Universitäten schreiben einen Brandbrief: Der Lehrermangel gefährdet die Zukunftsfähigkeit Deutschlands!

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KÖLN. Der Verbund German U15, der 15 deutsche Universitäten zusammenfasst, hat sich mit einem umfassenden Positionspapier an die Öffentlichkeit gewandt, in dem vor den dramatischen Folgen des Lehrermangels gewarnt wird. Die Verbundsmitglieder bilden rund ein Drittel aller Lehramtsstudentinnen und -studenten in Deutschland aus.

Der Brandbrief einer Grundschule sorgt für Aufregung in Bremen. Foto: Shutterstock

Der Lehrermangel ist mittlerweile allerorten spürbar und betrachtet man die jüngsten Verlautbarungen etwa von KMK oder Philologenverband, in aller Munde. Nach KMK-Schätzungen werden in den nächsten zehn Jahren bundesweit mindestens 30.000 Lehrerinnen und Lehrer an den Schulen fehlen. Auch das Interesse am Lehramtsstudium an den Hochschulen ist mit 13,7 Prozent weniger Studienanfängerinnen und -anfängern im Studienjahr 2021/22 gegenüber dem Vorjahr gesunken. Überlegungen in den Bundesländern, Teilzeitmöglichkeiten von Lehrkräften einzuschränken, scheinen kaum geeignet, die Attraktivität des Berufs wieder zu erhöhen.

Nun hat sich auch der Universitätsverbund German U15 zu Wort gemeldet. Der Bildungsnotstand habe bereits jetzt gravierende soziale, wirtschaftliche, politische und wissenschaftliche Folgen und gefährde dauerhaft die Zukunftsfähigkeit Deutschlands, heißt es in einem aktuellen Positionspapier. Darin schlägt der Verbund Maßnahmen vor, die die Qualität und Professionalität des Lehramtsstudiums und den Lehrerin- und Lehrerberuf stärken sollen.

Vom Lehrermangel und seinen Folgen für die Bildung seien auch die Hochschulen betroffen, die auf hervorragend ausgebildete Schülerinnen und Schüler angewiesen seien. Zudem trügen sie mit dem Lehramtsstudium die Verantwortung für eine qualitätsgesicherte Bildung und Professionalisierung angehender Lehrkräfte und sicherten damit die Qualität schulischer Bildung sowie die Attraktivität des Lehrberufs. An den Universitäten des Verbunds studieren rund ein Drittel aller angehenden Lehrkräfte in Deutschland.

Das heute verabschiedete Positionspapier enthält Vorschläge, die sich an die Politik in Bund und Ländern, aber auch an die Hochschulen selbst richten. Es unterscheidet Ad-hoc-Maßnahmen zur Krisenbewältigung von längerfristigen grundsätzlichen Maßnahmen, die auf eine grundlegende Reform der Lehrerinnen- und Lehrer gerichtet sind.

Die geforderten Maßnahmen im Überblick:

I. Ad-hoc-Maßnahmen zur Krisenbewältigung

  • Allen künftigen Lehrerinnen und Lehrern soll ein qualitätsgesicherter Bildungsweg ermöglicht werden. Es gebe mittlerweile viele Wege ins Lehramt. Unverzichtbar sei, dass alle rechtlich klar abgesteckt und vor allem qualitätsgesichert erfolgen. Universitäten könnten dafür praxiserprobte Formate in Aus-, Fort- und Weiterbildung anbieten und so die Qualitätssicherung von Quer- und Seiteneinsteigern gewährleisten. Dafür bräuchten sie entsprechenden Ressourcen.
  • Universitäres Know-how soll besser genutzt werden, um fachfremde Lehrkräfte durch spezifische Qualifizierungs- und Fortbildungsangebote zu professionalisieren. Wenn Lehrkräfte für fachfremden Unterricht in der Krise eingesetzt würden, müssten sie dafür qualifiziert oder fortgebildet werden. Universitäten hätten dafür passgenaue, hochwertige Formate. Dieses Know-how von Universitäten müsse im Fort- und Weiterbildungsbereich deutlich stärker als aktuell ausgeschöpft werden.
  • Wenn Lehramtsstudierende als Lehrkräfte eingesetzt werden, müsse dies zeitlich begrenzt geschehen und vor allem professionell begleitet werden. Praxiserfahrungen seien wertvoll, doch zugleich könne die Qualität der Lehrerinnen- und Lehrerbildung unter einer zu frühen Berufstätigkeit von Studierenden leiden. Ebenso könne sich die Dauer des Studiums verlängern. Eine klare zeitliche Regulierung und eine professionalisierende Begleitung seien daher unverzichtbar.
  • Die Attraktivität des Lehramtsstudiums müsse durch positive Schulerfahrungen gesteigert werden. Nur wenn es gelänge, attraktive Rahmenbedingungen für den Lehrberuf zu schaffen, hätten die Universitäten eine realistische Möglichkeit, genug Studieninteressierte für ein Lehramtsstudium zu gewinnen. Die Entlastung von Lehrerinnen und Lehrer, unter anderem durch die Etablierung multiprofessioneller Teams, aber auch die Förderung neuer Karrierewege durch flexible rechtliche Vorgaben aus der Politik können dazu beitragen, dass das Interesse am Lehramtsstudium wieder steigt.
  • Einrichtungen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung seien als Centers of Excellence zu stärken und zu vernetzen, um Lösungen für die akuten und grundsätzlichen Herausforderungen zu entwickeln. Die Universitäten in Deutschland hätten unterschiedliche Strukturen und Schwerpunktsetzungen in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung herausgebildet. Die aktuelle Debatte verdeutliche, dass Bund, Länder und die Universitäten jetzt gemeinsam handeln müssten, um die Zukunftsfähigkeit der Lehrerinnen- und Lehrerbildung zu garantieren. Hierfür sollte mit Unterstützung und Einbindung der Politik ein länderübergreifendes Austauschnetzwerk der Einrichtungen etabliert werden, das einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch ermögliche und den Wissenstransfer beschleunige.

II. Grundsätzliche Maßnahmen für die Zukunftsfähigkeit der Lehrkräftebildung

  • Die „Qualitätsoffensive Lehrerinnen- und Lehrerbildung“ (QLB) solle fortgesetzt werden, um die Innovationsfähigkeit der Lehrkräftebildung zu sichern. Der Verbund begrüße nachdrücklich die Vereinbarung im Koalitionsvertrag der Bundesregierung, die Offensive auch über 2023 hinaus fortzuschreiben. Förderbedarfe und Förderlogiken sollten gemeinsam mit den Universitäten erarbeitet werden, damit ein neues Programm den notwendigen Beitrag zur Bewältigung der Bildungskrise leisten könne. Die QLB sei eine Erfolgsgeschichte: Sie hätte die Stellung der Lehrkräftebildung in der Universität deutlich erhöht und sich als Instrument bewährt, um Innovationen aus der Universität in die Schule zu bringen.
  • Polyvalenz und Wissenschaftsbasierung der Lehrerinnen- und Lehrerbildung seien zu sichern. Universitäten bildeten angehende Lehrerinnen und Lehrer nicht aus, sie bildeten sie. Das Lehramtsstudium sei in diesem Sinne ein wissenschaftliches Studium. Lehrerinnen- und Lehrerbildung sei forschungsorientiert und stärke neue Formen des Umgangs mit Wissen und Erkenntnis. Ihr Ziel sei es, angehende Lehrerinnen und Lehrer zu befähigen, fachliches Wissen und Können nicht nur einmalig zu erwerben, sondern fortlaufend selbstständig aktualisieren und weiter entwickeln zu können. Die Polyvalenz des Lehramtsstudiums sei entscheidend, um die Durchlässigkeit zwischen Fach- und Lehramtsstudium zu sichern. Sie ermögliche die Einbettung wissenschaftlicher Methoden und Fragestellungen in den Fachunterricht und biete künftigen Lehrerinnen und Lehrern Perspektiven der fachlichen Weiterentwicklung.
  • Universitäten müssten viel stärker zu Orten der Weiterbildung werden. Dafür müsse der Wissenstransfer zwischen Universitäten und Schulen schneller und besser werden. Universitäten und Schulen müssten für alle Phasen der Lehrkräftebildung gemeinsame Ansätze und Modelle entwickeln, die den gegenseitigen Wissenstransfer fördern. Das Potenzial von Universitäten durch ein wissenschaftlich basiertes, attraktives Fort- und Weiterbildungsangebot, einen stärkeren Beitrag zum „lebenslangen Lernen“ von Lehrerinnen und Lehrer zu leisten, müsse stärker und systematisch genutzt werden. Die Länder müssten die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass der Besuch solcher Angebote für Lehrerinnen und Lehrer attraktiv sei und in den Universitäten ein solcher Beitrag nachhaltig abbildbar sei.
  • Die internationale Mobilität im Lehramt sei weiter zu fördern. Die Internationalisierung in der Lehrerinnen- und Lehrerbildung müsse weiter gezielt gefördert werden, damit sie zu einer stärkeren Vernetzung und einem gegenseitigen Forschungsaustausch beitrügen. Universitäten könnten dank ihrer Expertise und ihrer globalen Netzwerke sowohl den internationalen Wissensaustausch als auch die Mobilität der Lehramtsstudierenden voranbringen. Die Politik sei gefordert, Lehramtsstudierenden durch die Anpassung rechtlicher Rahmen- und Förderbedingungen ein Auslandsstudium oder ein Schulpraktikum im Ausland ohne offene Anerkennungsfragen zu ermöglichen. News4teachers

Das Positionspapier steht auf den Seiten der Universität zu Köln zum Download zur Verfügung.

Philologen-Chefin fordert: Weg mit Bachelor und Master in der Lehrerbildung – zurück zum Staatsexamen

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51 Kommentare
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Mika
1 Jahr zuvor

Nicht einer der im Positionspapier dargelegten Punkte geht darauf ein, wie der Lehrberuf als solcher attraktiver zu gestalten wäre, nämlich durch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Warum sollte jemand eine noch so tolle Lehramtsausbildung machen, wenn die zugehörige Berufsbeschreibung übervolle Klassen, Überlastung bis hin zum Burnout, die gesellschaftliche Einschätzung als inkompetenten Versager und fauler Sack sowie einen heruntergekommenen „Arbeitsplatz“ garantiert, an welchem schon mal der Putz von der Decke fällt oder Schimmel die Wände überzieht?

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Und ganz zu schweigen von dem unsäglichen Missstand, dass angehende Lehrer nach ihrem Referendariat aufgrund der Verbeamtung auf Widerruf u.U. zu ALGII-Beziehern werden, wenn sie nicht nahtlos übernommen oder gar verbeamtet werden. Was ja anscheinend auch nur die wenigsten betrifft.

Ich weiß eigentlich gar nicht, wie man so viel falsch machen und so verantwortungslos agieren kann seitens Entscheidungsträger. 🙁

Chapeau Claque
1 Jahr zuvor
Antwortet  Anne S.

„unsäglichen Missstand, dass angehende Lehrer nach ihrem Referendariat aufgrund der Verbeamtung auf Widerruf u.U. zu ALGII-Beziehern werden, wenn sie nicht nahtlos übernommen oder gar verbeamtet werden.“
Verstehe ich nicht.

Lehrer_X
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

In den Sommerferien wird man nach dem Ref. erstmal arbeitslos. War bei mir auch der Fall. Ist Standard. Einstellung gibt’s dann erst wieder nach den Ferien, sodass das Land pro Lehrer mind. ein Monatsgehalt einspart.

Chapeau Claque
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lehrer_X

Verstehe die Aufregung, aber es sind Unterschiede ob
Ref. (Vorbereitungsdienst)
in einem öffentlich-rechtlichen Anstellungsverhältnis evtl. auch nur befristet beschäftigt
oder
Beamtenverhältnis auf Widerruf (Probe) durch Aushändigung einer Ernennungsurkunde – sieht eine Befristung nicht vor, kann aber bei Nichtbestehen einer Leistungsprüfung enden.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Siehe hier:

„Um Anspruch auf Arbeitslosengeld zu haben, müssen Sie die sogenannte Anwartschaftszeit erfüllen. Das ist der Fall, wenn Sie in den 30 Monaten vor Ihrer Arbeitslosmeldung und Arbeitslosigkeit in der Arbeitslosenversicherung mindestens 12 Monate pflicht- oder freiwillig versichert waren.“

https://www.arbeitsagentur.de/arbeitslos-arbeit-finden/arbeitslosengeld/finanzielle-hilfen/arbeitslosengeld-anspruch-hoehe-dauer

Aufgrund der völlig sinnlosen Verbeamtung während der „Ausbildung“ hat man nach dem Referendariat keinen Anspruch auf ALG I, wenn was schief geht. Man hat ja nirgends eingezahlt.

Im blödesten Falle zieht es sich über Jahre,
bis eben irgendwann eine Planstelle kommt, dass man immer wieder in den Hartz 4 – Satz rutscht, wenn man nur unter befristeten Arbeitsverträgen eingestellt wird und in den Sommerferien entlassen wird.

Meiner Meinung nach gehört beides abgeschafft: Verbeamtung im Ref (unabhängig von der grundsätzlichen Debatte um Lehrerverbeamtung, die ist mir ganz neidlos völlig egal) und die Entlassung für den Zeitraum der Sommerferien.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Anne S.

Referendare werden nur verbeamtet, damit das Land die Bruttolöhne drücken kann. Für das derzeitige Referendarsnetto müsste das Land brutto mindestens 500-1000€ monatlich mehr ausgeben.

Chapeau Claque
1 Jahr zuvor
Antwortet  Anne S.

ALG Antwartschaft
2021/2022 11 Monate beschäftigt
Juli 2022 1 Monat arbeitssuchend
2022/2023 wieder beschäftigt / nach nur einem Monat ist damit die 12 monatige Beitragspflicht für ALG erfüllt.

Beamte auf Probe die nicht übernommen werden erhalten ALG II und was ist mit dem Übergangsgeld nach vollendeter einjähriger Beschäftigungszeit?

Scheinbar haben sich hier neuerdings ein paar angehende Lehramtsanwärter zusammengefunden und teilen viel Halbwissen.

Marie
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Nein, die Beitragspflicht für ALG ist eben nicht erfüllt, da Referendare als Beamte auf Widerruf keine Sozialabgaben zahlen. Nur wer vor dem Ref versicherungspflichtig gearbeitet hat, könnte eventuell Ansprüche aufgebaut haben.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Trotz aller Bemühungen verstehe ich Ihre Beiträge nicht, tut mir leid.

Referendare sind keine Beamte auf Probe, sondern Beamte auf Widerruf. Mehr Erhellendes kann ich in das Wirrwarr nicht einbringen, fürchte ich.

https://finanzcop.de/blog/beamtenstatus-erklaert

dickebank
1 Jahr zuvor
Antwortet  Anne S.

„öffentlich-rechtliches Anstellungsverhältnis“

@Chapeau Claque meint vermutlich folgendes:

Die angehenden Volljuristen machen in einigen Bundesländern den Vorbereitungsdienst in einem öffentlich-rechtlichen Ausbildungsverhältnis. D.h. sie sind de jure Angestellte mit einem befristeten Vertrag und zahlen alle Sozialabgaben außer Beiträgen zur gesetzlichen Rentenversicherung.
Hier wird dann, wenn der examinierte Jurist den ÖD verlässt, die Ausbildungszeit nachversichert.
Da während des Vorbereitungsdienstes Beiträge zur AV gezahlt werden, besteht am Ende des referendariats ein Anspruch auf ALGI.

Entsprechende Regelungen könnten ebenfalls für das Lehramt übernommen werden. Interessant vor allem für diejenigen, die gem. OBAS hier in NRW ausgebildet werden oder alle, die keine Aussicht auf Verbeamtung haben, da gesundheitliche oder Altersgründe (Seiteneinsteiger älter als 38 Jahre) dagegen stehen.

Anne S.
1 Jahr zuvor
Antwortet  dickebank

Danke, jetzt verstehe ich besser!

Silberfischchen
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chapeau Claque

Hier noch einmal: Die haben dann aber als Beamte /auf Widerruf) auch keinen einzigen Cent in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Wie es die anderen tun, die Arbeitslosengeld erhalten. Das gehört zur Wahrheit auch dazu.

Silberfischchen
1 Jahr zuvor
Antwortet  Anne S.

Die haben dann aber als Beamte /auf Widerruf) auch keinen einzigen Cent in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt. Wie es die anderen tun, die Arbeitslosengeld erhalten. Das gehört zur Wahrheit auch dazu.

Andre Hog
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Wohlfeil geschrieben!! Danke!!

Last edited 1 Jahr zuvor by Andre Hog
Marc
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Noch dazu in vielen Bundesländern eine miserable Bezahlung im Angestelltenverhältnis (E11 in NRW bei voller Lehrbefähigung für GS mit zwei Staatsexamen) und A12 für Beamte trotz Masterabschluss.

Wenn man Lehrkräfte als EINZIGE Berufsgruppe im öD mit Masterabschluss nicht im höheren Beamtendienst besoldet, braucht man das Wort Wertschätzung nicht in den Mund zu nehmen

Dil Uhlenspiegel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Die Haupt-Feuerwehren stellen ihr neues Rettungskonzept in einer trockenen Löschübung vor. Man möchte niemanden nassmachen. Zuschauer sind herzlich willkommen. Es wird aber vor extremer Brandgefahr gewarnt. – Jedoch! Nicht so, denn siehe da:

„Nur wenn es gelänge, attraktive Rahmenbedingungen für den Lehrberuf zu schaffen, hätten die Universitäten eine realistische Möglichkeit, genug Studieninteressierte für ein Lehramtsstudium zu gewinnen. Die Entlastung von Lehrerinnen und Lehrer, unter anderem durch die Etablierung multiprofessioneller Teams, aber auch die Förderung neuer Karrierewege durch flexible rechtliche Vorgaben aus der Politik können dazu beitragen, dass das Interesse am Lehramtsstudium wieder steigt.“

Teacherwithouthope
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Und nicht zu vergessen:
Wo die Lehrer/innen – Toiletten ähnlich aussehen, wie Bahnhofstoiletten.
Wo die Arbeitsstättenverordnung nicht angewendet wird und werden muss, weil Schulen eben KEINE Arbeitsstätten sind.
Wo man nur ein guter Lehrer ist, wenn man gute Noten gibt.
Wo der Rückhalt durch Schulleitungen nicht gegeben wird, weil es einfacher ist, renitenten Eltern Recht zu geben.

Dieser Arbeitsplatz ist einfach ein (Alb)-Traum.

Realist
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Das „Positionspapier“ zielt im Wesentlichen, wenn man genau liest, darauf ab, dass die Hochschulen mehr Ressourcen, d.h. mehr Geld und mehr Stellen, für die Aus-, Weiter- und Fortbildung der Lehrkräfte, Lehramtsstudierenden und Seiteneinsteiger erhalten.

Warum sollten sich die Hochschulen auch für die Bedingungen der Lehrkräfte vor Ort in den Schulen interessieren? Das tut ja nicht einmal die berühmte GEWerkschaft…

Adamo
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

@Mika:
Völlig richtig, aber mal ehrlich, irgendwelche „Wissenschaftler“ an Unis stellen Ideen auf und basteln daraus „Vorschläge“ und veröffentlichen diese als „Positionspapier“ über die Universität Köln!
In den 70er Jahren kam da vielleicht noch was Sinnvolles dabei heraus. Heute ist das nur noch Blabla und zu oft völlig weltfremdes Gefasel von Leuten die mit der Wirklichkeit in den Schulen, Betrieben, Pflegeheimen usw. überhaupt nichts am Hut haben und nichtmal verstehen, WO die Probleme konkret liegen!

Lanayah
1 Jahr zuvor

Spannend finde ich den Punkt mit den positiven Schulerfahrungen. Ich erlebe, dass nach Schulpraktika die Berufswahl durchaus noch mal überdacht wird. Eine meiner letzten Schulpraktikantinnen, die dachte, ihre wöchentlichen 15 Pflichtstunden (größtenteils Hospitation) in Teilzeit händeln zu können, war geschockt von dem Arbeitsaufwand, den dieser Beruf mit sich bringt. Manche fühlen sich auch mit den vielen verhaltensauffälligen Kindern überfordert, die sie so an der Grundschule vetmutlich nicht erwartet haben. Zu dem Zeitpunkt haben sie dann schon 3 Jahre studiert. Gut, dass der Bachelor auch eine andere Berufsorientierung ermöglicht. Es gibt aber auch die anderen, die trotz allem voller Begeisterung erkennen, dass sie den richtigen Beruf gewählt haben.

Silberfischchen
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lanayah

Leider bekommt man an den Unis und von den Unis für den Umgang mit all den vielen verhaltensauffälligen Kindern nichts weiter als „warme Worte“. Das ist alles sowas von praxisfern. Es ist schon fast eine Frechheit !

Lera
1 Jahr zuvor

100% pro domo

Der berufliche Alltag interessiert die Unis einfach mal gar nicht.

Es geht nur um Drittmittel, siehe „Qualitätsoffensive“ Lehrerbildung und Lehrerbildungszentren.

Die springen jetzt halt auf das Thema Lehrermangel auf – Agenda Surfing.

Zum Dank gibt es dann ein paar hoch innovative Qualifikationsarbeiten von Leuten, die gerne an der Uni etwas werden wollen und daher schön brav das „herausfinden“, was gerade opportun ist.

Kollateralschaden: Neue Munition für die KM, um das System noch weiter runterzuwirtschaften.

Danke, aber nein danke.

kanndochnichtwahrsein
1 Jahr zuvor

Was mir fehlt: Es geht nicht um den Lehrerberuf als solches – auch an den Hochschulen sollte man sich bewusst werden, dass es um Bildung an sich geht.
Nicht nur Lehramtsinteressierte fehlen jetzt und weiterhin, wenn sich nichts ändert:
Es werden vielmehr in ALLEN anderen Bereichen auch Menschen fehlen, die unsere Gesellschaft zusammenhalten können, wenn Schüler nur noch unzureichend ausgebildet und gebildet werden. Dann fehlen zukünftige Forscher, Ärzte, Ingenieure… Menschen, die für irgendetwas brennen, die Gesellschaft weiterbringen willen und können, Studierende und Auszubildende mit ausreichendem Wissen und Können als Grundlagen, aber auch mit Empathie, Engagement, Anstrengungsbereitschaft, besonderen Interessen an besonderen Arbeitsbereichen, Innovationsfreude, Zukunftsorientiertheit, Verantwortungsbewusstheit, der Bereitschaft, Verantwortung zu tragen…

Was dann?

Ohne gute Schule – mit Lehrern, die ihren Job gut machen können und nicht zusammenbrechen oder abwandern – wird es nirgendwo mehr rund laufen!

Wir alle sollten uns überlegen, ob man die Vorsorge für kommende Generationen mit denkbar großen Herausforderungen von Altlasten über Umwelt, Klima, Gesundheitsvorsorge bis hin zu kommenden Pandemien, also letzten Endes mit der Herausforderung, das Überleben des Menschen mit allen anderen Organismen – alleine den noch vorhandenen Lehrern und den wenigen, die nachkommen, aufbürden kann.
Ich denke, das passt schon lange nicht mehr.
Kinder wurden zu lange in Schulen geparkt, Lehrern wurde zu lange schon die gesamte Verantwortung für alle Irrwege der Gesellschaft aufgebürdet.
Das funktioniert nicht länger.
Die Kinder/Jugendlichen lassen sich nicht länger unwidersprochen „abstellen“. Sie rebellieren, laufen aus dem Ruder, verhalten sich anders als wir sie unter den gegebenen Umständen handeln können.
Die Lehrer schaffen den Job nicht mehr, wie er jetzt ist und schon gar nicht zusätzlich all die Aufgaben, die die Gesellschaft uns gerne obendrein noch dazugeben möchte.
Das System fährt vor die Wand.
Klar, man kann das Schwarzmalerei nennen.
Man kann aber auch mal genau hingucken – von ganz oben – und feststellen, was das System zu leisten in der Lage wäre, ohne den Zusammenbruch des Einzelnen oder des Ganzen zu riskieren.
Vielleicht können wir dann noch etwas retten und gleichzeitig Voraussetzungen schaffen, die junge Leute motivieren und sich zutrauen lassen, diesen doch eigentlich sehr schönen Beruf zu ergreifen.

Von den Hochschulen hätte ich mehr Weitsicht als diesen Forderungskatalog erwartet.
Oder nein. ich hätte mir mehr Weitsicht gewünscht. Erwartet habe ich es eigentlich nicht, denn das System Bildung erneuert sich weitgehend immer noch immer wieder aus sich selbst heraus. Lehrerkinder werden Lehrer, Akademikerkinder werden Akademiker, daneben passiert nicht viel…
Woher soll dann die große Innovation kommen?

Mika
1 Jahr zuvor

Ich glaube, die wenigsten Lehrerkinder studieren auf Lehramt. Sowohl meine als auch die Kinder von Bekannten haben seinerzeit auf die übliche Frage, ob sie auch Lehrer werden wollen, mit: „nein, das ist mir zu viel Arbeit“ geantwortet.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Meine Beiden auch nicht! Meine Enkeltochter (11 Jahre) hatte mal kurze Zeit den Wunsch Lehrerin zu werden, ist aber auch schon wieder vorbei.

ginny92
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mika

Es gibt diese Exoten, ich bin eine davon die nach vielen Irrwegen festgestellt hat das ihr der Beruf gut steht. Und auch ich hab lange gesagt „alles außer Lehramt“.
Es sind wenige, wie ich aber wir entscheiden uns im vollen Bewusstsein dafür. Der große Vorteil ist das man von Anfang keine Illusionen hat und schneller lernt auf sich auf zu passen.
Um so deutlicher ist mir aber die Teilweise schlechte Ausbildung an der Uni aufgestoßen.

MeinSenf
1 Jahr zuvor

@Redaktion
Vielleicht kommt der Brief besser an, wenn die Universitäten ihn schreiben und nicht „scheiben“ (Überschrift). 😉
Liebe Grüße

Erziehungsberechtigte
1 Jahr zuvor

Die Kita-Kinder, die SchülerInnen und die PädagogInnen in unserem Land sind uns einfach zu wenig wert.

Zugleich wird gegeneinander aufgewiegelt („Kinder können nichts mehr“, „Abitur nichts mehr wert“, „faule Lehrer“, „Jogginghosen-Ablenkungsdebatten“, „Mehr Gewalt durch Erzieherinnen“, „Gewalt unter Kindern“, „Verstöße gegen Aufsichtspflicht“, „unfähige Eltern, die ihre Erziehungsaufgaben nicht wahrnehmen)….

Die Bildung (gemeint ist mehr als lesen, rechnen, schreiben, auch Lehre von Mitmenschlichkeit und sozialem Zusammenhalt) ist das höchste Gut! Wir verspielen gerade unsere Zukunft und verraten unsere Kinder und alle, die mit Leidenschaft mit ihnen zusammenarbeiten!

Hans Maiaer
1 Jahr zuvor

Wir? Wer ist wir? Ich bin kein Politiker in Verantwortung. Kein MK-Angehöriger. Bitte den richtigen Adressaten benennen!

Chris
1 Jahr zuvor

„Die internationale Mobilität im Lehramt sei weiter zu fördern.“

Guter Witz!
Ich kann mein 2. Staatsexamen aus NRW nicht einmal in Niedersachsen anerkennen lassen, weil es meine berufsbildenden Fakulten dort gar nicht gibt.

Realist
1 Jahr zuvor
Antwortet  Chris

Bei dem deutschen Bürokratieirrsinn wird es darauf hinauslaufen, sich das Zweite Staatsexamen bei Bedarf im Ausland anerkennen zu lassen, dort dann vielleicht ein Jahr zu unterrichten, und sich dann anschließend diese ausländische Qualifikation und Berufserfahrung im anderen Bundesland anerkennen zu lassen,,,

Konfutse
1 Jahr zuvor

@VG U15: Ich würde sogar sagen, dass die Bildungspolitik der 16 Kultusminister die Zukunftsfähigkeit der „Bildungsnation Deutschland“ gefährden.

Fakten sind Hate
1 Jahr zuvor

„Der Lehrermangel gefährdet die Zukunftsfähigkeit Deutschlands!“

Das muss ich konkretisieren:
„Der Lehrermangel beschleunigt den vorherrschenden Abwärtstrend Deutschland im geringen Umfang.“

Lehramtsaussteiger
1 Jahr zuvor
Antwortet  Fakten sind Hate

Was online – Kommentare angeht, ist von Ihrer Seite bereits seit längerem ein „Abwärts – Trend“ zu beobachten.

Gelbe Tulpe
1 Jahr zuvor

Die schlechte Lehre an den Universitäten in den mathematiklastigen Fächern schadet der Zukunftsfähigkeit Deutschlands ebenso, schließlich ist sie eine Hauptursache für den Lehrermangel im MINT-Bereich.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Begründung? Meinen Sie das auch für das Grundschullehramt?

Dirk Meier
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Den Mangel würde ich eher auf die katastrophale Situation an den Schulen zurückführen. Das Fach Mathematik wird selbst im Leistungskurs nur 4-5 Wochenstunden unterrichtet. Der Physikunterricht ist in vielen Bundesländern mittlerweile kaum noch erkennbar. Eigentlich sollte man dort den Stoff des Mathe-LKs anwenden. Auch in Chemie, Informatik oder VWL könnte man mathematische Inhalte üben, aber das wird nicht gemacht. Hierdurch wird bei den Schülern der Eindruck erweckt, dass man Mathematik für nichts braucht, obwohl es in einer technisierten Welt immer wichtiger wird.

Als besonders dringlich scheint mir die Abkehr von der Kompetenzorientierung. In meinem Bundesland ist eine Abiturklausur im Leistungskurs Mathematik mittlerweile 22 Seiten dick! Fast nur Text! Das fachliche Niveau ist hingegen sehr dünn bis nicht vorhanden. Ein MINT-Studium ist extrem hart, besonders wenn man vorher an der Schule keinen fachsystematischen Unterricht genießen durfte.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Dirk Meier

Aber die Verantwortlichen in den Ministerien erklären arrogant und ungerührt: „Die Schule hat keine Bringschuld gegenüber denn Universitäten. Das Abitur ist nur die ALLGEMEINE Hochschulreife und kann keine Rücksicht auf MINT-Studiengänge nehmen.“
Und man setzt dann manchmal noch oben drauf, dass die Hochschulen bitte die Studenten „da abholen müssen, wo sie sind“.

TaMu
1 Jahr zuvor

Wer jetzt Abitur macht, hat die letzten Jahre an Schulen verbracht und konnte sich dort täglich die Frage stellen, ob er mit einer der Personen vorne vor der Klasse gerne tauschen würde. Offensichtlich wurde dieser Wunsch nicht häufig und dauerhaft genug gefühlt. Ich befürchte fast, dass diejenigen, die menschlich als Lehrer oder Lehrerin geeignet gewesen wären, mit ihren Lehrern sogar Mitleid hatten.

Ron
1 Jahr zuvor

Vorsicht! Den Hochschulen geht es hier in meinen Augen weniger um die armen Lehrer, sondern um die eigene Ausstattung mit wissenschaftlichen Mitarbeitern. Man möchte nämlich noch mehr erziehungswissenschaftliche Beglückungsvorschläge liefern.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Ron

… und mehr „exzellente“ Bildungswissenschaft im Stile dessen, was die StäWiKo so abliefert.

Student
1 Jahr zuvor
Antwortet  Ron

So ist es! Man hat bei der starren Studienordnung und extrem hohen Anforderungen in manchen Fächern, die zu einem Abbruch oder einer Verlängerung des Studiums führen nicht wirklich den Eindruck, dass die Dozenten Interesse daran haben, dass diese in den Schulen erhalten bleiben.

Silberfischchen
1 Jahr zuvor

Ich finde das alles sehr „verkopft“. Typisch Universität eben. Man hat das Gefühl, die wollen nun auch noch aus dem Lehrermangel für sich Kapital schlagen. Stichwort: Formate an den Unis nutzen etc.

Die Lehrerausbildung krankt aber oft an falschen, mindestens aber nicht praxistauglichen Konzepten der Universitäten. Was im Schulalltag am meisten belastet, sind jedoch die verhaltensauffälligen Schüler und die mit den „Lernbesonderheiten“.

Das wissen Universitäten aber nicht. Damit haben sie ja nichts zu tun. Und zu störendem Verhalten fällt ihnen bestenfalls ein, der Lehrer solle Bonbons und Kekse verteilen, damit die Kinder besser zuhören, naja, ok, ich übertreibe; Smileys halt und mehr loben.

Die haben echt keinen Bezug zur Wirklichkeit ! Universitäten eben!

Langer Lulatsch
1 Jahr zuvor

Ich frage mich immer wieder, warum Universitäten für die Ausbildung Lehramt das unglaubliche Potential der Praxis Schule nicht nutzen.
Statt gute Lehrkräfte als Lehrende an die Unis zu holen, z. B. mit Lehrauftrag, oder Kooperationen mit Schulen, begleitend zum Studium, aufzubauen, lehren da Menschen, die nie unterrichtet haben.
Vielleicht wäre das Lehramt attraktiver, wenn die Studierenden nicht das Gefühl hätten, ganz schlecht auf den Lehrerberuf vorbereitet zu werden.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Langer Lulatsch

Zur Zeit der alten PH war das so: Da wurden in der Regel erfolgreiche Lehrer als Professoren berufen (auch ohne Promotion, die hielt man nicht für zwingend notwendig). Heutzutage sind „Bildungswissenschaftler“ und „Didaktiker“ separate Karriereleitern, bei denen die letzteren meist nur ein Referendariat abdienen und danach gleich wieder an die Uni zum Promovieren gehen. Und die Bildungswissenschaftler sind meist Psychologen, die ohnehin nicht an Schulen unterrichten, weil das in der Regel kein Schulfach ist.

Lisa
11 Monate zuvor
Antwortet  Carsten60

Das kenne ich auch noch so.

Wilhelmine
1 Jahr zuvor

Ich freue mich schon darauf, wenn mir von Plakaten an der Bushaltestelle coole, fröhlich-entspannte Lehrkräfte entgegenlachen – ähnlich wie bei der Werbung für Zugbegleiter à la: „Komm zu uns und erfahre, wie schön das Leben sein kann!“

Konfutse
1 Jahr zuvor
Antwortet  Wilhelmine

Das könnte eventuell in ca. 30 Jahren der Fall sein.

Michi
1 Jahr zuvor

Wie wäre es mal damit, ein paar mehr Studienplätze anzubieten?
Die Uni Köln muss da auch ganz leise sein. Schließlich mußten da jahrelang etliche Studierende ihr Studium verlängern, weil sie keins der verpflichtenden Seminare z.B. in Germanistik bekamen.