SPD beklagt Stillstand: Fast jede zehnte Schulleitungsstelle ist vakant (seit Jahren!)

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Fast jede zehnte Schulleiterstelle in Nordrhein-Westfalen ist weiterhin ohne Besetzung. Anfang Juli dieses Jahres lag die Besetzungsquote über alle Schulformen hinweg bei knapp 92 Prozent. Das geht aus einer am Montag veröffentlichten Antwort von NRW-Schulministerin Dorothee Feller (CDU) auf eine SPD-Anfrage hervor. Die vermisst ein Engagement der grün-schwarzen Landesregierung – auch beim Lehrkräftemangel und bei der Sanierung maroder Schulgebäude.

„Seit Jahren kein Durchbruch“: Dilek Engin, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im NRW-Landtag – selbst Lehrerin. Foto: Michael Tobias / Dilek Engin

In den Vorjahren waren die Zahlen ähnlich. Die beste Besetzungsquote aller regulären Schulformen hatte mit zuletzt gut 96 Prozent das Gymnasium. Auch bei den stellvertretenden Schulleiter-Posten gebe es seit Jahren keinen Durchbruch, kritisierte die schulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Dilek Engin, in Düsseldorf. Hier lag die Besetzungsquote Anfang Juli nur bei rund 82 Prozent.

Nach sechseinhalb Wochen Sommerferien beginnt für die meisten der rund 2,5 Millionen Schüler in NRW nächste Woche Montag wieder der Unterricht. An vielen Schulen starten die Erstklässler allerdings einen Tag später. Feller wird am Freitag Einzelheiten zum neuen Schuljahr bekanntgeben.

Die SPD fordert, zur Bekämpfung des akuten Lehrermangels auch Ein-Fach-Lehrkräfte zuzulassen. Darüber hinaus mangele es an Weiterbildungsmöglichkeiten für Seiteneinsteiger – etwa zum berufsbegleitenden Erwerb der Lehrbefähigung für ein zweites Unterrichtsfach. Die Schulen benötigten zudem mehr Eigenverantwortung im Umgang mit ihren Geldern.

Die SPD ermahnte die Landesregierung außerdem, die Kommunen bei der Umsetzung des ab 2026 in den Grundschulen greifenden Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung zu unterstützen. Unter anderem fehlten Förderrichtlinien und pädagogische Standards. «Den Kommunen läuft die Zeit davon, die Schulgebäude ganztagstauglich zu erweitern und das benötigte Personal zu gewinnen», stellte Engin fest.

Aufgrund des Investitionsstaus an den Schulen reichten die Bundesmittel nicht aus. «In NRW wird laut den kommunalen Spitzenverbänden mindestens eine Milliarde Euro zusätzlich benötigt», erklärte die SPD-Politikerin. Hinzu komme mindestens eine weitere Milliarde zur laufenden Unterhaltung des erweiterten Angebots, die die Kommunen nicht alleine stemmen könnten. Schließlich müsse die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Ganztagsplatz auch einhergehen mit Beitragsfreiheit für die Familien, fordert die SPD. News4teachers / mit Material der dpa

„Das System kollabiert“: Schulleitungen am Limit – jede vierte denkt darüber nach, die Schule zu verlassen

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Der Zauberlehrling
8 Monate zuvor

Lehrer zu werden ist derzeit schon ein ziemlich dämliches Unterfangen.

Aber dann auch noch Schulleitung? Da muss man aber echt einen an der Klatsche haben.

Menschenführung ist kein Privileg, es ist eine Dienstleistung.

Nicht jeder Lehrer ist für den Schulleiterposten geeignet, die Auswahlkriterien eher seltsam. Deutsch und Gemeinschaftskunde studiert zu haben (als Beispiel) helfen nicht bei der Führung von 60 Mitarbeitern.

Gudrun
8 Monate zuvor

Manch einer glaubt aber so sein derangiertes Ego aufpäppeln zu können – zum Leidwesen der betroffenen SuS und LuL.

Fräulein Rottenmeier
8 Monate zuvor

„Aber dann auch noch Schulleitung? Da muss man aber echt einen an der Klatsche haben.“

Danke! Ich habe es immer geahnt…..

Fräulein Rottenmeier
8 Monate zuvor

„Nicht jeder Lehrer ist für den Schulleiterposten geeignet, die Auswahlkriterien eher seltsam.“

Was sind denn die Auswahlkriterien Ihrer Meinung nach?
Ich kenne nur drei Kriterien, die relevant sind: Kommunikative und organisatorische Fähigkeiten und Leidensfähigkeit.

Mein_Senf
8 Monate zuvor

Schulleiter verbindet die Bereiche Lehren und Management. Warum werden diese Bereiche nicht auch grundlegend getrennt? Das würde evtl.einiges erleichtern, denn bis zu 10 Stunden Unterricht zu halten und dazu den ganzen Formalkram und Dienstkram zu erledigen ist eine Menge Arbeit. Die wird nicht weniger in den Jahren.

Fräulein Rottenmeier
8 Monate zuvor
Antwortet  Mein_Senf

Ja, das ist anstrengend, aber erdet auch immer wieder. Ich liebe es zu unterrichten, aber das hin- und herswitschen ist unglaubliche anstrengend.
Meine To do Zettel sind meterlang…..daher muss man extrem organisiert und leidensfähig sein…..

Marielle
8 Monate zuvor
Antwortet  Mein_Senf

„Management“ bezieht sich auf die ökonomische Ausrichtung in Organisationen. Das trifft auf Schulen nicht zu. Aber die Trennung von Lehre und Administration würde definitiv Sinn machen. Wenn Menschen, die Verwaltung gelernt haben und das können diese auch ausführen wäre ein enormer Qualitätssprung möglich. Das trifft übrigens nicht nur auf Schulleitungen zu.