Kita plant „Körper-Erkundungsraum“ – Jugendamt sieht Kindeswohl gefährdet

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Ein von einer Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt Hannover angekündigter «Körper-Erkundungsraum» ist vom Landesjugendamt in Niedersachsen gestoppt worden. Das pädagogische Konzept gefährde nach Auffassung der Behörde in dieser Form das Kindeswohl und habe keinen Bestand, sagte eine Sprecherin des Niedersächsischen Kultusministeriums in der Landeshauptstadt. Zuvor hatte sich die «Bild»-Zeitung empört.

Wie viel Körper-Erkundung darf denn sein? Foto: Shutterstock

Die «Bild»-Zeitung hatte berichtet, dass die Kita in einem Elternbrief die Einrichtung eines solchen Erkundungsraums angekündigt und darin Regeln festgelegt habe. Das Blatt warf daraufhin seine Empörungsmaschine angeworfen: «Dieser 10-Punkte-Plan schockt alle Eltern! Kita-Raum sollte ’sexuelle Spiele‘ ermöglichen!», so titelte «Bild». Dabei lautet eine Regel aus dem der Zeitung vorliegenden Brief: «Jedes Kind entscheidet selber, ob und mit wem es körperliche und sexuelle Spiele spielen will.»

Laut dem Vorstandsvorsitzenden der Awo Region Hannover war der Elternbrief der Kita allerdings nicht mit der Fachberatung der Awo abgestimmt und genehmigt worden. Auch der von dem Kita-Leiter vermittelte Eindruck, dass das Kultusministerium zu «Körpererkundungsräumen» auffordere, sei falsch.

Laut Ministerium hat das Landesjugendamt für den weiteren Betrieb der Einrichtung die Auflage gemacht, dass das pädagogische Konzept der Awo-Kitas in Hannover sowie das Kinderschutzkonzept mit externer Beratung sofort überarbeitet werden müsse. Betroffen seien alle Awo-Kitas in Hannover. Die Awo bestätigte, dass das Konzept derzeit mit der Aufsichtsbehörde und externen Beratern überarbeitet wird.

In den Awo-Kindertagesstätten gebe es keine Räume, in denen Kinder zu Nacktheit oder Körpererkundungsspielen aufgefordert oder motiviert würden, betonte der Awo-Vorstandsvorsitzende. Die bisherige interne Arbeitshilfe der Kita-Fachberatung enthalte gleichwohl einen Textbaustein zu Regeln für Körpererkundungsspiele von Kindern, die aus Fachmagazinen von ProFamilia stamme. Diese Arbeitshilfe werde nun überprüft.

Dass Erzieherinnen und Erzieher mit Ausdrucksformen kindlicher Sexualität konfrontiert sind, gehört allerdings zur täglichen Berufspraxis in Kindertagesstätten. «Das beginnt bei den Krippenkindern beim Wickeln und durchzieht sich durch alle Altersstufen bis zu den Fünf/Sechsjährigen, die zum Beispiel Fragen zu der Geburt eines Kindes, den Bezeichnungen für ihre Genitalien oder Geschlechtsverkehr stellen», so heißt es in einem Beitrag des Portals ErzieherIn.de.

«Es stellt sich die Frage, wie gehen die Pädagogen und Pädagoginnen mit den Kindern um? Haben sie eine eher ignorierende Haltung, indem sie wegschauen? Herrschen in der Einrichtung strikte Verbote in Bezug auf Doktorspiele? Dürfen sich die Kinder nackig ausziehen, wenn sie das Bedürfnis haben? Wo sind die Grenzen zwischen kindlicher sexueller Neugier und sexuellen Übergriffen unter Kindern? Dies sind nur einige Fragen, denen Erzieher und Erzieherinnen in ihrer Einrichtung begegnen können.»

Der aktuelle Fall scheint vor allem eins deutlich zu machen: Wenn sich die «Bild»-Zeitung hineindrängt, ist eine sachliche Diskussion zu diesem sensiblen Thema kaum mehr möglich. News4teachers / mit Material der dpa

Neue Prüderie in Deutschland? Eltern setzen Schulen wegen Sexualerziehung zunehmend unter Druck

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Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Mein erster Gedanke: Wie viele der vor über zwanzig Jahren mit teuren Blubbersäulen und bunten Lichtern zu Entspannungszwecken eingerichtete Snoozelentäume wurden sang- und klanglos abgeschafft? Nicht nur weil Platz für neue Gruppen geschaffen werden musste, sondern auch, weil Kinder in den aus guten Absichten heraus geschaffenen Idyllen lieber gerauft haben oder dort nackig getobt und – ohne Regeln und Anleitungen – ihre Körper erkundet haben.

In „Klein-Pädagogien“ gibt es immer wieder nen Hype um eine „neue Idee“. Aber vermutlich bewährt es sich langfristig, wenn Pädagogen KInder stillschweigend und unspektakulär in selbst gebauten Höhlen in Frieden spielen lassen und einiges tolerieren, ohne die Kinder zu stören. Gute Ohren sollte man allerdings schon haben, um mitzubekommen, falls Grenzen überschritten werden könnten(oder wurden). Gemeinsames Kichern und quietschvergnügt sein lässt sich von Auslachen gut unterscheiden.

„Körpererkundungsraum“ – das klingt für mich nach pädagogischem Übereifer. Die Liste der für die Kinder aufgestellten Regeln interessiert mich.

konfutse
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Ich finde es eher erschreckend, wie heutzutage vieles sexualisiert wird. Jedoch wundert es mich nicht, dass bei dieser Idee die ProFam steht. An unserer Schule hat sich ein für meinen Geschmack übergriffiges „Sexual-Projekt“ von der ProFam etabliert; unterstützt und zementiert von der SL, trotz der geäußerten Bedenken einiger LK! Die haben einen Maulkorb verpasst bekommen.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  konfutse

Sie haben mich aber nicht so verstanden, als ob ich für eine Beeinflussung von Kindern zur Beschäftigung mit sexuellen Themen sei, oder?

Mir tut es leid, dass Kleinkinder nicht länger daheim mit Geschwistern und auch mal mit Freund oder Freundin betreut werden. Wenn Zweijährige quietschvergnügt nackt durch die elterliche Wohnung flitzen, auf den Betten der Eltern rumspringen und sich irgendwann auch mal gegenseitig unterm Kinn und meinetwegen auch im Intimbereich kitzeln – das ist normal und man braucht nur das Strahlen von unbeinflusst nackt spielenden Kindern zu sehen, um ihnen das Vergnügen zu gönnen. – Aber solche Szenen habe ich in Kitas noch nicht gesehen, weil zu Nacktheit und Körpererkundung eben manchmal animiert wird. – Beispiel folgt noch.

Wer würde eigentlich als Erzieher in so einer Kita mit „Körpererkundungsraum“ arbeiten wollen?

Wie würde ich mich als Erzieherin fühlen, wenn ich in einer Kita für diesen Bereich immer wieder zuständig wäre? Ich hätte keine Lust darauf, es käme mir unnatürlich vor und ich würde mich nicht „zum erlaubten Spannen“ weisungsgebunden zu dem Raum schicken lassen.

Auf einer Teambesprechung hätte ich mich sicherlich vehement gegen so eine Planung ausgesprochen. Was haben diese Fachkräfte sich dabei nur gedacht? Jetzt haben sie jede Menge ungewollte Aufmerksamkeit und beim nächsten Kinderschutzkonzept könnten sie von oben gegängelt und von Externen beraten werden. (Pro familia nimmt solche Aufträge vermutlich an.) Es ist mir unbegreiflich, wie Fachkräfte eine derartige Vorplanung an die Eltern weitergeben können. Dass diese unausgereifte Liste mehr als nur Skepsis weckt, hätte man sich doch denken können.

Seit Kitas zur „Bildungsinstitution Nummer eins“ verklärt wurden, scheint mir sehr viel Erfahrungswissen über echtes Freispiel und wie man dafür die Rahmenbedingungen schafft, in Vergessenheit geraten zu sein.

TaMu
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Sie sprechen mir aus der Seele

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Zugegeben: Ich mag keine LIsten und keinen pädagogischen Übereifer.

Laut Google sieht die Regel Nummer 6 folgendes vor: „Der Altersabstand der beteiligten Kinder ist allerhöchstens zwei Jahre“.
Aha. Laut dieser Liste dürften beispielsweise Dreijährige keine mehr als zwei Jahre älteren Kinder irgendwie streicheln, auch wenn diese es möchten und es nur die Wange ist. Nimmt man so eine Regel wörtlich, ist es auch nicht erlaubt, dass eine Sechsjährige einer Vierjährigen im Körpererkundungsraum Zöpfchen flicht, was außerhalb des Raums jedoch selbstverständlich nicht verboten wäre. – Also vielleicht sollte man die Kids doch lieber im XXL-Spielzimmer und im Garten spielen lassen?

Regel Nummer 10: „Wenn nicht genug pädagogische Fachkräfte anwesend sind, um die Einhaltung der Regeln zu gewährleisten, kann es zu Spieleinschränkungen kommen, z. B., dass sich KInder nicht nackt ausziehen dürfen.“

Welches Verständnis von der Bedeutsamkeit des freien Spiels haben die Ersteller der Liste? Und was lernen KInder aus der zehnten Regel? Dass immer Erwachsene zugucken müssen, wenn sie nackig sind? Denn wenn sie nicht zugucken, könnte ein Verstoß gegen das fünfte Gebot erfolgen. Und es wäre auch zu wenig Personal da, um Hilfe zu holen, was laut Punkt neun kein Petzen ist.

Ja, es ist nicht alles schlecht an der Liste, aber ernst nehmen kann ich sie nicht. – Muss man Kindern eigentlich den merkwürdigen Begriff „Doktorspiele“ beibringen???

Indra Rupp
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Nee, den Begriff „Doktorspiel“ benutzen Erwachsene aufgrund von Prüderie.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Stimmt, Und auch aus Gewohnheit heraus. Aber das ausgerechnet ErzieherInnen es sich erlaubt haben, diesen doch sehr sexistisch zu verstehenden Begriff zu verwenden, gibt zu denken. Eigentlich müsste die Berufsgruppe, die immer wieder angibt, unter dem „Kaffeetantenimage“ zu leiden, an das Image von Frauenärzten, Urologen, Hausärzten und promovierten Sexualpädagogen denken.

Aber so ist es eben. Landwirte können nichts dagegen tun, dass weiterhin von den „Bäuerchen“ der Babys die Rede ist. Und die Ärzte haben es auch nicht geschafft… Aber wenn sie eine Kampagne gegen den Begriff „Doktorspiele“ starten würden…

A.J. Wiedenhammer
1 Jahr zuvor

Muss man denn immer einen speziellen Bereich schaffen und ihm dann auch noch einen expliziten Namen geben? Was ist denn einfach mit Raum und Platz, gegebenenfalls etwas „versteckt“, dafür aber prinzipiell unter Kontrolle?
„Körpererkundungsraum“ hört sich so an, als MÜSSE man Körpererkundung betreiben, wenn man sich darin aufhält.
(Die selbstgebauten Höhlen meiner Vorrednerin muten mir da doch viel sympathischer und kindgerechter an.)

„Wenn sich die «Bild»-Zeitung hineindrängt, ist eine sachliche Diskussion zu diesem sensiblen Thema kaum mehr möglich.“Klar, die BZ verkauft mit Empörung und Skandal ihr Blättchen. Aber ich muss zugeben, dass eine sachliche Diskussion zu diesem Thema (falls nennenswert vorhanden) bisher vollkommen an mir vorbei gegangen ist.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

„Zukunftswerkstatt“, „Forscherraum“, „Weltwissensvitrine“ und was es noch so alles gibt – die Verwendung imposanter Bezeichnungen bringt vermutlch Punkte bei Pädquis und soll auf der Webseite oder in Flyern beeindrucken. Aber im Alltag braucht es nur gute Spiel-und Erkundungsmöglichkeiten für Kinder. Diese Namen sorgen eher dafür, dass Kinder von Erwachsene dazu geführt werden, bestimmte Tätigkeiten nur in bestimmten Räumen oder Ecken auszuüben. Dabei wäre das Spiel bestimmt um einiges kreariver, wenn Bau- und Pippenecke nicht strikt voneinander getrennt wären und wenn man die Kinder Spielzeug anmalen ließe.

Mir wäre es recht, wenn auf wohltönende Bezeichnungen für Orte verzichtet würde und der Schaumschlägerei rund um die so genannte frühkindliche Bildung ein Ende gesetzt würde. Eigene Ideen von Kindern und ihren Erziehern könnten die Atmosphäre in Kitas positiv verändern. – Und es ginge ohne Listen und auf Piktogramme verewigte Benimmregeln.

Fräulein Rottenmeier
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Im Kindergarten meiner Kinder gab es lediglich einen Bewegungsraum, der mit kleinen Handgeräten und diesen Schaumstoffteilen ausgestattet war. Ansonsten gab es nur Gruppenräume von 1 bis 6, welches auch die Bezeichnung der Gruppen war.
Auch wenn ich von prüde weit entfernt bin, wäre ich doch mit so einem Körpererkundungsraum sehr misstrauisch umgegangen. Irgendwie finde ich, dass das nicht Teil der Aufgabe eines Kindergartens sein sollte…..

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Wie wäre es, wenn es sich ergeben würde, dass die Kinder den Raum viel seltener als andere Räume der Kita aufsuchen würden? Solange es dort kein Klopapier und keine Klospülungen gibt, könnte den Kleinen die Kabine einer kleinen Kindertoilette lieber sein. Schamgefühl kennen nämlich auch Kinder, die nur mit einen bestimmten Freund oder einer Freundin zum Lokus gehen. Und etliche Snoozelenräume wurden von den Kindern gar nicht so gut angenommen,

Was den natürlichen Umgang mit Sexualität angeht möchte ich an ein bei Kindern sehr beliebtes Sachbilderbuch erinnern: Peter, Ida und das Minimum: https://www.amazon.de/Peter-Minimum-Familie-Lindstr%C3%B6m-bekommt/dp/3473355674 Es ist zwar schon vor vielen Jahren erschienen, aber wirklich immer noch empfehlenswert.

Fräulein Rottenmeier
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Oh, da haben Sie mich wohl falsch verstanden. Ich habe gar nichts gegen natürliche Neugier von Kindern an ihrem und anderen Körpern. Ich bin allerdings der Meinung, dass es nicht die Aufgabe einer Kita sein sollte, dies zu initiieren….
Was das jetzt mit einer Toilette zu tun haben soll, verstehe ich allerdings nicht….

Und ich war immer der Meinung, dass meine Kinder mit Fragen auf uns zukommen sollten und wir auch nur das erklären, was gefragt wurde. Das hat gut geklappt….

Das von ihnen präferierte Buch ist zwar schon ein bisschen altbacken, aber nicht schlecht.

Last edited 1 Jahr zuvor by Fräulein Rottenmeier
Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Nein, wir denken ähnlich und dem, was Sie geschrieben haben, stimme ich zu.

Das Witzeln ist mir vergangen, nachdem ich vorhin über Kita news mitbekam, dass sich der Skandal insofern ausgeweitet haben soll, dass ein früherer Erzieher, der bis letztes Jahr in der Kita gearbeitet haben soll, sich wegen sexuellen MIssbrauchs und Kinderpornobesitzes vor Gericht verantworten muss.
Einen Link zu BILD will ich nicht setzen. Andere Medien werden noch berichten.

Da klar war, dass es angesichts des Vorhabens der Kita oder des Kitaleiters Wirbel geben würde, hätte ich nicht so schnell damit gerechnet, ein konkreter Verdacht vor Gericht geklärt werden muss.
Bein Bauchgefühl war gewiss nicht für diese Idee.
Die Problematik ist selbstverstämdlich ernst zu nehmen und ich halte mich mit Spott jetzt zurück. Aber nicht mit Kritik an überzogenen Bildungsplänen.

A.J. Wiedenhammer
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

OT: Sogar mein kleiner Sohn machte sich irgendwann nur noch darüber lustig, wenn in der GS wieder einmal an etwas „geforscht“ wurde und anschließend Entdecker-, Forscher- oder Expertenpässe vergeben wurden. (Forscher waren für ihn Menschen, die z.B. im Amazonasgebiet unter Gefahren und Mühen neue Tier- und Pflanzenarten entdeckten und nicht welche, die mit Hilfe von „Frag Finn“ die Antworten zu einem Fragebogen heraussuchten.)

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Bitte richten Sie Ihrem Sohn ganz herzliche Grüße aus! Kinder, die Humor haben und eigenständig denken, waren in Kitas und Schulen immer meine Lieblinge. Den Leise- oder Schweigefuchs fand er vermutlich auch zu albern, falls er an seiner Schule zum Einsatz kam.

A.J. Wiedenhammer
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Der Schweigefuchs ist an mir tatsächlich komplett vorbeigegangen, aber bei Nachfrage kam Heiterkeit beim Filius auf: Der Großteil seiner (6.) Klasse kennt den Fuchs, die anderen hatten die Schweigeschildkröte.
Das scheint sich bei den Schülern mittlerweile zu so einer Art running gag entwickelt zu haben ..

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

„Körpererkundungsraum“ hört sich so an, als MÜSSE man Körpererkundung betreiben, wenn man sich darin aufhält.“

Genau das habe ich auch gedacht, obwohl der Verstand natürlich sagt „Nein, so können das die Fachkräfte nicht vorgesehen haben.

Ich erinnere mich an mit blauer Plastikfolie ausgelegten Räume für Krippenkinder. Heizing lief auf Hochtouren. Mit Cremes, Rasierschaum und Fingerfarben ausgestattet und bis auf die Windel (man will es ja nicht übertreiben) ausgezogene Kleinkinder „durften“ dort auf sinnliche Weise spielen. Manchen gefiel es, anderen aber nicht. Fotografiert für die Bildungsdoku werden üblicherweise die lachenden Kinder. Und diejenigen, die ihre Beinchen anwinkeln und die Knie bis fast zur Nase hochziehen, werden natürlich nicht auf die Plastikfolie gezwungen. Aber süßer finden die Veranstalterinnen eines solchen Abgebots die Kinder, die bereitwillig mitmachen. – Mir kam es auch eher so vor, als müssten die KInder in der Krippe oder den kleinen altersgemischten Gruppen möglichst alle matschen, sobald ein entsprechendes Angebot geplant wurde. Dabei haben viele Kinder mal eine Phase, in denen sie partout nicht matschen wollen.

Schade finde ich auch, dass Kitas insgesamt so viel „anbieten“ wollen, dass der Eindruck entstehen kann, Eltern könnten Kleinkindern gar nicht „sooo viel bieten“. – Dabei kann das Aufreißen einer Mehltüte daheim und die Verteilung des Mehls Kindern auch im eigenen Zuhause eine ganz besondere Freude bereiten. (Und niemand hat sie dazu animiert…)

Georg
1 Jahr zuvor

Gut, dass das Projekt gestoppt wurde. Es wäre mal interessant zu sehen, was ansonsten in dieser KiTa so veranstaltet wird. Bis zur Pädophilie oder zumindest zum pädophilen Voyeurismus ist es bei diesem Raum nicht mehr weit.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Georg

Man sieht es Tätern nicht an. Das sollte man sich immer wieder bewusst machen, nicht nur bei derartigen Vorhaben. Wird die extrem forcierte Suche nach Fachkräften und Ungelernten dazu führen, dass sich prozentual mehr so genannte „Kinderfreunde“ bereit finden, in Kitas zu auszuhelfen. Menschen, die vielleicht lange widerstanden haben, könnten sich angesichts des großes Personalmangels in Kitas vielleicht einreden, dass sonst Kinder nicht betreut wetden könnten und dass sie ja „nur gucken“ wollen…

Nicht nur die Kindheit wird stärker sexualisiert. Die Gesellschaft ist es schon sehr lange in einem hohen Maß. Der Nachwuchs im Erzieherberuf stammt aus einer Generation, die vor dem Schulabschluss kaum noch als Babysitter gejobbt hat, denn Eltern lassen nicht gern handysüchtige Jugendliche auf ihre Kinder aufpassen. Der Konsum von Ciomputerspielen, inkliusive von Gewalt und Pornos wird sich auch bei den zukünftigen Stellenbewerbern benerkbar machen,

Lisa
1 Jahr zuvor

Klang für mich erstmal nach Satire. Körpererkundungsraum ( mit schnarrendem R ) wie Deutsch kann man denn sein. Beim heutigen Personalmangel wäre ich dagegen. Weil es leicht zu Übergriffen unter den Kindern kommen kann. Auf Grund der unterschiedlichen Entwicklung. Also bräuchte man dort eine feste Aufsicht.

Georg
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lisa

Die feste Aufsicht könnte sich dann gleich wegen Pädophilie verknasten lassen.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lisa

Unser Fachvokabular ist wirklich manchmal reif fürs Kabarett. Manche Wortschöpfung setzt sich nicht durch wie zum Beispiel „Tandemeingewöhnung“. Andere haben sich aber etablieren können, wie „Bezugserzieherin“.

Kim P
1 Jahr zuvor
Antwortet  Lisa

klingt so, als seien Sie unter den richtigen Bedingungen durchaus dafür …

Lisa
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kim P

Nein,bin ich nicht. Ich wollte nur schreiben, dass das schon an den einfachsten Grundlagen scheitert: Wer passt denn auf die Kinder die ganze Zeit auf?

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Es werden noch weitere Artikel folgen. https://www.spiegel.de/panorama/bildung/arbeiterwohlfahrt-hannover-geplanter-raum-fuer-doktorspiele-war-alleingang-eines-kita-leiters-a-d01a073e-ca4d-4a0b-a47a-3da2ef30ccf3
An anderer Stelle habe ich schon geschrieben, dass mir die Lust zum Sticheln über das Vorhaben vergangen ist. Mal abwarten was die Presse noch berichten wird und was zur Einstellungspraxis dieser Kita herauskommt.

Indra Rupp
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

ALLE berichten darüber – was für ein Aufriss! Die Körpererkundung machen Kinder laufend, was spielt es da für eine Rolle, ob dafür ein Zimmer betitelt wird oder irgendeine Butze oder Klokabine herhält?

Sandra
1 Jahr zuvor

Schon vor 15 Jahren ist eine solche Idee in Duisburg gescheitert. Meiner Meinung nach zu Recht. Ich erinnere mich sehr genau an das Drama damals. Die komplette Kita wurde aufgelöst, die Leitung wurde ins Archiv versetzt…

Nachzulesen übrigens hier: https://www.fr.de/wissen/nackte-tatsachen-sorgen-einen-skandal-11606870.html

Man muss nicht jeden Fehler mehrfach machen. Einmal reicht.

Kim P
1 Jahr zuvor
Antwortet  Sandra

da war die sexuelle vielfalt noch nicht so weit „entwickelt“ worden.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Sandra

Danke für den Link und die Bemerkung, dass man nicht jeden Fehler mehrfach machen muss.

Vor Jahren erzählte mir ein älterer Berliner, dass im Kinderladen seiner Kinder die Erzieher die Töpfchen samt Inhalt aufbewahrt haben, weil sie es wichtig fanden, dass die Kinder erleben, wie sich ihre Eltern über das „große Geschäft“ ihres Kindes freuen. Was ein kindgerechter Umgang mit Sexualät und Ausscheidungen betrifft, darüber gingen die Meinungen schon immer auseinander und die speziellen Positionen und Ideen haben zwar zum Nachdenken angeregt, aber auf ganzer Linie erfolgreich waren sie üblicherweise nicht.

Aber die Extrempositionen treten immer wieder auf. Wie viele Kitakinder dürfen im Garten nicht barfuss laufen, weil ihre Erzieher fürchten, dass sie von Bienen oder Wespen gestochen werden? – „Sinnliche Erfahrungen“ im Rahmen eines Barfusspfades oder Projektes signalisieren nach außen hin, dass die Kinder immer was „Besonderes“ erleben. – Dabei wollen Kinder gar nicht so sehr diese kleinen Events sondern lieber eigene Ideen im Spiel umsetzen.

TaMu
1 Jahr zuvor

Warum sollten Kinder sich außerhalb von zu Hause tagsüber einfach nackt ausziehen dürfen, wann immer ihnen danach ist? Bei Kindern mit Windeln ist das ganz einfach unhygienisch. Kinder sollten auch zu ihrer eigenen Sicherheit lernen, sich in Gesellschaft so zu kleiden und angekleidet zu bleiben, wie es dem Anlass entspricht. Niemand kann ernsthaft wollen, dass Kindern diese gesellschaftlichen Regeln unbekannt sind und sie sich auf dem Bahnhof, im Zoo oder auf der Straße vor dem Elternhaus mal eben komplett ausziehen und vielleicht freizügig Einzelheiten mit Fremden teilen, nur weil sie nie gelernt haben, sich mit Kleidung zu schützen. Außerhalb von zu Hause kann es keine „Körpererkundungsräume geben, außer den heimlich gefundenen Plätzchen, von denen andere hier bereits geschrieben haben, an denen es unter feinfühliger Beobachtung zu solchen Erkundungen kommt. Kinder fühlen sehr wohl, dass dafür Rückzug notwendig ist und eine gewisse Heimlichkeit. Das ist nichts für die Öffentlichkeit und an keinem Ort außerhalb von zu Hause oder anderen intimen Orten leben Erwachsene das aus. Offiziell geht das nur im Bordell. Die natürliche Neugier hat schon immer Wege gefunden, aber Kindern dafür einen offiziellen Raum im Rahmen einer Kita anzubieten, in dem selbstverständlich ganz offen alles möglich ist, was die Beteiligten wollen und was niemanden schmerzt, ist erschreckend. Sie tun das dann selbstverständlich auch an nicht geschützten Orten, im Partykeller der Nachbarn, in einer offenen Garage oder im Garten und werden damit sehr verletzbar.
Was für eine irre Idee! Manche Menschen denken nicht von 12 bis Mittag.

Ralph
1 Jahr zuvor
Antwortet  TaMu

wie war. ganz meine Meinung
Man muss nicht noch fremde mit Nacktheit unnütz konfrontieren!
Wo kommen wir denn hin wenn alle sich so freizügig den Nachbarn oder
fremden hingeben sollten, falsche Erziehung!
Das hat keinen zu Interresieren, basta. Bleibt zu Hause und Gut iss.
Es wird hier immer schlimmer… scheiß Querys

Last edited 1 Jahr zuvor by Ralph
Kim P
1 Jahr zuvor

Immer wenn es als Skandal an die Öffentlichkeit kommt, zieht die betreffende Behörde oder Organisation die Sachen zurück. Aber die zugrunde liegende Weltanschauung der „Sexualpädagogik der Vielfalt“ von Uwe Sielert et al. wird ja weiter propagiert und gelehrt und kommt immer wieder woanders an die Oberfläche.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  Kim P

Wir sollten darauf achten, welche Broschüren in absehbarer Zeit von den Ministerien an Kitas und Schulen kostenlos (vielmehr auf Kosten der Steuerzahler) verschickt werden. Vieles landet ungelesen im Papiermüll, weil niemand Zeit für solche Anregugen hat. Auf Verlagsebene werden die Themen „Gendern und Geschlechtervielfalt“ mit Sicherheit auch bedient. Unmittelbar vor und nach dem Erscheinen neuer Fachbücher wird von den Fachzeitschriften der Erzieher dann die Animationsliteratur für Pädagogen rezensiert und beworben… Die Verlage sind halt die Anzeigenkunden der Zeitschriften.

„Trendsetter“ unter den Erziehern, die bereitwillig mit Themen die „in“ sind in die Medien wollen, lassen sich drauf ein. Man will doch, dass die Kita als „vorbildliche, fortschrittliche Einrichtung“ gilt. Und es wird wohl auch die Voreiligen geben, die es gar nicht abwarten können, dass sie Ideologien und persönliche sexuelle Vorlieben gemeinsam bedienen können.
Der Spiegel berichtete, dass der Kitaleiter der Hannoveraner KIta mit dem geplanten „Körpererforschungsraum“ im Alleingang die Eltern angeschrieben hat. – Und ich hatte mich schon gewundert, dass so eine peinliche Liste an die Öffentlichkeit ging.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor

Vermutlich werden einige ErzieherInnen sich an Diskussionen erinnern, wann, wie und warum Nacktheit von Kindern zugelassen werden sollte oder auch nicht. Es wird in Kitas darauf geachtet, dass sich keine Spanner vor den Außengeländen aufhalten. So was kommt vor und manchmal wird es nur bemerkt, weil Anwohnern etwas aufgefallen ist und sie Bescheid sagen.

Gerade was Sexualität angeht, sollten wir überlegen, inwieweit wir das Tabu überwinden müssen, dass man bei männlchen Bewerbern quasi nicht mal mehr andenken darf, dass es eventuell mal zu einem Kindesmissbrauch kommen könnte. Denn auch wenn mehr Kinder in Familien sexuell missbraucht werden als in Kitas, dürfte sich vermutlich nichts daran geändert haben, dass unter Priestern, Lehrern und Erziehern ein signifikant höherer Anteil an sexuellem Missbrauch von Kindern zu verzeichnen ist.

potschemutschka
1 Jahr zuvor
Antwortet  Angelika Mauel

Also alle Männer unter Generalverdacht? Darf ein Vater/Opa jetzt noch bei seinen Kindern und Enkeln die Windeln wechseln oder diese baden? Geht´s noch?
Natürlich müssen in Schulen und Kitas auch in diesem Bereich Augen und Ohren besonders offen gehalten werden. Und Männer in diesen Berufen müssen doppelt vorsichtig sein, um nicht verdächtigt zu werden. Ein männlicher Sonderschulkollege von mir hat immer sehr darauf geachtet, nie mit nur einem Kind allein im Förderunterricht zu sein, um Verdächtigungen/Verleumdungen aus dem Weg zu gehen.
Einerseits fordert man mehr männliche Vorbilder in den Schulen und Kitas, andererseits unterstellt man jedem potentiellen Bewerber pädophile Neigungen, toll! Das sage ich als Frau, Mutter und Oma.

Ureinwohner Nordost
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Ja, als „männlicher Kollege“ bin ich im Förderbereich Mathematik auch besonders vorsichtig.
Eine Förderschülerin „Diskalkulie“.

Nur bei sperrangelweit geöffneten Türen. Der leiseste Furz muss meilenweit gehört werden können.
Patrouillierende Kolleginnen, unregelmäßig.

Seit der „Lindemann-Affaire“ für mich ein absolutes MUSS.
Wer weiß, was kommen könnte?

Für Geld wird heutzutage Vieles „unternommen“.
Nur nicht arbeiten.

Angelika Mauel
1 Jahr zuvor
Antwortet  potschemutschka

Nein, es bedeutet nicht alle Männer unter Generalverdacht zu stellen, wenn wir uns den Kindern und Eltern gegenüber verpflichtet fühlen jede Bewerbung bewusst zu prüfen und uns zu fragen, auf welche Weise Arbeitszeugnisse entstanden sein könnten. Sandra Menzel, eine junge Erzieherin, die wegen Mordes an einem Kitakind rechtskräftig verurteilt wurde, war an allen Praktikums- und Arbeitsstellen durch wenig Empathie zu den Kindern aufgefallen. Sie konnte mehrere Stellen kurz hintereinander annehmen, obwohl sie nie Arbeitszeugnisse vorgelegt hat. – So etwas sei heute üblich,hat die Bürgermeisterin von Viersen gesagt, aber im Hinblick auf den Kinderschutz sollte es ein No-go sein.
Die Medien haben auch seit Jahren immer wieder von männlichen Erziehern berichtet, die anderweitig schon auffällig geworden waren, bevor wegen des Verdachts auf sexuellen MIssbrauchs ermittelt wurde. Ich bin dafür, dass mehr Männer in Kindergärten arbeiten und sage mir, dass auch die Eltern ein besseres Gefühl haben, wenn wir uns bei männlichen Bewerbern einige kritische Fragen stellen, zum Beispiel, wenn sie beispielsweise besonders häufig die Stellen gewechselt oder Lücken im Lebenslauf haben.

Es gibt Erzieherinnen, die sich darüber beklagen, dass in Kitas quasi der tote Teppich für einen männlichen Bewerber ausgerollt wird, weil man unbedingt wenigstens einen Mann für die vielen Kinder haben will. Und auch der Personalmangel führt dazu, dass bloß niemand durch kritische Fragen abgeschreckt werden soll.

Doch unheugbar gab es diese Fälle, wo ein Verdacht auf Kindesmissbrauch im Raum stand und der Erzieher dann selbst gekündigt hat oder einem Aufhebungsvertrag zugestimmt hat. Dann war die Kita einen Mitarbeiter los, zu dem sie kein Vertrauen hatte und eine Aufarbeitung musste nicht stattfinden. Und der scheidende Mitarbeiter konnte sich eine neue Stelle suchen.

Ich habe lange keine Angaben mehr gelesen, wie viele Fälle wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern prozentual von Erzieherinnen und Praktikantinnen und wie viele von Erziehern und Praktikanten begangen wurden. Aber es fällt schon auf, dass es zwar verhältnismäßig wenig Männer gibt, die im Elementarbereich Kinder betreuen, aber wenn Fälle von den Medien aufgegriffen werden, handelt es sich ganz überwiegend um männliche Kollegen. Manche haben jahrelang Kinder missbraucht, bevor es auffiel.

Von Trägern, zum Beispiel der katholischen Kirche, gibt es schon mal allgemeine Anweisungen, bei sehr kurzen oder auch bei besonders guten Zeugnissen gründlicher nachzufragen. Das finde ich auch grundsätzlich angebracht. Und meinetwegen könnte auch gern öfter um die Zustimmung gebeten werdenm beim früheren Arbeitgeber nachfragen zu dürfen. Gerade jetzt, wo Neueinstellungen oft unbefristet erfolgen.

Against Fremdbetreuung
1 Jahr zuvor

Das alles gehört nicht in eine KiTa, sondern ist Sache des Elternhauses.