Grüne: Lieber mehr Unterricht (als bei Kunst, Englisch und Musik kürzen)

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MÜNCHEN. Kürzungen bei Musik, Kunst oder Englisch – aber nicht bei Religion: Damit hat das bayerische Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) viel Kritik ausgelöst. Nun machen die Grünen einen ganz anderen Vorschlag.

Pocht auf ungekürzten Religionsunterricht: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Foto: Shutterstock

Die Landtags-Grünen lehnen Kürzungen bei Kunst, Musik oder Englisch an Grundschulen zugunsten von mehr Deutsch und Mathe ab – und fordern stattdessen lieber etwas mehr Schulstunden pro Woche. «Wir wollen Chancengerechtigkeit für alle Kinder. Und hier ist Zeit ein wichtiger Faktor – besonders für Kinder, die zu Hause nicht so gefördert werden können wie andere», sagte Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze am Montag in München. «Mehr Deutsch und Mathe in der Grundschule ist gut – ein Zusammenkürzen von Musik, Kunst, Werken und Gestalten oder Englisch ist fatal.»

Konkret fordern die Grünen deshalb, dass trotz der von der Staatsregierung neu geplanten zusätzlichen Deutsch- und Mathe-Stunden der bisherige Unterricht bestehen bleibt und nicht gekürzt werden soll. Das würde bedeuten, dass Erstklässler und Drittklässler jeweils zwei Stunden mehr Unterricht pro Woche hätten und Zweit- und Viertklässler jeweils eine Stunde mehr. Aufgrund des Lehrkräftemangels können sich die Grünen auch eine stufenweise Erhöhung vorstellen, beginnend im Schuljahr 2024/25 in der ersten Klasse.

Das bayerische Kabinett hatte kürzlich als Reaktion auf die schlechten deutschen Pisa-Ergebnisse beschlossen, dass es ab dem kommenden Schuljahr an den bayerischen Grundschulen mehr Deutsch- und Mathe-Unterricht gibt. Da die Stundenzahl insgesamt nach dem Willen der Staatsregierung nicht steigen soll, muss allerdings anderswo gekürzt werden.

Konkret soll es in den Klassen drei und vier Kürzungen im Bereich Kunst, Musik und Werken oder beim Englischunterricht geben – oder sogar beides: nämlich dann, wenn es bei einer Stunde flexibler Förderung (die künftig «flexible Stunde» heißt) bleiben soll – ansonsten fällt diese weg. Die Entscheidung liegt bei den Schulen. Die «flexible Stunde» kann, wenn die Schulen daran festhalten, jedem Fach zusätzlich zugeordnet oder für Fördermaßnahmen eingesetzt werden.

Dass der dreistündige Religionsunterricht in Klasse drei und vier unangetastet bleiben und stattdessen nur anderswo gekürzt werden soll, hatte in den vergangenen Wochen teils massive Kritik ausgelöst – beispielsweise vom Deutschen Musikrat.

Die Staatsregierung bleibt bislang aber hart: An dem Kabinettsbeschluss, der auf Druck der CSU den Religionsunterricht von jeglichen Kürzungen ausgenommen hat, wird nicht gerüttelt. Auch wenn Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) immer wieder betont, sie persönlich hätte sich auch gut vorstellen können, den Schulen auch bei den drei Stunden Religion Spielräume zu geben, «zumal diese drei Stunden auch bundesweit einmalig sind». News4teachers / mit Material der dpa

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12 Kommentare
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anka
2 Monate zuvor

Mehr Unterricht in wichtigen Fächern muss nicht schaden.
@Grüne: Nur die Lehrer*, woher nehmen, wenn nicht stehlen?
(aus anderen Bundesländern?)

Egvina
2 Monate zuvor
Antwortet  anka

Deputat raufsetzen. Ist doch ganz einfach. Bei dem bisschen Ringelpiez mit Anfassen an der GS gehen locker 30/31 Wochenstunden.

Realist
2 Monate zuvor
Antwortet  anka

Ich habe keine Zweifel daran, dass die aus der Friedens- und Anti-Atom-Bewegung entstandene Partei demnächst auch ihre grüne Stammwählerschaft aus dem Lehrendenbereich verraten wird…

lehrer002
2 Monate zuvor
Antwortet  anka

Wenn man das sukzessiv einführt, wird das speziell in Bayern gehen. Dort wurde von ein paar Jahren der NC gestrichen und die Hochschulen mit Lehrämtlern für GS und Sopäd geflutet. Auf jeden Fall eine guter Vorschlag! So wenig Unterrichtsstunden haben kaum andere europ. Länder im Grundschulbereich.

ed840
2 Monate zuvor
Antwortet  lehrer002

Wenn ich recht informiert bin, haben Grundschüler in Bayern aber immerhin noch mehr Unterrichtsstunden als in Bundesländern wo das Bildungsministerium von den Grünen geführt wird. Ist aber oft so, dass Parteien in der Opposition Dinge fordern, die Ihre Parteikollegen in den Landesregierungen in anderen Bundesländern ganz anders handhaben.

lehrer002
2 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Stimmt, ändert aber nichts daran, dass auch Bayern im europaweiten Vergleich wenig Grundschulunterricht hat. Der Vorschlag ist also sinnvoll, egal, ob von den Grünen, der FDP oder sonst irgendeiner Partei stammend.

Mariechen
2 Monate zuvor
Antwortet  lehrer002

Wie bitte? Regelpflichtstundenzahl an Grundschulen 28 Wochenstunden!

lehrer002
2 Monate zuvor
Antwortet  Mariechen

Bitte ordentlich lesen! Was Sie schreiben, ist unser Deputat. Es geht um die Wochenstundenzahl, die die SchülerInnen haben!

Riesenzwerg
2 Monate zuvor
Antwortet  Mariechen

Und bitte, bitte 45 Kinder pro Klasse – sonst fällt auf, dass Lehrkräfte fehlen

Es fehlen Handwerker – also weg mit Werkunterrich!

Konsequent besch….te Idee – bis uum Schluss sehr gut undurchdacht.

Seit wann sind Kinder wieder kleine Erwachsene?

Was hane ich verpasst?

Tigerente
2 Monate zuvor

Da braucht man doch dann mehr Lehrer?!? Gibt es die in Bayern?

Rainer Zufall
2 Monate zuvor

Die CSU sprach sich ja nicht gegen die Verbannung der Fächer aus, sondern legte einen Schwerpunkt.

Stimme persönlich dem nicht zu, ist aber erheblich mehr Realpolitik, als klarzustellen, was seien müsste/ was in ein paar Jahren seien könnte und keine politischen Entscheidungen für Heute zu treffen…

RiaMaria
2 Monate zuvor

Warum wird jede Änderung sofort nieder geredet. Ich bin auch nicht dafür die handwerlichen und künstlerischen Fächer einzugrenzen, aber zumindest bewegt sich was.Diskusiion ist gut, aber warum nicht positiv und konstruktiv.ich finde es super, daß es hier einige solche Meldungen gibt.