich glatt auch in irgend einem Gastland so durchziehen, das für mich sorgt, während zu Hause die Hölle los ist…

Hans
1 Monat zuvor
Antwortet  Alex

Ich habe auch in Zeitungen gelesen, dass alle ukrainischen Kinder per Internet regelmäßig am Unterricht in der Ukraine teilnehmen und dort die Abschlüsse machen sollten.
Man geht davon aus dass der Auslandsaufenthalt von kurzer Dauer sein wird.
Es wäre vorteilhaft, wenn man das in Deutschland bei Schülern, die ukrainische Schulabschlüsse per Internet machen, berücksichtigen würde.
Entweder Freistellung vom Unterricht in Deutschland oder nur Deutschunterricht 1 – 2 x in der Woche für diese Schüler.

Man kann es auch umgekehrt machen. Die Kinder gehen in die deutsche Schule.
Per Internet belegen sie die ukrainische Sprache, Geschichte und Geografie.
Deutsche Abschlüsse werden in der Ukraine anerkannt, was vielleicht noch zwischen
Ministerien beider Länder vereinbart werden muss.
Die zweite Lösung könnte sowohl für die Kinder als auch Ukraine vorteilhafter sein.
Die Kinder werden u.a. perfekt deutsch und englisch sprechen.

Erzieherin
2 Monate zuvor

Vielleicht haben wir einfach Glück, dass wir keine Extraklassen haben. Für unsere ukrainischen Kinder wurde der schon oft genannte „zusätzliche Stuhl“ in den Raum gestellt. Diese Kinder (Grundschule) sind einfach Kinder und ihre Eltern sind einfach Eltern. Viele der Erwachsenen nehmen selbst an Deutschkursen teil, was sicherlich auch einen Unterschied ausmacht.
Verglichen mit einigen Schilderungen hier fühle ich mich gerade ein wenig wie im Wattewölkchenland. 😉

Hartmut
2 Monate zuvor

Warum müssen die ukrainischen Kinder unbedingt Deutsch lernen wenn sie keine Lust haben.Man sollte sich lieber mehr Zeit für deutsche Kinder nehmen.Da ist genug nachzuholen!

Christin
1 Monat zuvor
Antwortet  Hartmut

Achso, und wenn die Deutschen auch keine Lust haben?
Wer in Deutschland lebt, sollte Deutsch können. Meine Kinder können sehr gut Deutsch.

Colin
2 Monate zuvor

Also ich bin noch Schüler und wir haben auch an unserer Schule ukrainische Kinder und Jugendliche. Wir haben im Gesellschaftswissenschaftlichen Profil im Rahmen eines Projektes zum Ukraine Krieg sind wir in eine Klasse Ukrainischer Schüler gegangen und haben uns erkundigt was sie sich wünschen und die Kinder haben gesagt, dass sie gerne mehr Kontakt mit uns deutschen Schülern haben wollen, aber hätten wir nicht von einer anderen Gruppe erfahren, dass die Lehrerin sehr gut Deutsch spricht hätten wir es auch nicht getan . Was ich währenddessen gesehen habe ist, dass sie weiterhin damit beschäftigt sind Deutsch zu lernen und da war gar nichts von fehlendem Respekt der Lehrerin gegenüber zu spüren. Die Schüler haben einfach ihre Aufgaben weiter bearbeitet und haben halt auf die Frage geantwortet die die Lehrerin gestellt hat.
Mfg Colin

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Colin

Danke, lieber Colin!
Hier urteilen lauter Erwachsene über junge Menschen, ohne überhaupt mit ihnen gesprochen zu haben.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  DerechteNorden

DAS stimmt nicht!

Wie viele ukrainische Schülerinnen und Schüler sind bei Ihnen?

Wir haben zig Schülys an der Schule – alle sind – wen erstaunt es? – individuell.

Drei bei mir unterhalten sich auch ständig lauthals miteinander, spielen Memory oder sonst was. Lernen – nein danke!

Lernmaterialien behalte ich in der Schule, weil die sonst zu Hause „vergessen“ werden.

Eine Schülerin bei mir (andere Klassenstufe) lernt sehr emsig die deutsche Sprache. Sie bekommt Wochenpläne und geht damit recht gut um. Sie nimmt das Angebot an. (Thema hatten wir oben schon mal ;))

Höhere Klassenstufe – ein Schüler. Ihm bleibt nichts anderes übrig, als Deutsch u lernen, da er niemanden hat, mit dem er quatschen kann. Also lernt er – nach fast neun Monaten.

So unterschiedlich ist das – auch von Fach zu Fach. Was ja auch selbstverständlich ist.

Deswegen brauchen wir einfach Unterstützung – Dolmetscher, vernünftiges Lernmaterial.

Detlef
2 Monate zuvor
Antwortet  Colin

Einer der wenigen qualifizierten Beiträge, wo sich nicht nur aus Verbitterung an Ukrainerin ausgelassen wird…

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  Detlef

Ich glaube tief und fest, dass es keine Verbitterung, sondern Verzweiflung ist.

Ich glaube auch ganz tief und fest, dass es mit den Ukrainern nur deshalb in Verbindung gebracht wird, weil diese Kids noch „oben auf“ gekommen sind und jegliche Verantwortung seitens der Glorreichen 16 nicht vorhanden ist.

Heinz
2 Monate zuvor
Antwortet  Colin

Vielen Dank für diesen Beitrag lieber Colin!

potschemutschka
2 Monate zuvor

„Mein“ ukrainischer 9Klässler:
bis zum Sommer Willkommensklasse, jetzt Regelklasse + 2 Wochenstunden DaZ, wird außer in D in allen Fächern benotet, 2 Wochenstunden zusätzlich und freiwillig D bei mir, „nebenbei“ bereitet er sich online auf die ukrainischen Prüfungen vor.
Die ukrainischen Prüfungen nach der 9. Klasse berechtigen zum Besuch einer Berufsschule, nach 11 Schuljahren erreicht man die Hochschulreife. In der Ukraine hätte er letzteres angestrebt und wahrscheinlich auch geschafft. Jetzt will er so schnell wie möglich einen Beruf lernen, um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Sollten sie länger in D bleiben, wird er hier die 10. Klasse beenden und dann? Der arme Junge ist ziemlich belastet und trotzdem fleißig und höflich. Über den Unterricht in der Regelklasse redet er kaum, das Klima in der Klasse scheint ihm aber nicht sehr zu gefallen (Problemschule). Er will so schnell wie möglich zurück.

Riesenzwerg
1 Monat zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich verstehe die roten Daumen nicht.

potschemutschka
1 Monat zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

Ich auch nicht. 🙂

Neugierig Studentin
2 Monate zuvor

Seit fast eine Dekade (eigentlich sogar mehr) kommen die Kinder, die aus Syrien und Afghanistan stammen. Sie mussten Deutsch lernen und wurden fast immer (vom System/Politik) defizitär wahrgenommen. Die seien wohl nicht fähig, Deutsch zu lernen und gute Leistungen zu bringen! Jetzt die ukrainische Kinder sind unhöflich, weil sie sich als zu intelligent nehmen!
Wie kann das sein, dass es NUR IMMER an Kinder liegt, dass die geflüchtete Kinder meistens schlecht in Schule abschneiden? Wie lange müssen auch die Lehrkräfte noch weiterhin alleine die großen und diversen Klassen bewerkstelligen?
Wie kann das sein, dass die mitgebrachten Ressourcen von geflüchteten Kindern, ihre Sprache immer null Anerkennung in schulischen Habitus erhält? Man baut die Mathe Kenntnisse wohl auch immer darauf, was für Vorkenntnisse man mitbringt, oder? Sprache aber doch nicht! Alle andere Sprachen müssen draußen bleiben!
Wie lange werden wir die psychischen Päckchen der geflüchteten Kinder noch weiterhin ohne Unterstützung nur so sacken lassen?
Wie können plurilingualismus und Mehrsprachigkeit noch weiterhin zu deutschen Schulsystem größten Teils unbekannt bleiben?

Last edited 2 Monate zuvor by Neugierig Studentin
TaMu
2 Monate zuvor

Ich bin davon überzeugt, dass es für geflüchtete Kinder extrem schwer ist, den Bildungsanforderungen gerecht zu werden, die an sie gestellt werden, während sie unter kaum erträglichen Umständen leiden.
Was mich jedoch wundert und wo ich auch nachgefragt habe, was die Gründe sein könnten, ist respektloses Verhalten in Doris‘ Unterricht wie Telefonieren. Das geht wirklich gar nirgends.

Heinz
1 Monat zuvor
Antwortet  TaMu

Das geht nur deshalb überall nicht, weil man es sich nicht gefallen lässt. Wenn ich nen paar Wochen alles einfach laufen lassen würde, dann würden einige Kinder bei mir auch telefonieren oder rauchen oder sonst etwas machen.

Wenn die Kinder der Meinung sind, sie müssten dies machen, dann hätte ich danach ihr Handy und bei Wiederholung würden halt Konsequenzen folgen. Als wenn unsere Kinder dies nicht auch machen würden, wenn man sie machen lassen würde.

Robert
1 Monat zuvor

Die Eltern müssten bei diesen Problemen mit einbezogen werden und es muss klar gemacht werden das sich Kriegsflüchlinge und auch deren Kinder sich in das gesellschaftliche Leben einfügen müssen. Ein gegeneinander kann nicht akzeptiert werden. Wenn das nicht akzeptiert wird, können sie gerne sofort zurück in ihre Heimat.