Bildungsforscherin McElvany: Wegen KI künftig wohl mehr mündliche Prüfungen nötig

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Künstliche Intelligenz (KI) und Programme wie ChatGPT werden nach Einschätzung von Bildungsexperten auch in den Schulen eine wachsende Rolle spielen. «KI ist Teil der Realität – und es ist nicht hilfreich, nur auf das zu schauen, was daran schwierig werden könnte», sagte die Geschäftsführende Direktorin des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS), Prof. Nele McElvany, am Donnerstag am Rande einer Tagung in Dortmund. Die fand statt aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des IFS.

„Wir werden uns alle Gedanken machen müssen“: Professorin Nele McElvany, Geschäftsführende Direktorin am IFS. Foto: IFS

«Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie mit den Informationen umgehen, die ChatGPT ausspuckt, wie sie die Quellen dahinter überprüfen und kritisch bewerten», sagte McElvany. Das sei ähnlich wie auch bei den digitalen Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche erwerben müssten, schilderte McElvany.

Die Prüfungsformen würden sich künftig womöglich vom schulischen bis hin zum universitären Bereich ändern – etwa mit mehr mündlichen Leistungsüberprüfungen. «Da werden wir uns alle Gedanken machen müssen.»

Olaf Köller vom IPN Leibniz-Institut für Pädagogik in Kiel betonte, neben den drei Basiskompetenzen Rechnen, Schreiben, Lesen sollte in Zukunft gleichwertig eine Grundbildung in digitalen Kompetenzen inklusive KI-Kenntnissen hinzukommen. KI-Programme wie ChatGPT für die Schulen zu verbieten, sei keine Lösung. Er sehe ChatGPT eher «gelassen»: Auch die Einführung des Taschenrechners habe nicht zur Abschaffung des Fachs Mathematik geführt, sagte er bei der Veranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des renommierten Instituts für Schulentwicklungsforschung an der Uni Dortmund.

Das IFS gehört zu den bundesweit führenden Einrichtungen der Bildungsforschung. Dort werden auch international beachtete Studien wie die Leistungsanalyse von Viertklässlern – die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) – durchgeführt.

Stefan Luther vom Bundesbildungsministerium sagte via Video-Botschaft, das IFS sei ein «Leuchtturm der Schulforschung» und ein «Impulsgeber für die Bildungspolitik». Die jüngsten Iglu-Ergebnisse, denen zufolge jeder vierte Viertklässler nicht einmal das Mindestniveau im Lesen erreiche, seien «alarmierend» und «vielleicht auch beschämend für ein Land wie Deutschland». News4teachers / mit Material der dpa

Iglu-Studie: Jeder vierte Viertklässler kann nicht richtig lesen – 20 Jahre gescheiterte Bildungspolitik!

 

 

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Dil Uhlenspiegel
8 Monate zuvor

Damit wäre das auch erforscht und alle können wieder ruhig schlafen.

Realist
8 Monate zuvor

«Schülerinnen und Schüler müssen lernen, wie sie mit den Informationen umgehen, die ChatGPT ausspuckt, wie sie die Quellen dahinter überprüfen und kritisch bewerten»“

„Die Prüfungsformen würden sich künftig womöglich vom schulischen bis hin zum universitären Bereich ändern – etwa mit mehr mündlichen Leistungsüberprüfungen. «Da werden wir uns alle Gedanken machen müssen.»“

Ach? Wer hättte das gedacht!

Aber wie immer: Außer Platitüden, auf die jeder klar denkende Mensch auch von selber kommt, mal wieder nichts hilfreiches von der Bildungs“forschung“.

Vorschlag an das IFS und Frau Professorin: Bitte rechtssichere, praktisch handhabare Prüfungsformate für alle Fächer entwickeln, die bei Gruppenstärken von 30 Schülern und im Rahmen der Arbeitszeit von Lehrkräften (und zwar der eigentlich vorgesehenen und nicht der tatsächlichen!) leistbar sind.

Und nicht wieder das übliche Blabla per Erlass oder „Handreichung“: „Für die konkrete Umsetzung sorgen die Schulen in eigener Verantwortung“…

Hans Malz
8 Monate zuvor

Im Prinzip hat sich doch gar nichts geändert. Vorher wurden die Ergebnisse im Internet „recherchiert“ und dann wortwörtlich übernommen. Und nein, das konnte man als Lehrer vorher auch nicht unbedingt rausfinden, es sei denn, man Geld für Portale bezahlt, wo Schülerreferate zu kaufen waren.
Es ändert sich auch nichts für die Schüler. Wer nichts nachrecherchiert und im Kopf aufbereitet, der lernt auch nix. Also alles halb so wild.
Ich setze jetzt schon länger ChatGPT im Unterricht ein und thematisiere den Umgang (genau wie vorher). Im Informatikunterricht (auch in 5 und 6) ist KI bereits festes Thema. In Klasse 10 gehen wir dann an die Mathematik im Hintergrund. Nicht einfach, aber alles machbar.

Aber die Bildungsforscher wieder … Lesen, Schreiben, Rechnen, KI … ohne Worte. Mit den ersten drei bin ich durchaus in der Lage mir auch Wissen anzueignen. Nach 30 Jahren IT kann ich sagen (leider nicht als Bildungsforscher 😉 ), dass es nichts bringt sich an konkreten Phänomenen aufzuhängen, sondern die Grundlagen zu begreifen. Alles andere ändert sich ständig.