Lückenbüßer? GEW warnt vor Überforderung von Lehramts-Studierenden an Schulen

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MAGDEBURG. An den Schulen fehlen vielerorts Lehrer. Auch Lehramtsstudenten und Seiteneinsteiger unterrichten inzwischen immer häufiger – das zeigen aktuelle Daten aus Sachsen-Anhalt. Das kann laut GEW schnell zur Überforderung führen.

Lehramtsstudierende bekommen durch die Arbeit an Schulen praktische Erfahrungen, ihr Studium darf allerdings nicht darunter leiden. (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Die GEW sieht beim Einsatz von Lehramtsstudenten an Schulen die Gefahr, die Studierenden zu überfordern. Es sei möglicherweise besser, den Einsatz zu begrenzen, sagte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft in Sachsen-Anhalt, Eva Gerth, auf Anfrage. Viele Lehramtsstudierende leisteten eine Menge Unterricht an Schulen.

Wie aus der Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, werden im aktuellen Schuljahr 181,9 Lehrerstellen von «sonstigen Lehrkräften» übernommen. Darin sind nach Angaben des Ministeriums befristet beschäftigte Lehrkräfte aber auch Studierende enthalten. Vor zwei Jahren fielen lediglich 94,96 Vollzeitstellen in diese Kategorie. Insgesamt gibt es in Sachsen-Anhalt aktuell fast 12.350 Lehrerstellen. Laut einem Expertenbericht des Bildungsministeriums braucht das Land bis zum Jahr 2035 mehr als 9.000 neue Lehrerinnen und Lehrer.

Das Bildungsministerium betrachte Studierende, die bereits nebenbei als Vertretungslehrkräfte arbeiten, als große Bereicherung, sagte ein Ministeriumssprecher. Es handele sich um eine «Win-win-Situation»: Studierende könnten wertvolle Praxiserfahrung sammeln und sich Geld dazuverdienen, an den Schulen sei das Engagement sehr willkommen. Der Umfang der Arbeit an der Schule müsse allerdings selbstverständlich mit dem Pensum des Studiums harmonisiert werden.

Wie aus der Kleinen Anfrage weiter hervorgeht, lag der Anteil der Seiteneinsteiger bei den unbefristeten Angestelltenverhältnissen bei mehr als 50 Prozent. Auch dies könne zu einem Problem werden, so Gewerkschaftsvorsitzende Gerth. Ohne Seiteneinsteiger würde das System noch mehr zusammenbrechen, allerdings müsse auch hier darauf geachtet werden, die Seiteneinsteiger, die kein Lehramtsstudium haben, nicht zu überfordern. Hier brauche es bessere Unterstützung, zum Beispiel durch Mentoring oder weniger Unterricht gerade am Anfang. News4teachers / mit Material der dpa

Pädagogik-Professor: Lehramtsstudierende zur Assistenz in den Unterricht

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8 Kommentare
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Biene
22 Tage zuvor

Für die Lehramtsstudenten ist es doch schon mal super, dass sie gewisse Erfahrungen bereits jetzt schon machen und nicht erst etwas später nach dem Ende des Studiums.
Es sollte die Entscheidung erleichtern, ob man weiterhin in dem Job bleiben möchte, nennen wir es Vorauswahl oder Auswahlverfahren. Ein Glück, dann kann sich ein Glorreicher, die Triage im berufspraktischen Teil sparen.

Ironie/Sarkasmus bitte behalten, wenn gefunden.

Tim Bullerbü
22 Tage zuvor

Auch Niedersachsen setzt zunehmend Lehramtsstudierende ein. Denen fehlt Didaktik, Methodik und Wissen zum Schulrecht. Die meisten hören frustriert nach einem Jahr auf, viele davon brechen ihr Studium ab.
So hatten sie sich Schule nicht vorgestellt.
Das wären vielleicht noch gute Lehrkräfte geworden, aber sie wurden verheizt, um den Unterricht noch irgendwie aufrechterhalten zu können.
Insgesamt also eine Spitzenidee.

Pit2020
21 Tage zuvor

Wer selbst halbwegs „verträglich“ sozialisiert worden ist und die Entwicklung der letzten 10 – besser 20 – Jahre nicht live und in Farbe miterleben musste, kann sich schnell überfordert fühlen und sucht das Weite.
Soweit Fakt und nach einiger Zeit auch klar erkennbar, es wird auch aus „hohen Häusern“ gar nicht mehr der Versuch unternommen das abzustreiten.

Das wird dann wohl immer mehr an immer weniger werdenden (Warum denn wohl?) „bösen“ 😉 Boomern hängenbleiben:
https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hallo_niedersachsen/Hannover-Schule-wendet-sich-mit-Brandbrief-an-Behoerde,hallonds85658.html
Aber vielleicht sind die alle wieder zu „mimimi“?
Einfach mal anschauen, denn dort äußern sich auch SuS. … Ob diese SuS später danach lechzen werden, Lehrer, Lernbegleiter (ähnliche Wortkreationen selbst ergänzen) werden zu wollen?!

Naja, da bleibt man doch gerne zuversichtlich und vertraut am besten auf kluge Lösungen von klugen Leuten, denn das hat ja so manche segensreiche 😉 Neuerung in der Welt von Schule und Bildung hervorgebracht und bestimmt kommen schnell hilfreiche und konkrete neue Ideen … aus der Welt der Schleichers, Peter Maiers (z.B. https://www.news4teachers.de/2018/03/herausforderungen-als-paedagoge-in-heutiger-zeit-vergiss-die-freude-nicht-lehrer-aus-berufung/ … enorm hilfreich! nicht) usw.
Und wer jetzt innerlich aufschreit, möge sich mit etwas Positivem 😉 ablenken:
https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Content-Dem-Algorithmus-hinterherhecheln,hirschl104.html
Und wer Parallelen zur Gegenwart (nicht nur Schule) erkennt, darf sich zu Belohnung fünf Minuten zurücklehnen, denn dann geht’s heiter weiter im Karussell des blanken Wahnsinns …

Hysterican
20 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

So sieht es aus, lieber Pit!

Bei uns – ganz aktuell – setzt die SL eine Referendarin in einer sog. „Lernzeit“ ein … ein zusätzliches Angebot innerhalb der normalen Stundentafel … manchmal mit sinnvollen Inhalt – meistens irgendein blödes Gedödel, das den SuS quasi per Wahlzettel und dann Zuweisung aufgedrückt wird. SUs mit eklatanten Matheschwächen dürfen z.B. einen Kurs in Astronomie „belegen“, weil anderes inhaltlich nicht angeboten wird.

Diese Ref hat Coronabedingt z.B. kein Praxissemester absolvieren können – ergo keine praktischen Erfahrungen vor der Klasse unter Anleitung einer Lehrkraft sammeln können….nun soll sie von jetzt auf gleich ein „Angebot für das zweite Halbjahr stricken“.

Diese Lernzeit ist im Plan so unglücklich plaziert, dass für die junge Frau eine Reihe von Möglichkeiten zu fachlichen Ausbildungsunterricht blockiert würden … die Fächer, die sie mitbringt begrenzen die Anzahl der Ausbildungsgruppen maßgeblich.
Heißt: Sie muss zulasten ihrer eigenen Professionalisierung ein Lehrangebot machen, dass mit ihrer fachlichen Ausbildung nichts zu tun hat … diese Kritik vorgetragen erzeugt bei der SL v.a. den Reflex, ihr zu sagen,was für eine tolle Möglichkeit das doch ist, sich „mal auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln“ und dann kommt der Leitungsspruch, der das Konzept des Herrschaftswissens bis zum Erbrechen ausreizt: Im Übrigen lässt die personelle Situation eine andere Zuweisung dieser unterrichtlichen Aufgabe nicht zu“ … eine Nachfrage bzgl der angebliche „Alternativlosigkeit dieser Entscheidung“ wird mürrisch weggewischt mit Äußerrungen, wie “ das verstehen Sie eh nicht“ .. „das ist halt so“ usw.

Nun hat sich das Ausbildungsseminar eingemischt….mal schauen, was dabei rauskommt….auf jeden Fall droht der jungen Kollegin bereits Ungemach, weil sie die dienstliche Anordnung nicht widerspruchslos hingenommen hat – die SL schreibt ja das Endgutachten und hat ein Elefantengedächtnis.

Hans Malz
20 Tage zuvor
Antwortet  Pit2020

Ich geh dann ein Bier trinken … Helau!

Hysterican
20 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Prost, lieber Hans Malz … und genieße die Brauchtumstage, wenn sie dir vergönnt sind. 😉

Hans Malz
20 Tage zuvor

Vorbereitung auf den ganz normalen Irrsinn. Warum sollte die immer nur die Luftschlösser irgendwelcher „Bildungsexperten“ kennen lernen? Nach einer Dosis Irrenhaus kann ja jeder selber entscheiden.

Hysterican
20 Tage zuvor
Antwortet  Hans Malz

Gerade eine Meldung aus NRW gelesen:

Die Zahl der Lehramtsaussteiger hat sich verdreifacht (Meldung des WDR)…. berichtet wird von Beispielfällen, die z.T. bereits seit 20 Jahren im Schuldienst sind … aus dem Feller-Ministerium gibt es lediglich die Anmerkung, dass „junge Menschen und Berufseinsteiger“ auch gerne mal den Arbeitsbereich wechseln – das sei in anderen Branchen auch nicht anders und daher zu vernachlässigen.

Weitere Ideen zu dieser offenbar verstärkten Quote gibt es nicht aus dem NRW-KuMi.

Also alles im grünen Bereich – im Schwarz-Grün regierten NRW…..

Wann wird denn nun endlich mal hingeschaut?

V.a., wenn ich dann die sog. „BILDUNGSEXPERTIN“ von der FDP (irgendwas Reisch, Rüsch …auf jeden Fall mit nem Müller davor) höre, die auf die Versäumnisse der CDU verweist, nachdem ihre eigene Partei in Person von Teflonseele Gebauer am NRW-Schulsystem eine weitere Abrissbirne hat wirken lassen.