Studie: Freie Grundschulwahl der Eltern zementiert soziale Ungleichheit

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DORTMUND. Kinder mit unterschiedlichem sozio-ökonomischem oder ethnisch-kulturellem Hintergrund sind in Schulen oft stärker voneinander getrennt als in ihren Wohnvierteln. Die Schulwahl der Eltern spielt dabei eine zentrale Rolle, stellen Dortmunder Forscher fest.

In Brennpunktvierteln wie hier in Berlin ist die Schülerschaft meistens homogen – arme Kinder bleiben unter sich. Foto: Shutterstock

In den vergangenen Wochen konnten Eltern in Nordrhein-Westfalen ihre Kinder als zukünftige Erstklässlerinnen und Erstklässler für das nächste Schuljahr anmelden. Grundsätzlich haben Eltern dabei die Wahl, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken. Forscherinnen und Forscher des Dortmunder Instituts für Landes- und Stadtentwicklungsforschung um die Geografin Isabel Ramos Lobato haben nun die Auswirkungen der elterlichen Schulwahl auf die Zusammensetzung der Grundschulen untersucht.

Für ihre Studie nutzte Ramos Lobato gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen Andreas Wettlaufer, Andreas Farwick und Heike Hanhörster beispielhaft Daten der Schulverwaltungs- und Einwohnermeldestatistik einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen (die im Einverständnis aller Akteurinnen und Akteure ungenannt bleiben soll). Zur Messung der sozio-ökonomischen Segregation diente den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Indikator der Lernmittelbefreiung. Diese erhielten überwiegend Familien, die Sozialleistungen beziehen oder andere gravierende finanzielle Belastungen vorweisen. Die ethnisch-kulturelle Segregation erfassten sie anhand des Migrationshintergrunds und der Religionszugehörigkeit.

„Kinder mit unterschiedlichem sozio-ökonomischem oder ethnisch-kulturellem Hintergrund sind in Grundschulen oft stärker voneinander getrennt als in ihren Wohnvierteln“, erläutert die Wissenschaftlerin eines der zentralen Ergebnisse. Die Schulwahl der Eltern spiele dabei eine zentrale Rolle. „Selbst wenn privilegiertere Familien in eher gemischten Stadtvierteln leben, wählen sie für ihre Kinder häufig eine Schule außerhalb der Nachbarschaft“, so Ramos Lobato.

Die wahrgenommene Zusammensetzung der Schule habe einen entscheidenden Einfluss auf das Wahlverhalten der Eltern, so die Geografin. Für Eltern mit höherem Einkommen und Bildungshintergrund gilt laut Ramos Lobato, dass sie den Ruf einer Schule umso schlechter einschätzten, je höher der Anteil der Kinder mit Lernmittelbefreiung war. Proportional häufig mieden sie diese Schulen. „Eltern mit niedrigerem Einkommen und Bildungshintergrund legen bei der Schulwahl größeren Wert auf Unterstützungsangebote“, erläutert die Wissenschaftlerin.

Die soziale Entmischung in der Grundschule könne auch die Aufstiegschancen der Kinder beeinflussen. So weisen Schulen mit besonders vielen sozial benachteiligten Kindern im Schnitt deutlich schlechtere Bildungsergebnisse auf. „Die Schulsegregation ist damit nicht nur ein Spiegel sozialer und räumlicher Ungleichheit, sondert trägt auch dazu bei, diese zu zementieren“, so die Wissenschaftlerin.

Ansatzpunkte für gemischtere Schulen sieht sie etwa in der besseren Ausstattung von benachteiligten Schulen und in transparenten, schulübergreifenden Aufnahmeprozessen. „Um die soziale Entmischung zu vermeiden, bedarf es zusätzlicher finanzieller Unterstützung bestimmter Schulen sowie klarer und verbindlicher Kriterien bei der Aufnahme der Kinder“, so Ramos Lobato.

Marktdesign-Studie: Eltern und Schülern die Schulwahl besser selbst überlassen

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Alx
3 Monate zuvor

Das Problem ist nicht, dass die Schulen schlechter ausgestattet sind. Die sind in der Regel besser ausgestattet.
Das Problem ist das Klientel.

Eltern wissen, dass ihr Kind nicht die Mehrheit nach oben zieht, sondern eher von der Mehrheit nach unten gezogen wird.

Eine erzwungene stärkere Durchmischung nach Wohnort wird zu einer stärkeren Wohnortseparierung führen.

A. Lius
3 Monate zuvor
Antwortet  Alx

Solche Entwicklungen sind aus Großbritannien und den USA bekannt: Die vermeindliche Qualität der Schule bestimmt die Grundstückspreise.

GEW- nee!
3 Monate zuvor
Antwortet  Alx

Dann gehen unsere Enkel auf eine Privatschule oder der Wohnort wird entsprechend gewählt- jedenfalls jommen sie nicht in eine Schule im sozialen oder anderen Brennpunkt.

Lera
3 Monate zuvor

Privatschulen mit Exklusivitätsgebühr wird es immer geben. DAHIN schicken wirklich reiche Leute ihre Kinder.

Die (gehobene) Mittelschicht versucht, für ihre Kinder die Bildungsverwahrlosung ab Klasse 1 zu verhindern, indem sie auf staatliche Schulen in guten Einzugsgebieten geschickt werden.

Wenn man letzteres nun einschränken oder verbieten will, trifft man überwiegend die Mittelschicht und nicht die wirklich Reichen.

Insgesamt ist es doch sehr verstörend, mit welcher Selbstverständlichkeit hier ein Anspruch der Gesellschaft gegenüber einzelnen Familien aus vermeintlich „privilegierten“ Verhältnissen erhoben wird, doch gefälligst ihre Kinder als Sozialisationshilfe für vermeintlich „Benachteiligte“ zur Verfügung zu stellen.

Es ist das gute Recht – ja, sogar die Pflicht – ALLER Eltern, für IHRE Kinder zu sorgen, sie nicht blind in irgendeiner Schule abzugeben, sondern ganz genau zu prüfen, ob dort ein anregendes Lernumfeld oder eine toxische Asi-Kultur vorherrscht.

Eltern dies abzusprechen, ist krass übergriffig und trieft vor Ideologie.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Ja, es hilft der Gesellschaft immer besonders, wenn jede einzelne Familie nur an sich denkt. Und man kann so auch immer schön auf denen da unten rumhacken, weil sie einfach nicht aus dieser „toxischen Asi-Kultur“ befreien können.

SchadeMarmelade
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Sicher doch. Victim Blaming at its finest. Wieso schicken sie ihre gut erzogenen und sozialisierten Kinder denn nicht auf Brennpunktschulen. Echt dermaßen asozial dass sie nicht möchten dass ihre Kinder zu malträtierten Opfern werden und den Großteil des Tages leiden. Sowas von unmöglich.
Ich werde meine Kinder soweit es geht auf Privatschulen bringen und garantiert nicht an Stadtteilschulen.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Ich habe gar keine Kinder, unterrichte aber eine schwierige Klientel. Und nun?

Egvina
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Fehlt Ihnen der Blickwinkel als Elternteil, der sein Kind nicht als Sozialpuffer für jedes schulische Problem hergeben möchte.

SchadeMarmelade
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Dann haben Sie auch kein Recht Eltern zu kritisieren die keine Lust haben ihre Kinder unnötig unterdrückt und leiden zu sehen. Ganz einfach.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  SchadeMarmelade

Doch habe ich. Typisches Argument.
Da ich sehr viel mit Eltern zu tun habe, weiß ich, dass die einfach nur Menschen sind und nicht automatisch, nur weil sie Eltern sind, alles richtig machen.
Es gibt Eltern, die ihre Kinder nicht ausreichend unterstützen, welche, die ihre Kids nicht zur Schule schicken wollen, die sie überbehüten, krank machen, misshandeln, missbrauchen, nur als Aushängeschild brauchen …
Brauchen Sie noch mehr Beispiele?

Nick
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Warum sollte ich meine Kinder als Sozialpuffer hergeben wenn ich für sie Alternativen bieten und bezahlen kann (Privatschule)?

447
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Dann schicken SIE doch ihre Kinder dahin, oder beziehen dort ihren Wohnort.

Oder ist dann (Erfahrungswert bei solchen Forderungen) für SIE das Regelset ein anderes?

Antisoziale Subkulturen haben sich an die Mittelschicht anzupassen, nicht umgekehrt.

Fr.M.
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„Jeder hat sich da zu bewähren, wohin ihn Gott gestellt hat, nicht in einem fremden Nest.“ (Theodor Fontane)

Wenn jeder sich im eigenen Nest bewährte, ginge es der Gesellschaft gut. Das bedeutet ja nicht, andere Nester zu plündern oder zu zerstören.
Woanders zu helfen, wenn Not am Mann ist, wird vom Bewähren im eigenen Next ja nicht in Frage gestellt oder ausgeschlossen. Nachbarschaftshilfe oder Patenschaften sind wunderbar.

Ich mag einfach die übertriebene Selbstbeweihräucherung durch fromme Forderungen an andere (u.a. den Staat) nicht mehr, dieses selbstgefällige Moralgeschwätz mit Geboten zum Kümmern um Arme, Schwache, angeblich Ausgegrenzte (kurz: „Opfer“) nicht mehr – diesen heimlichen Narzissmus, der sich hinter jeder Beschimpfung anderer versteckt und der Gesellschaft kein bisschen hilft. Im Gegenteil!

Wie gut täte es dagegen der Gesellschaft, wenn jeder sein eigenes Nest in Ordnung hielte und sich dort selbstverantwortlich fühlte und kümmerte. Dann wäre vieles besser als heute. Und das pharisäische Blabla mit seinem Stolz auf sich selbst.hörte endlich auf.

A.J. Wiedenhammer
3 Monate zuvor
Antwortet  Fr.M.

So ist es. Danke.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Fr.M.

Da es aber nicht so ist und das der gesamten Gesellschaft schadet, sollten die Stärkeren in der Gesellschaft einem Paradigmenwechsel nicht so im Wege stehen.
Aber wahrscheinlich habt ihr alle nichts gegen Gated Communities in 30 Jahren.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Fr.M.

Ich blaba Pharisäerin. Blubb.

Dorle
3 Monate zuvor
Antwortet  Fr.M.

„Ein Pharisäer und ein Zöllner gehen in den Tempel zu Jerusalem um zu beten. Der Pharisäer dankt Gott in seinem Gebet dafür, dass er Pharisäer ist und hebt hervor, dass er sich (in seinen Augen) vorbildlich verhält … Er lobt seine Leistungen …und sieht keinen Anlass, sich vor dem Höchsten als Sünder zu bekennen. Der Zöllner hingegen schlägt sich gegen seine Brust, wagt dabei nicht aufzusehen und bittet Gott darum, ihm, dem Sünder, gnädig zu sein.
Im Gegensatz zum Pharisäer ist er sich seiner Sündhaftigkeit bewusst und voller Demut. Das Gleichnis wird abgeschlossen von den Worten Jesu, der erklärt, dass der Zöllner im Gegensatz zum Pharisäer gerechtfertigt nach Hause ginge, denn jeder, der sich selbst erhöhe, werde erniedrigt werden, wer sich aber selbst erniedrige, werde erhöht werden.“
https://de.wikipedia.org/wiki/Pharis%C3%A4er_und_Z%C3%B6llner

Hans Malz
3 Monate zuvor
Antwortet  Fr.M.

Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.

Chris
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Und zur Abstellung dieses Mißstands soll ich meine Kinder opfern?

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Chris

Tun Sie denn sonst irgend etwas gegen den Missstand? Elterninitiative?

Lehrwerker
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Danke. Volle Zustimmung.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Wenn die Kinder gut durchmischt werden, profitieren davon langfristig alle, auch die (gehobene) Mittelschicht.
Die Frage ist doch in was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich leben?

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Zum ersten Teil nur zwei Fragen: 1) Warum? 2) Hat das bisher funktioniert?
Wie immer (ich sollte den Textbaustein speichern): Idealismus ersetzt nicht eine Auseinandersetzung mit der Realität.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

1) weil dann wenige schlechter gestellte unter vielen bessergestellten sind, maximal halb halb und es so zu einer besseren Integration, Aufstiegsmöglichkeiten und Toleranz untereinander kommt.
2) ja, es gibt durchaus Schulen, wo das funktioniert. Unsere Grundschule besuchen sowohl sehr viele Kinder mit Migrationshintergrund und/oder niedrigem sozioökonomischen Hintergrund als auch Kinder aus Einfamilienhaussiedlungen. Und es klappt gut

Müllerin
3 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Das sind leider nur wohlfeile Phrasen. Warum und wie profitiert da jemand?

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  Müllerin

Alle einfach. Getthoisierung hilft einfach niemandem

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Müllerin

Die Gesellschaft würde davon profitieren, weil es es mehr Menschen gibt, die sich beruflich sinnvoll qualifizieren könnten. Wir bräuchten nicht so viele Zuwanderer*innen. Migrant*innen wären insgesamt besser gebildet und könnten sich besser/leichter integrieren. Es würde dem Zusammenhalt der Gesellschaft insgesamt nutzen.
Ich finde es regelrecht erstaunlich, wie hier immer gegen Maßnahmen zur Verbesserung der Lage argumentiert wird. Man könnte glatt meinen, ihr habt gar kein Interesse daran. Wahrscheinlich geht es wie fast immer um den eigenen Vorteil. Man muss sich nicht mit dem „Pöbel“ abgeben und ermöglicht ihm auch nicht aufzusteigen. Außerdem kann man schön auf diesen Menschen herumhacken.
Leider ist das einfach nicht klug und/oder weitsichtig.

Lera
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„Ich finde es regelrecht erstaunlich, wie hier immer gegen Maßnahmen zur Verbesserung der Lage argumentiert wird.“

1. Hier ging es nur um eine Maßnahme.

2. Ob (und wem) die hilft, ist mindestens fraglich.

3. Da Sie keine Kinder haben, überrascht mich Ihre Überraschung nicht.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Stellen Sie sich vor, man kann auch ohne selbst Kinder zu haben, die großen Zusammenhänge verstehen. Vielleicht oft sogar besser, da Eltern gerade nicht rational, sondern emotional auf diese Problematik schauen.
Fühlen Sie sich nicht beleidigt und empören sich über mich, sondern gehen Sie mal in sich! Merken Sie gar nicht, dass dieselbe Klientel, die hier immer über die Eltern mit einem gewissen Hintergrund herzieht und sonstwas von ihnen erwartet, bei sich selbst null selbstkritisch ist?

Cuibono
3 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Vor allem ist es gänzlich nutzlos. Die Eltern, denen eine förderliche (Schul)Umgebung ihrer Kinder wichtig ist, lassen sich nicht einreden, dass ihre Kinder als Sprach- und Sozialschmiere nun auffangen sollen, was dieses Land seit Jahrzehnten an Integration und Kinder-/Jugendhilfe einerseits und/oder Eltern andererseits nicht leisten konnten oder wollten.

Genau diese gut sozialisierten Muttersprachler bräuchte es jedoch in einer riesengroßen Anzahl, damit sie dann – am besten gerecht verteilt nach einem von Bildungsforschern zu erstellenden Schlüssel – ihre Aufgabe angehen können.
Wie egoistisch, kurzsichtig und blöd, dass deren Eltern das nicht einsehen wollen.

Träumt weiter.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Cuibono

Diese Eltern denken nicht wirklich an die Zukunft. Das ist das Problem.
Wir fahren so unser Land gegen die Wand. Wir generieren so immer mehr Menschen, die uns nicht weiterbringen können. Diejenigen, die leistungsstärker sind, werden dadurch immer weniger.

Nick
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Das nennt man freie Marktwirtschaft.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Nick

Nein, kurzsichtige Dummheit.

Nick
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ihre Interpretation.

Schade
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich habe im ländlichen Bereich gute Erfahrungen mit sozialer Durchmischung in den Klassen gemacht (als Mutter und als Lehrkraft). Soweit kann ich Blau folgen. Allerdings überstieg der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bzw. derer aus „prekären“ Verhältnisse dabei selten ein Drittel und mir ist ehrlich gesagt schleierhaft, wie das voneinander profitieren funktionieren soll, wenn die Kinder mit z.B. sprachlichen Defiziten die deutliche Mehrheit stellen. Ich glaube, dass wir da etwas romantisieren und ideologisieren, was in der Praxis gar nicht realisierbar ist,

Anvi
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Wenn es um mehr Geld und Personal für Schulen in Problembezirken geht – dieses Geld wäre gut investiert. Wenn die Brennpunktschule dadurch so gut wird, dass auch Bildungsbürger ihre Kinder dahinschicken möchten, haben wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen.
Ja, ich bin egoistisch und opfere mein Kind nicht dem Allgemeinwohl. Geld ja, mein Kind nicht. Wenn Sie als Lehrer auf einer Problemschule unterrichten, haben Sie meinen Respekt. Dazu hat aber nicht einmal jeder Erwachsene die Fähigkeiten. Von Kindern erwarten Sie dann, dass sie sich dort durchsetzen und gar andere Kinder positiv beeinflussen?

Beatrix
2 Monate zuvor
Antwortet  Anvi

Das hat nicht mal was mit Egoismus zu tun. Sondern mit der unmittelbaren, ganz konkreten Verantwortung für das Kind und seinen Bildungsweg einerseits und der mittelbaren Verantwortung für andere bzw. die Gesellschaft andererseits.

Durch die gleichgültige bis teilweise regelrecht menschenverachtende Bildungs- und Sozialpolitik der vergangenen 40 Jahre wurden und werden Familien und Gesellschaft gegeneinander ausgespielt und die gesellschaftliche Verantwortung immer weiter Einzelnen aufgebürdet. (Die „Tafeln“ sind ein weiteres Beispiel dafür.) Das ist das eigentliche Problem. Und das ist der Politik anzulasten, nicht den Familien. Sie hat es sehenden Auges unmöglich gemacht, regelmäßig beiden Verantwortungen gleichzeitig und angemessen gerecht zu werden. Daraus ist reines Roulette geworden.

Dass ein sozial privilegiertes Kind auf einer Brennpunktschule Nachteile erleiden und weit unter seinen Möglichkeiten gefördert wird, ist vielleicht nicht garantiert, aber nüchtern betrachtet doch um ein Vielfaches wahrscheinlicher als eventueller und sehr vager gesellschaftlicher Fortschritt durch seine Anwesenheit in der Klasse. Die Risiken und die eventuellen Vorteile stehen in keinem akzeptablen Verhältnis mehr zueinander.

Wenn Eltern in diesem Szenario lieber für ihr Kind auf Nummer Sicher gehen und ihren Einfluss so ausüben, wie er am meisten Erfolg verspricht, kann man ihnen daraus beileibe keinen Vorwurf machen. Das ist genau genommen sogar ihre im Grundgesetz verankerte Aufgabe.

Nick
2 Monate zuvor
Antwortet  Cuibono

Die von Ihnen kritisierten Eltern haben vorrangig ihre eigenen Kinder im Fokus, so wie eben alle Eltern. Ich finde daran nichts verwerflich. Die von Ihnen gewünschte Lebensform (Verteilung) gibt es nirgendwo, vielleicht in totalitären Systemen.

lehrer002
3 Monate zuvor

Wiedereinführung des Sprengelprinzips wäre sinnvoll…

Cuibono
3 Monate zuvor
Antwortet  lehrer002

Haha – wie das Sprengelprinzip seit 30 Jahren auch und gerade von Eltern, die bunte Gemeinschaftsschulen predigen, umgangen wird, können Sie sich in Berlin gern anschauen.
Not in my backyard.

Marc
3 Monate zuvor

Mich würde brennend interessieren an welchen Schulen die User hier ihre Kinder angemeldet haben. Da aber Lehrkräfte meist in „bessern“ Wohngegenden wohnen, stellt sich die Frage vermutlich weniger.

Viel zu oft habe ich schon mit Eltern gesprochen, die mir viel von Toleranz und Mutlikulti schwärmen, ihre Kinder aber nur dort anmelden wollen, wo bloß möglichst wenig Ausländer an der Schule sind. Man fürchtet das fehlende Sprachbad, mehr körperliche Auseinandersetzungen, problematischen Umgang von Schülern untereinander und natürlich mangelnde Bildungsmöglichkeiten aufgrund der schlechteren Ausstattung und des stressigeren Unterrichtsalltags. Das zeigt mir leider oft dass Toleranz und Vielfalt meist so lange gelebt wird, bis Sie einen selbst dann trifft.

An meiner Brennpunktschule hatte ich ein einziges Mal zwei Mädchen von einem deutschen Arzt, der sich bewusst dafür entschieden hat an eine Brennpunktschule zu gehen. Er hatte uns trotz unserer begrenzten Kapazitäten eine gute Ausbildung seiner Töchter zugetraut.

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Die Menschen sind halt in Wahrheit (und wenn es ernst wird) viel konservativer als sie tun und wählen.

Fräulein Rottenmeier
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

„Viel zu oft habe ich schon mit Eltern gesprochen, die mir viel von Toleranz und Mutlikulti schwärmen, ihre Kinder aber nur dort anmelden wollen, wo bloß möglichst wenig Ausländer an der Schule sind. Man fürchtet das fehlende Sprachbad, mehr körperliche Auseinandersetzungen, problematischen Umgang von Schülern untereinander und natürlich mangelnde Bildungsmöglichkeiten aufgrund der schlechteren Ausstattung und des stressigeren Unterrichtsalltags. Das zeigt mir leider oft dass Toleranz und Vielfalt meist so lange gelebt wird, bis Sie einen selbst dann trifft.“

Diese Aussage höre ich bei der Schulanmeldung vor allem von unseren türkischen Eltern, die es gar nicht gut finden, wenn zu viele türkische Kinder in der Klasse sind…..daher melden sie gerne bei uns an, weil bei uns der Migrantionsanteil meist „nur“ bei 70 bis 80 Prozent liegt…..
Es sind also nicht nur Eltern ohne Migrationshintergrund, die solche Überlegungen anstreben…..

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Unser Stadteil besteht überwiehebd aus Familien mit Migrationshintergrund sowie Sozialwohnungen. Die hiesige Grundschule hat eine entsprechende Schülerschaft. Zwischendrin gibt es aber auch Einfamilienhaussiedlungen. So mischt sich an unserer Grundschule alles munter durch. Vorurteile werden so abgebaut. Ich kann mir nicht vorstellen meine Kinder woanders hinzuschicken. Ich sehe es auch so, dass meine Kinder so privilegiert sind, dass sie überall ihren Weg gehen werden. Dabei können sie ruhig noch Toleranz lernen.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Der gesellschaftliche Druck, verbal zuzustimmen ist eben extrem. Trotzdem weiß natürlich in echt fast jeder, dass „das“ SO („so“= wie das bei uns angegangen wird) nicht funktioniert.

Wir haben unsere Tochter selbstverständlich NICHT auf eine Brennpunktschule geschickt. Das können ja die machen, die solche Konstrukte für moralisch und politisch gut befinden.

A.J. Wiedenhammer
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass das Bestreben, ein möglichst förderliches Umfeld für seine Kinder zu schaffen/finden wenig mit Toleranz oder fehlender Toleranz zu tun hat. Es zeugt nicht von Toleranz (Toleranz wem oder was gegenüber?), sondern eher von Desinteresse, sein Kind auf eine Schule zu schicken, an der es bekanntermaßen häufig zu z.B. körperlichen Auseinandersetzungen kommt.

An unsere DorfGS kommen quasi alle Kinder (außer bes. Förderbedarf) aus einem Radius von etlichen Kilometern. (Kein Wunder, wenn die nächste GS sieben oder acht Kilometer entfernt ist.)
Trotzdem mischen sich die Kinder nicht wirklich durch. Einerseits steuern die Eltern auch hier, wer zu wem zum Spielen gebracht wird oder zum Geburtstag eingeladen wird. Andererseits haben auch die Kinder selbst meist eine klare Vorstellung davon, mit wem sie z.B. gerne näher befreundet sein wollen.
Meiner Erfahrung nach führt stark heterogene und „bunte“ Schülerschaft nicht automatisch zu einem tollen Klassenzusammenhalt „in aller Vielfalt“, eher zum Gegenteil. Statt dessen klinkt sich so mancher vermehrt aus Schul- oder Klassenveranstaltungen raus und verlegt seine sozialen Kontakt in den privaten, frei gewählten Bereich.

Blau
3 Monate zuvor

Wie im echten Leben. Es geht auch gar nicht darum, dass alle Freunde werden, sondern nur darum, dass man nicht nur seine Schicht kennt und respektvoll mit anderen Menschen umgehen lernt.

Ich war an einer Gesamtschule mit guter Durchmischung. Meine Freundin war auf dem katholischen Mädchengymnasium. Sie musste erst Mutter werden und in Spielgruppen auf muslimische Mütter treffen bis sie ihre Vorurteile abbaute und nicht mehr abfällig von als „das Kopftuch“ über sie sprach. Sie musste erst selbst am Tag der offenen Tür als Mutter in meine damalige Schule gehen, um zu merken, wie toll die Schule ist – trotz der sozialen Durchmischung. Der Fremdenhass ist doch dort am größten, wo es am wenigsten Fremde gibt (siehe Osten und AfD).

A.J. Wiedenhammer
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Nicht unbedingt.
Im behüteten Bullerbü-Münsterland der 70er- und 80er-Jahre aufgewachsen, war ich hochgradig offen, „tolerant“ und naiv idealistisch.
Den ersten Knacks hat das beim Studium in einer größeren Stadt erfahren, besonders, da ich aufgrund von Geldknappheit in eher prekären Wohngegenden lebte.
Endgültig ein Kulturschock (und kein positiver!) wurde daraus, als es mich arbeits- und privattechnisch ins tiefste Ruhrgebiet zog.

Diese platte Unterstellung, wer irgendetwas nicht gutheißt wird es wohl einfach nicht kennen, ist in vielen Fällen schlicht falsch.

Beatrix
2 Monate zuvor

Eben. Die „gemischten Stadtviertel“ sehen vielleicht zum Zeitpunkt der Stichprobe in der Datenbank der Stadt schön durchmischt aus. Interessant wäre aber eine weitere Stichprobe in ca. 10, 15 Jahren. In so manchem Stadtteil ist die Durchmischung nämlich hauptsächlich der Gentrifizierung geschuldet, nicht dem Bedürfnis nach Multikulti. So erklärt sich dann auch die vermeintlich inkonsequente Schulwahl der Eltern.
These: Die zweite Stichprobe in denselben Vierteln wird gar nicht mehr so bunt sein.

Konfutse
3 Monate zuvor
Antwortet  Marc

Ich habe meine Kinder an der nächstgelegenen GS angemeldet. Ich wohne in einem Brennpunktgebiet meiner Stadt. Bin der Meinung, dass Kinder einen kurzen, für sie gut erreichbaren Schulweg haben sollen. Meine Kinder haben SEK I Eltern.

Wutbürger
3 Monate zuvor

Es ist halt so wie so oft bei den verschiedensten Themen: grün reden und wählen, aber wie die AfD handeln…

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Korrekt und das wissen die Grünen auch. Mehr Konsequenz wäre mir aber auch lieber, wenngleich ich auch dazu gehöre. Ich wähle zwar nicht grün, aber genauso wenig die AfD.

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

So ist es. Eltern aus höherem sozioökonomischen Umfeld wissen nun Mal, was für die eigenen Kinder das Beste ist. Sie wissen es besser, als der Staat.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Jepp. Sonst wären sie ja nicht im höheren sozioökonomischen Umfeld.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Für meine Kinder ist es am besten in einer toleranten Gesellschaft zu leben. Mein Kind geht an die normale staatliche Schule in unserem z.T. Brennpunktstadtteil. Meine Kinder gehören zum höheren sozioökonomischen Umfeld, weil wir mehr Geld haben, weil wir unsere Kinder von klein auf fördern, weil sie intelligent sind. Das ist alles unabhängig von der Grundschule, das passiert schon im Vorfeld. Dadurch, dass unsere Grundschule gut durchmischt ist, eskaliert die Situation eben nicht. Anders wäre es, wenn wir 2 Schulen aufmachen würden, getrennt nach Status. Dann hätten wir am Ende eine gespaltene Gesellschaft. In so einer Welt sollen meine Kinder nicht leben.

A. Lius
3 Monate zuvor

Genauso habe ich es gemacht: Auf der Informationveranstaltung der ersten Klasse unserer örtlichen Grundschule waren ein gutes Drittel der Anwesenden Eltern türkischer oder iranischer Herkunft, ein knappes Drittel aus osteuropäischen Ländern inklusive Russland. Ein Drittel hatte deutsche und westeuropäische Nachnamen. Die anwesenden Deutschstämmigen fielen mir durch Tattoos und Piercings auf.
Nach dieser Erfahrung habe ich meinen Sohn auf einer Privatschule angemeldet und es bislang noch nicht bereut.

mama51
3 Monate zuvor
Antwortet  A. Lius

…eines meiner türkischen „Vierties“ durfte die persönliche Lieblingsschule (integrierte Gesamtschule, 5. Klasse) nicht besuchen, weil der Vater der Meinung war, dort gäbe es zu viele „Ausländer“

Was sagt man dazu?

Bei der Wahl einer GS läuft es insgesamt vermutlich oft nicht anders! 🙁

Egvina
3 Monate zuvor
Antwortet  mama51

Dass es entgegen verbreiteter Meinung, auch reichlich Migranten gibt, denen die Bildung ihrer Kinder wichtig ist und die dementsprechend auch auf die soziale Zusammensetzung an der künftigen Schule ihrer Kinder achten.
Die Aussage des Vaters ist politisch bestimmt nicht korrekt. Ich finde aber, man kann sie trotzdem als Beispiel gelungener Integration interpretieren.

mama51
3 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

a) Die Aussage des Vaters ist politisch bestimmt nicht korrekt.
b) Ich finde aber, man kann sie trotzdem als Beispiel gelungener Integration interpretieren.

Zu a) …eigentlich freue ich mich bereits wie Bolle, wenn Eltern, hier der Vater, eine „Aussage“ in halbwegs korrektem Deutsch formulieren…

Zu b) Hier gebe ich Ihnen gerne zu 100% Recht. 🙂

klexel
3 Monate zuvor

Es gilt in fast allen Bundesländern die Regelung, dass Grundschulkinder die Schule in ihrem Sprengel besuchen müssen. Ausnahmen müssen glaubhaft begründet werden.
Nur NRW hat diese Regelung abgeschafft. Der obige Artikel bezieht sich auf NRW. Diese Unterscheidung hätte im Artikel deutlich gemacht werden sollen.

https://schule-in-deutschland.de/wahl-der-grundschule/?fbclid=IwAR2c6XF5VRhpNyvktUlzrQUts4_jZ4Kw-fU42tpYZw62zix1mwaIwqRm2QU

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  klexel

Und diese Regelung in NRW hat bei uns dazu geführt, dass das Niveau der Grundschule bei uns um die Ecke stetig abnimmt – wie mir mehrere Lehrer berichtet haben. Elternengagement nimmt ab. Hauptursache: Immer mehr Kinder aus einem Nachbarstadtteil mit niedrigeren sozioökonomischen Status kommen in diese Grund-Schule (sie hatte ja früher einen guten Ruf).

Ergebnis: Inzwischen ist der gute Ruf dahin.

Soll ich eine solche Entwicklung gut finden?

Mo3
3 Monate zuvor
Antwortet  klexel

Wenn die ggf. anfallenden Fahrtkosten zur nächstgelegenen Schule in NRW noch bezahlt werden, werden sie es nicht mehr, wenn man eine weiter entfernte Schule wählt und die Kosten dadurch entsprechend höher sind. D.h. man muss sich die freie Schulwahl auch leisten können …

A.J. Wiedenhammer
3 Monate zuvor
Antwortet  klexel

In der nächstgrößeren Stadt (NRW) gibt es gut ein Dutzend GS. Eine davon (die im ehemaligen Arbeiterviertel, heute Stadtteil mit hohem Ausländeranteil) hat unter ihren Schülern quasi keine deutschen mehr, bzw, wenn deutsch, dann mit nahe zurückliegendem Migrationshintergrund. Dazu kommt ein sehr niedriger sozialökonomischer Status.
Sprengel würden nichts daran ändern, denn das Klientel der Schule spiegelt auch nur die Bevölkerungsstruktur des Stadtteils wider.

Worauf ich aber hinaus will: Es gab lange Jahre Bemühungen, Ghettoisierung und Segregation zu vermeiden und durch Durchmischung eine gewisse Nivellierung zu erreichen. (Unter anderem ist die Schule sehr gut ausgestattet.) Allein, alle Anreize haben nicht gefruchtet.
Nun stand vor ein paar Wochen ein Interview mit der Schulleiterin in der örtlichen Zeitung (die Schule ist auffallend häufig in der Berichterstattung zu finden, immer sehr positiv), in dem diese sehr offen darüber sprach, dass sie sich früher (vergeblich) bemüht hätten, etwas mehr Durchmischung mit deutschen Schülern zu bekommen. Heute würde das Schülerklientel hingegen quasi zum Schulprofil gehören. Heißt, wenn die Hälfte der Kinder kein Deutsch spricht, sind geübte Muttersprachler dort auf verlorenem Posten. Aber Familien, deren Kinder noch Deutsch lernen müssen, wissen unter Umständen das sehr starke DAZ-Angebot und die vielfältigen Erfahrungen der Schule zu schätzen.

Mich hat die Offenheit, mit der die SL die Probleme, aber tatsächlich auch Chancen kommuniziert hat, schwer beeindruckt. Das war erhellen und glaubhaft, so ganz anders als das sonst übliche Geschwafel von „Bereicherung“ und so.

Blau
3 Monate zuvor

Aber wieso sind geübte Muttersprachler dort auf verlorenem Posten? Die können doch einfach auf ihrem Nuveau in 3 Jahren die Grundschule abschließen. Ein Konzept, wo allegleichgeschaltet arbeiten, funktioniert an so einer Schule sowieso nicht.

A.J. Wiedenhammer
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

In drei Jahren die GS abschließen? Meinetwegen gerne.
Aber in diesen drei Jahren wäre es schon von Vorteil, könnten sich diese Kinder auch mal auf ihrem sprachlichen Niveau mit ihren Klassenkameraden unterhalten. Von Gruppenarbeit oder so ganz zu schweigen.
Die Eltern wollen nämlich tatsächlich, dass auch ihr Kind in (meinetwegen) 3 Jahren eine sprachliche Entwicklung macht. Dafür sind andere Kinder auf ähnlichem Niveau durchaus hilfreich. Das mit Vorlesen am Abend rausreißen zu müssen, liegt nicht jedem Elternteil.
Und dann gibt es noch die, die Vorlesen UND eine anregende Schulumgebung wünschen.
(Und gut, dass es die noch gibt.)

Es ist auch egal, ob Sie den „verlorenen Posten“ in Frage stellen: die Eltern der betreffenden Kinder hat mit den Füßen abgestimmt. Und ich vermute stark, dass eine Zwangszuweisung doch erheblich zu Lasten des Schulfriedens ginge und sehr kontraproduktiv wäre.

pfk
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Es ist wirklich krass, was Sie da sagen. Was impliziert denn das? Wer mutter/vatersprachlich Deutsch spricht, hat nicht besser zu werden als AFB1, oder was soll das bedeuten? Wer übt denn mit dem Kind? Hat geübt, wird üben? Sechs Stunden im schlimmsten Falle Unterricht, in dem kein einziges neues Wort dazu kommt… Wo ist da das „GEÜBT“? Wie wird man denn ein „geübter Muttersprachler“? Indem man mit niemanden spricht, der mehr Wörter kennt und benutzt, als man selbst?

Spielen Sie zuhause aus Spaß einfach mal so eine Szene durch, vielleicht merken Sie es dann ja selbst,…
Oder auch nicht. S

Müllerin
3 Monate zuvor
Antwortet  klexel

Bei Regelungen ist es immer zweierlei, wie das auf dem Papier steht und wie es praktiziert wird. Kaum etwas wird so oft unterlaufen wie eben solche Regelungen.

Blau
3 Monate zuvor

In meinem Stadtteil mit dem stadtweit niedrigsten sozioökonomischen Status schicken auch Leute von anderen Stadtteilen ihre Kinder in unsere Grundschule, weil sie sich einen guten Ruf erarbeitet hat. Sie arbeitet nach dem Montessorikonzept, meist sind die Kids individuell oder in Kleingruppen auf ihrem Niveau unterwegs. Ich sehe keine Nachteile für meine Kinder mit hohem sozioökonomischen Status. So geht es auch.

vhh
3 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Sie wissen aber schon, dass das ein Ausnahmefall ist? Kleingruppen, Montessori und vermutlich jahrelange Erfahrung damit? Welche Leute aus anderen Stadtteilen schicken eigentlich ihre Kinder dorthin? Die mit höherem Bildungsniveau, die Vor- und Nachteile abwägen? Hat der Stadtteil auch den ’niedrigsten sozioökonomischen Status‘, so ist die Schule mit diesem Profil wohl keine klassische Brennpunktschule.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  vhh

Nein keine Kleingruppen. Jahrgangsgemischter Unteericht, normale Klassengrößen.
Der Stadtteil besteht aus vielen Sozialwohnungen, sehr hoher Migrationshintergrund, dazwischen Einfamilienhaussiedlungen – einfach 2 Welten, wesentlich mehr von ersterer.
Von außerhalb schicken eher höher gebildete Eltern ihr Kind zu der Schule, dafür wird aber kein Kind aus dem Stadtteil abgelehnt.

Schade
3 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Interessant. So eine gut ausgestattete Montessori-Grundschule mit gutem Konzept und ähnlichem Einzugsgebiet gibt es in unserem Landkreis auch. Dort wurde allerdings gerade bekannt, dass die 1. Stunde (in der die Kinder ja meist am konzentriertesten arbeiten können) in eine Stunde des „offenen Anfangs“ umgewidmet wurde, weil einem großen Teil der Schülerschaft plus Familien wohl nicht zu vermitteln war, dass die Schule pünktlich um 8 beginnt. Sollte das so stimmen finde ich das einfach nur frustrierend, denn es konterkariert alle anderen Bemühungen.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  Schade

Bei unserer Schule gibt es auch einen offenen Anfang: von 7:30-8 Uhr. Um 8 Uhr haben alle da zu sein und das hat auch jede/r verstanden.

Müllerin
3 Monate zuvor

In Schweden gibt es die freie Schulwahl und viele Privatschulen (auch gewinnorientierte):
https://www.deutschlandfunkkultur.de/schweden-privatschulen-kritik-wahlkampf-100.html
Aber gilt die schwedische Schule nicht immer als vorbildlich? Und dennoch gibt’s auch dort eine gewisse Segregation.

GriasDi
3 Monate zuvor

Freie Schulwahl zementiert soziale Ungleichheit. Die fehlende verbindliche Grundschulempfehlung ebenfalls. Langsam sollte man mal anfangen einige Maßnahmen zu überdenken. Es ist halt doch nicht immer so, wie sich das manche Entscheidungsträger bzw. Einflüsterer ausmalen bzw. wünschen.

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  GriasDi

Es wird immer eine soziale Ungleichheit geben. Punkt.

GriasDi
2 Monate zuvor
Antwortet  DerDip

Habe nichts anderes behauptet.

Pauker_In
3 Monate zuvor

Es würde ja schon helfen, wären die Übergangsempfehlungen der Grundschulen verbindlich!

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  Pauker_In

Ja. Bei der Übergangsempfehlung fließt meines Erachtens das Umfeld auch mit ein. Wenn ein Lehrer weiß, dass die Eltern eines Kindes dieses unterstützen und fördern, dann fällt es auch einem Grundschullehrer leichter, eine etwas mutigere Empfehlung auszusprechen. Der soziale Hintergrund der Eltern wird immer eine Rolle spielen (in einer freien Gesellschaft)

Palim
3 Monate zuvor
Antwortet  Pauker_In

Wie wäre es denn, wenn der KiGa die Kinder an der GS anmeldet und es dann keine andere Möglichkeit gibt?
Oder wenn die Kommune es nach Schlüssel zuteilt?

Ist es nicht in Berlin für die weiterführende Schule so?

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Bei den wenigen Gymnasien ab Klasse 5 und den Ersatzschulen schließe ich die Zuweisung aus.

Cuibono
3 Monate zuvor
Antwortet  Palim

Nach dem Wahldebakel in Hamburg zur Einführung der 6-jährigen GS seinerzeit?
Da haben einige wenige Eltern mit sehr gutem sozioökonomischen Background einen Widerstand geleistet, der die Politik sehr vorsichtig gemacht haben dürfte. Die Eltern, deren Kinder von der 6-jährigen GS eher keine Nachteile zu befürchten hatten, haben einfach gar nicht reagiert. Entweder weil sie überhaupt nicht verstanden, worum es ging oder weil’s ihnen schlicht egal war.

Da haben Sie die Antwort auf Ihren Vorschlag.

Darüber hinaus hätte es für die Kinder aus schwierigeren Verhältnissen mMn eh keine Verbesserung bedeutet. Meine Erfahrung mit 4 gut sozialisierten Kindern, die nach 4 Jahren Brennpunkt-GS vorzeitig auf’s Gym im bürgerlichen Stadtteil gingen.

Genug ist genug – wir haben unseren „gesellschaftlichen Auftrag“ übererfüllt. Meine Parteigenossen (Die mit dem „sozial“ im Namen), Sind spätestens vor Schuleintritt umgezogen.

Noah
3 Monate zuvor

Leider habe ich keine Kinder. Hätte ich welche, so würde ich mit aller Macht versuchen, dass sie eine für sie möglichst gute Schule besuchen können – Und ich gehe selbstverständlich davon aus, dass wir eine freie Gesellschaft sind, in der das niemand zu hindern versucht. Mein Kind darf nicht als Mittel zu welchem Zweck auch immer missbraucht werden.

Müllerin
3 Monate zuvor
Antwortet  Noah

„Die soziale Entmischung in der Grundschule könne auch die Aufstiegschancen der Kinder beeinflussen.“
Dieser Satz steht im Artikel. Aber heißt „beeinflussen“ auch „verbessern“? Es ist doch anzunehmen, dass das für die einen die Chancen verbessert und für die anderen verschlechtert. Die Chancen werden sich vermutlich verschlechtern für diejenigen, die mit diesen besonders heterogenen Schulklassen nicht so gut klarkommen, weil sie brav und introvertiert, aber grundsätzlich intellektuell fähig sind. Die bekommen dann Angst vor prügelnden Klassenkameraden und gehen nur widerwillig zur Schule. Auch ist anzunehmen, dass Kinder aus höheren sozialen Schichten durch die Übernahme „proletarischer Sitten“ von ihren Klassenkameraden ihre Aufstiegsschancen verschlechtern. Es ist nun mal so: Jede Maßnahme hat zwei Seiten, es gibt nie Verbesserungen für ALLE, sondern immer nur für manche. Die Autoren der Studie suggerieren das Gegenteil, sie scheinen da eine gefestigte Voreinstellung gehabt zu haben.

Indra Rupp
2 Monate zuvor
Antwortet  Müllerin

Puh…
Intelligente Kinder können Andere so viel intelligenter quälen…
Gymnasien sind die größten Haifischbecken und die Orte, mit den häufigsten Amokläufen!

Müllerin
2 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Woher wissen Sie das? Und haben Sie gelesen, dass ich von „braven und introvertierten“ Kinder gesprochen habe?

Unfassbar
3 Monate zuvor

Eine demokratische Gesellschaft ist niemals ergebnisgleich, wie ist aber chancengleich. Da es in der Grundschule viel auf selbst lernen ankommt, muss das Kind das ggf. auch ohne elterliche Kontrolle tun. Die Chancengleichheit bleibt dennoch gewahrt.

Interessant ist die fehlende Erwähnung der kognitiven Möglichkeiten. Weiß die Redaktion, ob die auch Teil der Untersuchung waren? Falls ja, in welcher Form? Falls nein, wie haben die Forscher das begründet?

Unfassbar
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Danke. Dann hinterfrage ich die Sinnhaftigkeit der Untersuchung, weil sie keinen Mehrwert zu bereits längst bekannten Dingen bietet. Die Geldgeber sollen das Budget an Herrn Lindner in voller Höhe zurückzahlen.

DerDip
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich denke, worauf „Unfassbar“ hinaus möchte, ist die die Frage, ob der Einflussfaktor Leistungsfähigkeit bei der Untersuchung herausgerechnet wurde. Ihrer Antwort entnehme ich, dass dies nicht der Fall ist. Das heißt, es wurde rein nach sozialen Status unterschieden.

Egvina
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich verstehe nicht, dass Sie das nicht verstehen. Glauben Sie, dass Eltern von leistungsfähigen Kindern nicht gucken würden wie die Zusammensetzung an der künftigen Grundschule ist?

Cuibono
3 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Aber eine Menge, kann ich Ihnen versichern. Natürlich nur, wenn man sich über die Wahl überhaupt Gedanken macht.

AvL
3 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Dass die weitgehend unstrukturierten Grundschulkinder sich im Anfangsunterricht und auch danach noch weitgehend selbständig materialzentriert das Rechnen, das Lesen und das Schreiben bei unterschiedlichen sprachlichen Fähigkeiten beibringen sollen liegt an den Reformen der Unterrichtspädagogik durch den Einfluss des Grundschulverband.
Allerdings werden Kinder mit einem Migrationshintergrund und einer sprachlichen Benachteiligung stärker mit diesen Methoden überfordert, als deutschstämmige Kinder.
Auf falsche orthographischen Holzpfade werden alle diese Kinder sowieso durch die Anlauttabellen-Pädagogik nach Reichen geführt.

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  AvL

Anlauttabelle und Rechtschreibtraining sind kein Widerspruch.
Das gute ist ja, dass es durchaus Kinder gibt, die gemäß Montessori selbstständig materialzentriert arbeiten können und dadurch Kapazitäten frei werden, um die anderen Kinder mehr zu unterstützen.

AvL
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Das Blöde ist nur , dass die Kinder beim eigen initiativen Erlernen des Schreiben sehr häufig die falschen Grapheme anwenden, wie das i für das Phonem /i:/ anstelle des ie, oder etwa das < f >anstelle des Graphem <v > für Vater (Fata) .
Der Schwa-laut des Graphem <e> wird in seiner regelhaften Anwendung in der Endsilbe deutschstämmiger Wörter nicht systematisch von Anbeginn eintrainiert, siehe das Ergebnis „Muta“ anstelle von Mut-ter etc., ganz nach der Methode „Schreib wie du sprichst“ und einfach tolle Graphemkombinationen werden da kreiert, und jede Menge Zeit geht verloren, die für eine systematische Vermittlung des deutschen Schriftsystem hätte verwendet werden können.
Es fehlt die Vermittlung der systematischen Grundstruktur der deutschen Grammatik, auf deren Vermittlung der Herr Reichen sowieso keinen Wert gelegt hat.
Im Spracherfahrungsansatz wird genau in der gleichen Weise vorgegangen wie bei Reichen. Die Kinder sollen nun aber mit Hilfe von Schulmaterialien sich selbständig das Regelwerk der deutschen Orthographie sukzessive selbstständig erarbeiten. Die Ergebnisse sind aber nach Reflektion der IQB-Studien und Pisa wie nicht anders zu erwarten eher desatrös.

Auch eine strukturierte Vermittlung der Orthographie , zum Beispiel die Gliederung nach der Herkunft in deutschsprachige, lateinisch-griechische, französische und anderssprachige Wortstämme mit der Einteilung der dem deutschen Sprachstamm entstammenden Unterteilung in eine der drei Silbenhäuser nach Röber fehlt.
Es ist doch klar vorgegeben, welche Grapheme bei deutschstämmigen Wörtern eine regelhafte Anwendung finden. Das Gleiche gilt auch für die Anwendung des Dehnungs-h bei kurzem Anlaut mit einem Konsonaten und nachfolgendem l, m, n oder r nach dem Langvokal.
Da braucht man sich gar nicht mehr über die bescheidenen Rechtschreibkenntnisse wundern.
Hinzu kommt noch , dass zu wenig eingeübt wird, denn Schreiben nach deutschen orthographischen Regelwerken erlernen Kinder automatisiert erst durch ein strukturiertes und sytematisches Einüben in der Wiederholung.
Man schreibt schließlich intuitiv, und das will bei korrekten orthographischen Schreibergebnissen automatisiert eintrainiert sein.

AvL
2 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Wo bitte vermittelt denn eine Anlauttabelle eine dem orthographischen Regelwerk entsprechende Graphem-Phonem-Beziehung, und wie bitte soll mit diesem primitiven Hilfsmittel eigen initiativ die Rechtschreibung entsprechend der deutschen Orthographie eingeübt oder gar korrekt gegenkontrolliert werden?
Es entspricht eben auch nicht dem Ziel dieser Anlauttabellen-Pädagogik, dass korrekte Zuordnungen der Phonem-Graphem-Beziehung korrekt vermittelt werden sollen !

Den Kindern wird eine lautorientierte 1 : 1 Beziehung vorgegaukelt, obwohl doch die sprachliche Herkunft der Wortstämme einschließlich der Endlauhärtung und das Prinzip der Herleitung eben aus dem Wortstamm in der automatisierten Regelvermittlung ebenso wichtig zu beachten sind wie die sprachliche Herkunft der Wörter.

Ab der dritten Klasse schlagen dann die vielen fehlerhaften Zuordnungen der Graphem-Phonem- Beziehung in schlechten Schreibergebnissen sich nieder und bewirken in der Notengebung für die Schüler frustrierende Ergebnisse.
Da darf dann wieder umgelernt werden.

AvL
3 Monate zuvor

Die Ruhr-Uni Bochum hat im Verbund mit der Stadt Mülheim/Ruhr im Jahr 2016 eine ähnliche Studie mit 4.000 teilnehmenden Grundschülern vorgestellt.
Seit der Aufhebung der festen Schulbezirke durch die CDU/FDP-Regierung im Jahr 2008/09 wählen überwiegend Eltern aus der Mittelschicht Schulen, die finanziell und ausstattungsgemäß besser gestellt und soziokulturell mehr mit einem ähnlichen sozialen Klientel vertreten sind, also Schulen mit einem geringeren Migrationsanteil auf, und so fahren diese Schüler zum Teil quer durch die Städte.
Die Folge sind Segregation und soziale Abgrenzung.
Der Vorschlag der Forscher-Gruppe war eine bessere finanzielle Ausstattung mit Sozialarbeitern, Lehrern und Psychologen der Grundschulen mit einem höheren Anteil an Kindern mit einem hohen Migrationsanteil.

DerechteNorden
3 Monate zuvor

Die Konsequenz kann also nur lauten, dass man die Wahl einschränkt. Die Kommunen sollten viel mehr steuern.

AvL
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Richtig, allerdings werden hier am Ort auch in konfessionsgebundenen Schulen dem Schulbezirk zuzuordnende Kider mit einem Migrationshintergrund gezwungen ebenfalls quer durch die Stadt zu fahren, um an an einer konfessionsungebundenen Grundschule unterrichtet zu werden.

A.J. Wiedenhammer
3 Monate zuvor
Antwortet  AvL

Oder andersherum: Mein Kind hat bei Religionszugehörigkeit einen Strich. Trotzdem besucht es den katholischen Religionsunterricht. Freigestellt, ob es lieber zu Ethik wechseln möchte, guckt mein Kind auf die Klassenstruktur und sagt: „Auf keinen Fall.“

potschemutschka
3 Monate zuvor

Kleine Anekdote: Vor einigen Jahren wollte die Tochter einer Kollegin unbedingt im 2. Schuljahr vom Lebenskunde- zum Religionsunterricht wechseln. Begründung des Kindes: „Die gehen immer Eis essen.“

DerechteNorden
2 Monate zuvor

An meiner Schule sind die muslimischen Kids mehrheitlich bei Ev. Religion zu finden als in Philo. Seltsam, aber so steht es geschrieben.

Indra Rupp
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Und gestern waren Heerscharen muslimischer und atheistischer Familien beim Nikolaus – da gibt’s gratis Schokolade! Meine Tochter entscheidet sich zwischen Religion und WuN anhand der Lehrerin/des Lehrers und wo sich ihre Freunde anmelden.
Der Rest ist doch nur so’n Erwachsenenkram.

Egvina
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

So nach dem Motto: Herzlichen Glückwunsch, Ihr Kind wurde der xy- Grundschule zugewiesen. Durch die Zuweisungen ist es uns gelungen, den Anteil der nicht hinreichend Deutsch sprechenden Kinder an dieser Schule von 90% auf 75% zu senken. Da wir als Kommune keinen Einfluss auf den Fahrplan des ÖPNV haben, bedauern wir, dass ihr Kind 80 Minuten vor Unterrichtsbeginn das Haus verlassen muss. Als Entgegenkommen unsererseits erklären wir uns jedoch bereit, monatlich die Hälfte der Fahrtkosten für ein Schülerticket zu übernehmen. Sollten Sie für die 45- minütige Wartezeit Ihres Kindes an der Schule eine Beaufsichtigung wünschen, lassen Sie Ihr Kind frühzeitig auf die Warteliste der Frühbetreuung setzen, die Plätze sind begrenzt. Bitte bedenken Sie, dass Elterntaxis auf Grund der erhöhten Unfallgefahr durch diese, nicht erwünscht sind.
Wir bedanken uns herzlichst für Ihr soziales Engagement.
Ihre Kommune
?

Blau
3 Monate zuvor
Antwortet  Egvina

Also das müsste schon bei der Städteplanung berücksichtigt werden, sodass die Stadtteile schon gemischt bewohnt werden. Genau deshalb klappt es bei uns gut

potschemutschka
3 Monate zuvor
Antwortet  Blau

Singapore achtet sehr auf ethnische Mischung der wohnviertel und liegt bei Pisa ziemlich weit vorn. Besteht da evtl. ein Zusammenhang?

Wutbürger
3 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Ich fände das gut, denn das wäre eine echt Maßnahme für Gleichbehandlung. So, wie es jetzt ist darf es nicht bleiben. Und die Gutbürgerlichen, die die Zustände für die ärmen Bevölkerungsschichten immer weiter verschlechtern, aber sich selbst schön aus der Affäre ziehen, weil, wie z.B. in diesem Fall auch, sie sich und ihre Kinder aber bitte von den Konsequenzen fernhalten wollen…

Man kann zu den Zuständen stehen wie man will, aber es wird Zeit, dass endlich auch die Container in Blankenese aufgebaut werden und „Inklusion“ bei denen nicht nur daraus besteht, dass ein Kind im Rollstuhl als eine Art Trophäe in einer Schule mit gefühlt 90% deutschen Nachnahmen vorgezeigt wird. Nein, Rütli für alle!

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  Wutbürger

Nicht Rütli für alle, sondern gute Bedingungen für alle.
In Malmö gab es einmal ein Projekt, das sich aus einem Unglück entwickelt hat. Eine größere Schule in einem Brennpunktstadtteil war abgebrannt, so dass man die Kids von dort auf andere Schulen verteilen musste. Das Resultat war, dass die Kids von dieser Schule plötzlich viel bessere Leistungen erbrachten und sich besser verhielten, weil sie nicht mehr unter sich waren.

A.J. Wiedenhammer
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Glaube ich unbesehen.
Hat auch jemand untersucht, ob gleiches (oder gar gegenteiliges) auf die „angestammten“ Schüler der anderen Schulen zutrifft?

DerechteNorden
2 Monate zuvor

Ja. Die sind nicht schlechter geworden, falls Sie das meinen.

Silke
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

„Busing“ – wie in den USA in den 70ern. Da wurden die schwarzen Schüler auf alle Sprengelschulen verteilt, auch wenn sie mit Bussen durch die Stadt gefahren werden mussten. Das hat gegen die Segregation / Ghettoisierung geholfen, und die Schulen wurden nicht schlechter. Leider haben in den 80ern die Republicans das wieder abgeschafft.

BeWa
3 Monate zuvor

In der 49er Ausgabe der „Zeit“ gibt es ein Gespräch mit dem Soziologen Blossfeld.

Er bestätigt sowohl das, was im obigen Artikel steht als auch die Zweifel an der Herstellung von Bildungsgerechtigkeit, die viele Kommentatoren äußern. Er bezieht sich u.a. auf die Skopek-Kurve.
Er erwähnt auch einen Punkt, der m.E. hier zu selten vorkommt:
die vielen Möglichkeiten des 2. (bzw. alternativen) Bildungsweges in D. Er sieht diese als Errungenschaften auf dem Weg zur Bildungsgerechtigkeit und meint, dass wir damit besser dastehen als der „Pisa 9-Klässlervergleich“ den Anschein erweckt.

Schlussendlich sieht er die Individualisierung der Förderung als Lösung.
Ich habe Zweifel, stecke aber in der Schulthematik nicht drin.

Für die Vorschule kann ich aber nach vielen Jahren im Beruf sagen, dass man mit „Gemeinschaftsaktionen“ bez. der Fähigkeiten „Selbstregulation“, „Impulskontrolle“, „Frustrationstoleranz“, „Anstrengungsbereitschaft“ größere Lernfortschritte erzielt.
Lediglich „Aufmerksamkeit und Konzentration“ sind in kleinen Lerngruppen besser zu adressieren.

Abschließend ein praktisches Beispiel im Bezug auf die Herkunft der Kinder …

Rufen wir mit konsequenter Erwartungshaltung:
„Alle gehen auf den Bauteppich!“ und die Kinder folgen dem, dann wird das überwiegend von sozio-kulturell schlechter gestellten Eltern als autoritär gewertet
– und das Verhalten der Kinder als „gehorsam“ (= überangepasst).

Uns geht es aber darum, dass a l l e Kinder sich g e m e i n t fühlen. Hier gibt es einen deutlichen Zusammenhang mit den oben erwähnten Fähigkeiten.

Eher bürgerlich geprägte Eltern sehen das so und bewerten es positiv.

Und diese sehr verschiedenen Haltungen der Eltern prägen frühzeitig den Bildungsverlauf.

Womit ich sagen will:
(vermeintlich) sozio-kulturell schlechter gestellte Eltern sind nicht unbedingt gleichgültig, desinteressiert und/oder verblödet.
Sie lehnen sehr oft und sehr bewusst exakt das ab, was „Bildungsexperten“ als wichtig für den Bildungserfolg erachten.
(„Mein Kind muss nix machen, wenn es keine Lust dazu hat!“)
Wir müssen das akzeptieren.
Wenn deren Kinder entsprechend andere Erfahrungen machen und zu einer anderen Sichtweise finden, dann gibt es für diese den 2. Bildungsweg.

Es ist eine Illusion, Bildungsgerechtigkeit über die Köpfe der Eltern hinweg – oder gar gegen sie – herstellen zu können.

447
3 Monate zuvor
Antwortet  BeWa

Wer in dem Alter schon dazu „erzogen“ wird, „nix zu machen, wozu er keine Lust hat“ – ja, das wird sicher ein richtig produktives Gesellschaftsmitglied. Klaro. Da haben wir das Problem.

Und „wir müssen das akzeptieren“ bringt die Problemursache auf den Punkt.

BeWa
2 Monate zuvor
Antwortet  447

Ich wollte damit nicht sagen, dass wir diese Kinder auf Kosten der anderen Kinder frei am Rad drehen lassen sollen!
Die haben sich dem Regelwerk anzupassen.
Punkt!
(Übrigens meine ich, das ihnen e x a k t damit sehr gut geholfen ist.)
Ich glaube nur nicht, dass noch mehr Individualförderung oder gar ein Lernbegleiter pro Kind wirklich etwas bewirken, wenn die Eltern eine Antihaltung haben – sich womöglich gegängelt fühlen.

Wir müssen kein „antisoziales“ Verhalten akzeptieren – weder von den Eltern noch von den Kindern.

Ich meine aber, wir müssen akzeptieren, dass wir diesen Kindern mit unserer Vorstellung von Bildung oder Bildungsgerechtigkeit nicht helfen können.
Insbesondere, wenn deren Eltern gar keinen Anlass für Bildung oder entsprechende Hilfe sehen.

DerechteNorden
3 Monate zuvor
Antwortet  BeWa

Gesetze sind immer über die Köpfe der einen oder anderen Gruppe hinweg.
Ich finde es seltsam, dass man nicht einmal zu Kompromissen bereit ist, um die etwas im größeren Rahmen zu verändern.

Indra Rupp
2 Monate zuvor
Antwortet  BeWa

Meiner Erfahrung nach haben eher bildungsaffinere Eltern, speziell aus der Waldorf – und ähnlichen Richtungen, junge Eltern, die bislang nur studiert haben ect ein Problem damit.
Bildungsfernere Eltern sind meist autoritätshöriger.

Melissentee
3 Monate zuvor

Wir müssen eben mal anerkennen, dass wir mit derzeitigem Lehrkräftemangel die individuelle Förderung aller Kinder in einer maximal durchmischten Gruppe nicht gewährleisten können. Hinzukommen fehlende Kompetenzen der Kinder (bedingt u.a. durch fehlenden Kita-Besuch oder Erziehung), wie Warten können, Arbeitsanweisungen verstehen und umsetzen, Regeln befolgen etc. Mit diesen zwei Baustellen im System klappt individueller Unterricht nicht.

Ich bin der Meinung, dass wir gerade in Zeiten von Personalmangel Kinder mit gleichen Voraussetzungen oder Nachteilen bündeln müssen, um möglichst viele Kindern eine Förderung mit ausreichend zeitbudget zukommen lassen zu können. Man liest hier ja von guten Beispielen, in denen Eltern ihre Kinder eben wegen der Erfahrung und der guten DaZ-Förderung an eine Schule schicken.

Und so sollte es auch den Kindern, die sich langweilen, möglich sein, auf ihrem Niveau zu lernen. Klappt auch nur semi gut.

Neele Godbersen
2 Monate zuvor

Hier in Hannover gibt es Grundschulbezirke; das Kind wird zugewiesen, Wahlfreiheit gibt es nicht.

Unser Kind geht in eine ethnisch äußerst heterogene Klasse. Ist in der 4. Klasse (noch) kein großes Problem, niemand zieht da die anderen besonders in den Leistungen runter.

Der Umgang untereinander ist aber – verbal und körperlich – ausgesprochen robust. Dieser Punkt passt uns gar nicht. Der größte kleine Schläger kommt übrigens mitten aus dem deutschen Bildungsbürgertum…