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Früherer AfD-Chef Meuthen wird wieder Hochschullehrer – dagegen regt sich Protest

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KEHL. Der Wechsel ist nicht unumstritten: Jörg Meuthen will nach seiner Zeit im Europaparlament an seine alte Wirkungsstätte im baden-württembergischen Kehl zurückkehren. Dafür gibt es nun konkrete Pläne.

Schaut gerne nach rechtsaußen: der Hochschullehrer Jörg Meuthen. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Der frühere AfD-Bundeschef Jörg Meuthen soll ab 2025 wieder als Hochschullehrer arbeiten. Zum 1. Januar beginne sofort die Lehrverpflichtung mit 18 Semesterwochenstunden Vorlesung in Präsenz, teilte der Rektor der Hochschule Kehl in Baden-Württemberg, Joachim Beck, mit. «Was konkret Herr Meuthen im Januar unterrichten kann, um der Lehrverpflichtung nachzukommen, wird derzeit geklärt.» Das Sommersemester beginnt am 1. März, ab dann werde Meuthen regulär die 18 Semesterwochenstunden unterrichten.

Sollte er im Januar etwa wegen der Prüfungsphase nicht unterrichten können, entstehe ein Minusdeputat, das Meuthen in den folgenden Semestern nacharbeiten muss, erläuterte der Rektor. Im Februar ist vorlesungsfreie Zeit, da bereiten Professoren den Stoff für das Sommersemester vor. Zuvor hatten die «Badischen Neuesten Nachrichten» berichtet.

Erst im Landtag, dann im Europaparlament

Der heute 63 Jahre alte Ökonom Meuthen war 2017 für die AfD ins Europaparlament gezogen. Er verließ die Partei Ende Januar 2022 und begründete dies mit einem aus seiner Sicht zu radikalen Kurs vieler AfD-Spitzenfunktionäre. Zuvor hatte er jahrelang bestritten, dass es in nennenswerter Zahl Rechtsextremisten in der AfD gibt.

In der europäischen Volksvertretung wurde er danach bis zu seinem Ausscheiden im vergangenen Sommer als fraktionsloser Abgeordneter geführt. Kurz war Meuthen in der Zentrumspartei. Im September dieses Jahres wurde er Mitglied der vom ehemaligen Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen – der mittlerweile vom Verfassungsschutz selbst als Rechtsextremist eingestuft wird – geführten Partei Werteunion.

Das Beschäftigungsverhältnis mit Professor Meuthen an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl war nach früheren Angaben Becks seit 2016 unterbrochen – der Grund sei Beurlaubung. 2016 war Meuthen für die AfD in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt worden. «Wenn der beurlaubte Hochschullehrer nach seiner Zeit als Parlamentarier wieder an die Hochschule zurückkehren will, dann muss die Hochschule ihm dies ermöglichen. Das ist die Gesetzeslage, an die wir gebunden sind», hatte der Rektor erklärt.

«Hervorragender Dozent»

Die Initiative Aufstehen gegen Rassismus aus dem benachbarten Offenburg hatte sich an die Hochschulleitung gewandt. Gefragt wurde unter anderem nach einer Strategie, um die Rückkehr Meuthens in den Unterricht mit jungen Menschen zu verhindern.

Der Zeitung gegenüber verwies Beck nun auf das Neutralitätsgebot, dem Meuthen als Beamter und als Hochschullehrer verpflichtet sei. «Herr Meuthen hat uns zugesichert, dass er sich strikt daran halten wird.» Fachlich sei an dem Finanzwissenschaftler nichts auszusetzen. «Die Evaluationen zeigen, dass er ein hervorragender Dozent war.» News4teachers / mit Material der dpa

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31 COMMENTS

  1. Was darf Satire?

    Aber es herrscht überall Fachkräftemangel.
    Da muss man nehmen, was man auf dem Markt noch bekommt.
    Kann man nichts machen… ‍♂️

  2. Mit den Füßen bzw. Hintern abstimmen.
    Mag in seinem Fach kompetent sein, ist aber bei Weitem nicht der Einzige in dem Gebiet.
    Daumendrück nach Kehk, wenn die sich mit dem ehemaligen Parteisprecher einer rechtsextremistischen Partei schmücken wollen, welcher ebendiese rechtsextremen Auswüchse jahrelang offentlich verharmloste und verteidigte…

    Andererseits vielleicht lernen die Studierenden ja noch einiges von dem Mann, der die gesetzliche Rente abschaffen und Menschen zur „privaten Vorsorge“ zwingen würde – zudem natürlich „einige Zöpfe“ des Sozialstaats abschneiden – also ganz normale Finanzwissenschaft.

    Was könnte so eine Denke bloß mit erstarkenden Rechtsradikalen zu tun haben? 😀

  3. Nun ja, Studenten dürften im Gegensatz zu jüngeren Schülern zu kritischer Analyse auch ihres Profs fähig sein.Die Freiheit der Wissenschaft ist da weiter zu fassen als pädagogische Bedenken. Ein Problem sehe ich nur, wenn er der Einzige ist, der eine Vorlesung/ Seminar anbietet und diese Stellung nutzt, unliebsame Meinungen abzugbügeln. Kann allerdings mit Professoren jeder Colour passieren.
    Die alte AfD war allerdings eher eine Art Republikaner (Bevor da falsche Vorstellungen entstehen: Ich halte Reformen im Geiste des schrankenlosen Neoliberalismus für verderblich. Sie sind Mitverursacher der Probleme, die es jetzt in den östlichen Bundesländern gibt. Doch verboten sind sie nicht, weshalb sie jeder vertreten darf)!

    • Wann existierte die „Die alte AfD“ Ihrer Meinung nach, dass sie einer Erwähnung würdig wäre?
      Wann kämpfte die AfD nicht mit Rechtsextremen in der eigenen Partei? 🙂

        • „Dass die Zuwanderungsfrage der eigentliche Nährboden für eine rechtspopulistische Partei sein würde, hatte sich in der Bundesrepublik bereits 2010 mit der sogenannten Sarrazin-Debatte angedeutet.“

          Vielleicht sollten Sie mehr den Fokus auf die Zeit legen, in denen die AfD Rechtsextremist- und andere Rechtspopoulist*innen anzog, weniger auf die Momente, wo haltungslose Opportunist*innen den Rückhalt verloren 😉

        • In der AfD waren sehr schnell nach Gründung der Partei Rechtsextreme am Werk.

          Lucke hat das ignoriert, solange sie ihm nutzten. 2017 war Höcke schon längst Vorsitzender in Thüringen (seit 2014).

          Der Ehrenvorsitzende Gauland nannte die AfD die „Pegida-Partei“. Pegida gilt heute als gesichert rechtsextrem.

          • …Hauptsache war , dass man Zulauf an Wählern und Mitgliedern hatte und dass man sich in dieser obergärigen Masse oben halten konnte.
            Nach der eigenen Abwahl hat er sich dann beleidigt zurückgezogen und den
            braunen Morast sich selbst überlassen, damit die eigene Veste sauber bleiben konnte.

  4. Ich denke schon, dass man das in einem Rechtsstaat aushalten muss. Es geht ja auch nicht um Schüler sondern volljährige Studenten. Er wird sicher unter Beobachtung aufgeklärter Studenten stehen. Wenn er sich jenseits der anerkannten Wissenschaft bewegt, wird es Widerspruch und Konsequenzen geben. Da machen mir nichtprominente Hochschullehrende mit extremen Ansichten mehr Sorgen.

    • Verständlich, wenn sich die Hochschule Kehl mit dieser Personalie schmücken möchte:

      „Allerdings, lieber Alexander Gauland, habe ich so meine Zweifel, ob man den Anatolen die Gesellschaft dieser Dame [Anm. d. R.: Aydan Özoğuz] zumuten kann. […] Überhaupt, Ihre Bescheidenheit, nur diese eine Person entsorgen zu wollen, erscheint mir hier ausnahmsweise unangebracht.“ (spricht für sich)

      „Ich sehe noch vereinzelt Deutsche.“ (über deutsche Innenstädte anderer Hautfarbe)

      „Im Übrigen glaube ich, dass Herr Höcke in Thüringen wirklich gute Arbeit verrichtet. Er macht einen guten Fraktionsvorsitz, eine gute Führung der Landespartei, und wenn er jetzt Spitzenkandidat ist für die thüringische Landtagswahl, dann finde ich das folgerichtig und klug und hat meine volle Unterstützung.“
      (Höcke hat sich meines Wissens seitdem nicht geändert)

      „Die Idee, das Europäische Parlament abzuschaffen kommt daher, dass hier eine Pseudodemokratie gelebt wird, die nicht überzeugend ist.“ („Wirtschaftsexpertise“ zum DExit??)

      „Jetzt lassen wir den Soros mal draußen, das ist ein Reizthema, das weiß ich wohl.“
      (Antisemitismus klar entgegengetreten – Bravo!)

      Vielleicht mögen die Studierenden in Kehl ihrer Hochschule ja in Zuhörerzahlen rückmelden, was sie von der Personalie halten.
      Vielleicht lernt die Hochschule sogar etwas wirtschaftliches zum Thema „Zusammenarbeit mit („ehemaligen“) Rechtsradikalen, die gerade Geld brauchen“ 😀

  5. Einstweilig bei Zahlung der Bezüge in den Ruhestand- wie bei Richter Meier. Vielleicht sollte man auch n die AfD eintreten….
    Oder ins BSW und lässt sich in Landtag oder Bundestag wählen.

    • Meines Wissens hat sich der Mann keines Vergehens schuldig gemacht, gefolgt von einer Verurteilung zu einer entsprechend hohen Strafe, das einer Rückkehr an seinen alten Arbeitsplatz im Wege stehen würde.
      Wird er denn eines gravierenden Vergehens verdächtigt und müsste deswegen einstweilig bei Zahlung der Bezüge in den Ruhestand versetzt werden?

  6. Es gibt in Deutschland kein Neutralitätsgebot für Lehrer, auch nicht für Hochschullehrer.
    Hochschullehrer genießen grundsätzlich Meinungsfreiheit nach Art. 5 Abs. 1 GG
    sowie Wissenschaftsfreiheit nach Art. 5 Abs. 3 GG, die für Äußerungen im Rahmen ihrer akademischen Tätigkeit gilt. Als Beamte unterliegen Professoren andererseits den Grundsätzen des Berufsbeamtentums (Art. 33 Abs. 5 GG). Sie haben eine Treuepflicht gegenüber dem Staat und müssen für die verfassungsmäßige Ordnung eintreten. Es gilt ein Mäßigungsgebot, besonders bei politischen Äußerungen außerhalb des Dienstes. Hochschullehrer haben jedoch durchaus Spielraum für politische Äußerungen. Es steht zu hoffen, dass Meuthen genau beobachtet wird.

    • Herr Meuthen distanzierte sich nie von rechtsextremen Positionen und teilte sie in Teilen, solange er sich davon einen politischen Vorteil versprach.
      Wenn Kehl keine bessere Personalie findet, kann sie ihm ja die Stelle anbieten – niemand fordert ein Verbot.

      Aber ich würde anstelle der Studierenden nicht zu solchen Leuten gehen und mir ein alternatives Angebot der Hochschule wünschen 😉

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