„Unmotiviert, respektlos“: Sonderklassen für ukrainische Schüler überfordern Lehrer

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MÜNCHEN. Mehr als 29.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine besuchen derzeit bayerische Schulen. Von den Älteren lernen die meisten zunächst in «Brückenklassen» Deutsch. Dafür brauche es mehr Personal, finden deren Lehrkräfte – vor allem Profis aus anderen Bereichen. Von Integration kann bislang keine Rede sein.

Die Arbeit mit sogenannten Brückenklassen ist anstrengend. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Die Brückenklassen für ukrainische Schülerinnen und Schüler sind nach Einschätzung von Lehrkräften durchaus ein gutes Modell – doch mangelt es an den nötigen Mitteln. «Wir sind Experten in unseren Fächern. Im Regelfall sind wir aber keine Dolmetscher für Ukrainisch oder Russisch, wir sind auch keine Traumaexperten, und unser Zeitkontingent gewährt es auch nicht, psychosoziale Unterstützung im Einzelfall zu leisten», sagte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, am Donnerstag in München. «Wir brauchen zusätzliches Personal zum Organisieren, Verwalten, Auffangen, Betreuen, Begleiten.»

Die Kinder benötigten mehr therapeutische oder sozialpädagogische Unterstützung in ihrer Muttersprache, ergänzte Dorothee Missy, die am Gymnasium im oberbayerischen Mering Lehrerin einer Brückenklasse ist. Außerdem werde Geld für Dolmetscher etwa für Elternabende benötigt. «Und ganz, ganz wichtig: Wir brauchen kleine Brückenklassen», betonte Missy. Klassen mit mehr als 15 Kindern seien nicht zielführend.

«Wir haben eine große Heterogenität mit Blick auf Leistungsstand, Motivation und Leistungsbereitschaft»

Tatsächlich aber sitzen in mehr als einem Drittel (37 Prozent) der Brückenklassen mindestens 16 Schülerinnen und Schüler. Bei 41 weiteren Prozent sind es 11 bis 15, wie eine Umfrage des Philologenverbands unter mehr als 3200 Lehrkräften an Gymnasien und Beruflichen Oberschulen ergeben hatte.

«Die Brückenklassen sind keine normalen Deutschlernklassen», betonte Missy. Mangelnde Motivation, Abgrenzung, Aggression, Respektlosigkeit, Regelbrüche und andere Disziplinprobleme als Reaktion auf die Belastungssituation seien gerade bei den Jüngeren alltäglich. «Außerdem haben wir eine große Heterogenität mit Blick auf Leistungsstand, Motivation und Leistungsbereitschaft.»

Die Geflüchteten bleiben auch nach Monaten noch oft unter sich: Mehr als die Hälfte der Lehrenden (54 Prozent) bewertet die Integration der ukrainischen Kinder und Jugendlichen in die jeweilige Schule als eher schlecht, 22 Prozent gar als eindeutig schlecht. Hinzu kommt, dass vier Fünftel der Geflüchteten zumindest teilweise auch am ukrainischen Onlineunterricht teilnehmen – der von den Kindern ebenfalls seinen Tribut fordert.

«Wir gehen davon aus und halten es auch für sinnvoll, die Brückenklassen im nächsten Jahr fortzusetzen»

In den eigens eingerichteten Brückenklassen bekommen die ukrainischen Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis neun neben Mathe- und Englischunterricht vor allem intensiven Deutschunterricht. Das Ziel ist, am Regelunterricht teilnehmen zu können. Dass dies wie geplant zum Ende des Schuljahres im großen Stil passieren kann, sieht Schwägerl jedoch nicht. Er rechne damit, dass nur eine niedrige einstelle Prozentzahl im Herbst ins bayerische Regelschulsystem wechseln wird. «Wir gehen davon aus und halten es auch für sinnvoll, die Brückenklassen im nächsten Jahr fortzusetzen.»

Zumindest für einige Jugendliche könnte daher eine Initiative aus München zur Alternative werden: Mehr als 50 junge Geflüchtete können an der «SchlaU»-Schule ein ukrainisches Abschlussdiplom erlangen. Die Schule habe die Schülerinnen und Schüler im vergangenen Monat beim ukrainischen Kultusministerium für einen Abschluss im Sommer 2023 angemeldet, teilte der Gründer und Vorstand der Münchner Ergänzungsschule, Michael Stenger, mit. Der Unterricht folge einem speziellen Lehrplan, der die Anforderungen des ukrainischen Kultusministeriums erfülle. Darüber hinaus gibt es auch Deutschunterricht, damit den Jugendlichen auch hierzulande eine Zukunft offen steht. News4teachers / mit Material der dpa

Flüchtlingskinder: Besuch einer „Willkommensklasse“ führt zu deutlich schlechteren Leistungen als die sofortige Integration

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54 Kommentare
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447
13 Tage zuvor

Zunächst: Ich erlebe ukrainische Kinder (also echte) ganz, ganz anders. Nämlich extrem positiv.

Ansonsten: Wie ich vor Monaten schon schrieb: Die haben ganz schnell raus, wie es in den Schulen wirklich läuft.

Und da es keinerlei echte Konsequenzen in unserem Schulsystem gibt, drehen die schwarzen Schafe unter denen natürlich voll auf 120% auf.

Wer mal (bei allen anderen schwerwiegenden Problemen!) die Disziplin in slawischen Schulen gesehen hat – der wundert sich kaum, dass es bei einem Teil jetzt so kommt.

Nicht „die“ sind „die Bösen“, unser Schulsystem ist in manchen Hinsichten schlicht unnormal und völlig realitätsfremd. Und das wird sich auch nicht ändern.

Georg
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Geliefert wie bestellt. Gerade beim aktuellen demographischen Wandel wären drölf Schritte zurück viel sinnvoller als immer mehr Laissez Faire.

Ralph
12 Tage zuvor
Antwortet  Georg

Der Traum von der schwarzen Pädagogik Mal wieder. Immer rückwärts, nur nicht vorwärts. Wenn man das hier so alles liest, bekommt man ein gutes Bild davon, wie fortschrittlich manche der deutschen Lehrer sind.

Indra Rupp
12 Tage zuvor
Antwortet  Ralph

Hey, ich habe mir „Eingeschlossene Gesellschaft“ auf DVD geholt 🙂 .
Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, solche Lehrer gibt es nicht, denn ich kenne nur fortschrittliche, professionelle Lehrer (meine Waldorf Erfahrung lasse ich mal außen vor), die ihren Job gut machen und nicht solche Klischeetypen. Aber jetzt weiß ich : Die Filmemacher haben zuvor im Forum von N4T gelesen!!! Selbst bestimmte Ausdrücke, wie „Küchenpsychologie“, ect tauchen dort auf,genau wie hier. Hier gibt es Frau Lohmanns, Frau Schusters, Herr Arndts und der Georg, der ist so ein Herr Engelhardt – aber nicht nur er! 😉 Und wie die miteinander reden… genau wie wir. Ich glaube, die haben einfach von uns abgeschrieben!

Pit2020
10 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

@Indra Rupp

Den Film „Eingeschlossene Gesellschaft“ kenne ich zwar nicht, aber ich habe den Film „Frau Müller muss weg!“ seinerzeit im Kino mit einigen Kollegen gesehen und wir haben uns gut amüsiert.
Der von Ihnen genannte Film ist ja ebenfalls von Sönke Wortmann und wird wohl als Art Fortsetzung bezeichnet.
Also Komödie …

Ich will unser Vergnügen auch gar nicht schmälern, aber ist Ihr Post jetzt auch als Komödie gemeint?
Ich frage nur für einen Freund 😉 und weil ich über Ihre Aussage zum Begriff „Küchenpsychologie“ gestolpert bin, denn das fand ich schon ganz witzig in der Gesamtschau Ihres Gedankens (Ja, ich habe mir das echt bildlich vorgestellt!):
„Aber jetzt weiß ich : Die Filmemacher haben zuvor im Forum von N4T gelesen!!! Selbst bestimmte Ausdrücke, wie „Küchenpsychologie“, ect tauchen dort auf,genau wie hier. Hier gibt es Frau Lohmanns, Frau Schusters, Herr Arndts und der Georg, der ist so ein Herr Engelhardt – aber nicht nur er! 😉 Und wie die miteinander reden… genau wie wir. Ich glaube, die haben einfach von uns abgeschrieben!“

Aber jetzt wissen wir 😉 …:
„Das weiß schließlich jeder!Der Begriff ist vermutlich abgeleitet vom „Küchenlatein“, latinitas culinaria, einem Begriff aus dem Mittelalter. Er diente den an der Literatur der klassischen Antike geschulten Gelehrten als Spott über das Latein der einfachen Mönche. … Doch anders als das Studienfach Psychologie an den Universitäten kennt die Küchenpsychologie keine Zugangsbeschränkung. Sie kommt ohne Hintergrundwissen und ohne erkenntnisleitende Methodik aus. …“
https://www.psychologie-heute.de/gesellschaft/artikel-detailansicht/39375-mythen-der-kuechenpsychologie.html
Mittelalter … Oh oh! … Da müssen „die Filmemacher“ aber ganz schön alt sein … 🙂

Drum jauchzet und frohlocket: Im verlinkten Artikel ist natürlich auch von Lehrern die Redeaber auch von Handwerkern (Vielleicht ist das aber nur exemplarisch? Hoffentlich ist der Autor kein Handwerker-Hasser?! 😉 ), ja – sogar von Eltern wird geredet:
„… Das Beharrungsvermögen falscher KonzepteDas Festhalten an falschen Konzepten kann dabei nachhaltige Schäden anrichten. Hans-Peter Nolting: „In der Erziehung sind viele Eltern sehr unsicher, und wohl deswegen sind Bücher mit extrem einfachen Rezepten so erfolgreich, etwa Lob der Disziplin von Bernhard Bueb oder Die Mutter des Erfolgs von Amy Chua, der sogenannten Tiger-Mom. Die sind weit entfernt von wissenschaftlichen Erkenntnissen über gelingende Erziehung. Wenn Menschen diesen Rezepten folgen, kann das ihren Kindern schaden. Aus vielen Forschungen wissen wir: Kinder brauchen Orientierung, aber sie brauchen auch Einfühlung und emotionale Resonanz – und nicht einfach nur Strenge und Lenkung.“ …“
… Herr Nolte spricht von „Menschen“ … wen genau könnte er damit meinen? Etwa alle Menschen? Also dann würde es keine Unterteilung geben nach Berufsgruppen oder sonstigen Merkmalen? BOAH, voll verrückte These, oder?

Ach ja:
„Auf einfache Antworten verzichten …“ klingt auch interessant, ebenso wie „Die Quellen psychologischer Mythen …“ (Kasten ganz unten.)…
Aber warum ist in dem Artikel immer von „wir“ die Rede?
Wir 😉 müssen da womöglich noch einmal in Ruhe sinnieren …

Mir gefällt an diesem Artikel besonders, dass er auf einfache Antworten verzichtet 😉 und dass für jeden etwas dabei ist. 🙂

Indra Rupp
10 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

Frau Müller kenn ich auch, Pit, und ich meine das toternst!!! Sönke Wortman hat bei uns abgeschrieben!

Indra Rupp
10 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

… und der macht damit auch noch Geld. Das geht doch nicht, oder?

Streamer01
8 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Der Film ist Mist – zumindest weiß ich jetzt, dass Sie die Grünen wählen, denn der Film ist ja quasi ein Werbevideo von denen.

Indra Rupp
8 Tage zuvor
Antwortet  Streamer01

Voll subjektiv, Streamer 01! Sowohl bei „Frau Müller muss weg“ als auch bei „Eingeschlossene Gesellschaft“ werden Menschen mit unterschiedlichen Positionen dargestellt – unparteiisch! Die Wahrheit am Ende bleibt offen. Und durch den Kakao gezogen werden ALLE! Bei „FackjuGöhte“ wird sogar niemand WENIGER verar***t als die Lehrer! Im Gegenteil, es wird deutlich, wie fordernd der Job ist und auch die dafür notwendige, aber unterlassene Hilfeleistung vom Staat. Brauchen Sie Filme über Schule mit Lehrern als unfehlbare Rechthaber und Familien als gedemütigte Deppen? Damit, dass ich grün wähle, haben Sie allerdings Recht, inwiefern sich das anhand des Filmes erkennen lässt, erschließt sich mir nicht. Schauen Sie sich den Film noch einmal an und vergleichen unsere Diskussionen hier über Erziehung, Autorität, Klassensystem, Gender,… mit der Konversation unter den Lehrkräften im Film. Das ist identisch!

Indra Rupp
8 Tage zuvor
Antwortet  Streamer01

Man muss dafür natürlich genau hingucken und sich nicht vom ersten Eindruck blenden lassen!
Elisabeth ( Caroline Herfurth) wird in FackjuGöhte zwar nicht geschätzt und wird auch unterschätzt, hat aber am Ende mit allem Recht, dazu ein 1,0 Staatsexamen und ist die liebenswerteste Person im Film. Herr Müller kann den Job nicht, weil „jeder Lehrer kann“, sondern nur weil er sich Dinge erlaubt, die Lehrer garnicht dürfen. Sein Vorteil ist, dass er die Schüler besser versteht, weil er selber aus problematischen Verhältnissen kommt. – Das in Verbindung mit der Kompetenz und Empathie von Elisabeth bringt den Erfolg und das er durch sie mit der Zeit netter wird und sich eingesteht, als Unausgebildeter keine Kompetenz zu haben, so dass die Schüler selbständig aktiv werden.
Das es unrealistisch ist, dass dies alleine reicht um am Ende ein Abi zu schaffen, muss der Kunst nachgesehen werden. Ist bei Polizei/Krankenhausserien ect auch nicht anders.
Also, seit da nicht so empfindlich, Leute. Diese Fime greifen einiges hier auf, was wir hier im Forum diskutieren und tragen es in die Öffentlichkeit

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Ralph

Die Ergebnisse der „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ – Fraktion können Sie ja dagegen (sofern Lehrkraft) im obigen Artikel oder dem Schulalltag genüsslich erleben.

Monika, BY
11 Tage zuvor
Antwortet  Ralph

Ja, am besten sich an einer zurückgezogenen Insel einnisten und von oben herab die Welt betrachten. Oder?

Schattenläufer
11 Tage zuvor
Antwortet  Ralph

Keine schwarze Pädagogik.

Das zu unterstellen ist einfach Polemik.

Es ist eine Tatsache die jedem mit Menschenverstand klar sein müsste.
Der Mensch ist nicht so, dass jeder bereitwillig aus intrinsischer Motivation Dinge tut die unangenehm aber nötig sind (z.B. Unterrichtsteilnahme, Mitarbeiten, üben & lernen). Speziell dann nicht, wenn ein verlockendes Angebot an Alternativen zur Verfügung steht und schon zwei mal nicht wenn man ein Jugendlicher in der Pubertät ist.

SuS die dem Unterricht in angemessener Weise freiwillig folgen, machen etwa 20% aus. Weitere 50% versuchen dies, haben aber zeitweilig Ausfälle. Die letzten 30% haben nur wenig Eigenmotivation und versuchen bewusst die Grenzen der Unterrichts-Verweigerung aus zu testen.

Es ist also nötig die 20% zu ermutigen. Geht!
Es ist erforderlich die 50% zu motivieren. Geht mit Mühe.
Es ist erforderlich den unwilligen 30% Grenzen zu setzen.

Da beginnt das Problem. Grenzen ohne Konsequenzen bei Überschreiten der Grenzen sind absolut sinnlos.

potschemutschka
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Lehrer in der Ukraine (Und vielen anderen Ländern )werden zwar schlechter bezahlt als deutsche Lehrer, werden aber mehr respektiert und wertgeschätzt (von Schülern, Eltern und der gesamten Gesellschaft). Die Kinder/Jugendichen sind doch nicht dumm.Die bekommen sehr schnell mit, dass hier vieles viel „lockerer“ läuft. Warum sollten sie sich anders verhalten, als der Rest der Schüler. Es ist doch normal, dass keiner Außenseiter sein will. „When you are in Rome, do as the Romans do.“ (Ich weiß leider nicht, wer das gesagt hat, aber dieses Zitat trifft es m. M. n. genau).
Meine persönliche Erfahrung: Im Moment helfe ich ehrenamtlich 2 ukrainischen Jugendlichen beim D-Lernen. Beide sind sehr lernwillig und respektvoll (mir gegenüber), ihre Meinung zur Schule (9.Klasse, Regelunterricht, Problemschule) – höflich ausgedrückt von beiden: „naja, muss ja!! Die zusätzlichen DaZ-Stunden: „Langweilig, immer das selbe“. Sagen sie zwar nicht direkt, aber zwischen den Zeilen merkt man es.
Da ich mir nach meinem Ruhestand geschworen habe, nicht mehr in Schule zu arbeiten, betreue ich sie außerhalb. Zur Vorbereitung auf diese ehrenamtliche Tätigkeit, habe ich mir bei einigen Schulbuchverlagen Materialien für DaZ angesehen. Meine Meinung: für ältere Schüler , v. a. gut gebildete Migranten nicht geeignet (wirklich langweilig).
Übrigens beide werden in allen Fächern (außer in D) behandelt und bewertet wie deutsche Kinder, obwohl sie erst wenige Monate in D sind und vorher kein D gelernt haben. Beide sprechen ukrainisch, russisch und gut englisch und haben ein gutes Allgemeinwissen. Wie schon gesagt, sie sind beide sehr lernwillig und interessiert auch an Deutschland. Wir kommunizieren in einem lustigen Mischmasch aus Deutsch/Riússisch/Englisch (ukrainisch kann ich leider nicht). Sie kommen gern zu diesen 2 Stunden pro Woche zusätzlich, obwohl sie schon 2 Stunden DaZ zusätzlich zum „normalen“ Unterricht haben und außerdem noch online ihren ukrainischen Unterricht absolvieren.
Fazit: Auch bei den ukrainischen Kindern gibt es solche und auch solche. Aber unser Schulsystem wird weder den einen noch den anderen gerecht (und das gilt für alle Kinder – nicht nur für ukrainische)

447
12 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ich wiederhole: *Ich* erlebe ukrainische Kinder sehr positiv.

Witzig ist, das ich in einem längeren Kommentar vor Wochen schon mehr oder weniger genau das vorhergesagt habe, was oben im Artikel beschrieben wird.

Hoffnung
11 Tage zuvor
Antwortet  447

Ich auch!
Freundlich, bemüht und fleißig. Sie lernen sehr schnell.

Carsten60
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Neu ist das auch nicht. Ein kleines Zitat:
„Die … Intensivkursschüler in Frankfurt zeigten jedoch sehr bald gravierende Verhaltensänderungen. Nachdem sie einige Wochen den angstfreien Einflüssen des deutschen Schulsystems und seiner konsequenzenlosen Pädagogik ausgesetzt waren und täglich im Pausenhof erlebten, was andere alles aushecken konnten, ohne je bestraft zu werden, verloren sie den Respekt vor den Lehrern und begannen aggressive Rangordnungskämpfe untereinander und teilweise auch mit Lehrern.“
Quelle: Ingrid Freimuth, Lehrer über dem Limit, Europa-Verlag 2018, S. 47.
Das Wort „konsequenzenlose Pädagogik“ sollte mal näher diskutiert werden. Es klingt ja auch bei 447 oben an. Wie soll da die „sozialpädagogische Unterstützung“ konkret aussehen? Ist die dann auch konsequenzenlos?

nurmalso
12 Tage zuvor
Antwortet  447

Kann ich alles auch nur bestätigen.
Syrische und iranische SuS im DaZ-Unterricht haben mit den Ohren geschlackert, wie schnell man Deutsch lernen kann, wenn man denn nur will. Einige der ukrainischen Schüler*innen mussten regelrecht gebremst werden, damit sie noch ein bisschen Freizeit haben.
Auch aus dem Regelunterricht gab es positive Rückmeldungen, in Mathe und Englisch waren sie den einheimischen SuS oft weit voraus.
Okay, das andere Extrem hatten wir auch, allerdings vorwiegend SuS eines Kinderheims, die mit unserem großen System nicht zurecht kamen. Und die natürlich zuerst die „Schlupflöcher“ sahen.
Eine ukrainische Kollegin, die uns an einem Tag in der Woche unterstützte, war glaube ich, auch etwas , sagen wir mal „verwundert“ über das laissez faire an unserer Schule.

Pälzer
11 Tage zuvor
Antwortet  nurmalso

Franzosen auch. Konsequenz bei uns: nur 1-2 Tage sind die franz. Austauschschüler in dt. Schulklassen dabei.

Carsten60
11 Tage zuvor
Antwortet  nurmalso

Ketzerischer Gedanke: Wenn wir das von der ukrainischen Kollegin bemerkte „laissez faire“ nun ersetzen würden durch eine Disziplin- und Leistungsorientierung (aber ohne Rohrstock), könnte es sein, dass sich die Testergebnisse bessern würden und Deutschland im internationalen Konzert wieder weiter vorne mitspielen könnte?

447
11 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

Könnte, aber darf es nicht. Denn wenn ein Dominostein fällt, könnten noch mehr fallen.

Orionus
11 Tage zuvor
Antwortet  nurmalso

Also bei mir ist und war es genau andersrum. Die syrischen Kinder haben toll deutsch gelernt und waren eher fleißig. Die ukrainischen, naja nach einem dreiviertel Jahr können die meisten noch kaum Deutsch und dementsprechend motiviert sind sie im Unterricht. Viele denken (Aussage der Eltern der Kinder), dass sie ja eh wieder zurückkehren und daher hier auch nichts machen müssen, auch wenn sie wollen ihnen was anderes sagen.
Wir immer, man kann nicht verallgemeinern.

Ron
12 Tage zuvor

Die beschriebenen Probleme mit einem Teil der ukrainischen Kinder zeigen wie im Brennglas lang erarbeitete Defizite unseres Bildungssystems, das keine ernsthaften Konsequenzen mehr für Regelverstöße kennt. Gerade Kinder aus deutlich autoritäreren Kulturen interpretieren dies als Schwäche des Systems, was es in gewisser Weise auch ist. Also weitermachen – es ist alles so wie bestellt. Die einen stören in der Schule, die anderen kleben sich fest oder provozieren durch Symbolpolitik.

Carsten60
12 Tage zuvor
Antwortet  Ron

Und was empfiehlt man uns zur Abhilfe? Mehr Förderangebote, Mehr Psychologen, mehr Sozialpädagogen. und wo bleibt der Nachweis der Wirkung?

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Carsten60

„Nachweise“, „Ursache-Wirkung“… das sind doch alles eurozentristische Konstrukte alter weisser cis-Männer! 🙂

Gelbe Tulpe
12 Tage zuvor

Da die ukrainischen Schüler eh Online-Unterricht mit ukrainischen Lehrern bekommen, ist ein zusätzlicher Unterricht in deutschen Schulen überflüssig und wird von den meisten wohl als reine Schikane empfunden werden.

potschemutschka
12 Tage zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Wie viele ukrainische Kinder/Jugendliche kennen Sie persönlich, um zu wissen, dass die meisten den Unterrcht hier als Schikane empfinden?

potschemutschka
12 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ein roter Daumen als Antwort sagt mehr als 1000 Worte.

Lakon
11 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

… bei denen, die keine Texte von mehr als 10 Wörtern verstehen.

Riesenzwerg
12 Tage zuvor

Nun ja, seit 2015 hat da wer nichts dazu gelernt.

Nun ja, seit 02/22 hat da wer (16 an der Zahl) keine/kaum Untersützung gegeben.

Wir stehen mehr oder noch mehr in einer Verantwortung, die keiner der 16 auch nur ansatzweise zu übernehmen gedenkt.

Bei unseren Ukrainern sind Lern- und Sozialverhalten sehr unterschiedlich – faul (traumatisiert) und überwiegend nett und respektvoll, aber faul (hatte ich schon erwähnt).

Sie gehen immer noch davon aus, dass sie über eher kurz als lang in ihre Heimat zurückkehren. U.a. deswegen tun sie sich mit dem Erlernen der Sprache sehr schwer.

Monika, BY
9 Tage zuvor
Antwortet  Riesenzwerg

„Bei unseren Ukrainern sind Lern- und Sozialverhalten sehr unterschiedlich „
 
Genau wie bei jeder Menschengruppe, ganz unabhängig aus welchem Land dieser Erde sie kommen. Menschliches Verhalten beeinflusst so viele Faktoren um sie bloß an der Farbe des Flagges zu begrenzen.
 
Dann natürlich kommt es zu Verwirrungen, wenn man Menschen zwingend in eine Schublade reinpressen möchte – hier mit Etikette Ukrainer.

Schattenläufer
12 Tage zuvor

Unsere Politik hat sich eben ein völlig utopisches Menschenbild der SuS gebastelt.

Lauter nette und wohlerzogene junge Menschen die in ihrem Leben nichts anderes wollen als sich zu bilden.
Das erklärt auch viele unserer Reformen.

Fehlende Motivation existiert nicht. Dann ist höchstens der LuL nicht engagiert genug.

In der Einheitsschule ist jeder schwache SuS glücklich, dass er neben einem guten SuS sitzen darf. Das er da nur 5er abräumt und sein Nachbar mit den sehr gut heim geht, spielt da keine Rolle. Immer noch besser als mit 2er-Noten in einer Schule zu sitzen die ihn differenziert und so abwertet. Die guten Leistungen kommen durch dieses Glück dann von alleine.

SuS ohne Sprachkenntnisse lernen nur durch zuhören alles was sie brauchen, wenn man ihnen einen Stuhl dabei stellt.

Böswillige SuS gibt es nicht. Ein paar gute Worte und die werden zu anderen Menschen. Das liegt nur an der Qualifikation der LuL.

Das klappt schon bei SuS die in unserem System groß geworden sind nur bei einem Bruchteil der SuS wirklich.

Jetzt kommen SuS aus Schulsystemen welche die SuS realistischer sehen als wir. Dort werden noch solch unpädagogische Dinge wie Disziplin, Leistung, Üben und Lernen praktiziert.

Was sollen diese SuS jetzt von unserem Schulsystem denken?
Sie sind verwirrt. Sie nehmen uns nicht ernst (was auch schwer ist).
Sie sind dank mangelnder Sprachkenntnisse durch den Zusatz-Stuhl frustriert.
Sie sind durch Flucht und der Angst um Verwandte belastet.
Sie probieren mal aus was bei uns so geht.

Was ist mit den Versprochenen ukrainischen Unterstützungslehrern?
Zu teuer oder sind die vor Schreck über unser Schulsystem gleich wieder weg?

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Wir haben eine. Die ist mit Mitte 20 professioneller als diverse Lehrkräfte mit 50 und macht ihren Job spitzenmässig.

Schattenläufer
11 Tage zuvor
Antwortet  447

Als ich vor 25 Jahre in dem Beruf an fing, haben mir Kollegen kurz vor der Rente berichtet, dass es mit den ersten Klassen von Gastarbeiter-Kindern ein ähnliches Problem gab.
Die SuS waren aus ihren Heimatländern ein andere Art von Schule und Lehrern gewöhnt.
Damals hat man den türkischen Konsul zu einer Schulbesichtigung eingeladen. Dabei wurden ihm die Probleme geschildert.
Er führte dann ein „intensives“ Gespräch auf türkisch, mit den türkischen SuS.
Die verblüfften deutschen LuL wurden dann staunende Zeugen einer spontanen Wunderheilung.
🙂

447
11 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Dafür habe ich ja „meine“ Nina* (Name geändert) – die erwähnte ukrainische Lehrerin. Kurzer Schwatz auf Englisch, sie ruft die Eltern an und redet irgendwas entschlossenes, was ich nicht verstehe – Problem in Rekordgeschwindigkeit gelöst. Schwarze, ja, geradezu tiefschwarze Kontrollpädagogik wirkt.

Andere können sich da gerne (Stichwort: „Geliefert wie bestellt“) rumstressen – nicht mein Problem.

Jojo
10 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

Ich bin die letzte, die das deutsche Schulsystem verteidigt, allerdings höre ich von meinen ukrainischen SchülerInnen und ihren Eltern genau das Gegenteil von dem, was hier so geschrieben wird. Sie loben überwiegend den pädagogischen Zugang zu Schülern im deutschen Schulsystem. Aus den Elterngesprächen kam sehr deutlich heraus, dass das ukrainische Schulsystem als rückständig und mangelhaft empfunden wird, die Unterrichtsversorgung nicht in allen Fächern gewährleistet wird (z.B. Englisch) und Regeln dort von den Schülern genauso wenig respektiert werden wie hier.

Unmotiviertes und respektloses Verhalten erlebe ich in meiner Klasse teilweise sehr stark, allerdings unterscheiden sich die Jugendlichen hier nicht von anderen Jugendlichen an meiner Schule.

Pit2020
10 Tage zuvor
Antwortet  Schattenläufer

@Schattenläufer

Was ist mit den Versprochenen ukrainischen Unterstützungslehrern?
Zu teuer oder sind die vor Schreck über unser Schulsystem gleich wieder weg?“

So im Großen und Ganzen bin ich nach großartigen Ankündigungen (Was sonst?!) auch bass erstaunt habe ich dazu auch keine grundlegenden Informationen, aber immerhin das hier – aus Magdeburg – gefunden, irgendwie wenig überraschend:
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/magdeburg/auslaenderbehoerde-lehrermangel-kritik-lehrkraefte-100.html
Wenn man runterscrollt, gibt es weitere Artikel, die das Bild „abrunden“ …
Man braucht schon viel Blauäugigkeit um sich einreden zu können/wollen, dass es an anderen Orten anders liefe!

Und auf dieser Seite findet sich eine bunte Mischung aus „Puzzle-Teilen“, die aber irgendwie … aus verschiedenen Puzzlen zu stammen?
Wenigstens ist im bisherigen Ergebnis die Passung miserabel, weil nix so recht zusammenpasst/sich ergänzen könnte, aber kräftig vor sich hin/gegeneinander (s.o. erster Link) gewurschtelt wird.
Allerdings unterstelle ich durchaus einzelnen (?) Aktionen/Initiatoren den guten Willen – nur wissen hier die meisten, wie lange man mit aller Energie gegen Wände anlaufen kann – trotz bester Absicht … 🙁
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/lehrermangel-schule-quereinsteiger-100.html

TaMu
12 Tage zuvor

Da kommen junge Menschen bei uns an, die letztes Jahr um diese Zeit noch keine Ahnung davon hatten, dass sich ihr Land ein Jahr später in ein Schlachtfeld verwandelt haben würde. In diesen Monaten haben sie Extremes erlebt, ihr Zuhause, Verwandte und Freunde verloren, die Väter, Opas, Brüder im Krieg, Angst vor schlimmen Nachrichten. Sie sitzen in deutschen Schulklassen, über die sie nie zuvor nachgedacht haben und sollen Deutsch lernen, dem deutschen Unterricht folgen und gleichzeitig am Ukrainischen Unterricht teilnehmen. Sie wollen nicht ausgesprochen unhöflich sein, aber bei so viel Überforderung platzt ihnen irgendwann der Kragen. Kann sich eigentlich niemand in unserer Bildungspolitik vorstellen, wie extrem belastet diese Kinder und Jugendlichen sind? Wer in den letzten 10 Monaten einen Trauerfall in der Familie hatte, ganz ohne Flucht, Vertreibung, Angst und Verlust des Zuhauses, weiß doch auch, dass „Funktionieren“ nur eingeschränkt möglich ist. Ich empfinde die Empathielosigkeit mit allen geflüchteten Kindern, die schulisch nicht gut einsteigen können, als Kindswohlgefährdung. Ich glaube, sie sind grunderschöpft und zerrissen und sie haben mein tiefstes Mitgefühl.

Doris
12 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Ich unterrichte nun seit den letzten Osterferien verschiedene Lerngruppen von ukrainischen Schülern an einem Gymnasium in einer niedersächsischen Kleinstadt. Als freiberufliche Dozentin für Deutsch als Fremdsprache werde ich von einer kleinen NGO bezahlt, mir der das Gymnasium eine Kooperation eingegangen ist, weil die eigenen DaZ- Lehrer wegen des eklatanten Lehrermangels mit ihren beiden anderen Fächern im Regelunterricht eingesetzt werden müssen, um die reguläre Unterrichtsversorgung einigermaßen gewährleisten zu können.

Ich bin nach den Osterferien mit ähnlichen Gedanken wie Sie , TaMu, und großer Empathie gegenüber den ukrakrainischen Schülern in einer Willkommensklasse von 14 Schülern zwischen 10 und 17 Jahren gestartet.

Es zeigte sich aber schnell, dass nicht nur der Altersunterschied den DaZ-Unterricht erschwerte, sondern auch der sehr große Unterschied bei Allgemeinbildung und Fremdsprachenkompetenz bei gleichaltrigen Schülern. Wie ich erfahren habe, gibt es keine nationalen Curricula, sondern jede Schule bestimmt im Wesentlichen selbst Inhalte und Schwerpunkte ihres Unterrichts. So hatte ich mehrere 12jährige, die schon gut Englisch sprachen aber noch mehr 15jährige, die nur ukrainisch oder russisch sprachen.
Mit finanzieller Unterstützung meiner kleinen NGO stellte man mir eine Studentin an die Seite, mit deren Hilfe ich meinen Unterricht besser differenzieren konnte.

Aber bereits hier zeigte sich eine Respektlosigkeit gegenüber uns Lehrern, indem mehrere Schüler sich anfangs weigerten in eine ihnen zugeteilte differenzierende Arbeitsgruppe zu gehen, die im Nachbarraum unterrichtet werden sollte.
Nachdem das mit einer Mischung aus Strenge und Geduld endlich gelungen war, beanspruchte ein 15jähriger, der schon während der Osterferien im kirchlichen Gemeindezentrum die erste Lektion des Lehrbuchs bearbeitet hatte, ich solle etwas anderes machen, denn das könne er schon. Ich gab ihm daraufhin differenzierende Aufgaben und wies ihn (auf Englisch) darauf hin, dass auch die anderen 8 Schüler meiner Gruppe die Inhalte der ersten Lektion lernen müssten. Aber auch in den folgenden Tagen betonte er stets wie leicht das alles sei. Oder er weigerte sich eine email zu formulieren, „weil das in der Ukraine nur alte Leute tun“ etc.
Erst als ich ihn aufforderte nach vorne zu kommen und den Unterricht für seine Mitschüler zu übernehmen, änderte sich sein Verhalten.

Gleichzeitig erhöhte ich das Anspuchsniveau und die Unterrichtsgeschwindigkeit und führte wöchentliche Tests ein, was dazu führte, dass die Disziplin beim Bearbeiten der Aufgaben sich deutlich verbesserte. Nur wenig verbesserte sich allerdings das recht häufige laute Reden während des Unterrichts und das Spielen mit dem Handy – bis ich die Handys konsequent zu Beginn der Stunde eingesammelt habe, obwohl ich es eigentlich sinnvoll finde, wenn sie das Handy für Wortübersetzungen nutzen können.

Da die Mütter ihre Kinder oft während des Unterrichts angerufen haben, obwohl ich darum gebeten habe, dies zu unterlassen, ist bei mir der Eindruck entstanden, dass die Eltern den Deutschunterricht für ihre Kinder nicht unterstützen und ihn als lästig empfinden.

Da ich seit 2016 auch viele Kinder und Erwachsene aus anderen Krisen- und Kriegsgebieten unterrichtet habe und dort – trotz in der Regel viel schlechteren Vorbildung – viel mehr Lernwillen und deutlich mehr Respekt gegenüber den Lehrern erfahren habe, kann die Erfahrung von Krieg, Zerstörung, Verlust des Zuhauses und Angst um daheim gebliebene Verwandte keine hinreichende Erklärung für die außergewöhnlich große Disziplinlosigkeit im Unterricht bei vielen der ukrainischen Schüler sein.

Das teilweise respektlose Verhalten gegenüber deutschen Lehrern und manchmal sogar ehrenamtlichen Helfern ist für mich unerklärlich und ehrlich gesagt angesichts der großen Hilfsbereitschaft der deutschen Gesellschaft und Politik auch inakzeptabel.

TaMu
12 Tage zuvor
Antwortet  Doris

Danke, Doris, für Ihre Beschreibung und auch dafür, dass Sie diese Arbeit für junge Menschen, die geflüchtet sind, machen. Es ist erstaunlich, nicht nachvollziehbar und tatsächlich sehr respektlos. Konnten Sie mit den Schülerinnen und Schülern und ihren Eltern darüber reden? Mich interessiert, welche Gründe es für die Ukrainer gibt, sich so zu verhalten, um besser verstehen zu können. Ich dachte wirklich, es ist die Überforderung durch Fluchterfahrung, was möglicherweise immer noch unter diesem Verhalten steckt. Vielleicht fühlen sie sich wie auf einem Bahnhof auf der Durchreise und nehmen das hier alles nicht ernst? Ich weiß es wirklich nicht.

447
11 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

Es ist der gleiche Grund, warum deutsche (oder egal woher stammende) Kinder/Jugendliche sich so verhalten.
Ich verschlüssel das mal in einem Sprichwort: „Wer sich zum Käfer macht, auf den wird getreten.“

Das will man WEDER im Lehrkörper (in der übergroßen Mehrheit) und schon garnicht in der Politik sehen.

Es ist aber eine universelle menschliche Wahrheit: Überall gibt es den Gruppenführer, Meinungsführerschaft usw. Gerade Lehrer sollten das wissen – primitivste Grundlagen der Gruppendynamik, zweites Semester!

Das KANN man ideologisch negieren – für die Traumwelt, für „bunt“, „antiautoritär“ usw.

Die Folge davon ist schlicht, dass die Position des (offiziellen oder inoffiziellen) Meinungsführers von ANDEREN ausgefüllt wird als der Lehrkraft. Und dann andere Werte regieren. Privileg des Gruppenführers eben.

Nicht die Struktur und die Position verschwinden!

Nur WER sie einnimnt ändert sich.
Und damit die Werte der Gruppe.

In meinem Unterricht habe ich diese Position inne und sonst niemand. Ende der Durchsage. (Diffamierung als „autoritär“ incoming in 3…2…1…) Sobald die Gruppe folgt lässt man lockerer, gibt Mitbestimmung ab usw. – umgekehrt das Gegenteil. Es ist sooooo einfach.

Und deswegen sind für mich manche Berichte von KuK nicht nur fremdartig, sondern auch lustig: Sie baden die Folgen der eigenen Ideologie aus.

Last edited 11 Tage zuvor by 447
potschemutschka
10 Tage zuvor
Antwortet  447

Oh, oh, das gibt rote Daumen: autoritärer Drill und schwarze Pädagogik. Böse, böse!
Aber komischerweise funktioniert das und diese“ bösen, strengen“ Lehrer sind oft die, die von den Schülern am meisten geachtet werden.

447
12 Tage zuvor
Antwortet  Doris

Dieses Verhalten ist ganz und garnicht unerklärlich.
Teil des Teufelskreises ist es aber, dass eine Erklärung nicht gegeben werden darf.
Und wenn sie durchkommt – schlicht emotional niedergebrüllt wird.

Ich habe jedenfalls ein ganz persönliches mystisches Zauberrezept, wie ich mit meinen wenigen UKR-SuS gut klarkomme.

Monika, BY
11 Tage zuvor
Antwortet  TaMu

??? Rote Daumen??? Also, schämt euch.
 
„Kann sich eigentlich niemand in unserer Bildungspolitik vorstellen, wie extrem belastet diese Kinder und Jugendlichen sind? Wer in den letzten 10 Monaten einen Trauerfall in der Familie hatte, ganz ohne Flucht, Vertreibung, Angst und Verlust des Zuhauses, weiß doch auch, dass „Funktionieren“ nur eingeschränkt möglich ist. Ich empfinde die Empathielosigkeit mit allen geflüchteten Kindern, die schulisch nicht gut einsteigen können, als Kindswohlgefährdung. Ich glaube, sie sind grunderschöpft und zerrissen und sie haben mein tiefstes Mitgefühl.“
 
Ja, sie sollen möglichst schnell wie Maschinen laufen, um kapitalistische Begierde zu befriedigen.

Monika, BY
11 Tage zuvor

Bitte, nur nicht dieses Wort, Integration!
 
Es hat so viel Leid schon gebracht.
 
Was für eine verdammte Integration?
 
Wir sind alle Bewohner denselben Planeten.
 
Hilft den Kleinen erst, bevor ihr sie unbedingt integrieren wollt.

Eugen
11 Tage zuvor

Was soll der ganze Aufwand, wie wäre es Mal für alle Schüler den Unterricht zu entwickeln und nicht ein riesen Aufwand zu betreiben bei den alles nur Verschwendung von Geldern ist. Wer hier bei uns ist hat sich anzupassen,alles andere bringt nix, garnix!!!! Klare Regel einfache Ausführung.!!!

Indra Rupp
10 Tage zuvor

Ich komme nach dieser Diskussion zu der Zusammenfassung :

Kinder, die zuvor mit schwarzer Pädagogik aufgewachsen sind, haben mehr Mühe Respekt vor Menschen zu haben, von denen sie nicht erpresst, unterdrückt und runter gemacht werden….

? 🙂 ?

Interessant auch euer selbst suggeriertes Weltbild. Vor Monaten haben alle vorhergesagt, dass die Ukrainer, die jetzt zu uns kommen, ja so viel besser erzogen, disziplinierter und dadurch leistungsstärker sind als wir. Nun, wo dies im großen Ganzen nicht der Fall ist, wird es anders dargestellt, damit unser Schulsystem trotzdem als das blödere dasteht.

Die ukrainische Konsulin wollte damals nicht, dass ihre Kinder bei uns unterrichtet werden, weil wir ja so schwach und undiszipliniert sind….
Ich denke, DAS ist der Grund für das respektlose Verhalten der Kinder. Kinder bekommen ganz viel mit, auch, dass die Eltern nichts von unserer Schule halten. Das die Eltern sogar ihre Kinder im Unterricht anrufen, macht es erst recht deutlich. Stellt euch deutsche Kinder vor, die merken, dass die Eltern nichts von den Lehrern halten. Das hat dann auch Auswirkungen.

Bei allem Mitgefühl für die Situation – angefangen mit dieser Konsulin, die Kinder spiegeln immer die Erwachsenen!

Die Ukrainer sind bei uns privilegierte Migranten, was von anderen Migranten angeprangert wird und es gibt scheinbar viele Ukrainer, denen unter anderem unsere Schule nicht gut genug ist. Das ist total unverschämt und auch das, aus diesem Grund, Boykottieren des Unterrichts. Ihr seid scheinbar auf diesem Auge blind, weil ihr euch so freut, dass jemand von außen den Kumis sagt, dass das deutsche Schulsystem schlecht sei.

Ich bin nebenbei weder für laissez-faire, noch für schwarze Pädagogik! Ich kenne genug Lehrkräfte, die weder das eine noch das andere nötig haben. Die Kinder mögen sie, vertrauen ihnen und sind deshalb bereit, sich an ihre Regeln zu halten!

Ansonsten stimme ich @ TaMu’s Kommentar zu und finde, dass „Leistung“ in der derzeitigen Situation nicht so wichtig ist und auch viel Rücksicht auf traumatisierte Kinder genommen werden sollte ( für die 2015er hätte das genauso gesehen werden sollen). Ich sehe aber nicht dies als die Grundursache für das beschriebene respektlose Verhalten.

Indra Rupp
10 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Man ergänze hinter meinen Smiley noch den Satz :

„Daraus kann ich keinen Sinn oder Vorteil schwarzer Pädagogik ableiten. „

Jojo
10 Tage zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Einzig sinnvoller Kommentar hier! Danke!

Hasan
10 Tage zuvor

Gedankenexperiment. Ich will es nie erleben müssen, aber frage mich manchmal doch, wie sich unsere alle in Deutschland zur Schule gehenden Kinder/Jugendliche z.B. in der Ukraine schlagen würden – auch wortwörtlich :). Ich befürchte doch, dass es sehr viele von solchen Artikeln auf ukrainisch mit diversen Kommentaren geben würde. Eher wären die SuS wahrscheinlich mit der Strenge und konsequenten Schulstruktur überfordert. Einige blühen auf, weil ihnen genau das in Deutschland fehlt, andere kapseln sich ab, gehen im System unter und andere rebellieren.

Tom
10 Tage zuvor

Da läufts ja von Anfang an falsch scheint mir
Warum Deutsch lernen, gehts nicht mehr heim?
Sind keine Ukrainischen Lehrer geflüchtet um hier mitzuhelfen um Sie auf dem Leistungsstand der Heimat zu halten?

Fabian
10 Tage zuvor

Genau! So funktioniert die angebliche Pressefreiheit. Ständig die armen Ukrainer kritisieren, weil der Senat das möchte. Im dem Fall die unschuldigen Kinder. Das sind doch alles zivilisierte Leute. Was ist mit den muslimischen Flüchtlingen? Darüber schreibt hier keiner. Die sind auch nicht perfekt. Die kommen hierher und kritisieren alles an Deutschland und machen teilweise Deutschland unsicher. Natürlich nicht alle, aber auch nicht wenige. Was ich mir schon alles anhören musste, über die…
Darüber könnte man auch über die schreiben, oder? Achne geht ja nicht, da Deutschland nur Rang 16 ist, wenn es um Pressefreiheit geht.

Marvin
10 Tage zuvor
Antwortet  Fabian

Endlich einer, der es ausspricht. Die ukrainischen Kinder werden nur in Deutschland kritisiert und die muslimischen nie. Dabei sind die auch nicht besser. Es wird dann in den Medien immer so gesagt, dass jeder die Meinung der Medien und des Senats vertritt. Die anderen, die die Meinung des Senats nicht vertreten, sind dann eine Minderheit und automatisch krank im Kopf. Das finde ich aber Schade. Das kann man aber nicht ändern. Da kann man hier auch den bekanntesten Satz nennen: Das ist nur in Deutschland möglich.

Jojo
10 Tage zuvor
Antwortet  Fabian

Der Senat möchte, dass ukrainische Kinder kritisiert werden? Quelle? Ernstgemeinte Frage…