Bildungssenatorin: Religion als Wahlpflichtfach nicht bis 2026 zu schaffen, „Ziel bleibt“

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BERLIN. Nach Lektüre des schwarz-roten Koalitionsvertrages hatte mancher den Eindruck, dass Berlin in dieser Legislaturperiode verpflichtenden Religionsunterricht einführt. Doch es kommt anders.

Wird doch kein Wahlpflichtfach – vorerst jedenfalls nicht: das Fach Religion. Foto: Shutterstock

An Berliner Schulen wird in dieser, bis 2026 laufenden Legislaturperiode kein verpflichtender Religionsunterricht eingeführt. Die Zeit von etwa drei Jahren reiche nicht aus, um ein Wahlpflichtfach Weltanschauungen/Religionen zu entwickeln und einzuführen, sagte die seit einem Jahr amtierende Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am Montag bei einem Termin zum neuen Schulgesetz. So müssten etwa ein Rahmenlehrplan erarbeitet, rechtliche Fragen geklärt und Personal ausgebildet werden.

«Das ändert aber nichts an dem Ziel, das wir weiter verfolgen», unterstrich die Senatorin. Ziel bleibe ein reguläres Wahlpflichtfach Religion. Und die ersten Pflöcke auf diesem Weg würden nun eingeschlagen: Im neuen Schulgesetz, das zum 1. August in Kraft treten soll, werde die Verbindlichkeit des Religions- und Weltanschauungsunterrichts erhöht und gestärkt.

«Künftig wird im Schulgesetz ausdrücklich festgehalten, dass Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften das Recht haben, entsprechenden Unterricht anzubieten», erläuterte Günther-Wünsch. «Wenn die Nachfrage besteht und ein Träger daher diesen anbieten möchte, steht diese Entscheidung nicht zur Disposition der Schule.» Schulen sollen laut Gesetz zudem verpflichtet werden, den Elternwillen zur Teilnahme ihrer Kinder an Religions- oder Weltanschauungsunterricht abzufragen.

Es bleibt aber dabei, dass Berliner Schülerinnen und Schüler Religions- oder Lebenskundeunterricht weiterhin freiwillig besuchen können, den nicht zuletzt Kirchen beziehungsweise im Falle der Lebenskunde der Humanistische Verband anbieten. Im Unterschied zu den meisten anderen Bundesländern ist das aber nicht verpflichtend. Pflichtfach ist hingegen Ethik.

Die Frage des Religionsunterrichts fand Eingang in den nach der Wiederholungswahl 2023 geschlossenen Koalitionsvertrag zwischen CDU und SPD. «Die Koalition strebt die Einführung eines Wahlpflichtfachs Weltanschauungen/Religionen als ordentliches Lehrfach an», heißt es dort. «In einem von fachlich ausgebildeten Lehrkräften erbrachten und von den Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften inhaltlich gestalteten Unterricht können Kenntnisse über Religionen und Weltanschauungen vermittelt werden. Das Fach Ethik bleibt in seiner bisherigen Form bestehen.» News4teachers / mit Material der dpa

GEW: Religionsunterricht ist nicht mehr zeitgemäß (und bindet zu viele Ressourcen)

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Vierblättriges Kleeblatt
1 Monat zuvor

Komisch, Religion als ordentliches Schulfach einzuführen, ist CDU und SPD wichtig, wobei wohl eher der CDU? Will sie damit dann wenigstens 1 bildungspolitisches Wahlversprechen durchsetzen, wo sie doch auf fast alle anderen bildungspolitischen Wahlversprechen bis heute verzichtet zu haben scheint (besserer Nachteilsausgleich für die nicht verbeamteten Lehrer). Ist denn aber Religion als Unterrichtsfach sooo viel wichtiger?

Kompetenzfan
1 Monat zuvor

Seit 1945 war Religion in Berlin kein normales Schulfach, sondern es wurde — sozusagen außerhalb der offiziellen Schule — von Katecheten oder anderen Kirchenbeauftragten erteilt. Es gab extra Religionszeugnisse, das Fach stand nicht auf den normalen Zeugnissen. Art. 7 GG galt dort ausnahmsweise nicht. Jetzt geht es offenbar um ein Zugeständnis an die Religionsfunktionäre.

Honduraner
1 Monat zuvor
Antwortet  Kompetenzfan

Ein Zugeständnis an die SPD. Es zeigt, geht doch was durchzusetzen, wenn man nur WILL! Warum will die CDU andere Vorhaben nun nicht mehr durchzusetzen?

Die Frage ist doch berechtigt, ist der CDU Berlinetwas, was es gar nicht gibt (Gott), wichtiger als Menschen, die real und im wirklichen Leben existent sind und denen sie was versprochen hat (siehe Kleeblatt)?!?

Kompetenzfan
1 Monat zuvor
Antwortet  Honduraner

Ich denke, die CDU möchte den Kirchen einen Gefallen tun. Das große „C“ halt. Ebenso beim Prozessieren gegen eine mögliche Abschaffung des Abteibungsverbots.

0815
1 Monat zuvor

Ich kann mir nicht vorstellen wie ein solcher Religions- oder Weltanschauungsunterricht von der Vielzahl der verschiedenen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften gemeinschaftlich konzipiert werden kann. 

Lisa
1 Monat zuvor
Antwortet  0815

Eigentlich ist das das Fach “ Ethik“. Erscheint mir auch doppelt gemoppelt.

Unverzagte
1 Monat zuvor
Antwortet  0815

Müssen Sie gar nicht, da das die Fachlehrerinnen übernehmen.
Bisher klappte es mit der Vermittlung von immerhin fünf Weltreligionen ja auch.

Lisa
1 Monat zuvor

Zur Ergänzung: In Europa wird das sehr unterschiedlich gehandhabt. Mich würden die Gründe interessieren, die Berlin hier hatte, die Erteilung des Religionsunterrichts jetzt zu ändern. https://www.dw.com/de/religionsunterricht-in-europa/a-1551342.

Dil Uhlenspiegel
1 Monat zuvor

Nicht? Kruzifix!