Philologen-Chefin fordert: Weg mit Bachelor und Master in der Lehrerbildung – zurück zum Staatsexamen

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BERLIN. Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, Prof. Susanne Lin-Klitzing, hat mit Blick auf den Lehrermangel eine Rücknahme der sogenannten Bologna-Reformen in der Lehrerbildung gefordert – weg von Bachelor- und Masterabschlüssen, wieder hin zum Staatsexamen. „Aus den Erfahrungen der letzten 20 Jahre schließe ich, dass primär vor allem dort, wo die Lehrerbildung verwässert, zusammengelegt und ‚polyvalentiert‘ wurde, häufig besonders viele Lehrkräfte fehlen“, sagte sie im Gespräch mit News4teachers.

„Ein Teil des Problems“: Susanne Lin-Klitzing, Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbands, beschäftigt sich mit der Lehrerbildung. Foto: Deutscher Philologenverband

„Nach meiner festen Überzeugung ist die Lehrerbildung ein Teil des Problems Lehrkräftemangel – jenseits der Debatten in der jüngeren Vergangenheit um einen zu hohen Numerus clausus für Grundschullehrkräfte und viel zu wenige Studienplätze für sie“, so erklärt Lin-Klitzing. Kultuspolitiker und -politikerinnen hätten mit Bologna einen grundsätzlichen Denkfehler begangen, der sich heute räche. Hintergrund: Fast alle Bundesländer haben auch in der Lehramtsausbildung auf das 1999 im italienischen Bologna von der EU vereinbarte Bachelor-Master-System umgestellt. Das tradierte Studium mit Staatsexamen hält sich (meist modularisierter als früher) noch in Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und – teilweise – in Sachsen-Anhalt.

Die Philologen-Chefin, bis zu ihrer Wahl an die Verbandsspitze 2017 selbst für die gymnasiale Lehrerbildung an der Philipps-Universität Marburg zuständig, erklärt: „Bologna bedeutete ja für die Lehrerbildung: Polyvalenz schaffen, deshalb wurden die für das Lehramt sachfremden Abschlüsse Bachelor und Master in der Zuständigkeit der Wissenschaftsministerien eingeführt. Diejenigen Studierenden, die gerne Lehramt studieren wollten, sollten eben nicht darin gehalten und nicht auf das Lehramt ‚eng geführt‘, sondern ihnen sollte von Studienbeginn an klar gemacht werden, dass es für sie auch noch andere Berufsoptionen gibt. Damit waren die Kultusministerien auch nicht mehr in der Verantwortung, die angehenden Lehrerinnen und Lehrer anschließend einzustellen. Das rächt sich jetzt: Denn heute, wo wir jeden Einzelnen dringend bräuchten, verlieren wir durch die polyvalenten Bachelor- und Masterabschlüsse potenzielle Lehrkräfte an andere – nicht selten auch attraktivere – Berufsoptionen.“

„Wir müssen die Attraktivität, die Spezialisierung und Professionalisierung der Lehrkräfte stärken“

Sie betont: „Meine These: Besonders dort, wo es eine lehramtsunabhängige Ausbildung gibt und wo es keine klaren weiteren Schulsäulen neben dem Gymnasium gibt, dort gibt es den meisten Lehrkräftemangel. Warum? Weil keiner weiß, auf welchen Beruf er sich gerade einlässt und weil keiner weiß, an welcher Schulart er landet.“

Die Gymnasien hätten dieses Problem (bis auf die Mangelfächer) nicht, so Lin-Klitzing, denn das Gymnasium sei die einzige weiterführende Schulart, die es in jedem Bundesland gibt. Die Konsequenz: „Wir müssen die Attraktivität, die Spezialisierung und Professionalisierung der Lehrkräfte stärken und gerade keine schulartunabhängige Lehramtsausbildung angehen, sondern Lehrkräfte für eine Schulart ausbilden, die Profile der Schularten eher schärfen, nicht zusammenlegen. Und das Studium wieder klar auf den Beruf ausrichten – organisatorisch wie inhaltlich: durch das Staatsexamen.“

Ist das nicht ein alter Hut? Lin-Klitzing: „Das Staatsexamen bot und bietet den Kultusministerien in Bezug auf die Studiendauer und auf die Prüfungsinhalte den Zugriff auf die Lehrerbildung. Aktuell ist die Lehrerbildung in der ersten Phase in vielen Ländern allein Aufgabe des Wissenschaftsministeriums bzw. der jeweiligen Universität, viele Kultusminister beklagen mittlerweile den daraus resultierenden mangelnden Einfluss auf die Lehrerbildung in der universitären Phase. Diese damalige Fehlentscheidung muss aus meiner Sicht re-reformiert werden.“

Statistisch würden der Bachelor- und der daran sich anschließende Masterabschluss immer seltener in der Regelstudienzeit abgeschlossen. BA/MA-Abschlüsse seien in der Regel auf zehn Semestern angelegt, Studierende verblieben dafür oft zwölf Semester an der Hochschule.

Lin-Klitzing: „Die meisten Bundesländer versuchen, die längere Studienzeit durch die Kürzung des Referendariats zu kompensieren (doppelt falsch!), was den Einfluss der Kultusministerien zusätzlich schwächt und für die angehenden jungen Lehrkräfte die Zeit und das Hineinwachsen in die zunehmende Eigenverantwortung für unterrichtliches und schulisches Handeln zusammenkürzt. Mit einem Staatsexamen hingegen wird Kultushoheit gewährleistet, kann eine kürzere sechs-, acht- oder neunsemestrige Regelstudienzeit festgelegt werden, an die sich ein reguläres, eben nicht verkürztes Referendariat anschließt. Dann bekommen die angehenden Lehrerinnen und Lehrer das, was sie brauchen und was auch die Schülerinnen und Schüler verdienen: eine Ausbildung aus einem Guss, die speziell auf den Beruf vorbereitet. Und eine solche Fokussierung würde verstärkend dazu beitragen, dass Studierende im Lehrerbildungsstudiengang bleiben und nicht durch ein auf Polyvalenz angelegtes System sowohl weniger spezifisch ausgebildet als auch an andere Berufe verloren gehen würden.“

Warum dann nicht noch einen Schritt weiter gehen – und eine Art dualer Lehrerausbildung anbieten, also eine bezahlte, die mit praktischer Arbeit in der Schule einhergeht? Lin-Klitzing: „Dieser Vorschlag resultiert ja aus der Not. Neben dem, dass ich mir kaum vorstellen kann, dass die Kultusministerien die Kosten tragen wollten, denn eine solche Konzeption wäre ja letztlich länger und teurer, wenn man keine inhaltlichen Abstriche machen wollte, argumentiere ich hier inhaltlich dagegen: Unterrichten zu lernen, sich um Kinder und Jugendliche kümmern zu lernen, verantwortungsbewusst Noten geben zu lernen, in Elterngespräche einzutreten, das bedarf einer begleiteten und auch zeitlich intensiven Einführung.“

Referendare und Referendarinnen hatten laut Lin-Klitzing früher in der Regel ein Jahr zur Verfügung, nur um sich als junge Lehrkraft in die Schule und den Unterricht ‚einzusozialisieren‘ und erste Unterrichtsversuche zu unternehmen  – und begannen dann im zweiten Referendarsjahr mit acht Stunden Unterricht, den sie zunehmend qualifiziert durchführen sollten, unterstützt durch die begleitenden Schulungen durch das Studienseminar und begleitende Lehrkräfte im Lehrerkollegium – und das nach einem abgeschlossenen Studium.

„Zukünftige Lehrkräfte wollen zielgerichtet ausgebildet werden – nicht schulartunabhängig, ohne Kenntnis, wo sie später landen“

Lin-Klitzing: „Das füllte ihre volle Arbeitszeit – und wurde und wird von ihnen als überaus anstrengend und anspruchsvoll wahrgenommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man das mal eben locker nebenbei zu einem Studium gut bewerkstelligen kann – und das auch noch gut genug für die zu unterrichtenden Schülerinnen und Schüler wäre. Das unterschätzt ja auch die Notwendigkeit der fachwissenschaftlichen Auseinandersetzung in den Fächern als Grundlage fundierten Unterrichts.“

Ihr Fazit: „Ich würde den Kultusministerinnen und -ministern empfehlen, für das grundständige Lehramtsstudium zum Staatsexamen mit sechs, acht, neun Semestern Regelstudienzeit zurückzukehren, mit einem anschließenden zweijährigen Referendariat, das begleitet wird von den Profis an den Studienseminaren, die als Fachleute für die Begleitung der Referendare in dieser Phase kundig und professionell zuständig sind. Zukünftige Lehrkräfte wollen zielgerichtet ausgebildet werden – nicht schulartunabhängig, ohne Kenntnis, wo sie später landen.“ News4teachers

Perspektiven der Lehrerausbildung: Wie bringen angehende Lehrkräfte das, was sie an den Unis lernen, in den Unterricht?

 

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Palim
1 Jahr zuvor

Frau Lin-Klitzig möchte uns sagen, dass es besser für die Gymnasien ist, wenn die jungen Studierenden als angehende Philologen:innen sicher sind, dass sie später am Gymnasium unterrichten dürfen.
So umgeht man einen Einsatz an GeSa oder anderen Schulformen mit SekI, für die die Gymnasiallehrkräfte auch ausgebildet sind, oder eine andere Schulform (Grundschule, Förderschule).

Als es zu viele Lehramts-Absolvent:innen gab, mussten sich diese auch andere Berufe suchen,
nun tun es die Studierenden, weil die Bedingungen an den Schulen so schlecht sind, dass sich viele nicht darauf einlassen, obwohl sie zunächst den Beruf der Lehrkraft ergreifen wollten und das Studium aufgenommen haben.
Dagegen hilft nicht die scheinbare Ausweglosigkeit hinsichtlich eines Berufswechsels mit Mitte/Ende 20, sondern ein weitaus attraktiverer Arbeitsplatz, bei dem die Lehrkräfte auf vielfältige Weise bestmöglich darin unterstützt werden, ihrer Aufgabe nachkommen zu können.

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

So lange beispielsweise in NRW nicht klar ist, in welcher Schulform und an welchem Ort man später arbeiten wird, weil der Dienstherr jederzeit abordnen kann, werden junge Menschen dieses Wagnis meiden. Frau Lin-Klitzig’s Vorschlag würde hier für mehr Sicherheit sorgen und damit im Endergebnis zu mehr Lehrkräften führen.

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  0815

Als verbeamtete Lehrkraft kann man ohnehin jederzeit abgeordnet werden, das wendet eine andere Ausrichtung des Studiums nicht ab, wie man in etlichen Ländern gerade sehen kann.
Das Land wird die überschüssigen Lehrkräfte einer Schulform an eine andere mit Bedarf schicken und hat dies auch schon gemacht, als das Studium noch mit Examen abgeschlossen wurde.

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Und weil das so ist, weil nicht klar ist, ob die Lehrkräfte in spes ihren Lebensmittelpunkt frei wählen können, und weil nicht klar ist, ob die Lehrkräfte in spes die Fächer unterrichten können, die sie interessieren, kehren viele junge Leute dem Lehramt den Rücken. Dafür habe ich viel Verständnis.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Und das ist der „attraktivere Arbeitsplatz“, von dem Sie weiter oben gesprochen haben? Worin besteht denn nun diese Attraktivität? Welchen Stellenwert hat dabei die Sicherheit?

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Warum sollte es ein Grund für den aktuellen Lehrkräftemangel sein, wenn diese Sicherheit noch nie bestanden hat?

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

„noch nie bestanden“
Von willkürlichen Versetzungen von Lehrern gegen deren Willen hat man früher nichts gehört. Versetzungen gab’s auf Antrag. Weil der Gymnasialanteil immer weiter stieg, gab es auch keinen Anlass, Gymnasiallehrer wegzuschicken. Eher hat man mal Realschullehrer ans Gymnasium abgeordnet, aber kaum gegen deren Willen. Solche Nicht-Studienräte gab es schon zu meiner Schulzeit an meinem Gymnasium. Aber jetzt ist eine neue Situation entstanden.
Meine Frage war eigentlich: Was ist denn nun ein Kennzeichen des „attraktiveren Arbeitsplatzes“ im Sinne Ihres ersten Beitrags?

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Welche neue Situation?
Eine Schule, die zu viele Lehrkräfte hat, muss Stunden an eine andere Schule abordnen, die schlechter versorgt ist.
Richtig, es gab Abordnungen und Versetzungen in verschiedene Richtungen, gerade dahin, wo der Mangel war.
Was daran soll denn neu sein?

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Überarbeiten klappt nur in einem sehr engen Zeitfenster, vielleicht hat auch jemand an der Uhr gedreht… hier hat es nicht geklappt, obwohl der Kommentar noch lange nicht veröffentlicht war.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

„welche neue Situation?“
Na, der allgemeine extreme Lehrer-mangel, den es so noch nie gab. Es gab ja mal eine Lehrerschwemme.
Aber Sie lenken ab von meiner Frage nach dem „attraktiveren Arbeitsplatz“ im Sinne ihres ersten Beitags ganz oben.

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Welche neue Situation?
Eine Schule, die zu viele Lehrkräfte hat, muss Stunden an eine andere Schule abordnen, die schlechter versorgt ist.
Richtig, es gab Abordnungen und Versetzungen in verschiedene Richtungen, gerade dahin, wo der Mangel war.
Was daran soll denn neu sein?
https://www.mk.niedersachsen.de/download/146836
Zuvor gab es unzählige Kolleg:innen, die bereit waren, über Abordnung oder Versetzung die Not zu minimieren.

Wenn alle Schulen gut versorgt wären und eine entsprechende Reserve hätten, würde die Zahl der Abordnungsstunden weit geringer ausfallen.
Dem ist aber nicht so und in den vergangenen 10 Jahren haben viele Schulen mit vielen Abordnungen irgendwie den Unterricht sichergestellt.
Derzeit zeichnet sich ein Überhang an Gym-LuL ab, der auch über Abordnungen in anderen Schulformen geparkt werden kann, bis es zur Erweiterung auf G9 kommt – NDS hat das bereits vollzogen.

Nachdem über viele Jahre GHR-LuL in der GS und SekI (auch am Gym früher) ausgeholfen haben, ist jetzt der Mangel an den GeSa und GHR-Schulen groß, ja, auch weil die Länder viel zu lange keine Maßnahmen dagegen ergriffen haben.
Warum sollten Gym-LuL nicht in der SEKI aushelfen können, zumal auch die GeSa zum Abitur führt?

Da darf der Philologenverband gerne die haltlosen Zustände an den anderen Schulformen als dem Gym in den Blick nehmen und eine bessere Ausstattung und Unterrichtsversorgung dieser Schulen fordern, auch gegen die Praxis, ausfallende Stunden mit Betreuung nicht-Lehrenden Personals zu ersetzen.
DAS wäre ein Garant dafür, dass die Gym-Lehrkräfte nicht in die Abordnung geschickt werden müssen.Welche neue Situation?
Eine Schule, die zu viele Lehrkräfte hat, muss Stunden an eine andere Schule abordnen, die schlechter versorgt ist.
Richtig, es gab Abordnungen und Versetzungen in verschiedene Richtungen, gerade dahin, wo der Mangel war.
Was daran soll denn neu sein?
https://www.mk.niedersachsen.de/download/146836
Zuvor gab es unzählige Kolleg:innen, die bereit waren, über Abordnung oder Versetzung die Not zu minimieren.

Wenn alle Schulen gut versorgt wären und eine entsprechende Reserve hätten, würde die Zahl der Abordnungsstunden weit geringer ausfallen.
Dem ist aber nicht so und in den vergangenen 10 Jahren haben viele Schulen mit vielen Abordnungen irgendwie den Unterricht sichergestellt.
Derzeit zeichnet sich ein Überhang an Gym-LuL ab, der auch über Abordnungen in anderen Schulformen geparkt werden kann, bis es zur Erweiterung auf G9 kommt – NDS hat das bereits vollzogen.

Nachdem über viele Jahre GHR-LuL in der GS und SekI (auch am Gym früher) ausgeholfen haben, ist jetzt der Mangel an den GeSa und GHR-Schulen groß, ja, auch weil die Länder viel zu lange keine Maßnahmen dagegen ergriffen haben.
Warum sollten Gym-LuL nicht in der SEKI aushelfen können, zumal auch die GeSa zum Abitur führt?

Da darf der Philologenverband gerne die haltlosen Zustände an den anderen Schulformen als dem Gym in den Blick nehmen und eine bessere Ausstattung und Unterrichtsversorgung dieser Schulen fordern, auch gegen die Praxis, ausfallende Stunden mit Betreuung nicht-Lehrenden Personals zu ersetzen.
DAS wäre ein Garant dafür, dass die Gym-Lehrkräfte nicht in die Abordnung geschickt werden müssen.

MB aus NRW
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Abordnungen gibt es schon länger; aber nicht in dieser Fülle und nicht in der Fülle ausdrücklich gegen den Willen der Lehrer (NRW). Ich habe im Bekanntenkreis aber z.B. Lehrer*innen einer Schule, in der mindestens 5 (!) Kolleg*innen abgeordnet werden müssen (4 1/2 Stellen) und zwar an andere Schulformen in unbekannter Entfernung.

Und wen trifft es da in mehreren Fällen? Genau, Frauen mit halber Stelle, die auch noch irgendwie ihre Kinder „managen“ müssen (Kita in der Nähe der Schule, Grundschule in der Nähe etc.); Ergebnis: miese Stimmung, viel zerschlagenes Porzellan und verschiedene „Fluchtideen“.
An der Schule, aus der abgeordnet wird, fällt übrigens Unterricht wegen Lehrermangel aus, es sind z.T. Studenten eingestellt, die selbständig unterrichten – wie ist das möglich? Statistikbeschönigung des Landes (die Studenten zählen für die Stellen ebenso mit wie Langzeiterkrankte, die garantiert nicht zurückkehren werden).

Und hier jetzt die Schuld auf den PHV zu schieben, ist lächerlich, der hat (bei aller z.T. berechtigter Kritik hier für einige Äußerungen) immerhin mit dafür gesorgt, dass das Arbeiten an Gymnasien noch halbwegs erträglich ist – noch…dass viele GS und zum Teil auch Grundschulen eine Zumutung sind und sich z.T. 30 Lehrer*innen und mehr gleichzeitig wegbewerben, weil sie nur noch raus wollen aus dem System, ist aber natürlich ein Problem, aber das verschärft sich gerade eher (die Fülle an Themen haben wir hier diskutiert).

Was jetzt passiert, ist, dass die Gymnasien eben auch noch kaputt gemacht werden und dann dauert es nicht lange, dass wir ein Parallelsystem mit teuren, aber guten und gut ausgestatteten Privatschulen und staatlichen Schulen haben…genau, was man eigentlich nicht möchte…

Ich habe noch nie so viele unzufriedene Lehrer auf einmal erlebt, sowohl, was das Verbieten von Teilzeit (hier ist auch noch keine Klarheit in NRW) als auch die Zwangsabordnungen angeht. Und da wird momentan unfassbar viel kaputt gemacht. Die einen haben schon für sich beschlossen, alles zusätzliche Engagement sein zu lassen, andere mit Kindern haben „Vermeidungsstrategien“ (Elternzeit), wieder andere, die in den Burnout gezwungen werden sollen mit dem Zwang zur vollen Stelle haben sich ausgerechnet, dass es auch ohne Schule geht und werden dann ganz hinwerfen – und das sind in „meiner“ Schule 3 Kolleginnen, die man sich einfach nur wünschen kann (zuverlässig, engagiert, machen Fahrten mit, bieten zusätzliches an; wollen eben nur nicht mit 2 Korrekturfächern auf eine volle Stelle gehen).

Der Beitrag versteht sich auch als Idee für die Redaktion, sich mit den Zwangsabordnungen zu befassen – ich habe z.B. die persönlichen Eindrücke, aber keine genauen Statistiken…

MB aus NRW
1 Jahr zuvor
Antwortet  Redaktion

Danke und viele Grüße zurück!

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  MB aus NRW

Ob das, was Sie schildern, in NRW neu ist, kann ich nicht beurteilen.
In NDS ist es schon lange so.
Nach der Abschaffung der Orientierungsstufe, durch Zusammenlegung von Schulen oder Veränderung der Schulform (HS/RS in Oberschule oder IGS) sind viele Lehrkräfte an andere Schulen versetzt worden. Zu der Zeit war schon ein Mangel an den Grundschulen. Danach kamen Abordnungen – quasi von allen Seiten.

„Was jetzt passiert, ist, dass die Gymnasien eben auch noch kaputt gemacht werden“
Was offenbar auch in NRW jetzt passiert, ist, dass die Gymnasien nicht länger ausgeschlossen werden, sondern angesichts besserer Versorgung ebenfalls abordnen müssen.
Das kann auch damit zusammenhängen, dass für die Gymnasien vorab mehr Lehrkräfte eingestellt werden, um den anstehenden zusätzlichen Jahrgang zu G9 austatten zu können. Das zumindest führte auch in NDS dazu, dass in den Jahren davor Gymnasiallehrkräfte an andere Schulformen abgeordnet waren.

Warum Lehrkräfte mit Gym/GeSa-Ausbildung (in NRW) nicht vom Gym an die GeSa oder eine andere SekI-Schule gehen können, erschließt sich mir nicht- sie sind doch dafür ausgebildet worden.
Der Philologenverband betreibt Lobbyarbeit, das ist seine Aufgabe, macht es aber einmal mehr auf dem Rücken der anderen Lehrkräfte. Floriansprinzip … das kommt bei denen, bei denen es brennt, nicht gut an.
Wenn die Philologen ihre Pfründe bewahren wollen, sollten sie dafür plädieren, dass die Lehrkräfte an anderen Schulformen Luft zum Atmen bekommen, bevor sie umfallen.

MB aus NRW
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Bei aller Kritik am PhV, die ich z.T. auch teile, muss man aber auch so ehrlich sein und feststellen, dass man sich dort durchaus Gedanken über andere Schulformen macht und Ideen zur Veränderung hat – und dafür eben oft kritisiert wird…jede Schulform hat ihre Interessensvertretung, es ist doch ganz natürlich, dass sich der PhV vor allem für die Gymnasien einsetzt

Es gibt jetzt einen neuen Artikel zum Lehrermangel und Lehrern, die in NRW hinschmeißen, da passt unsere Diskussion wunderbar hin.

Leider ist all die Aufmerksamkeit auf das, was in Schule alles schief läuft, viel zu spät ins mediale Interesse gerückt, jetzt ist schon viel zerstört…

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

In der Lebenswirklichkeit der meisten Lehrkräfte hat diese Sicherheit immer bestanden. Wer kennt denn wie viele Kolleginnen, die gegen ihren Willen versetzt oder abgeordnet worden wären? Ich kenne niemanden.

In Zukunft soll das aber anders werden. In der Konsequenz meiden junge (und nicht mehr ganz so junge) Menschen das Lehramt.

Lanayah
1 Jahr zuvor
Antwortet  0815

Meinen Sie die Lebenswirklichkeit der Gymnasiallehrkräfte? Ich war schon öfter gegen meinen Willen abgeordnet und kenne auch mehrere Kolleginnen bei denen das so war.

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lanayah

Ich unterrichte an keinem Gymnasium und kenne trotzdem niemand, die/der gegen ihren/seinen Willen versetzt oder abgeordnet worden wäre. Wo unterrichten Sie denn und die Kolleginnen, die gegen ihren Willen abgeordnet worden sind?

Walter
1 Jahr zuvor
Antwortet  0815

Keine Statistik dazu da?

0815
1 Jahr zuvor
Antwortet  Walter

Sorry – mit einer Statistik über die persönliche Motivation von Versetzungen und Abordnungen kann ich nicht dienen. Kennen Sie eine solche Statistik?

Carsten60
1 Jahr zuvor

Das stimmt auf jeden Fall in folgender Hinsicht: Jeder Bachelor-Studiengang muss nach den Spielregeln berufsqualifizierend sein (eigentlich eine blöde Regelung). Ein Lehramts-Bachelor ist das aber gerade nicht, daher die hinterher eingeführte „Polyvalenz“. Und das hat zur Folge, dass man mit diesem Bachelor aussteigen oder eben einen anderen Master draufsetzen kann, womit das Lehramt gar nicht mehr angestrebt wird. So werden die Leute geradezu animiert, aus dem Lehramtsstudium auszusteigen. Beim Staatsexamen ging das auch, war aber nicht so offensichtlich organisiert. Da musste jeder selbst sehen, was ihm der Prüfungsausschuss vom Lehramtsstudium für einen anderen Studiengang anrechnete.

Bene
1 Jahr zuvor
Antwortet  Carsten60

Um nochmal auf die Ursache zurückkommen: Fachkräftemangel ist ein Attraktivitätsproblem. Das gilt für Pflegekräfte wie Lehrkräfte. Und inwiefern macht „Zwang“ und „Einschränkung“ und „Perspektivlosigkeit“ in der Ausbildung den Lehrerberuf attraktiver?

Und das Problem, dass der Lehramtsbachelor nicht berufsqualifizierend ist, kann man lösen. Es gibt nämlich sehr wohl viele viele berufsqualifizierende Bachelor. Das kommt aber immer ganz auf die implementierende Hochschule an.
Ich denke, die Frage dabei ist eher, wie viel Praxisbezug man im Studium hat.

LG

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bene

Fachhochschulstudiengänge werden oft berufsqualifizierend sein, aber an Universitäten ist das Krampf. Welche sind denn das? In Medizin und Jura hat man schon gleich abgewinkt. Und wenn, werden die Absolventen im öffentl. Dienst nur in den Gehobenen Dienst eingruppiert, also maximal A12. Früher waren mal die Grundschulstudiengänge an einer PH ganz ähnlich zum heutige Bachelor, 6 Semester Regelstudienzeit, Praxisbezug. Die wollte dann aber keiner mehr haben, warum eigentlich nicht? Warum sollte da mehr Theorie rein?

Gelbe Tulpe
1 Jahr zuvor

Das Problem am Referendariat ist doch, dass man realitätsfremde Konzepte lernt. Die muss man nach Abschluss der Lehrerausbildung erst mal wieder verlernen und dann zielorientiertes Unterrichten sich selbst beibringen, um gut unterrichten zu können. Das Referendariat verlängert somit bloß die Zeit, bis man eine professionelle Lehrkraft wird. Und es kostet eine Menge unnötiges Geld.

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

Im Referendariat macht man das, was gerade IN ist und muss das exerzieren bis zum Umfallen. Und wer’s nicht hinbekommt, geht.

Die Zeit muss man einfach überstehen, der Weg ist da nicht das Ziel.

Das, was zu meiner Zeit im Ref IN war, war schon lange nicht mehr in meinem Unterricht.

Man kann aber aus jedem Unterricht etwas mitnehmen: Wie man es machen kann – oder was man besser bleiben lässt.

GriasDi
1 Jahr zuvor

Zitat:
„Im Referendariat macht man das, was gerade IN ist und muss das exerzieren bis zum Umfallen.“
Das kommt sehr auf die Seminarlehrkräfte an. Schlimmer finde ich die Didaktik und Pädagogik-Vorlesungen an der Uni, in denen ich persönlich nichts gelernt hätte, was ich später im Schulalltag brauchen konnte.

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

Hallo – die Bedeutung von Herbarth, Litt oder Schleiermacher wird völlig verkannt. Wer Kant nicht kennt, der hat einfach verloren.

🙂

Didaktik an der Uni war wirklich völlig daneben. Die „Fachkraft“ hatte das Ref abgebrochen weil rausgeflogen. Und sowas „lehrt“ einem dann Didaktik.

AlexB
1 Jahr zuvor
Antwortet  Gelbe Tulpe

@ Gelbe Tulpe: Das muss man aus meiner Sicht weit differenzierter sehen.

Zum einen hängt die Qualität der Ausbildung im Referendariat (natürlich woanders auch) an der Qualität derjeigen, die ausbilden. Da habe ich schon viel Schlechtes, aber auch viel Gutes gesehen.
Zum anderen ist es ja so, dass mann auch in anderen Berufen Elemente des Berufs sehr eingehend lernt, um sie später in Routine und Kompetenz zu überführen. Die typische „Schaustunde“ als Teil der „Schaureihe“ hält man später nie wieder so, wenn man Vollzeit vor den Kindern steht. Aber man hat im Idealfall über die Schaustunden die Kompetenzen erworben, die man später braucht.

Vierblättriges Kleeblatt
1 Jahr zuvor

Philologen-Chefin fordert: Weg mit Bachelor und Master in der Lehrerbildung – zurück zum Staatsexamen
Richtig so! Ich unterstütze das.

gehtsnoch
1 Jahr zuvor

Dann braucht es sicherlich aber Fachsonderbefähigter oder gar Spezialfachbefähigter für einen gewissen Fachideotismus um Neugier zu erwecken und Diskussionsbereitschaft zu signalisieren..

EmpiD
1 Jahr zuvor

Ich mache mein Staatsexamen in MV und das hat gewisse Vor- und Nachteile. Ich muss mich auf keinen (neuen) Masterstudiengang bewerben, sondern ziehe alles in einem Rutsch durch. Ich bin außerdem ziemlich frei, was die Organisation meines Studiums angeht. Mein Abschluss hat ebenfalls einen Wert, anders als der Lehtamts-Bachelor.
Allerdings sind die Anforderungen an den Abschluss auch ziemlich hoch und die Prüfungen beeinflussen die Abschlussnote enorm.

Unschön finde ich aber ihre Begründung, dass man mit dem Staatsexamen die Möglichkeit zur Umorientierung entfernen bzw. begrenzen will. Wenn Schule nur deswegen attraktiv ist, weil man nach dem Abschluss sonst keine Möglichkeit mehr hat, dann könnte das Studium noch unattraktiver werden.

Ich habe demnächst einen Abschluss in Informatik und Philosophie, damit habe ich gute Aussichten auf Berufe außerhalb des Schulbetriebs und das beruhigt mich ungemein. Aber das gilt nicht für alle Lehrämter. Bspw. jemand mit den Fächern Deutsch und Englisch, ist festgefahren und hat tatsächlich wenig bis kaum Möglichkeiten für eine Arbeit außerhalb der Schule.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  EmpiD

Bei Mathe und Physik auf Sek I-Niveau hat man in der freien Wirtschaft keine Chance, weil der Studiengang fachlich zu dünn ist.

EmpiD
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Ich kann natürlich nicht für andere Studiengänge sprechen aber im Staatsexamen bist du fachlich definitiv weit über dem Bachelorniveau. Insgesamt über Master aber nicht auf das einzelne Fach bezogen. Zumindest was Informatik betrifft, bin ich fachlich besser ausgebildet als viele Masterstudiengänge es ermöglichen. Gerade auch, weil das Lehramt umfassende Kenntnisse und Kompetenzen erfordert, während Master meist in einem Bereich spezialisiert sind.

Für den Berufseinstieg in der freien Wirtschaft sehe ich da nicht wirklich schlechte Karten.

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  EmpiD

Ich auch nicht. Ich habe auch berufsfremd gearbeitet und mein Staatsexamen wurde fast den Master gleichgestellt. Diese strengen Besoldungsgruppen gibt es ja nur im öffentlichen Dienst, nicht in der freien Wirtschaft

Der Zauberlehrling
1 Jahr zuvor

Frau Lin-Klitzig ist witzig. Es gab früher – vor dem Master a la Bolognese – schon Lehrer mit Diplom.

Diplom-Gewerbelehrer und Diplom-Handelslehrer.

Das Referendariat auf 18 Monate zu verkürzen (Baden-Württemberg) ist auch keine gute Idee in Sachen „sich und etwas ausprobieren“. Zwei Jahre sind einfach besser. Aber da wird natürlich gleich mal Geld gespart, wenn der Referendar im zweiten Halbjahr anfängt. An der Stelle stimme ich Frau Lin-Klitzig zu. 24 Monate sind einfach besser.

Bla
1 Jahr zuvor

Das Referendariat als freiwilliges Angebot zu machen wäre „einfach besser“.

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  Bla

Würde keiner machen wollen.Schon weil man nach der Uni gnadenlos optimistisch ist, was die eigenen Fertigkeiten angeht. Unser Referendariat war “ Schweiß, Blut und Tränen“, garniert mit Nervenzusammenbruechen und einer Fehlgeburt. Und wer nur 2,0 hatte, war danach arbeitslos. Der Verdienst war auch mickrig.

Ron
1 Jahr zuvor

Merkel und Schavan haben auch in der Bildung ein Trümmerfeld hinterlassen. Die Bologna-Reform war ein riesiger Fehler und hat uns diese widersinnigen Bachelor- und Masterstudiengänge beschert. Der Philologenverband hat schlicht Recht mit seiner Forderung – nicht nur für Gymnasiallehrkräfte.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Ron

Zumindest könnte man ja mal den Erfolg der Bologna-Reform in Bereich Lehramt evaluieren, es wird doch sonst alles evaluiert. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein (eher fachlicher) Bachelor mit einem (eher pädagogisch orientierten) Master das bringt, was er eigentlich bringen soll. Das ständige Herumdoktern an Studienplänen ist eher kontraproduktiv. Zudem führt die Modularisierung auch zu einer „Häppchen-Wissenschaft“, besonders wenn diejenigen Module bevorzugt werden, die unter Studenten als „leicht“ oder „bequem“ gelten. Irgendwo stand was von Multiple-Choice-Klausuren im Bereich Bildungswissenschaft.

Lera
1 Jahr zuvor

Ich lese hier vor allem:

Ohne unterschiedliche Studiendauer können wir die Privilegien der GY-Lehrkräfte kaum noch rechtfertigen.

Darüber kann die verquaste Argumentation mit einer angeblichen Linderung des Lehrermangels durch vermeintlich weniger berufliche Flexibilität des Abschlusses nicht hinwegtäuschen.

Aber ich werfe ihr das nicht vor, sie macht halt Lobby für ihre Klientel mit hohem Distinktionsbedarf.

So etwas würde dem sogenannten GS-Verband nie passieren.

GriasDi
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lera

Hätte ich zu Studiumsbeginn nicht gewusst, dass ich später mal an einem Gymnasium unterrichte hätte ich meine Fächer nicht auf Lehramt studiert. Die von Ihnen angesprochene Flexibilität wird ja später hauptsächlich nur in eine Richtung flexibel – und nicht zum Wohle der Lehrkräfte – gehandhabt.
Übrigens: es geht nicht nur um die Studiendauer sondern auch um die Inhalte. Bei einer Angleichung der Studiengänge wird das Studium für GS vom Niveau her sicher nicht steigen, was aber nötig wäre.
Vgl:
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/paedagogen-pisa-wehe-wenn-der-mathelehrer-rechnen-muss-a-689146.html

Lera
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

Ich schrieb „vermeintlich weniger berufliche Flexibilität“.

Denn ob Staatsexamen oder Master: Der Bedarf besteht vor allem an den runtergewirtschafteten Schulformen und Beamte können nun mal abgeordnet werden. Die ganze Argumentation ist verquast und das eigentliche Ziel ist offensichtlich: unterschiedliche Studiendauer für unterschiedliche Schulformen, damit man wieder sagen kann: Zwei Semester mehr rechtfertigen lebenslange Privilegien (was natürlich auch lächerlich ist).

Aber wie gesagt: Immerhin macht sie Lobby für ihre Klientel, das ist ja ihr Job und ich wünschte, die anderen Schulformen würden nicht durch solche Lappen wie vom VBE etc. „vertreten“ oder besser gesagt verraten und verkauft.

Hans Maiaer
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lera

Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen. Die Gesamtschulen haben nach wie vor die Nachsicht. Müssen sich mit dem wirklich schwierigen Klientel rumschlagen und sollen nach wie vor weniger Geld und Anerkennung bekommen.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  Hans Maiaer

Sollen wir „Nachsicht“ mit den Gesamtschulen haben?

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  GriasDi

Und wieder draufgegangen und in die Kerbe geschlagen, GS-LuL seien schlecht ausgebildet.
Sind sie nicht und ein gleicher Studienabschluss bedingt gleiches Gehalt.
Aber Sie unterstreichen einmal mehr den Lobbyismus der Philologen.
Bestimmt übernehmen diese dann auch gerne den Unterricht in den staatlichen Grundschulen – mit A13 und ganz vielen didaktischen und methodischen Kenntnissen.

GriasDi
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Ich habe nur Studien zitiert.
Die Ergebnisse der Studien habe ich auch nicht erfunden.
Siehe TEDS-M-Studie, Coactiv-Studie oder auch:
https://www.geb-ravensburg.de/files/uploads/pdf/Hattie%20Studie%202009%20Lernerfolg.pdf

Ich finde es schon komisch, wenn man mit den Ergebnissen der Studie, die im folgenden Spiegel-Artikel beschrieben werden zufrieden ist und keine Konsequenzen folgen. Aber keine Angst, am Gymnasium ist das bald auch so, wenn das fachliche Niveau des Studiums immer weiter abgesenkt wird.

https://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/paedagogen-pisa-wehe-wenn-der-mathelehrer-rechnen-muss-a-689146.html

Last edited 1 Jahr zuvor by GriasDi
GriasDi
1 Jahr zuvor
Antwortet  Palim

Außerdem:
Aus der ‘Zeitschrift für Pädagogik’ vom Januar/Februar 2017:
Nach einer der wenigen Studien zum Thema Professionswissen (KiL-Projekt) unter Prof. Olaf Köller „erzielen Studierende des Gymnasiallehramtes in den vier Skalen Lehren, Lernen und Entwicklung, Klassenführung und Innovieren signifikant bessere Ergebnisse als Studierende der anderen Lehrämter“.
Und weiter:
„Dieser Befund erscheint zunächst kontraintuitiv, da oft angenommen wird, dass in gymnasialen Lehramtsstudiengängen eher weniger pädagogisches und psychologisches Wissen vermittelt wird als in anderen Lehramtsstudiengängen.“ Die Autoren der Studie wollen nun prüfen, „wie es zu diesen Leistungsvorteilen im gymnasialen Lehr-
amtsstudium kommt.“

Lera
1 Jahr zuvor

„Referendariat, das begleitet wird von den Profis an den Studienseminaren“

Das System der kleinen Sonnenkönige ist ein – gar nicht mal so kleiner – Teil des Problems Lehrermangel.

Etliche Lehramtsstudenten gehen gar nicht erst nicht ins Ref, weil sie von den oftmals menschenunwürdigen Praktiken dort erfahren haben.

Mara
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lera

Dem stimme ich zu. Das Referndariat zu reformieren, ist dringend geboten.

Hans Maiaer
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mara

Aber um 180 Grad! „Sonnenkönige“ finde ich total passend.

Ann
1 Jahr zuvor

Mit Staatsexamenspflicht wäre ich nicht Lehrer geworden. B.A und M.Ed. gewinnen hier klar

gehtsnoch
1 Jahr zuvor

„10 jähriges Lehramtsstudium“ – auch eine Leistung!

0815
1 Jahr zuvor

Sie schreiben „Des Weiteren ist das Argument, sich durch das StEx auf eine Schulform festzulegen, eine Farce. Die Absolventinnen und Absolventen werden letztendlich später dort eingesetzt, wo Bedarf besteht…“

Doch genau das ist doch das Problem. Die jungen Menschen entscheiden sich nicht für einen Job, wo nicht klar ist, wie sie wo arbeiten werden. Warum denn auch? In Zeiten des Fachkräftemangels winken deutlich attraktivere Angebote.

Lera
1 Jahr zuvor
Antwortet  0815

Das hat aber mit dem Studium, seiner Dauer und der Art des Abschlusses NICHTS zu tun, sondern mit dem Beamtenrecht. Klassischer Strohmann.

Felix
1 Jahr zuvor

Ein großes Problem beim Staatsexamen mit dem ich zu tun habe ist, dass man bei Umzug während des Studiums haufenweise LP auf der Strecke lassen muss, weil jedes Bundesland Lehrer anders ausbildet. Mit dem BA-MA System hat man wenigstens zwischendurch einen fertigen Abschluss in der Hand. Außerdem kann die Lösung für eine schlechte Uniausbildung nicht sein, zurück zu einer ebenfalls problematischen Uniausbildung zu gehen – als ob das den Lehrermangel löst. Das Argument gegen ein Duales System ist auch Quatsch, es gibt bereits Unis die Semesterbegleitende Praxismodule anbieten, das kann man auch ausweiten, dazu müsste man nur die Schulen in die Pflicht nehmen, denn es mangelt vor allem an Praktikumsplätzen. Ich denke viele Studierende wären dankbar, wenn es mehr begleitete Praxis während des Studiums gäbe – grade damit sie wissen worauf sie sich einlassen. Nur weil man im Hinterkopf hat, an was für einer Schulform man unterrichten wird (die übrigens auch gerne mal bundesweit vereinheitlicht werden dürften) bedeutet das lange nicht, dass man sich auf seinen Job vorbereitet fühlt. Da ist es egal ob 10 Semester Staatsexamen oder 10 Semester BA-MA, man studiert gleichermaßen am Beruf vorbei.
Ich studiere übrigens nicht wegen des BA-MA Systems länger, sondern weil viele Pflichtveranstaltungen nur alle paar Semester angeboten werden und weil ich beim Bundeslandwechsel 60 LP verloren habe. So dauert es gerne mal ein paar Jahre länger… Nach 4 Jahren Studium freue ich mich jetzt im nächsten Semester auf mein erstes Praxismodul (im Staatsexamen!).

Palim
1 Jahr zuvor
Antwortet  Felix

„Praxismodule anbieten, das kann man auch ausweiten, dazu müsste man nur die Schulen in die Pflicht nehmen, denn es mangelt vor allem an Praktikumsplätzen.“
Wo mangelt es denn an Praktikumsplätzen?

Vielleicht gehen Sie mal in Ihr erstes Praxismodul und schauen sich in den Schulen um, bevor sie den Lehrkräften weitere Pflichten auferlegen wollen.
Wie so oft: Wenn man die Aufgabe ernst nimmt, ist es viel Aufwand und Arbeit, die nicht entlastet wird, sondern zusätzlich zu leisten ist.

Mrs Smith
1 Jahr zuvor

I’ve met a few unemployed high-quality teachers with diplomas in Germany. Unemployed only because C2 level of German is required to teach any subject. I can speak for teachers of English that this level of German can be lowered, and possibly for the others too. It is important to speak good advanced German but mothertongue level may be a bit too much especially in the middle of the crisis. Mind you it may take more than 5 years of active learning for someone to get to C2 level.

Dil Uhlenspiegel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Mrs Smith

Only a matter of time and possibly timing, too.

J H
1 Jahr zuvor

Attraktivere Gestaltung des Jobs, ja, das muss definitiv sein. Auch die klarere Abgrenzung der Schularten muss m. E. sein. Dazu gehören z. B. verpflichtende GS-Empfehlungen. Das SE zurück holen? Auf keinen Fall! Ich finde es recht armselig, das zu fordern, da dies offensichtlich primär aus Angst geschieht, die polivalenter gebildeten Studenten und Studentinnen in ihrer Entscheidungsfreiheit einzuengen und zu verhindern, dass sie attraktivere Jobs in der freien Wirtschaft annehmen. Ich finde diese Aussage regelrecht peinlich.

AlexB
1 Jahr zuvor

Ich bin als GS-Lehrer nicht immer einer Meinung mit dem Philologenverband. Die Argumentation von Frau Lin-Klitzing hat aber aus meiner Sicht durchaus viele richtige und überdenkenswerte Punkte.

Meine Sorge ist nur, dass es Hintergedanken gibt, und sie über den Weg einer „zurück geänderten“ Lehrkräfteausbildung zukünftig wieder Privilegien für Gymnasialkräfte rechtfertigen will, die gerade „verloren gehen“. Letzteres darf nicht passieren, denn dann können die Grundschulen ganz dicht machen, weil es niemanden mehr gibt, der den Job machen will.
Eine Reform der Ausbildung hingegen sollte auf jeden Fall passieren.

Carsten60
1 Jahr zuvor
Antwortet  AlexB

„… weil es niemanden mehr gibt, der den Job machen will.“
Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Lehrämtern hinsichtlich Werdegang und Bezahlung hatten sich von 1945 bis vor kurzem nicht wesentlich geändert. Jeder wusste davon, und dennoch gab es Grundschullehrer, die nicht ständig damit gehadert haben, keine Gymnasiallehrer zu sein. Die Bezahlung von Lehrern ist nicht das alles entscheidende Kriterium. Wenn es derzeit eine gewisse Flucht aus dem Beruf zu geben scheint, dann sicher nicht aus finanziellen Gründen, sondern wegen der Rahmenbedingungen insgesamt. Und nicht zuletzt wegen der Polyvalenz, die möglicherweise kontraproduktiv wirkt. Wer so einen polyvalenten Studienabschluss hat, sieht sich vielleicht erstmal nach diversen Möglichkeiten um, bevor er am Ende in den Schuldienst geht. Solche Alternativen gab es eben nach einem PH-Studienabschluss früher in dieser Weise nicht bzw. die Leute wurden nicht noch mit der Nase draufgestoßen.

Wilfried Bergmann
11 Monate zuvor

Was ist denn das für ein skurriler Bericht? Erst steht dort Brandenburg verlässt. Undam Ende dann, dass Berlin aber vorher schon das Lisum gekündigt hat. Und erst danach Brandenburg den beschriebenen Schritt getan hat. Der Artikel scheint nicht stringent.