Personalnot, Infektionswellen: Tausende Kitas mussten Angebot einschränken

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DÜSSELDORF. Kürzere Öffnungszeiten, kleinere Gruppen, geschlossene Einrichtungen: Wenn kurzfristig zu viel Personal fehlt, schränken Kitas ihr Angebot ein. In den Wintermonaten war jede fünfte in NRW betroffen. Das zeigt eine aktuelle Statistik.

Kommt in Kitas offenbar immer öfter vor. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Personallücken in den Kitas haben 2023 in Tausenden Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen zeitweise für Einschränkungen bei der Betreuung gesorgt. Allein im November und Dezember sah sich rund jede fünfte Kita gezwungen, zeitweise die Betreuungszeit herabzusetzen, Gruppen zu verkleinern oder zu schließen, wie aus Daten des nordrhein-westfälischen Familienministeriums hervorgeht. Vereinzelt machten Kitas auch tageweise ganz dicht.

«Diese Daten machen deutlich, dass insbesondere saisonale Krankheitswellen die ohnehin personell schon angespannte Situation in den Kitas verschärfen», hieß es dazu aus dem Ministerium auf Anfrage.  Insbesondere in den Wintermonaten gingen bei den Landesjugendämtern monatlich zwischen 1000 und knapp 5000 Meldungen zu Personalunterbesetzungen ein, wobei zahlreiche Kindertagesstätten mehrere Meldungen pro Monat absetzten.

Die Ursache für die Personallücken in den insgesamt 10.700 Einrichtungen landesweit werden allerdings ebenso wenig erfasst wie die Dauer und der Umfang der Angebotseinschränkungen. So könnten die Personalausfälle etwa auf kurz- oder längerfristige Erkrankungen der Erzieherinnen und Erzieher, aber auch Schwangerschaften, Stellenvakanzen oder eigene betreuungsbedürftige kranke Kinder zurückzuführen sein.

Zahl der Kitas mit Betreuungseinschränkungen schwankt je nach Jahreszeit

Der Monat mit den häufigsten Personallücken im vergangenen Jahr war der November mit 4949 Meldungen aus 2432 Kitas, gefolgt vom Dezember mit 4277 Meldungen aus 2153 Einrichtungen. In der Konsequenz reduzierten die meisten KItas ihr Betreuungsangebot. Rund 100 schlossen zeitweise komplett, während mehr als 150 trotz Unterbesetzung ihr Angebot wie gewohnt aufrechterhielten. Im Vergleich dazu waren im Juli mit 314 Meldungen aus 195 betroffenen Kitas deutlich weniger Familien von einem eingeschränkten Angebot betroffen.

Der Fachkräftemangel stelle die Gesellschaft branchenübergreifend vor große Herausforderungen, teilte das Familienministerium dazu mit. Allerdings wachse die Zahl derer, die sich für eine Tätigkeit in der Kindertagesbetreuung entschieden, jedes Jahr. So sei die Zahl der Erzieherinnen und Erzieher in zehn Jahren seit 2012 um mehr als 27 200 im Jahr 2022 angestiegen. Trotzdem reiche dies nicht, den durch den Ausbau der Kita-Landschaft gestiegenen Bedarf zu decken.

Ministerium wünscht sich aktivere Nutzung flexibleren Personaleinsatzes

Das Ministerium verweist auf die inzwischen im Rahmen der sogenannten Fachkräfteoffensive eröffnete Möglichkeit, Personal flexibler als früher einzusetzen. So können etwa Kinderpflegerinnen in allen Gruppenformen eingesetzt werden, außerdem soll ausländischen Studienabsolventen der Zugang für die Arbeit in Kitas erleichtert werden. Damit diese Flexibilisierungen erfolgreich seien, baue man «auf eine noch aktivere Nutzung dieser Möglichkeiten durch die Träger als bisher», hieß es. Außerdem werde mit Kommunen, Trägern und Landesjugendämtern über Möglichkeiten berufsbegleitender Qualifizierung von zusätzlichem pädagogisch tätigem Personal diskutiert. News4teachers / mit Material der dpa

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29 Kommentare
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Alter Pauker
21 Tage zuvor

Prima! Die Kitas schließen, die Schulen garantieren die Betreuung.
Und Erzieher fordern das Gehalt von Grundschullehrern.
Kotz

Gustav
20 Tage zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Und dann ist nachts auch noch kälter als draußen. Doppeltkotz.

Realist
20 Tage zuvor
Antwortet  Gustav

Man kann gerne von den Schulen „Bertreuung“ bei extremen Krankenstand erwarten (gibt ja keine „Krankheitsreserven“).

Dann darf man aber bitte gleichzeitig keinen sinnvollen Unterricht mehr erwarten und darf sich über PISA-Ergebnisse nicht aufregen…

dickebank
20 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Die Betreuung in JVAs wird bei schlechterem Betreuungsschlüssel sogar im Drei-Schicht-Betrieb notdürftig besser umgesetzt als an Schulen:)

Gustav
20 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Ach, zur Not können die Insassen sich auch selbst betreuen. Sind ja alle erwachsene Menschen

potschemutschka
20 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Betreuung oder Verwahrung?

dickebank
17 Tage zuvor
Antwortet  potschemutschka

Einschluss!

Gustav
20 Tage zuvor
Antwortet  Realist

Da bin ich bei Ihnen. Bei uns liegt der Fokus auf: 5. und 6. Klasse müssen betreut werden, alle anderen dürfen eher gehen. Dann wird die Chemie EF halt mal mit EVA entlassen und der Kollege in der 5 eingesetzt.

Ramalamadingdong
20 Tage zuvor
Antwortet  Gustav

Ja. Und auch noch viel schattiger. Dreifachkotz.

Rotstiftprofi
20 Tage zuvor
Antwortet  Ramalamadingdong

Off-topic: klasse User-Name… jetzt hab‘ ich einen Ohrwurm

dickebank
20 Tage zuvor
Antwortet  Ramalamadingdong

Ja ich weiß, Gebäck unter einem Baum ist auch als schattiges Plätzchen bekannt.

Fräulein Rottenmeier
20 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Das Niveau ist echt krass….

Ramalamadingdong
19 Tage zuvor

Ja, krass. Angefangen mit dem Post von Herrn „alter Pauker“, der dafür bisher erschreckende NEUN! grüne Daumen bekommen hat.
Mein „krasser“ Kommentar ist lediglich davon „inspiriert“.
Aber trotzdem: „Entschuldigung.“
Wenigstens dem „Rotstiftprofi“
konnte ich mit meinem User-Namen eine kleine Freude bereiten. 🙂

dickebank
17 Tage zuvor

Und was soll jetzt der Hinweis auf eine Wasser-Fett-Emulsion?

Ramalamadingdong
17 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Niveau ist keine Handcreme. 😉

Mona
20 Tage zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Als ob sich Alte Pauker bei Krankheit in die Schule schleppen würden. Lieber Krankmachen und bei willfährigem Arzt unbegrenzt Fortzahlung, was bei Angestellten nur 42 Tage klappt.

Um die so unverschämten aktuellen EuE brauchen Sie sich übrigens langfristig keine Sorgen machen. Die verlassen das sinkende Schiff, bis dann nur noch quereingestiegene Aufbewahrungspersonen in den Kitas tätig sind. Vllt. merken Sie dann, was die EuE bisher so geleistet haben.

Ansonsten spricht Ihre ordinäre Sprache nicht dafür, dass Sie Ihre Bezüge verdienen.

Mika
19 Tage zuvor
Antwortet  Mona

Wieso halten Sie es für sinnvoll, sich bei Krankheit auf Arbeit zu schleppen? Ich bin gottfroh, wenn meine erkrankten Kollegen mich nicht auch noch anstecken. Es genügt schon, die kranken Schüler im Unterricht zu haben, die eigentlich nach Hause ins Bett gehören!

Marion, Erzieherin
19 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Sie haben schon den Post von @alter Pauker gelesen, auf den sich @Mona bezieht, oder?
Hier erscheint ein Artikel über die Personalnot aufgrund erheblicher Krankheitsausfälle in Kitas, durch die das Angebot teilweise eingeschränkt werden muß. Dieses Problem betrifft doch Schulen ebenso und wird hier auch immer wieder beklagt.
Auch in den Schulen kommt es zu Unterrichtsausfällen und Einschränkungen, wenn personell die Hütte brennt. Klar, die Schulen können nicht einfach dicht machen. Machen Kitas aber auch nicht mal so eben. Da muß es schon zum Quasi-Komplettausfall kommen. Ansonsten wird immer versucht, das Angebot irgrndwie, zumindest teilweise aufrecht zu erhalten. Der erste Kommentar kommt von @alter Pauker, der wie immer nichts besseres zu tun hat als diesen Artikel für einen seiner üblichen Rundumschläge gegen Erzieher zu nutzen.
Ich halte den Kommentar von @Mona nicht für ein Plädoyer dafür, sich krank in die Arbeit zu schleppen, sondern einfach für eine berechtigte Reaktion auf den unangemessenen Post von @alter Pauker.

Mona
18 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Ich freue mich, dass LuL auch aus Ihrer Sicht selbstverständlich bei entsprechender Erkrankung daheim bleiben dürfen. Akzeptieren Sie, dass das auch für das Personal in den Kitas so gilt? Bitte erläutern Sie ansonsten, warum der „alte Lehrer“ dieses Recht den EuE in den Kitas aus Ihrer Sicht in nachgerade beleidigender Weise absprechen durfte und Sie meine Replik darauf offenbar für unberechtigt halten?

Nebenbei sei wie schon so oft darauf hingewiesen, dass das Personal in den Kitas täglich in unmittelbaren Kontakt mit allen denkbaren Körperflüssigkeiten der beaufsichtigten Kinder kommt und nicht die hygienische Distanz der Lehrerschaft zur 1. Reihe genießen kann (das sage ich ohne jeden Neid). Dass Eltern ihre Kinder immer häufiger auch mit schweren Krankheitssymptomen und dann idealerweise noch mit Fiebersaft, Ibu (!) etc. ruhiggestellt in die Kitas schicken, ist auch kein Geheimnis. Ein erhöhter Krankenstand bei EuE ist daher fast schon systemimmanent.

Augen auf bei der Berufswahl? Ja klar. Deswegen (Augen auf) findet sich ja auch bei den EuE kaum noch Nachwuchs und immer mehr EuE verlassen dieses Berufsfeld vorzeitig. Wenn LuL wie der „alte Lehrer“ auch noch wie oben gesehen groß-äh-kotzig nach unten (?) treten, verbessert das die Situation ganz sicher nicht. Auch ich selbst bin schon seit Corona nicht mehr in einer Kita tätig, finde es aber immer noch sehr schade, welche Geringschätzung mein Beruf gerade auch hier immer wieder erfährt.

Ich befürchte allerdings, dass die andauernde Degradation der Qualität in der frühkindlichen Betreuung zugunsten einer offenbar verbreitet geforderten „höheren Verlässlichkeit“ [1] nicht nur zu einem weiteren Fachkräfteschwund in den Kitas, sondern auch noch weiter ansteigenden Frustration und Resignation bei den LuL führen wird. Schon jetzt gibt es trotz guter finanzieller Aussichten und gesteigerter Rekrutierungsbemühungen wenig Nachwuchs und viele Dienstaustritte [2]. Das wird bei noch weiterer Verschlechterung der Qualität in den Kitas und damit noch weiter sinkenden Standards bei den Schulanfängern kaum besser werden, da sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Daran wird auch eine hilflos staatlich angeordnete Reifepflicht zum Schuleintritt (über die ESU hinaus) [3] nichts ändern.

Man kann nicht beides haben: s‘ Weckle und s‘ Zehnerle.

[1] https://www.news4teachers.de/2024/02/kita-reform-mehr-verlaesslichkeit-im-tausch-fuer-weniger-qualitaet/

[2] https://www.news4teachers.de/2024/02/und-tschuess-steigende-dienstaustritte-verschaerfen-lehrkraeftemangel-schulministerin-bleibt-gelassen-zu-recht/

[3] https://www.badische-zeitung.de/baden-wuerttembergs-kultusministerin-will-nur-noch-schulreife-kinder-einschulen

Hannah
19 Tage zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Weil die Kinder in den Grundschulen bei auffallenden Stunden einfach in den offenen Ganztag geschickt werden. Kotz.

Realist
19 Tage zuvor
Antwortet  Hannah

Sind natürlich die Lehrkräfte dran schuld, also die fehlenden, also, die die nicht da sind…

Mika
19 Tage zuvor
Antwortet  Hannah

Findet bei Ihnen der Ganztagsbetrieb etwa parallel zum Unterricht statt, so dass die Kinder dorthin geschickt werden können? Wer besucht denn dann den Ganztag, wenn alle Lehrer anwesend sind? Hört sich für mich nicht nach einem sinnvollen Ganztagskonzept an.

Hannah
18 Tage zuvor
Antwortet  Mika

Wir sind ab 10 Uhr da, die Vollzeitkräfte ab 8 Uhr. Wir unterstützen die Lehrkräfte im Unterricht, übernehmen Förderstunden und Lernzeiten. Habe auch schon Kunstunterricht übernommen da die Klassenlehrerin seit 4 Jahren ständig über lange Zeiträume krank ist. Die Kinder kommen also oft nach der 3 oder 4 Stunde in den Ganztag. Durch Stundenreduzierung auch die 4 Klässler.

potschemutschka
17 Tage zuvor
Antwortet  Hannah

Wieviel regulär erteilte Unterrichtsstunden pro Woche haben die 3.- und 4. -Klässler dann im Moment überhaupt noch? Bei nur 3-4 Stunden pro Tag braucht sich keiner mehr wundern. Es scheint ja schon über einen längeren Zeitraum „normal“ zu sein.

Ramalamadingdong
17 Tage zuvor
Antwortet  Alter Pauker

Jetzt sind es schon zwölf, die das mit einem grünen Daumen belohnen. Wo bin ich da nur rein geraten?

Realist
20 Tage zuvor

Die Angebotseinschränkung wird zukünftig auch ohne „Krankheitswellen“ kommen:

Wenn immer mehr Unternehemen auf die 4-Tage-Woche umschwenken, warum sollte sich jemand dann noch für einen Job interessieren, der die 5-Tage-Betreuung fremder Kinder zum Inhalt hat? Intelligente Menschen werden sich beruflich entsprechend orientieren…

Marion, Erzieherin
19 Tage zuvor

„Außerdem werde mit Kommunen, Trägern und Landesjugendämtern über Möglichkeiten berufsbegleitender Qualifizierung von zusätzlichem pädagogisch tätigem Personal diskutiert.“
Wie wäre es, mit den Kommunen auch mal darüber zu diskutieren:
http://www.berndorfer-modell.at

dickebank
17 Tage zuvor

Es geht aber nicht ums Diskutieren sondern ums Finanzieren …

Marion, Erzieherin
17 Tage zuvor
Antwortet  dickebank

Dann eben diskutieren übers finanzieren. Kitaplätze müssen ja auch finanziert werden und offensichtlich reichen die Kapazitäten häufig nur noch äußerst notdürftig bis gar nicht.
Wenn mehr Eltern ihre Kinder in den ersten drei Jahren zu Hause betreuen, entzerrt das die derzeit doch recht angespannte Personalsituation in den Kitas.
Außerdem ist es doch gerecht Eltern zu entlasten, die die gesellschaftlich immens wichtige Aufgabe übernehmen unsere zukünftigen Fachkräfte zu erziehen und dafür mehrere Jahre ihr eigenes berufliches und finanzielles Fortkommen hintanstellen.