„Wachstumsorientierte Denkweise“: Welche Lehrkräfte von Schülern gemocht werden

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PULLMAN. Schülerinnen und Schüler mögen freundliche Lehrerinnen und Lehrer, aber sie mögen diejenigen noch mehr, die daran glauben, dass sie sich verbessern können, zeigt eine Studie von Psychologinnen und Psychologen der Washington State University.

Unabhängig davon, ob Dozentinnen und Dozenten als „warm“ und „freundlich“ oder als kalt und Studierende nervös machend beschrieben wurden, werden Unterrichtende von den Schülerinnen und Schülern viel positiver aufgenommen, wenn sie eine wachstumsorientierte Denkweise erkennen ließen, d.h. wenn, sie der Meinung Ausdruck gaben, dass sich die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in einem Fach durch harte Arbeit und das Ausprobieren verschiedener Strategien verbessern könnten.

EIne Frau in graubraunem Pullover, mit langen, roten Haaren, das Kinn an die stifthaltende Hand gestützt sitzt an einem Pult. Hinter ihr verschwommen eine Tafel mit einer technische anmutenden Zeichnung.
Die Einstellung der Lehrerinnen und Lehrer ist wichtiger als Freundlichkeit und Herzlichkeit. Foto: Shutterstock

Unabhängig von der höheren Motivation hat das für die jungen Menschen auch weitere praktische Auswirkungen. Sie berichteten, dass sie sich in der Klasse besser zugehörig fühlten, sich nicht so sehr als Außenseiter fühlten und bessere Chancen hatten, im Fach gut abzuschneiden.

Dies sind die Kernergebnisse einer aktuellen Studie von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern um die Washingtoner Psychologinnen Elizabeth A. Canning und Makita White. Für diese Studie präsentierten die Forscher 332 Studenten eine von vier Szenarien, in denen ein Statistikprofessor mit unterschiedlichen Verhaltensweisen und Denkweisen beschrieben wurde. Die Studenten beantworteten dann eine Reihe von Fragen zu ihrer Meinung über den Professor und den von ihm geleiteten Kurs, einschließlich der Frage, wie wohl sie sich in dem Kurs fühlten und wie gut sie glaubten, dass sie abschneiden würden.

In den Szenarien mit wachstumsorientierter Denkweise erklärte der Professor, dass „jeder Student den Stoff lernen kann“, wenn er oder sie hart arbeitet, aus Fehlern lernt und bei Bedarf Hilfe in Anspruch nimmt. In den Szenarien mit fester Denkweise sagte der Professor, hingegen, dass einige Studierende eine „natürliche Begabung für Statistik“ hätten, während andere Studentinnen und Studenten Schwierigkeiten hätten, wenn sie kein „Statistikmensch“ seien.

Die Wachstumsmentalität werde oft als Vorteil im Bildungsbereich angepriesen, so die Forscherinnen und Forscher. Die meisten früheren Forschungsarbeiten konzentrierten sich jedoch auf die Motivationsüberzeugungen der Schüler, während die Denkweise der Lehrkräfte erst seit kurzem berücksichtigt werde.

Mit ihrer Studie überprüften sie frühere Ergebnisse, die gezeigt hätten, dass Schülerinnen und Schüler Lehrkräfte mit einer wachstumsorientierten Denkweise eher als freundlich und warmherzig wahrnehmen.

In der aktuellen Studie Die reagierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer noch am besten auf eine Lehrkraft, die sowohl als freundlich als auch als wachstumsorientiert beschrieben wurde. Ein „kalter“ Lehrer mit einer wachstumsorientierten Denkweise wurde jedoch immer noch positiver aufgenommen als ein „warmer“ Lehrer mit einer fixen Denkweise.

Auch das Gegenteil sei der Fall gewesen. der Fall: Mehr Teilnehmer reagierten negativ auf eine warme, lächelnde Lehrkraft, wenn sie eine fixe Einstellung vertraten, d. h. die Überzeugung, dass angeborene Fähigkeiten nicht verändert werden können, wie z. B. jemand, der von Natur aus gut in Mathe ist.

„Es reicht nicht aus, einfach nur nett zu sein“, stellt Makita White fest. „Wenn Lehrer ihr Verhalten ändern können, um wärmer zu sein, hat das eine gute Wirkung, aber es ist viel besser, den Schülern eine wachstumsorientierte Denkweise zu vermitteln als eine fixe Denkweise“.

„Auf einer sehr einfachen Ebene ist es gut, freundlich zu sein, aber die Denkweise, die man den Schülern vermittelt, ist wirklich wichtig. Sie können sogar noch wirkungsvoller sein, als nur freundlich oder einladend zu sein“, pflichtet Elizabeth Canning ihrer Doktorandin bei. Die Ergebnisse deuteten auch darauf hin, dass Lehrer ihre Denkweise für wichtiger halten als ihr Auftreten.

Zusätzlich zu dieser Studie hat Cannings Labor Arbeiten durchgeführt, die darauf hindeuten, dass Lehrkräfte mit einer wachstumsorientierten Denkweise die Leistungsunterschiede bei traditionell benachteiligten Gruppen verringern können. So wurde beispielsweise in einer Studie festgestellt, dass Lehrkräfte mit einer fixen Denkweise die Leistung von Frauen in MINT-Kursen untergraben und in einer anderen Studie ein größeres Leistungsgefälle zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft hervorrufen als in Kursen, die von Lehrkräften mit einer wachsenden Denkweise unterrichtet werden.

„Wenn man sich nur auf die Denkweise der Studentinnen und Studenten konzentriert, kann das dazu führen, dass man den Studenten die Schuld gibt, wenn sie also nicht gut abschneiden, kann man sich sagen, dass sie einfach nicht die richtige Denkweise haben“, so Channing. „Indem wir uns ansehen, wie sich die Einstellung der Lehrkräfte und die Kultur auf die Schüler auswirken, können wir den Schülern selbst etwas von der Last abnehmen. Stattdessen können wir uns mehr darauf konzentrieren, wie wir das Umfeld motivierend und förderlich gestalten können, so dass jeder in dieser Klasse erfolgreich sein kann.“ (zab, pm)

Metastudie zu Motivation und Lernverhalten: Von Positiv- und Negativspiralen

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JoS
1 Monat zuvor

Ich kann mir eigentlich nicht erklären, warum Menschen mit einer „fixen Denkweise“ überhaupt einen lehrenden Beruf ergreifen.

Pober
1 Monat zuvor
Antwortet  JoS

Meine Theorie – weil sich ihre Perspektive nach einigen Jahren ändert (fehlendes Selbstwirksamkeitempfinden).

JoS
1 Monat zuvor
Antwortet  Pober

Und warum passiert das? Weil man den Blick für die Erfolge verliert und immer nur die Negativerlebnisse sieht?

Ich_ bin neu_hier
1 Monat zuvor

Das Folgende bitte als Service-Leistung verstehen – ich mache selbst auch Fehler (und bin mir dessen bewusst).

„d.h. wenn, sie der Meinung Ausdruck gaben…“ – Kommasetzung bitte korrigieren.

„In der aktuellen Studie Die reagierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer immer noch am besten… – Satzbau bitte korrigieren.

„Auch das Gegenteil sei der Fall gewesen. der Fall: Mehr Teilnehmer reagierten negativ auf eine warme, lächelnde Lehrkraft…“ – Satzbau bitte korrigieren.

Fresh L
1 Monat zuvor

Das war eine „wachstumsorientierte“ Meisterleistung. Danke.
Mit „harter Arbeit“ wären der Redaktion diese Fehler nicht unterlaufen.

😉

Ich_ bin neu_hier
1 Monat zuvor

Wissenschaftlich scheinbar eine spannende Erkenntnis – aber für erfahrene Schulpraktiker sicherlich nicht neu:
Wenn man Schülerinnen und Schülern vermittelt, dass ihre Leistung allein von ihrer Begabung abhängig ist und gar nicht von ihrer Anstrengungsbereitschaft, warum sollten sie sich dann anstrengen?

Fresh L
1 Monat zuvor

Die Ergebnisse sind so interessant wie sie trivial sind.

Sarkastisch eingeschätzt, schalten die Kids heute bereits bei „hart arbeiten“ ab.

Wo sind die Zeiten geblieben, als sich Menschen erst recht zu Grossen berufen fühlten, wenn ihnen gesagt wurde, das schaffst Du sowieso nicht.

Ich kenne auch noch die Redewendung:

Eine Sache ist solange nicht möglich, bis jemand kommt und es macht.

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Fresh L

Das ist Typ-Sache. Schon damals. Mancher wird gebrochen und depressiv, wenn man ihm sagt, dass er es nicht schafft. Ein anderer wird trotzig.

Fresh L
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

Das ist richtig. Mindestens gefühlt stirbt der letztere Typ meiner Wahrnehmung nach jedoch aus.

Katze
1 Monat zuvor

„… d.h. wenn, sie der Meinung Ausdruck gaben, dass sich die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler in einem Fach durch harte Arbeit und das Ausprobieren verschiedener Strategien verbessern könnten.“

Erfahrung – nicht Studie!

Die Lehrer, welche harte Arbeit d.h. Anstrengung, Leistungsbereitschaft (Leistungsprinzip Igittigitt) und Durchhaltevermögen einfordern, werden doch zunehmend als anstrengend und zu autoritär wahrgenommen – und dann noch der „böse Prüfungsdruck“, wenn realistisch bewertet wird. Besonders die „Kampfhubschraubereltern“ wünschen beste Ergebnisse für ihre Sprösslinge, aber doch bitte ohne Anstrengung (Schulstress). Der einzige, welcher erfolgreiche Wohlfühlstrategien für die SuS auszuprobieren hat, ist der Lehrer.

Ein „warmer“ und „freundlicher“ Gefälligkeitspädagoge im erlebnisorientierter Lebensraum Schule sollte doch nicht zu harter Arbeit auffordern.

Dietmar
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Ich denke, man kann das Studienergebnis eher damit zusammenfassen, dass SuS LuL nicht mögen, wenn diese der Ansicht sind, dass bestimmte SuS es nie „packen“ werden – egal wie sehr sie sich anstrengen.

Dieses Ergebnis erstaunt mich nicht. Ich mag es ja auch nicht, wenn mir ein Dienstvorgesetzter verdeutlicht, dass ich bei ihm nie etwas werden werde – egal wie sehr ich mich anstrenge.

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Das sind aber nicht die beliebtesten bei den Schülern. Die mögen oft gerne “ streng“ und „kann gut erklären“.

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Lisa

“ Strenge “ sowie die Fähigkeit der freundlich, erfolgreichen Vermittlung von Lerninhalten schließem sich mit einem sog. “ erlebnisorientiertem Lebensraum Schule “ nach meinen Erfahrungen keinesfalls aus.

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Und wenn man aber schon ganz und gar und hochmodern zum Lernbegleiter mutiert ist?

unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  Dil Uhlenspiegel

Lernbegleitung ansich ist keine Erfindung der Neuzeit.

Einer
1 Monat zuvor

Wieso gemocht werden? Respektieren oder achten, ok da können wir drüber reden. Aber mögen? Ich bin doch nicht ihr Freund! Ich baue eine Beziehung zu ihnen auf und möchte ihnen etwas beibringen und Inhalte so erklären, dass sie es verstehen. Ob sie mich mögen ist völlig egal.

Katze
1 Monat zuvor
Antwortet  Einer

Volle Zustimmung! So denken alle KuK, welche noch nicht hochmodern zum Lernbegleiter mutiert sind oder besser degradiert wurden. Diese KuK favorisieren auch anspruchsvolle Lehrpläne und nicht die entrümpelten Leerpläne.
Wir sind Lehrer geworden, um Wissen (Inhalte) und Können zu vermitteln.

Kognitive Dissonanz
1 Monat zuvor
Antwortet  Katze

Komisch, und ich dachte, man wird Lehrer, um mit Jugendlichen zu arbeiten und diese zu bilden – und nicht, um – bei dieser Jobbeschreibung – relativ problemlos durch eine KI ersetzt werden zu können.

Katze
1 Monat zuvor

Und wie vermittelt die KI Können = Fähigkeiten und Fertigkeiten?

Hans Malz
1 Monat zuvor
Antwortet  Einer

Die mögen eben „professionelles“ Verhalten. Keine Anbiederei und auch kein Verstellen, so wie es die Fach-, Schulleitung oder Bildungswissenschaftler das haben wollen. Dazu gehört eben auch, dass man Methoden nicht macht, die nicht zu einem passen. Dazu habe ich regelmäßig herzerfrischende Diskussionen mit Fachleitern.

Kognitive Dissonanz
1 Monat zuvor
Antwortet  Hans Malz

Und sie mögen hoffentlich keine Lehrer, die undifferenzierte und pauschalisierende Aussagen von sich geben sowie einen deutlich unterentwickelten Hang zur Selbstkritik haben.

Katze
1 Monat zuvor

Ach, und die Fach-, Schulleitung oder Bildungswissenschaftler sind alle zu realistischer Selbsteinschätzung, Selbstkritik und differenzierter Sichtweise in der Lage. Oft lösen diese bei uns doch erst kognitive Dissonanzen aus.
Wenn da mal nicht auch ein paar Elfenbeintürmler und Wolkenkuckucksheimer dabei sind.

„Unsere Glaubwürdigkeit steht und fällt mit der Übereinstimmung unserer Gedanken, Worte und Werke.“ (Ernst Ferstl)
Also nicht verbiegen lassen und anbiedern!

GS in SH
1 Monat zuvor

Es ist eine amerikanische Studie.
Das Mindset, jeder könne alles schaffen, wenn er nur hart genug daran arbeite, ist typisch amerikanisch (kapitalistisch) und so nicht auf Europa übertragbar.
Und selbstverständlich sollte eine LK SuS nicht entmutigen, indem sie ihnen mangelndes Talent unterstellt. Das ist doch offensichtlich!
Ich weiß noch, dass mein Physiklehrer bei Nachfragen von Mädchen immer mit den Augen rollte und sagte:“Mujeres a la cocina!“ (Frauen [gehören] in die Küche), was sicherlich nicht sonderlich ermutigend war. Aber das war in den 70ger Jahren in Südamerika und der Mann war 68 Jahre alt. Wir haben uns einen Spaß daraus gemacht, seine Ansicht zu widerlegen und besser abzuschneiden als die Jungs. Das war halt Ehrensache!

Pober
1 Monat zuvor

Problematisch an der Darstellung ist, dass diese Art von Lehrkraft es sich leicht macht: du musst nur hart arbeiten, dann schaffst du es. Umkehrschluss: Du hast es nicht geschafft, also hast du nicht hart genug gearbeitet.

Fakt ist aber: heute gehen immer mehr SuS auf Schulformen wie FOS, Gym oder BGym. Dort stoßen sie trotz harter Arbeit an ihre Grenzen, da intellektuelle Grenzen. Dadurch entsteht psychischer Stress. Oh Wunder: an den Schulen und Unis steigt die Zahl derer mit psychosozialen Problemen. Sicherlich nicht die einzige Ursache, aber sicherlich ein Faktor.

Ab und an tut es auch mal gut, wenn Lehrkräfte einen ,Reality-Check‘ von SuS einfordern. Das kann dann auch mal das ,Wegberaten‘ von bestimmten Wegen sein. Ich kann jemandem 10x erzählen, die Person könne das Abitur mit harter Arbeit schaffen, wenn an anderer Stelle Abstraktions- und Deduktionsvermögen sowie Interesse fehlt, wird die Person scheitern. Natürlich sollte dies auch wertschätzend geschehen.

Einer
1 Monat zuvor
Antwortet  Pober

Diese Aufgabe des „wegberatens“ wird aus den Gründen die Pober beschrieben hat immer wichtiger. Das Problem dabei ist, dass an den Schülerzahlen auch die Lehrerstellen hängen. Und gerade bei den seit Jahren sinkenden Schülerzahlen (unser Berufskolleg hat in den letzten 10 Jahren fast 30 Prozent der Schüler verloren) kommt das wegberaten manchmal nicht gut an. So schleppen sich also Schüler durch unsere Klassen, von denen jeder Kollege überzeugt ist, dass diese Schüler den Abschluss nie oder nur sehr schlecht erreichen werden. Aber wenn wir z.B. in der höheren Handelsschule wegberaten würden und die Schüler auf uns hören würden, wären wahrscheinlich zwei von vier Klassen weg.

Kognitive Dissonanz
1 Monat zuvor
Antwortet  Einer

… und damit hoffentlich auch eine Menge ungeeigneter Gymnasiallehrkräfte, die sich ohne die Möglichkeit des Selektierens an keiner Schule halten könnten.

Klara
1 Monat zuvor
Antwortet  Pober

Zu Ihrem 1. Absatz:
Das ist „The American way of life“, der mit dem Neoliberalismus auch in D. Einzug hielt.

Genau mit solchen Sätzen werden SuS doch auf das richtige Leben vorbereitet! „Du arbeitest in der Pflege, an der Kasse, als Erzieherin und kannst dir keinen Urlaub leisten? Du musst dich nur mehr anstrengen, dann kannst du es auch schaffen: Mein Haus, mein Auto, mein Pferd!“

Mein 2. Absatz: Sarkasmus pur