War was? Käme ein neues Virus, stünden Bildungseinrichtungen erneut schutzlos da

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FRANKFURT/MAIN. Erst vor wenigen Monaten wurde die Pandemie für beendet erklärt. Bei vielen Menschen war schon da die Erinnerung an die doch recht massiven Corona-Einschränkungen stark verblasst. Wie kann das sein?

Aus den Augen, aus dem Sinn: Interessiert sich noch jemand für Corona? Illustration: Shuttrstock

Menschen feiern dicht gedrängt, Freunde umarmen sich ungeniert, niemand fragt mehr nach einem Impfausweis. Das Leben ist zurück, Corona scheint fast vergessen. Dabei hatten Umfragen zufolge viele Menschen erwartet, dass wir uns nie wieder die Hände schütteln. Viele hätten sich nicht vorstellen können, dass sie sich je wieder in einer Menschenmenge wohl fühlen. Doch diese Empfindungen gingen in vielen Fällen wieder fast so schnell wie sie gekommen waren. Aber wie kann das sein?

Vergessen ist lebenswichtig, sagen Hirnforscher und Psychologen. Wenn wir immer alles speichern würden und immer alles gleich wichtig wäre, wären wir handlungsunfähig. Der Animationsfilm «Inside Out» («Alles steht Kopf») erklärt die Abläufe sehr anschaulich: Wie in einer Eier-Sortieranlage werden die bunten Erinnerungskugeln im Kopf der Hauptfigur in einem gigantischen Röhrensystem ständig aus- und umsortiert. Was in welcher Form wieder ans Tageslicht kommt, hängt auch damit zusammen, welche Emotion gerade dominiert.

Vergessen im Sinn von gelöscht haben wir Corona sicher nicht, sagt die Psychologin Susanne Spieß vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Die Frage ist weniger, woran wir uns erinnern, als wie wir uns daran erinnern. Spieß vergleicht das mit einem Trauerprozess, bei dem es verschiedene Phasen gibt. «Wir können in dem Gefühl bleiben, das wir damals damit verbunden haben. Oder wir können uns mit den Gefühlen, den Gedanken, der Situation an sich auf verschiedene Weise auseinandersetzen. Dann beginnt die Heilung.»

Die vermeintliche «Vergessensleistung» sei eigentlich eine «Verarbeitungsleistung», sagt Spieß. Wie gut das gelinge, hänge auch davon ab, «wie gut ich bewusst entspannt im Hier und Jetzt sein kann». Außerdem liefen bei jedem Menschen andere Selektionsprozesse ab, abhängig von den Vorerfahrungen, Vorlieben, Ängsten und Einstellungen: Wer sich schon immer in Menschenmengen unwohl fühlte, wird dieses – in der Pandemie verstärkte – Gefühl der Vorsicht vermutlich länger haben als jemand, der sich schon immer auf Straßenfesten pudelwohl fühlte.

Gegen Ende der Coronazeit sei es vielleicht zu einer Art Desensibilisierung gekommen, sagt Spieß. Die erste Umarmung nach den Lockdowns fühlte sich noch seltsam an, vor allem, weil man immer die Perspektive des anderen mitdachte: Ist das ok für sie oder ihn? Aber mit jeder Umarmung verschwand die Irritation ein bisschen mehr. Bei Menschen, die immer allen um den Hals fielen, ging das vermutlich schneller als bei Menschen, die Körperkontakt lieber meiden.

Martin Korte, Professor für Zelluläre Neurobiologie an der Technischen Universität Braunschweig, vergleicht das Vergessen mit «einem gut programmierten Spamfilter». Vergessen bedeute, Unwichtiges von Wichtigem trennen. Nur weil wir vergessen, können wir Neues entdecken, abstrakt denken und Probleme lösen. Vergessen erlaubt es dem Gehirn, sich auf die jeweils wesentlichen Informationen zu konzentrieren.

«Löschen und Vergessen sind daher keine Fehler oder Aussetzer in der Wahrnehmung, vielmehr gehören sie fest zu den dafür nötigen Abläufen», schrieb Korte 2018 im «Spektrum der Wissenschaft». Längerfristig gespeichert werde nur «ein verschwindend kleiner Teil» unserer Erlebnisse. «Schreibgeschützt» sind zum Beispiel oft traumatische Erlebnisse. Und die Erinnerungen ändern sich mit jedem Abruf ein kleines bisschen.

Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos von der Universität Basel haben die Rolle der Emotionen bei Erinnerungen 2022 mit Hilfe der Magnetresonanztomographie nachgewiesen. Sie zeigten 1418 Menschen emotionale und neutrale Bilder und zeichneten ihre Hirnaktivität auf. «Sowohl an positive als auch an negative Bilder erinnerten sich die Studienteilnehmenden in einem späteren Gedächtnistest viel besser als an neutrale Bilder», fasste die Hochschule die im Fachmagazin PNAS veröffentlichten Ergebnisse zusammen.

Ein Stück weit kann man auch steuern, woran man sich erinnern möchte, wie Ann-Kristin Meyer und Roland G. Benoit vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig 2022 gezeigt haben. Wenn man unerwünschte Erinnerungen bewusst unterdrückt, sind sie beim nächsten Erinnern weniger lebhaft und blasser als vorher.

Auch wie wir uns an die Coronazeit erinnern, hängt unter anderem davon ab, welche Emotionen damit verbunden sind, sagt Spieß. Menschen, die Verluste erlitten haben, die einen nahe stehenden Menschen verloren haben oder ihren Job, kommen vermutlich schlechter aus dem Gefühl heraus. Besonders gut abschließen können Menschen, «die der Corona-Krise einen Sinn geben können», wie Spieß sagt.

Das könnten beispielsweise Menschen sein, die stolz darauf sind, dass wir als Gesellschaft das gemeinsam gemeistert haben – oder die sich freuen, dass sie dadurch nun tageweise im Homeoffice arbeiten dürfen. «Dann speichert man die Krise eher als Lernerfahrung ab.»

Mit dem Abstand wird die Erinnerung anekdotisch: Weißt Du noch, wie sie im Café auf den Kaffee immer einen Deckel machen mussten, den dann jeder in den Papierkorb vor dem Laden warf, weil nur «to go» erlaubt war und als «to go» nur zählte, wenn ein Deckel drauf war? Heute finden wir Auswüchse wie diese lustig, damals haben wir uns darüber geärgert. Was dazwischen passiert ist, sagt Psychologin Spieß, ist, «dass wir die Opferrolle verlassen haben».

Der Haken an der Sache ist allerdings, dass keinerlei gesellschaftlicher Druck mehr besteht, die Ereignisse seriös aufzuarbeiten – beispielsweise: Was ist in den Schulen während der Pandemie tatsächlich passiert? Dass Kitas und Schulen «keine Treiber» des Infektionsgeschehens gewesen sein sollen, wie die Kultusministerinnen und Kultusminister unisono behaupteten, ist wissenschaftlich längst widerlegt. Wirksame Notfallpläne sind aber bis heute nicht entwickelt worden und werden auch nicht mehr nachgefragt (News4teachers berichtete). In Nordrhein-Westfalen lehnte es die schwarz-grüne Landtagsmehrheit ab, den Schulen den Status einer «kritischen Infrastruktur» zuzusprechen, für die besondere Schutzmaßnahmen (wie die Ausstattung mit Luftfiltern) vorgesehen ist.

Heißt: Sollte in nächster Zeit ein neues Virus um die Welt gehen, würde für die Bildungseinrichtungen wieder das gelten, was im März 2020 galt – sie wären praktisch schutzlos. News4teachers / mit Material der dpa

Lauterbach über Schulschließungen: „Es gab ein viel zu geringes Interesse, irgendetwas für die Kinder zu machen“

 

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Ab_und_zu-Leser
7 Monate zuvor

Angesichts dessen, dass SARS-2 definitiv nicht ‚vorbei‘ ist und die WHO aktuell, mittels dem „World Pandemic Treaty“ völlig zu Recht die Implementierung von langfristigen Schutzmaßnahmen plant (bitte über entsprechende, direkt von der WHO vorgegebene Kanäle informieren; die WHO beendete Corona nie – im Gegenteil! – lediglich wurde „PHEIC“ aufgrund „politischer Interna“ für beendet erklärt), darf davon ausgegangen werden, dass sich mindestens auf Makro-Ebene Staaten über die eigentlich (katastrophale) Sachlage hierzu bewusst sind (Lauterbach auch kürzlich mittels G7, u.a. Long-Covid als Thema angestoßen und der WHO für den „World Pandemic Treaty“ entsprechende Gelder zugesagt).

Entsprechend ist der Schlusssatz dieses Artikels nur allzu zutreffend.

Die Reinfektionspolitik der letzten Monate wird sich als fatal herausgestellt haben und entsprechend dürfte es wohl diesen Herbst/Winter wieder sehr witzig werden. Mindestens unterschrieben, wenn nicht sogar ratifiziert, soll der „World Pandemic Treaty“ also in finaler Version bis bereits Mai.2024 sein.

Auch wenn es bitter ist, scheint es unumgänglich für uns alle, dass wir zunächst doch noch einmal das Kollektivtrauma „Corona“ hautnah re-durchleben müssen, mit allen gesellschaftlichen Konsequenzen, ehe wir uns dazu bereit erklären werden, diesem Virus endgültig den Kampf anzusagen.

Die WHO, mittels dem „World Pandemic Treaty“ wird hier entsprechend als Stütze tätig sein. Aber ich befürchte, dass durch den ganzen Prozess hinweg leider wieder diejenigen am meisten drunter leiden werden, die am wenigsten insgesamt verbockt haben, nämlich: die Kinder.

Für diejenigen, die all dies was ich hier gerade geschrieben habe nicht wahrhaben können oder wollen: Ihr wurdet mit Fehlinformation, wenn nicht sogar Desinformation gefüttert. Bitte informiert euch selbstständig, mittels WHO und seriösen Fachzeitschriften/Universitäten.

Viel Glück.

Realo
7 Monate zuvor
Antwortet  Ab_und_zu-Leser

Können Sie erklären, wie das erneute „Durchleben des Kollektivtraumas“ ablaufen soll?

Die Impfung für Kinder wird nicht mehr empfohlen, weil Corona keine übermäßige Gefahr für sie darstellt. Der Rest der Welt hat sich schon „immunisiert“.

Ist das beschriebene „Kollektivtrauma“ jetzt gleichzusetzen mit einer Erkältungswelle?

Bayer
7 Monate zuvor
Antwortet  Realo

Sie haben leider nichts, gar nichts verstanden.
Alle Antworten wurden von
@ Ab_und_zu-Leser bereits in seinem anschaulichen Text vollkommen richtig dargestellt.
Sie scheinen schlicht nicht seiner faktenbasierten Meinung zu sein.
Deshalb das Drumherumfragen – ändert nichts am das-Virus-bleibt uns.

Realo
7 Monate zuvor
Antwortet  Bayer

Dann können Sie es erklären? Faktenbasiert!

Bayer
7 Monate zuvor
Antwortet  Realo

Ich bin gerade mit einer auch Betroffenen auf Intervall- longcovid-Reha, die Ihnen dies, hier in diesem forum, bereits mehrmals erklärt hat 🙂 müßig

@ Alex
Ja, sollte er……..Danke.

Bayer
7 Monate zuvor
Antwortet  Realo

PS: Ich möchte Ihnen zudem ( zum fehlenden Wissen ) eine mitleidlos ignorante, bornierte Haltung – bar jeglicher Empathie – bescheinigen.

…..Sie wissen Ihr Glück, gut durchgekommen zu sein, nicht zu schätzen und zweifeln die „Wehwehchen“ Betroffener an.
Mitpatienten sprechen idF von Covidioten.

Sternschnuppe
7 Monate zuvor
Antwortet  Bayer

Vielen Dank. Ich kann es auch nicht mehr hören. Aber Empathie ist eben nicht allen gegeben. Den Rest denke ich mir.
Ich wünsche Ihnen gute Besserung und werden Sie wieder gesund!

Bayer
7 Monate zuvor
Antwortet  Sternschnuppe

Vielen, vielen Dank !

Alex
7 Monate zuvor
Antwortet  Realo

Googlen Sie einfach mal „Long Covid bei Kindern“! Zu dem Unfug mit der Immunisierung spare ich mir mal lieber jeden weiteren Kommentar.

Teacherwithouthope
7 Monate zuvor
Antwortet  Ab_und_zu-Leser

Schade, das such Ihnen nur einmal einen „Daumen hoch“ geben darf!

Und auch ich wünsche allen, die gutgläubig oder naiv oder einfach nicht belastbar mit der Realität weiter ungeschützt das „Ach so schöne vor der Pandemieleben“ genießen viel Glück!

Fehlende Informationen kann sich wirklich Jede/Jeder besorgen und das Prinzip Eigenverantwortung beinhaltet auch dies.

Dil Uhlenspiegel
7 Monate zuvor

„Sollte in nächster Zeit ein neues Virus um die Welt gehen, würde für die Bildungseinrichtungen wieder das gelten, was im März 2020 galt“. Ja, nur die LuL würden sich dann nicht mehr so aufreiben, denn sie haben dazugelernt, sehr viel dazugelernt.

Last edited 7 Monate zuvor by Dil Uhlenspiegel
Shux
7 Monate zuvor

Ich glaube nicht, dass wir schutzlos sind. Wir haben einen bleibenden Eindruck davon, wie verheerend die Lockdowns waren – die Defizite sind noch überall zu spüren, und ich erwarte nicht, dass irgendjemand noch mal Schulen für lange Zeit schließen würde; ich verweise auf die zwischenzeitlichen Aussagen des Gesundheitsministers und die Erfahrungen unterschiedlicher Staaten. Allerdings wurden die verschiedenen Umgangsweisen mit einer so riesigen Krankheitswelle bei weitem nicht genug verglichen und ausgewertet.

Tim Bullerbü
7 Monate zuvor
Antwortet  Shux

Ich persönlich habe einen bleibenden Eindruck, was Covid und Long Covid in meinem Freundeskreis angerichtet haben.
Zu den Erfahrungen der unterschiedlichen Staaten kann man ja mal in Italien fragen, wie die erste Welle so war.
Ich persönlich erwarte, dass man Maßnahmen evaluiert und Schutzmaßnahmen schafft/ verbessert.
Und wer Covid noch immer für eine Erkältung hält, freut sich, dass es bei ihm so glimpflich gelaufen ist und ist dann bitte einfach still.

Alex
7 Monate zuvor
Antwortet  Shux

Mmh, wie genau schützt uns denn dann der bleibende Eindruck?

Sternschnuppe
7 Monate zuvor
Antwortet  Shux

Ich glaube schon, dass Schulen noch mal geschlossen werden. Es gibt ja nicht nur Coronaviren. Tatsache ist, dass an Schulen genau gar nichts passiert ist, heißt, kommt die nächste Pandemie, passiert genau das Gleiche, weil es kein Konzept gibt. Und ja, wir können mal andere Länder über ihre Lockdown Erfahrungen fragen. Wir hatten ja nie wirklich einen.

Realist
7 Monate zuvor

Sollte in nächster Zeit ein neues Virus um die Welt gehen, würde für die Bildungseinrichtungen wieder das gelten, was im März 2020 galt – sie wären praktisch schutzlos.“

Machen wir uns nichts vor. Genau das wird passieren, während Unternehmen, Parlamente und Behörden ihre Luftfilter wieder aus dem Keller holen und sich ins Homeoffice der 4-Tage-Woche flüchten werden, während man gleichzeitig (wieder) mit ausgestrecktem Zeigefinger auf die Kitas, Schulen und Krankenhäuser deuten wird, die doch „einfach ihren Job“ machen und nicht soviel herumjammern sollen. Schließlich gehören Infektionskrankheiten zum „Berufsrisiko“ von Erziehern, Lehrern und Pflegekräften. Bei so viel Einsatz ist man dann auch bereit, sich wieder auf den Balkon zum Klatschen zu stellen (aber bitte nicht zu nahe herankommen) oder die genannten Beschäftigten in den nächsten Tarifrunden von TvöD oder TV-L mal wieder so richtig zu verar… (hätten ja was „Anständiges“ lernen können, diese „öffentlichen Díenstboten“…)

Realist
7 Monate zuvor

Mit dem Abstand wird die Erinnerung anekdotisch“

Ich nenne einmal ein paar Anekdoten aus Politik, Medien, Bildungsminsterien und „Wissenschaft“, damt die Erinnerung wachbleibt:

„Lehrer infizieren Kinder, aber nicht umgekehrt“, „Lehrer schleppen das Virus von allabendlichen Parties in die Schulen hinein und infizieren Kinder“, „Luftfilter wirken in Schulen nicht“, monatelanger Streit um ein paar Millliarden für das digitale Lernen (während 100 Milliarden für die Aufrüstung und 200 Milliarden Energiesubvention praktisch übers Wochenende bereitgestellt wurden), praktisch ein ganzes Jahr, bis FFP-Masken in den Schulen zur Verfügung gestellt wurden (erst waren sie laut offiziellem Diktum nutzlos und dann plötzlich verpflichtend, erinnert sich noch jemand an Herrn Spahn?), „Klassenräume kühlen im Winter trotz Lüftungsgebot nur um 2-3 Grad Celsius ab“, „Corona ist Berufskrankheit für Polzisten und Pflegekräfte aber nicht für Erzieher und Lehrer“, „Long Covid spielt bei Kindern keine Rolle“, „Erzieher erkranken nicht häufiger an Corona als der Rest der Bevölkerung“ (während Krankenkassenstudien am Ende der Pandemie das glatte Gegenteil dieser Lüge bewiesen haben), …

Gen Z; „Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“ (die nächste Pandemie kommt bestimmt…)

Canishine
7 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Oder mein persönlicher Favorit: „Schulen sind Bremsscheiben der Pandemie.“

Tim Bullerbü
7 Monate zuvor
Antwortet  Canishine

Schulen sind sicher.

Leseratte
7 Monate zuvor
Antwortet  Canishine

Mir gefällt auch der Taschentücher-Spruch von Frau Schopper 😉
(Kinder und Jugendliche bräuchten wegen normalerweise leichter Verläufe im wesentlichen «einen Packen Taschentücher» https://www.zeit.de/news/2021-07/21/zeitung-schopper-bekommt-pakete-nach-taschentuch-spruch?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F

Tim Bullerbü
7 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Einen habe ich noch: Lüften gegen Covid!

kanndochnichtwahrsein
7 Monate zuvor

Richtig, alle Beteiligten sind schutzlos!
Und das gilt wie zu Beginn der Pandemie auch für das Umfeld, über die in Schule arbeiteten und lernenden Menschen hinaus deren Privatumfeld mit Familie, Freunden, Nachbarn und deren berufliches Umfeld und damit auch wieder die Wirtschaft.

Aber Schulen sind in vielerlei Beziehung schutzlos:
Schulen sind nicht geschützt vor den Auswirkungen heißer und langer Sommer, sind nicht wirklich vorbereitet auf spontane Notlagen jeder Art – von Extremwetterereignissen bis zu Amok.
Egal was morgen kommt – Eis, Hitze, Unwetter, Gewalt oder Pandemie – es kommt immer „plötzlich und unerwartet“ und „man konnte es nicht wissen“.

Niemand sorgt außerdem vor im Hinblick auf gesunde Arbeitsplätze – Lärmschutz, ergonomische Einrichtung, Belüftung und Entlüftung, Klassenraumgröße.

Niemand sorgt vor für Krisen und unerwartete Situationen aller Art mit flexiblen Betreuungsmöglichkeiten, sicheren Versorgungsstrukturen, alternative und krisenfester Energieversorgung, sicheren Kommunikationswegen…

Auch vor Überlastung der Lehrkräfte besteht kein vorbeugender Schutz – keine brauchbaren Arbeitszeitmodelle, kein Recht auf Begrenzung der Arbeitszeit, keine wirksame Eingrenzung von (mehr oder eher weniger spontaner) Mehrarbeit, Defizite schon in der Ausbildung der Lehrkräfte im Sinne mangelnder Vorbereitung auf die realen personellen, pädagogischen und psychologischen Bedingungen in Schulen.

Letzendlich sind die Kollegien schutzlos gegenüber immer wieder neuen Anforderungen und Anordnungen „von oben“, die immer wieder eher weniger Sinn machen, aber nichtsdestotrotz abgearbeitet werden müssen.

„Schulen“ können und dürfen nicht streiken, die Kinder können wir nicht bis zur Behebung der widrigen Umstände „auf dem Schreibtisch liegen lassen“. Die stehen morgens vor dem Schulgebäude und wir haben, ob wir es wollen und können oder nicht, mindestens die Betreuungspflicht.

Also wird sich auch nichts an der Lage der Schulen ändern – „es läuft“ ja wieder – oberflächlich betrachtet.
Es wird weiterhin auch im Bildungsbereich gespart und niemand will sich offenbar mit der Möglichkeit auseinandersetzen, dass, vor was und wie auch Kinder und Beschäftigte – damit ihr gesamtes Umfeld – zu schützen sind.

Auch wenn es im Moment niemand wissen will – oder durch veränderte
Wahrnehmung und selektives Erinnern, vielleicht auch aus Selbstschutz, sich nicht
mehr damit beschäftigen „kann“:

Die Frage ist doch nur, wann die nächste Krise kommt, nicht ob sie kommt…

Ich bin absolut desillusioniert nach der Corona-Krise, aus der „wir“ offenbar nichts gelernt haben…
Was muss noch kommen, um verantwortliche Menschen zum Umdenken und neu Handeln zu bewegen, um Schulen zu besseren und sichereren Orten zu machen?

Last edited 7 Monate zuvor by kanndochnichtwahrsein
Bayer
7 Monate zuvor

Klasse Ausführungen, Dankeschön.

mama51
7 Monate zuvor

BRAVO!!!!!!! SEHR GUTER kOMMENTAR!

Mary-Ellen
7 Monate zuvor
Antwortet  mama51

Ich schließe mich an!

Leseratte
7 Monate zuvor

Perfekt auf den Punkt gebracht!