Wie lassen sich Lehrkräfte gewinnen? SWK: Neuer Zugang – verkürztes Referendariat

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BERLIN. Pisa-Debakel und Lehrkräftemangel: Das deutsche Bildungssystem befindet sich in einer Schieflage. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) der KMK – die unlängst einen mindestens 20-jährigen Lehrkräftemangel vorhergesagt hatte – gibt der Politik nun Nachhilfe, wie sich Lehrkräfte gewinnen ließen.

Lehrkräfte werden händeringend gesucht. Illustration: Shutterstock

Es ist eines der dringendsten Themen im deutschen Bildungssystem: der Lehrkräftemangel. Die Ständige Wissenschaftliche Kommission (SWK) gibt der Politik nun einen Katalog an Empfehlungen mit, der in Verbindung mit einem wissenschaftlichen Gutachten für die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Berlin vorgestellt wurde.

Zwar hätten Universitäten in den vergangenen Jahren einige Maßnahmen zur Studieninformation und zur Sicherung des Studienerfolgs ergriffen, heißt es in der Zusammenfassung des Gutachtens. Die Nachfrage sei aber weiterhin gering und es bestünden hohe Schwundquoten – vor allem in den Mangelfächern. Dazu zählen laut KMK insbesondere Mathematik, Chemie, Physik, Musik und Kunst.

Für die Gewinnung von Lehramts-Studierenden empfiehlt die SWK zum Beispiel, neue Studienplätze in Mangelbereichen zu schaffen, die Aufhebung von Zulassungsbeschränkungen zu prüfen und finanzielle Anreize für Studieninteressierte anzubieten. Aus Sicht der SWK würde der Beruf der Lehrkraft auch attraktiver durch mehr Entwicklungsmöglichkeiten und definierte Karrierewege, etwa mit Blick auf die Qualifizierung für Leitungs- und Koordinationsfunktionen.

Die Expertinnen und Experten kritisieren in dem Gutachten, dass präzise Daten zu Studienanfängerzahlen, aber auch zu Studien- und Ausbildungsverläufen fehlten. Fächerspezifische Prognosen würden ebenfalls nur punktuell vorliegen. Dies sei wichtig für Unis, um Abbrüchen gegensteuern zu können, sagte Olaf Köller Co-Vorsitzender der SWK und geschäftsführender Direktor des IPN – Leibniz-Institut für die Didaktik der Naturwissenschaften und Mathematik.

«Obwohl Lehramtsstudierende an vielen Universitäten einen großen Teil der Studierenden ausmachen, ist der Stellenwert der Lehrkräftebildung in den Universitäten häufig gering»

In dem Papier werden nun elf Maßnahmen empfohlen (die vollständige Liste: siehe unten), zum Beispiel eine bundesweite Werbekampagne zu Zugangswegen in das Lehramt. Außerdem müssten Daten zu Studienanfängern verlässlich erhoben werden, ebenso wie Zahlen für das Ausscheiden aus Alters- und anderen Gründen. Kritisiert wird: «Obwohl Lehramtsstudierende an vielen Universitäten einen großen Teil der Studierenden ausmachen, ist der Stellenwert der Lehrkräftebildung in den Universitäten häufig gering und liegt quer zu anderen Zuständigkeiten und Bereichen.»

Die SWK empfiehlt eine wissenschaftsbasierte Lehrkräftebildung in Studium und Vorbereitungsdienst, in der Wissen und Fähigkeiten schrittweise aufgebaut werden. Dafür ist die Entwicklung eines Curriculums nötig, das stärker als bisher Inhalte des Studiums und des Vorbereitungsdienstes im Zusammenhang definiert: zentrale Kompetenzen im Fach und der Fachdidaktik, Querschnittsthemen wie der Umgang mit Heterogenität sowie gute Lerngelegenheiten im Studium und in den Praxisphasen.

Die Expertinnen und Experten schlagen zudem vor, neben dem klassischen Lehramtsstudium mit einem neuen Studiengang einen zweiten Weg in den Lehrberuf zu eröffnen. Konkret empfiehlt die SWK, dass etwa Fachstudierende oder Berufswechslerinnen und -wechsler ein Masterstudium in einem Unterrichtsfach mit anschließendem Vorbereitungsdienst absolvieren. Das Referendariat könne durch eine bessere Verschränkung von Studium und Praxis auf ein Jahr verkürzt werden.

Handlungsbedarf sieht die SWK im Bereich der Fortbildungen. In den meisten Ländern findet keine systematische Erfassung der Fortbildungsbedarfe und eine darauf ausgerichtete Angebotsplanung statt. Zudem werden Dozentinnen und Dozenten oft zufällig rekrutiert und nur in wenigen Ländern gezielt qualifiziert. Vor diesem Hintergrund fordert die SWK eine datenbasierte Angebotsplanung und eine Qualitätssicherung. Sie empfiehlt außerdem eine Fortbildungsverpflichtung von 30 Stunden pro Jahr für alle Lehrkräfte, um sicherzustellen, dass sie sich kontinuierlich mit neuen Inhalten und Anforderungen auseinandersetzen können.

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) mahnte indes an, den Qualitätsanspruch nicht abzusenken. Der Blick in die Realität der Schulen mache deutlich, dass der Unterricht schon lange nicht mehr ohne Quer- und Seiteneinsteiger möglich sei, sagte Günther-Wünsch. Es gebe einen nicht unerheblichen Anteil an Studenten, die im Bachelor-Studium an Schulen unterrichten – bisher weitestgehend ohne Begleitung, ohne Mentoring, ohne Qualifizierung. Verkürzte Ausbildungen für Ein-Fach-Lehrkräfte oder duale Studiengänge müssten diskutiert werden.

Der Lehrermangel ist eines der aktuell brennendsten Themen in der Bildungspolitik. Im Januar hatte die bei der KMK angesiedelte Kommission, die regelmäßig Empfehlungen für die Bildungspolitik abgibt, ein düsteres Bild gezeichnet: Den Schulen in Deutschland stehe beim Personal noch eine sehr lange Durststrecke bevor, hieß es in einer Stellungnahme. Der Mangel bedrohe die Sicherstellung der Unterrichtsversorgung und beeinträchtige die Qualität des Unterrichts.

«Aus internationalen Studien wissen wir, dass die Kompetenzen der Lehrkräfte entscheidend sind für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler»

Die Debatte steht auch im Schatten von Pisa: Erst diese Woche hatte die Pisa-Studie gezeigt, wie sehr die deutschen Jugendlichen in den Leistungen abgerutscht sind. Die 15-/16-Jährigen aus Deutschland erreichten im Lesen, in Mathematik und den Naturwissenschaften die schwächsten Leistungswerte, die für Deutschland jemals im Rahmen von Pisa gemessen wurden. Die Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), die am Dienstag veröffentlicht wurde, vergleicht die Leistungen in Industrieländern.

Viele Schulen litten unter einem akuten Lehrkräftemangel, gleichzeitig seien die Leistungen der Schülerinnen und Schüler besorgniserregend, sagte Felicitas Thiel, Co-Vorsitzende der SWK und Professorin für Schulpädagogik und Schulentwicklungsforschung an der Freien Universität. «Aus internationalen Studien wissen wir, dass die Kompetenzen der Lehrkräfte entscheidend sind für den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.» Deshalb dürften die Anforderungen an den Beruf nicht abgesenkt werden. News4teachers / mit Material der dpa

Hier geht es zum vollständigen Gutachten.

Die Empfehlungen auf einen Blick

Empfehlung 1: Daten für eine verlässliche und vergleichbare Prognose systematisch erheben und vorhandene Datenlücken in allen Ländern schließen.

Empfehlung 2: Transparenz über die in die Prognosen eingehenden Annahmen in allen Ländern herstellen.

Empfehlung 3: Lehrkräftebedarf und -angebot in allen Ländern bedarfsgerecht und vergleichbar modellieren.

Empfehlung 4: Studienberechtigte, insbesondere nichttraditionelle Zielgruppen gezielt für ein Lehramtsstudium, vor allem für die vom Mangel betroffenen Fächer und Schulformen, ansprechen.

Empfehlung 5: Studierbarkeit datengestützt verbessern sowie soziale und akademische Integration in den Hochschulen stärken.

Empfehlung 6: Stellenwert der Lehrkräftebildung an Universitäten durch strukturelle Verankerung sowie gezielte Anreize erhöhen.

Empfehlung 7: Phasenübergreifende, verlässliche Abstimmungsstrukturen und Verfahren des Qualitätsmanagements etablieren sowie Übergang zwischen erster und zweiter Phase weiterentwickeln.

Empfehlung 8: Wissenschaftsbasierte Lehrkräftebildung in der ersten und zweiten Phase sowie der Berufseinstiegsphase mit hohem Bezug zu den unterrichtlichen Anforderungen im Sinne eines kumulativen Kompetenzaufbaus gestalten.

Empfehlung 9: Wissenschaftsbasierten, qualifizierten zweiten Weg in den Lehrkraftberuf eröffnen.

Empfehlung 10: Angebote der Lehrkräftefortbildung zu einem forschungsbasierten, bedarfsorientierten und qualitätsgesicherten Fortbildungssystem weiterentwickeln (auf der Grundlage eines ländergemeinsamen Qualitätsrahmens).

Empfehlung 11: Weiterbildungen und Karrierewege für ein weiteres Unterrichtsfach bzw. sonderpädagogische Förderschwerpunkte sowie für Leitungs- und Assistenzfunktionen in Schule und Unterricht ausbauen.

KMK-Kommission sagt 20 Jahre Lehrermangel voraus – sie empfiehlt: Mehrarbeit für Lehrkräfte, Hybridunterricht, größere Klassen

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Lera
2 Monate zuvor

Die Ausübung des Berufs AN SICH wieder etwas attraktiver machen – ist wohl zu naheliegend, um hier genannt zu werden.

Und nein, die vage Aussicht auf einen noch stressigeren Rektorposten macht den Beruf nicht nennenswert attraktiver.

Hans Malz
2 Monate zuvor
Antwortet  Lera

Haben die doch schon … mit ihren tollen Empfehlungen gegen den Lehrermangel.

SoBitter
2 Monate zuvor

Wir reiten das tote Pferd noch, wenn die Knochen schon zu Staub zerfallen sind.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Ist halt der einzige Gaul, der manche trägt.

Kadee
2 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Danach sieht es aus. Selbst wenn es schon übel riecht… Wo ein Sattel ist, ist oder war auch ein Pferd.

Aber wie lange geht oder stinkt das jetzt noch so? Und tut wer was? Wer muss denn (rein rechtlich) etwas unternehmen und wann – endlich? In einem Staat, in dem gefühlt sogar die kreisenden Bewegungen der Zahnbürste geregelt sind, soll es da keine Vorschriften geben?

Mal sehen, ob KI jetzt eine ernstzunehmende Aufgabe bekommt.

Dil Uhlenspiegel
2 Monate zuvor

Gibt es eine Untersuchung, wie sich die Anzahl der Lehrer und Lehramtsanwärter entwickelt hat, seit der letzten großen Empfehlung von der Stäwiko?

Finagle
2 Monate zuvor

Wir verkürzen den Bereich der Ausbildung, in dem die zukünftigen Lehrer zum ersten Mal das Butter-und-Brot-Geschäft lernen… seems legit… für Leute, die eine Ausbildung nur als Zahlenspiel wahrnehmen… aber macht mal – das wird lustig.. mit den Vorstellungen der Gen Z von einem Job… Beruf möchte/n man und sie das ja eher nicht nennen.

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  Finagle

Hm. „Lernen sollten“ würde ich sagen. Das Referendariat ist jetzt nicht unbedingt bei allen Seminaren sehr praxisnah und effizient. Sondern einfach eine zusätzliche Belastungssituation. Das ist weder zielführend, noch sinnvoll.
Referendariat freiwillig und ohne fragwürdige Benotung durch BUV und co. Wozu hat man sonst ein Studium gemacht … Ansonsten braucht es doch kein Studium. Mindestens eines der beiden „Bereiche der Ausbildung“ ist schwachsinnig/nahezu unnütz.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Das sehe ich anders. Während des Studiums eignet man sich schließlich auch noch Fachwissen an. Und ein wenig wissenschaftlicher Hintergrund im Fach Pädagogik schadet auch nicht.
Wer das Master-Studium absolviert, sollte noch mehr Praxis haben, ja. Aber das hat sich ja erheblich verbessert, seit ich die Uni verlassen habe. An meiner Schule sind andauernd Praktikant*innen.
Allerdings gibt es inzwischen ja die Möglichkeit während des Studiums in Schulen zu arbeiten, was sehr viele junge Leute tun. Das hat dann zur Folge, dass die ihr Studium nicht mehr beenden, sondern versuchen so in den Beruf zu kommen. Die Situation gibt das gerade her. D.h. man hat dann das Abitur und keine weitere Qualifikation. Wenn man Glück hat, kann man herummurksen (z.B. wie man es von den eigenen Lehrkräften abgeschaut hat;-)), ohne dass einen jemals eine ausgebildete Fachkraft im Unterricht erlebt hätte.
Wir hatten auch „Nulltsemester“, die zwei Jahre bei uns waren, während sie auf einen Ref-Platz gewartet haben. Die sind dann durchgefallen, weil sie gar nicht geeignet waren. Das hat aber natürlich niemand vorher mitbekommen.

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  DerechteNorden

Darüber kann man/können wir gerne diskutieren.

Studium: Fachwissen und Wissenschaft. Ja. Pädagogik kommt oft zu kurz.
Den Praxisanteil könnte man trotzdem sinnvoll mehr ergänzen. Darum geht es mir. Dafür braucht man meines Erachtens nach kein Referendariat. Das gehört in’s Studium mMn.

Die Möglichkeit gibt es. Das hat aber weder direkt mit dem Studium, noch mit dem Referendariat zu tun.
Würde man die Bedingungen an ein fertiges qualitativ hochwertiges (Duales) Studium setzen und dabei belassen, dann gäbe es das eben auch nicht. Dort die Theorie, Wissenschaft und Praxis. Bestenfalls gut begleitet (Deputat schaffen). Wäre das nicht vielleicht sogar ein Upgrade der momentanen Situation, welche Sie schildern? Gezielte Einarbeitung und Begleitung, statt „wild drauf los“.

Es fallen auch genug durch, welche geeignet (gewesen) wären. Das ist doch eines der Kritikpunkte am Referendariat. Dazu sollte man kein „halbfertiges“ Studium – Universitär eigentlich Vollstudium – als Eingangsvoraussetzung einer anschließenden „Ausbildung/Ref.“ brauchen. Dann ist das Studium schlichtweg schlecht gemacht. Warum fallen sonst so viele durch? Oder das Referendariat ist eben schlecht gemacht.

Dabei stark zu erwähnen: Nicht überall ist es schlecht gemacht. Das ist eines der weiteren vielen Problempunkte – es ist oft Glückssache, wo man landet. Und ob das Seminar, die Schule und Schulleitung ebenfalls geeignet sind, um etwas beizubringen und die Voraussetzungen des Bestehens oft zu bringen.
Bspw.: Kennen die SuS schon die Methoden von anderen vorherigen Refs.? Das macht einen so gewaltigen Unterschied aus. Hat die Schule genug Zeit und „Nerven“ die Refs/LAAs überhaupt sinnvoll und zielführend zu betreuen? Das ist sehr unterschiedlich.

Was spricht denn gegen ein Studium mit mehr Praxisanteil unter sinnvoller Begleitung? Außer der Lehrkräftemangel und das Geld.
Welche Vorteile hat ein verpflichtendes Referendariat mit Durchfallmöglichkeit gegenüber einem qualitativ praxisnahen Studium mit anschließender freiwilliger Möglichkeit eines Referendriats, um Druck zu nehmen, statt Druck zu geben? Also als Einarbeitungsmöglichkeit. Wer es eben braucht.

Rummurksen können auch „ausgelernte“ (beamtete) Lehrkräfte mit Master/1. StEx + 2. StEx/Ref.
Ob man das dann „mitbekommt“ oder nicht sei mal stark anzuzweifeln.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Ist das mit dem Durchfallen noch immer so? Bei uns werden Leute durchgewunken….fachlich inkompetent, schülerfeindlich, unzuverlässig. Es bestehen alle. In den letzten 10 Jahren ist keiner am Seminar mehr durchgefallen.
Besonders die SuS sind dann total fassungslos.

DienstnachVorschrift
2 Monate zuvor
Antwortet  Tim Bullerbü

Das hängt ganz stark vom Studienseminar und ggf. Bundesland ab. Ich bin kürzlich nur ganz knapp im Zweitversuch durchgekommen. Einige waren im Zweitversuch und von einem weiß ich, dass er es nicht geschafft hat. Funfact: An meiner neuen Schule in einem anderen Bundesland habe ich bezüglich der Verbeamtung auf Lebenszeit überdurchschnittlich gute Beurteilungen bekommen und ich würde mich sowohl fachlich als auch fachdidaktisch als mindestens Mittelfeld, eher besser, einordnen.

DerechteNorden
2 Monate zuvor
Antwortet  Bla

Rummurksen können auch „ausgelernte“ (beamtete) Lehrkräfte mit Master/1. StEx + 2. StEx/Ref.“

Und sie machen es auch. Allerdings häufig, weil sie zu viel Workload haben und es nicht mehr einsehen, sich Mühe zu geben.

Der Punkt bei der Betreuung von Auszubildenden in der Schule ist doch, dass die betreut werden müssen. Das aber geht zu Lasten der fertigen Lehrkräfte. Wann sollen die das denn noch machen? Ermäßigung bedeutet doch, dass dann wieder Stunden fehlen.
Wir haben inzwischen massenhaft Studierende und „Nulltsemester“, dass die niemand mehr betreuen kann.
In Grundschulen sind das sogar manchmal mehr als 50% des Kollegiums.
DAS kann also nicht die Lösung sein.

Pete
2 Monate zuvor
Antwortet  Finagle

Nach einem Vollzeitstudium mit Masterabschluss sich für einen Hungerlohn oftmals drangsalieren lassen und Stunden zaubern, welche jeglicher Realität entbehren, gehört auf jeden Fall gestrichen oder reformiert.

Finagle
2 Monate zuvor
Antwortet  Pete

Das ist leider eine weitere Facette des Referendariats, die definitiv massiv korrigiert gehört. Diese Realität des jetzigen Refs werde ich aber nicht los, indem ich es verkürzt – im Gegenteil, damit erhöhe ich nur den Druck, denn man möge ja nicht glauben, dass dabei die völlig unrealistischen Erwartungen reduziert werden würden.

Ungeachtet dessen und so bescheiden und mihin menschenverachtend wie Fürsorgepflicht missachtend das Referendariat auch häufig genug verläuft, hier kollidiert die weiss-rosa Akademievorstellung mit der ölverschmierten kreischenden Realität. Hier – und nicht an der Uni – werden Lehrer tatsächlich geformt – gute wie – besonders unter diesen Referendariatsbefingungen – auch schlechte. Darum gehören diese Bedingungen massiv verbessert, aber eine Verkürzung gehört ganz sicher nicht dazu. Das ist meiner Meinung nach eine Milchmädchenrechnung… insofern passt es auf ungute Weise zum PISA Ergebnis.

Anne S.
2 Monate zuvor

Persönlicher Tip: Lehrkräfte auf ziemlich miese und billige Weise vorführen, versuchen für psychisch krank zu erklären, wenn sie damit nicht einverstanden sind, den Lohn einfach nicht mehr auszahlen, wenn das nicht hinhaut und schließlich vollkommen vergraulen. Man kann es sich ja leisten. Gerne mehr davon! So klappt’s bestimmt mit der Lehrkräftegewinnung in Deutschland.

Wer tut sich das eigentlich noch freiwillig an?!

Hysterican
2 Monate zuvor

Oh Gott… wenn ich diesen Scheiß nur lese gruselt es mich nur noch!

Wir denken uns das mal für den Handwerksbereich…wer und was alles weggelassen werden kann ist vorstellbar….haben möchte ich solche Leute weder für meinen Dachstuhl, noch für die Elektroinstallationen, noch für die Klempnerei und schon gar nicht für Statik und Mauerwerk.

So ein Haus vermittelt niemandem ein Gefühl von Vertrauen oder Verlässlichkeit.

Im Bildungsbereich kann n man das mal so andenken… was da rauskommt ist dann ja nicht mehr das Problem der hier Verantwortlichen… das wird zum Problem der oben genannten Gewerke und natürlich darüber hinaus…die mit den „Produkten“ eines solchen „Bildungssystems“ nichts mehr anfangen können.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Stelle mir dann auch mal vor, dass man einem Chirurgen sagt, ach komm, 6 Monate, reicht. Fang einfach an. Toi toi toi.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Vor ganz wenigen Jahren hat die Politik noch groß getönt, dass wir im Vergleich zum Ausland VIEL ZU WENIG Akademiker haben. Gab auch hier bei N4T genug Beiträge dazu. Und jetzt die Baerbocksche-360°-Wende..

Als ob sich die „faulen S…“ diesen Akademisierungswahn ausgedacht haben… Aber den Sündenbock kann man ja dreschen, wie praktisch….

Bla
2 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Studium + Referendariat im Vergleich mit Ausbildung?
Sollte man nicht Studium mit Studium vergleichen?
In anderen Bereichen funktioniert das. Wer studiert denn und macht anschließend zu seinem Studium eine 2 Jährige „Praxisausbildung“? Nur StEx Studiengänge.

Resultat: Entweder ist das Studium einfach nicht gut gestaltet und/oder das Referendariat ist nicht gut gestaltet.
Bei teilweise 5 Jahren Studium von „ungelernt“/“unausgebildet“ zu sprechen finde ich schon fragwürdig genug. Muss man das Studium halt besser und praxisnäher gestalten.

Miriam Pau
2 Monate zuvor

Das hat mit den Arbeitsbedingungen zu tun und nicht mit der Ausbildung an sich.

Diese Woche kam es: Gen Z möchte flexibel arbeiten bzw montags und freitags Homeoffice. Dann müssen Sie montags und freitags auch Homeschooling anbieten.
Andernfalls bieten sie die 4-Tage Woche an und Konzepte mit 32 Stunden Wochen.

Dann kommt auch wer, wenn das Gehalt stimmt.

Bücherleser
2 Monate zuvor
Antwortet  Miriam Pau

Komisch, bis 1989 haben Lehrer auch noch samstags unterrichtet (zumindest in der DDR), obwohl überall 5-Tage-Woche üblich war. Allerdings hatte ich damals als Sonderschullehrer 22 Pflichtsstunden (verteilt auf 6 Tage). Zuletzt waren es 28 verteilt auf 5 Tage, plus wesentlich mehr sonstige verpflichtende Aufgaben. Obwohl es schon komisch war, samstags auf dem Weg zur Schule, denn sah man nur Lehrer und Kinder auf den Straßen, Aber keiner hat sich beschwert. Schließlich wusste man das bei der Berufswahl vorher. Aber das, was in den letzten Jahren an Aufgaben und Deputatserhöhungen dazu kam, konnte keiner ahnen.

Tim Bullerbü
2 Monate zuvor
Antwortet  Bücherleser

Ich ergänze: massive Kürzungen von Entlastungsstunden für besondere Aufgaben, z. B.Fachobschaft, Sammlungsleitung.
Niedersachsen mehr als 2 /3!!!

Realist
2 Monate zuvor

30 Stunden zusätzliche Fprtbildung (wohl mit Nachweis) pro Jahr. Als ob sich Lehrkräfte nicht jetzt schon fortbilden würden (z.B. schulintern, durch das Lesen von Fachliteratur, durch die Beschäftigung mit ChatGPT: also oft informell ohne Nachweis).

Fällt diese informelle, freiwillige Fortbildung dann weg? Beschäftigen wir uns also erst dann mit ChatGPT, wenn das KuMi irgendwann einen offiziellen Kurs anbietet, der dann hoffentlich nicht ausgebucht ist?

Oder kommt das alles wieder „obendrauf“? Oder welche anderen Arbeiten fallen dafür weg? 30 Stunden ist in vielen Branchen mittlerweile fast eine Arbeitswoche eine Vollzeitkraft. Gibt’s dann eine Woche mehr unterrichtsfreie Zeit (= „Ferien“), wenn keine anderen Aufgaben wegfallen können (was bei dem Lehrkräftemangel zu erwarten ist)?

Fragen über Fragen..

Oder doch lieber Lokführer oder IGM-Job mit garantierter (demnächst) 35- bzw. 32 Stunden-Woche, wo dann jede Überstunde bezahlt wird (inkl. Abend- und Nachtzuschlägen dann zu einem um 100% erhöhten Stundensatz)?

Gen Z: „Lehramt? Ich bin doch nicht blöd!“

Sepp
2 Monate zuvor
Antwortet  Realist

@ Realist,
Ich hatte gerade letzten Monat eine richtig tolle Fortbildung, 9-17 Uhr, an meinem freien Tag.

Es gab eine spannende Einführung, ein dickes Skript mit getesteten Schulversuchen zum Thema, die wir großteils vor Ort ausprobieren konnten. Und wir hatten genügend Zeit, passende Ansprechpartner und motivierte Lehrkräfte als Teilnehmer, so dass wir in unserer Kleingruppe die grobe Planung einer komplett neuen Unterrichtseinheit geschafft haben.

Bei unseren schulinternen Fortbildungen werden meist KuKs aller Fachbereiche wild gemischt, jeder möchte unbedingt noch tolle Dinge erzählen, jeder möchte gehört werden – am Ende kommt nicht viel dabei rum, aber der Tag ist vorbei.

Also ja, eine Pflicht zu 30 Stunden Fortbildungen (das sind nur 2 Tage im Halbjahr!), die man sich aussuchen kann und die richtig gut gemacht sind, würde ich mir eher wünschen, als ineffiziente schulinterne Fortbildungen.

Anne
2 Monate zuvor

„Sie empfiehlt außerdem eine Fortbildungsverpflichtung von 30 Stunden pro Jahr für alle Lehrkräfte“. Jo, erst die Ausbildung zusammenstreichen und dann jedem 30 unbezahlte Stunden pro Jahr mehr reindrücken wollen.

GriasDi
2 Monate zuvor
Antwortet  Anne

Bestimmt wird man dann entlassen, wenn man die 30 Tage nicht voll hat. Ich war letztens auf einer Veranstaltung, da hab ich zum ersten Mal in 25 Dienstjahren einen Vortrag eines Didaktik-Profs gehört, der gut war und der was mit Unterricht zu tun hatte.

Hans Malz
2 Monate zuvor

Empfehlung 12: Alle Mitglierder der Stäwiko müssen mindestens 10 Unterrichtsstunden an einer normalen Schule in der Woche ableisten. Ohne Studenten und wissenschaftliche Hilfskräfte, dafür aber in den Pausen mit den normalen Lehrern der Schulen.

Fakten sind Hate
2 Monate zuvor

Lehrkräftemangel hat auch einen Vorteile. Die Wochenstunden der Schüler werden gezwungenermaßen reduziert. Es findet weniger Mittagsunterricht statt, da erstmal der Vormittagsunterricht der jüngeren Schüler gewährleistet sein muss. Die Lehrer geben im Gegenzug auch weniger Mittagsunterricht und kommen den vielbesungenen Halbtagsjob wieder näher.

Gelbe Tulpe
2 Monate zuvor

Verkürzung? Sind das dann 90-100-Stunden-Wochen im Ref?

Ich_bin_neu_hier
2 Monate zuvor

Gesucht werden angehende Lehrkräfte, die so blöd sind, dass sie sich die miesen Bedingungen ihres Jobs antun, und so schlau sind, dass sie trotz dieser miesen Bedingungen hervorragende Ergebnisse bei der Ausbilfung der jetzigen und künftiger Schülergenerationen erzielen. Finde den/die Fehler…

Ich_bin_neu_hier
2 Monate zuvor
Antwortet  Ich_bin_neu_hier

*Ausbildung

Dejott
2 Monate zuvor

Geheimplan im Kultus aufgetaucht: Studentenkneipen infiltrieren. Schnaps spendieren. Verträge unterjubeln. Betrunken unterzeichnen lassen. In Handschellen abführen. Am Schultor rauswerfen.

MB aus NRW
2 Monate zuvor

An dieser Stelle möchte ich einfach ohne weiteren Kommentar die Antwort des Referenten meiner letzten Mathe-Fortbildung auf die Nachrage, wo und wann man denn die Inhalte der Fortbildung in der Schule anwenden könne, in den Raum stellen: „Ja…äääähhh ..vermutlich gar nicht.“

Fräulein Rottenmeier
2 Monate zuvor
Antwortet  MB aus NRW

Und, sind Sie aufgestanden und gegangen?
Ich habe mir jetzt viele Jahre Fortbildungen angetan, die spotteten jeder Beschreibung und andererseits Fortbildungen genossen, die wirklich richtig gut und effektiv waren.
Ich tue mir Blabla Fortbildungen nicht mehr an und sobald ich merke, dass ich mal wieder so eine erwischt habe, bin ich umgehend weg. Dann fahre ich lieber in die Schule und unterrichte oder mache Verwaltungsarbeit…..irgendwas sinnvolleres auf jeden Fall.

GriasDi
2 Monate zuvor

Warum das Referendariat verkürzen? Hier lernt man in der Praxis. Wenn ich von meinem Studium ausgehe (das ist allerdings schon etwas her), würde ich besser sämtliche Pädagogik- und Didaktik-Vorlesungen streichen und damit das Studium verkürzen. In diesen Vorlesungen war nur „Geblubber“ zu hören, nichts was mir etwas für die Schule gebracht hätte. Im Referendariat genau das Gegenteil.