Zu wenige Lehrkräfte wollten später in Rente gehen: Ministerium verschiebt Projekt

12

Der Plan, dass Lehrkräfte in Brandenburg wegen des Lehrermangels freiwillig später in Rente gehen, wird zunächst verschoben. Das kündigte das Bildungsministerium am Dienstag in Potsdam an.

Weiter unterrichten? Och, nö. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

«Es gab zahlreiche Rückmeldungen interessierter Lehrkräfte, die Zahl war jedoch noch nicht hoch genug für einen zeitnahen positiven Effekt beim Personalbedarf», teilte das Ressort mit. Die Gründe seien etwa eine andere Lebensplanung oder die noch offenen Konditionen für das Modell. «Das Interesse der Lehrkräfte war aber so groß, dass nun Eckpunkte für ein zunächst zeitlich begrenztes Modellprojekt 63+ zum 1. Februar 2024 erarbeitet werden.»

«Viele lebensältere Lehrerinnen und Lehrer teilten uns mit, dass der Vorschlag für sie attraktiv ist, bei mehr entlastenden Anrechnungsstunden im Schuldienst zu bleiben und weiterhin zu unterrichten», sagte Bildungsminister Steffen Freiberg (SPD). «Oft stand dieser Entscheidung lediglich ihre fortgeschrittene persönliche Lebensplanung entgegen.» Das Ministerium habe die Hinweise aufgenommen und werde die Bedingungen für das Projekt ausbauen.

Für das kommende Schuljahr ist laut Ministerium die Neueinstellung von mindestens 1.800 Lehrkräften erforderlich. So viele ausgebildete Lehrer und Seiteneinsteiger werden aber kaum zu finden sein. Deshalb will Freiberg unter anderem Lehrer ab dem 63. Lebensjahr mit reduzierten Unterrichtsstunden verlocken, nicht vorzeitig in Rente zu gehen.

CDU-Bildungspolitiker Gordon Hoffmann forderte am Dienstag, die Zuverdienstgrenze für Lehrerinnen und Lehrer im Ruhestand ähnlich wie in Nordrhein-Westfalen aufzuheben, um ihnen einen Anreiz für eine Rückkehr in den Schuldienst zu geben. News4teachers / mit Material der dpa

Pensionäre sollen den Lehrkräftemangel beheben – ein Tropfen auf dem heißen Stein

Anzeige


Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei

12 Kommentare
Älteste
Neuste Oft bewertet
Inline Feedbacks
View all comments
Senkrechtstarter
11 Monate zuvor

Das war doch klar. Wenn immer mehr immer früher in Pension gehen und dabei die Abschläge in Kauf nehmen, nur um aus dem Job rauszukommen, wie kann man dann glauben, dass Aufrufe, länger zu arbeiten, in Größenordnungen Erfolg haben. Das war von Anfang an eine Schnapsidee. Oder man wollte einfach nur den Eindruck erwecken, man tue etwas.

Rey
11 Monate zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Der Versuch selbst ist per se nicht schlecht. Selbst wenn nur 5% der Lehrkräfte dem Aufruf folgen, gäbe es bereits eine Entlastung für die anderen, die es sonst auffangen müssten. Ich stimme allerdings komplett zu, dass dies als Hauptstrategie, zum Scheitern verurteilt ist. Aus „gut abgesichert bis zum Burnout arbeiten“ Mal eben „super abgesichert bis in den Tod arbeiten“ zu machen, wird den Beruf definitiv nicht für junge Menschen attraktiver machen. Eine langfristige Lösung sieht anders aus.

Ureinwohner Nordost
11 Monate zuvor
Antwortet  Senkrechtstarter

Stichwort „Schnapsidee“,
100 g Wodka am Ende des Arbeitstages helfen, die restlichen Monate bis zum Ende des Arbeitslebens (knappe acht Monate) zu überleben.
Hoffentlich werde ich nicht Alkoholiker. 🙂

Johannes
11 Monate zuvor

Nicht einen Tag länger als nötig! Im Gegenteil- so früh wie irgend möglich!

dickebank
11 Monate zuvor

Ja bei den tollen Arbeitsbedingungen frage ich mich auch, warum in den Schulministerien überhaupt irgendwer auf die Idee verfallen kann, dass den Scheiß eine(r) länger macht als er/sie muss.

Timo
11 Monate zuvor

in vielen Unternehmen sagen sie schon ab 56 langsam ‚Ciao‘
10 Jahre mehr arbeiten, kann gar nicht aufs Leben hochgerechnet werden.

Eine Gerechtigkeitsfrage…..

Realist
11 Monate zuvor
Antwortet  Timo

Französische Eisenbahner: Mit 50 in Rente… Während der (deutsche) Lehrer noch mit 67 mit Hörschaden vor der Klasse an fünf Tagen in der Woche die Digitalisierung voranbringen soll… tja, so ist das mit den „faulen S…“: Wer zu blöd für einen „ordentlichen“ Beruf ist, der muss eben bis kurz vor Schluss noch einmal so richtig ran…

Gen Z: „Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“

Ok: Eins haben französische Eisenbahner und deutsche Lehrer doch gemeinsam: Kein (echtes) Homeoffice möglich…

Realist
11 Monate zuvor

Hoffen wir, dass die „Glorreichen“ nicht den Erlkönig gelesen haben:

„Und bist du nicht willig, so…“

dickebank
11 Monate zuvor
Antwortet  Realist

… der Knabe lebt, das Pferd (Schulsystem) ist tot – oder so:)

schuidirndl
11 Monate zuvor

Es gab „zahlreiche“ Rückmeldungen. Ja klar. Also zwei.

Kadee
11 Monate zuvor
Antwortet  schuidirndl

Genau! So viele, dass der Start der Foltermaßnahmen erst einmal nach hinten verschoben werden musste, um diese Massen an Anträgen zu bearbeiten äh genehmigen.

Alex
11 Monate zuvor

Meine persönliche Lebensplanung ist auch schon fortgeschritten: so früh es nur irgendwie geht, werde ich dieser Tretmühle den Rücken kehren.