Umfrage: An fast allen Berufsschulen schwänzt ein Drittel der Schüler regelmäßig

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STUTTGART. Wenn Schülerinnen und Schüler regelmäßig dem Unterricht fernbleiben, kann das schwere Folgen haben – bis hin zum Abbruch der Schulkarriere. Wie groß ist das Problem und was kann man tun? Eine Umfrage unter Berufsschulen in Baden-Württemberg legt nahe, dass das Problem gravierend ist. Und wächst.

Immer mehr Jugendliche schwänzen die Schule (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

Mal den nervigen Mathematik-Unterricht am Nachmittag sausenlassen oder im Sportunterricht blau machen – das dürften manche aus ihrer Schulzeit kennen. Schulschwänzen kann aber auch so weit gehen, dass einzelne Schülerinnen und Schüler nicht mehr regelmäßig im Unterricht erscheinen. Dann spricht man auch von Schulabsentismus. Wie groß das Problem ist, wollte der Berufsschullehrerverband Baden-Württemberg wissen und hat deswegen eine Umfrage initiert. So sehen die Ergebnisse aus und das muss man zu dem Thema noch wissen:

Wie groß ist das Problem? In bestimmten Bildungsgängen an den beruflichen Schulen sind Schulschwänzer ein großes Thema. Das geht aus einer Umfrage des Berufsschullehrerverbands Baden-Württemrberg unter 230 beruflichen Schulen des Landes hervor. Demnach gaben rund 90 Prozent der befragten Schulen an, mindestens ein Drittel der Schülerinnen und Schüler fehle häufig. An etwa 40 Prozent der Schulen kommt sogar nur gut die Hälfte der Schüler regelmäßig zum Unterricht.

Befragt wurden die Schulen zur Situation in den Bildungsgängen zur Ausbildungsvorbereitung und bei der Beschulung von Flüchtlingen. In den befragten Bildungsgängen lernen laut BLV rund 15.000 Schülerinnen und Schüler. Insgesamt gibt es an den beruflichen Schulen im Land nach Angaben des Statistischen Landesamt rund 388.000 Schüler.

Wie die Lage schulformübergreifend ist, ist nicht genau bekannt. Das Kultusministerium führt keine Statistik zu Schulschwänzern. Man wolle die Schulen vor zu viel Bürokratie schützen, teilte ein Ministeriumssprecher mit.

Gibt es Unterschiede zwischen den Schularten? Es gibt Eindrücke: Aus Sicht des BLV sind Fehlzeiten auch an beruflichen Gymnasien ein Thema. Der Landesschülerbeirat zufolge gibt es auch viele Rückmeldungen aus Hauptschulen, Werkrealschulen und Realschulen, dass es viele Fehlzeiten gebe. An Gymnasien sei das Problem dagegen seiner Erfahrung nach nicht so groß, sagte der Landesvorsitzende des Landesschülerbeirats, Joshua Meisel.

Warum schwänzen Schüler den Unterricht? Die Ursachen dafür sind aus Sicht des baden-württembergischen Kultusministeriums vielfältig. Möglich seien individuelle Gründe, wie etwa schlechte Schulleistungen, Überforderung oder häufiges Sitzenbleiben. Auch familiäre Ursachen wie eine geringe Erwartung der Eltern oder einschneidende Erlebnisse in der Familie seien Risikofaktoren. Schlechte Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern sowie zwischen Schülern untereinander kämen ebenfalls in Betracht, schreibt das Kultusministerium in der Antwort auf eine SPD-Landtagsanfrage.

In der Umfrage des BLV gaben die Schulen als Gründe für das Fehlen ihrer Schülerinnen und Schüler am häufigsten familiäre Probleme sowie Schulmüdigkeit beziehungsweise schlechte Erfahrungen mit Schule an. Nur in elf Prozent der Fälle fehlten die Schüler der Umfrage zufolge krankheitsbedingt.

Welche Strafen drohen? Die Verletzung der Schulpflicht ist eine Ordnungswidrigkeit, die die Schulen nach Angaben des Kultusministeriums an die Ordnungsämter melden sollen. Diese leiten Bußgeldverfahren gegen die Eltern ein. Zudem sollen die Schulen die zuständigen Jugendämter informieren, wenn gewichtige Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung vorliegen. Im Extremfall kann auch den Eltern das Sorgerecht in Schulangelegenheiten entzogen werden.

Fehlen Schülerinnen und Schüler nur immer mal wieder, kann die Schule auch sogenannte Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen ergreifen und etwa Nachsitzen verordnen. Zudem können häufige Fehlzeiten in das Zeugnis eingetragen werden. Wer unentschuldigt bei Prüfungen fehlt, kann außerdem die Note 6 bekommen. Bei Schülern über 14 Jahren kann auch gegen den Schüler ein Bußgeld verhängt werden. Zudem kann die Schule bei häufigem krankheitsbedingtem Fehlen ein ärztliches Attest oder ein Zeugnis des Amtsarztes anfordern.

Was sollten Eltern tun, wenn ihre Kinder schwänzen? Eltern rät das Kultusministerium, möglichst frühzeitig zu handeln. Bemerkten sie Anzeichen von Schulabsentismus bei ihren Kindern, sollten sie schnell mit den Klassenlehrern Kontakt aufnehmen. Helfen könne auch, das Daheimbleiben der Kinder nur bei eindeutiger Krankheit zu erlauben und auch nicht durch Fernsehen, PC, Smartphone oder andere Annehmlichkeiten belohnen. Zudem rät das Ministerium, die eigene Einstellung zu Schule und Lehrkräften zu überprüfen. «Sie sind Vorbild für Ihr Kind», heißt es in einer Handreichung für Eltern.

Ist es überhaupt schlimm, wenn man schwänzt? Die Folgen von Schulabsentismus können nach Angaben des Kultusministeriums weitreichend sein – «sowohl für die betroffene Person als auch für deren Umfeld und die Gesellschaft insgesamt», teilte ein Sprecher mit. So könne Schwänzen für die Schülerinnen und Schüler zu Bildungslücken, Schulabbruch, schlechteren Zukunftschancen und sozialer Isolation führen. Innerhalb der Familien seien zudem Konflikte die Folge. Die Gesellschaft sei zudem durch langfristige Arbeitslosigkeit betroffen. «Mit zunehmender Dauer und Häufigkeit der Fehlzeiten ergeben sich immer weitreichendere Konsequenzen», heißt es in einer Handlungsempfehlung für Schulen. Deswegen sei es wichtig, möglichst früh zu reagieren.

Wird genug gegen regelmäßiges Schulschwänzen getan? Aus Sicht des BLV brauchen die Schulen mehr Unterstützung durch Sozialarbeiter. Der Sprecher der Direktorenvereinigung beruflicher Schulen, Christoph Franz sagte: «Es kann nicht sein, dass unsere Lehrkräfte wertvolle Arbeitszeit für das ausufernde Fehlzeitenmanagement verlieren – Arbeitszeit, die viel dringender für die pädagogische Arbeit in der Klasse gebraucht wird.» Zudem brauche es mehr Sanktionsmöglichkeiten für schwänzende Schüler, etwa die Anordnung von Sozialstunden.

Aus Sicht des Kultusministeriums tut man in den vom BLV befragten Bildungsgängen schon viel. Diesen stelle man umfangreiche Ressourcen zur Verfügung, die die Schulen auch für Maßnahmen gegen Schulabsentismus nutzten, teilte ein Sprecher mit. «Der pädagogische Ansatz in diesen Bildungsgängen ist sehr flexibel und umfasst Möglichkeiten zum Teamteaching, zu Absprachen im Klassenteam sowie der flexiblen Umsetzung der Stundentafeln.» Genau das brauche es, um präventiv und frühzeitig bei Anzeichen von Schulabsentismus reagieren zu können. News4teachers / mit Material der dpa

Kommunen nehmen Trend wahr: Immer mehr Schüler fehlen unentschuldigt

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Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor

An den weiterführenden Schulen beobachten wir das auch immer mehr. In der Familienhilfe haben wir oft mit Schulschwänzern zu tun. 30 und mehr Fehltage pro Schuljahr sind nicht die Regel, aber auch keine Seltenheit. Jede Woche ein, zwei Tage Auszeit vom Unterricht? Warum nicht? Schlechte Noten? Egal…

Hauptgrund: Fehlende Konsequenzen für Schüler und Eltern. Außer ein bisschen „Dududu“ mit erhobenem Zeigefinger passiert nichts. Bußgelder? Werden einfach nicht bezahlt, auch egal. Oft eher Verwaltungsaufwand für Schulen und Ämter anstatt ernsthafte Maßnahme.

Lösungen gäbe es (z.B. Kürzung des Kindergeldes), werden aber als zu autoritär wahrgenommen. Also gehts weiter mit viel gutem Zureden und Bitten und Betteln – selten mit Erfolg.

Realist
9 Monate zuvor

Sind oft ja auch keine “Schulschwänzer” im juristischen Sinne.

Ärzte schreiben mittlerweile ja auch gerne wpchen- oder monatelang krank. Gerade bei psychischen Problemen. Die stetig wachsende Zahl an Jugendpsychologen will ja schlißelich auch von irgendetwas leben…

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Ein Fünftel der Kids hat psychische Probleme, die abgeklärt werden müssten. Ist euch egal? Dann seid ihr falsch in dem Job den ihr macht. Es kotzt mich nur noch an, wie autoritär mit den Kids mittlerweile überall umgegangen wird. Es wird nur noch über die faulen Kids gesprochen, aber kaum jemand redet mit den Kids. Ist halt auch einfacher sich zu echauffieren und verbal drauf zu hauen, als sich mal mit den Problemen der Kids zu beschäftigen. Ein Armutszeugnis!

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Soziale Medien und falsche Vorbilder sehe ich hier als Hauptverantwortliche – plus fehlende Konsequenzen. Wir reden genug mit den Kids, um genau das festzustellen.

Realist
9 Monate zuvor

Ja, Schule soll reparieren, was anderso schiefläuft, ohne die Ressourcen dafür zu haben. Und die “faulen S…” werden anschließend diffamiert, wenn sie es (logischerweise) nicht hinkriegen.

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  Realist

Naja, um es zu reparieren, müssen die Kids halt auch hingehen. Kein Arzt der Welt kann mich heilen, wenn ich mich nicht zu ihm begebe und untersuchen lasse.

Ale
9 Monate zuvor

Na ja, wenn Schüler aber zum Arzt gehen und eine Krankschreibung oder stationären Aufenthalt bekommen, dann gibt es den Eintrag ins Zeugnis. Das ist unnötiger und unnützer Druck auf die Falschen.

Realist
9 Monate zuvor
Antwortet  Ale

Naja, wenn ein Schüler wegen der Krankschreibung praktisch nie in der Schule war und keine Leistungsnachweise erbracht hat, was wollen Sie denn sonst machen? Eine willkürliche Note geben?

Katinka
9 Monate zuvor
Antwortet  Ale

Hä? Medizinische Daten oder stationäre Aufenthalte stehen doch nicht auf dem Zeugnis? Wo ist das denn so?

Ale
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Für mich ist es einfach: wer ärztlich entschuldigt fehlt sollte dafür nicht bestraft werden. Und bitte nicht nur Probleme abklären, sondern auch behandeln. Und nicht nur die psychosomatischen sondern alle gesundheitlichen Probleme. Man muss auch mal wieder krank sein dürfen und sich auskurieren. Ibu und Para sind seit Corona in einigen Klassen Standardbegleiter geworden. Das kann nicht sein!

Pit2020
9 Monate zuvor
Antwortet  Ale

@Ale

“wer ärztlich entschuldigt fehlt sollte dafür nicht bestraft werden.”
Dies erscheint als “entschuldigte Fehlzeit”.
Jedem Menschen mit einem gerüttelt Maß Realitätskontakt ist klar, dass jeder Mensch jederzeit erkranken kann, u.U. langfristig.

Interessant sind aber oft die “unentschuldigten Fehlzeiten” aka Blaumachen am laufenden Meter.
(Mögliche Ursachen werden im Artikel genannt, sind untereinander frei kombinierbar – aber nicht von der angeblichen “Reparaturwerkstatt für alle Fälle” aka Schule inkl. “faule Säcke” zu lösen.)
Die Folgen werden im Artikel ebenfalls benannt – wer in Schulen arbeitet, sieht das seit Jahren, WARNTE SEIT JAHREN (= “Faule Säcke! JAMMERN auf hohem Niveau!” … und – Ja! Ach was!!! – seit einiger Zeit kommt es auch dort an, wo Schulabgänger aller Art (mit oder ohne Abschluss) halt “landen” – in der Gesellschaft. Und darum ist seit einiger Zeit das Wegschauen irgendwie … “anstrengender – aber geht noch”. … 🙁
Schade.

Zum Thema “Auskurieren”:
Aus gesundheitlichen Gründen ist das für die direkt erkrankte Person – gleich welchen Alters – natürlich ratsam zur Wiederherstellung der Gesundheit.
Nicht zu vergessen ist:
Die Ansteckungsgefahr bei vielen “alltäglichen” Erkrankungen (Infekte) KÖNNTE so erheblich reduziert werden. …
Man darf ja träumen, denn allerorts (Schulen, aber auch sämtliche Arbeitsplätze von Erwachsenen) wird fleißig gerotzt, geschnieft, gehustet usw. = Fröhliches Viruswichteln, denn da gibt es noch “BIP” und “BSP” …
https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Volkswirtschaftliche-Gesamtrechnungen-Inlandsprodukt/Tabellen/bip-bubbles.html
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/lexikon-der-wirtschaft/18946/bruttosozialprodukt/

Dumme Sache, das! 🙁

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  Ale

Oh, da bin ich sogar zu 100% bei Ihnen. Wer aufgrund einer (diagnostizierten) Erkrankung wie Grippe, Blinddarm, Depressionen fehlt und behandelt wird, sollte natürlich nicht bestraft werden. Solche Schüler meine ich auch nicht. Aber was soll das für eine Krankheit sein, bei der man am Montag in die Schule kommt, am Dienstag und Mittwoch nicht, am Donnerstag dann wieder und am Freitag wieder nicht – und das Woche für Woche in unterschiedlicher Ausprägung?

Ich unterscheide da in den Kategorien der absoluten Schulabstinenzler (sehr selten), die alle paar Wochen mal für ein, zwei Tage in der Schule auftauchen und dann wieder in der Versenkung verschwinden und in der der Schulschwänzer, die sich in regelmäßigen Abständen einen freien Tag in der Woche gönnen, ohne wirklich krank zu sein bzw. eine Diagnose zu haben.

Andreas
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Quelle der 20%?

Sepp
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Ein Fünftel der Kids hat psychische Probleme, die abgeklärt werden müssten. Ist euch egal?

Die ursprüngliche Aufgabe der Lehrkräfte ist es doch, ihre Fächer zu vermitteln. Wir sind keine Psychologen, insofern sollen sich betroffene Kinder und Jugendliche über die Eltern professionelle Hilfe holen.

Das ist auch nicht weiter schlimm, wichtig finde ich, dass sie wieder gesund werden.

Gesellschaftlich finde ich es aber wichtig, warum wir eine derart große Anzahl an Kindern und Jugendlichen mit physischen Problemen haben und wie man gegensteuern kann.

SoBitter
9 Monate zuvor
Antwortet  Sepp

Und wenn die Eltern nicht wollen/können/es ablehnen? Hab ich genug in der Klasse.

GBS-Mensch
9 Monate zuvor

“Lösungen gäbe es (z.B. Kürzung des Kindergeldes), werden aber als zu autoritär wahrgenommen.”

Ihre “Lösung” scheitert daran, dass es rechtlich nicht möglich ist, weil das Eine mit dem Anderen rechtlich nichts zu tun hat, erstens.
Zweitens ist das Kindergeld die Vorauszahlung des verfassungsrechtlich besonders geschützten Existenzminimums in Form des Steuerfreibetrags.

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Das ist alles eine Frage des Wollens. Bei Schulschwänzern funktionieren pädagogische Maßnahmen in höchstens 20% der Fälle. Jetzt liegt es natürlich nahe, mir/uns schlechte Arbeit zu unterstellen. Nach unserer Erfahrung im Raum Rhein-Neckar/Mannheim verstehen einige Eltern (!) die Maßnahmen erst dann, wenn es an den Geldbeutel geht. Oft sind sie das Problem, weil sie die Schule nicht als wichtig empfinden und das Schwänzen ihrer Kinder oft sogar noch entschuldigen und tolerieren.

SoBitter
9 Monate zuvor

Wenn schon angebliche Sozialarbeiter meinen, es funktioniert nur mit Druck, was ist dann eigentlich mittlerweile los in diesem Land? Es ist wirklich nur noch gruselig.

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  SoBitter

Die Maßnahmen ohne Druck wurden ausgeschöpft.

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

PS: Wer sich an die Regeln hält, bekommt auch nichts gekürzt – ganz einfach.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor

“Bußgelder? Werden einfach nicht bezahlt, auch egal.”

Also in BW können (und werden bei uns) auch Schüler:innen direkt zur Zahlung aufgefordert, ggf. müssen sie das Geld abarbeiten.

Warum wird bei Ihnen geltendes Recht nicht umgesetzt?

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Das hängt wohl von den jeweiligen Behörden ab. In Mannheim erleben wir es regelmäßig, dass Schulen erst einmal umfangreiche Berichte schreiben sollen, welche pädagogischen Maßnahmen es gab, ehe ein Bußgeld verhängt wird. Trifft es Bürgergeldbezieher, wird von der Eintreibung des Bußgeldes abgesehen, da es (O-Ton aus der Verwaltung) “eh nicht bezahlt wird und eingetrieben werden kann.” Und bei Schülern, die Schule als On/Off-Verhältnis wahrnehmen und sich ein oder mehrere Tage Auszeit pro Woche gönnen, kommen Sie mit Bußgeld ohnehin nicht durch.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor

“Trifft es Bürgergeldbezieher, wird von der Eintreibung des Bußgeldes abgesehen, da es (O-Ton aus der Verwaltung) “eh nicht bezahlt wird und eingetrieben werden kann.””

Ist ärgerlich, wenn die Behörden da träge sind, aber bei uns in Pforzheim stehen im Falle einer Nichtzahlung Sozialstunden an. Ab 14 kann dies auch auf die Jugendlichen angewendet werden, sollten die Bemühungen des Elternhauses nicht ausreichen.

Müsste – denke ich – auch in Mannheim möglich sein.
Daumendrück!

Ale
9 Monate zuvor

Na ja,
30 Schultage gibt es schnell:

  • 10 Tage durch eine Virusinfektion
  • 3-4 Tage durch Noro oder andere MagenDarmErkrankungen

=> d.h. knapp die Hälfte kann man schon allein in der Schule auffangen. Bakterin sind hier noch gar nicht mal erwähnt.
Und wenn man dann mal sich etwas bricht, dann sind 14 Tage auch schnell zusammen.

Ich bin absoluter Gegner der Einträge nach Fehlzeiten: wenn ein Schüler wirklich krank ist (und das ärztlich bestätigt) gehört er daheim ins Bett, in die Klinik – aber eben nicht in die Schule. Leider wird aber denen, die wirklich krank sind, durch pauschale Strafen das Leben schwer gemacht. Ich habe Schüler die eine Therapie aus solchen Gründen nicht in Anspruch nehmen, obwohl sie es unbedingt müssten.
Wir beantragen mittlerweile bei unentschuldigtem und mehrfach wiederholtem Fehlen ein Bußgeldbescheid.
Und eine Vorstellung beim Amtsarzt schreckt auch noch ab.

Rüdiger Vehrenkamp
9 Monate zuvor
Antwortet  Ale

Siehe oben, ich bin da bei Ihnen – WENN es um echte diagnostizierte Erkrankungen geht.

Uns beschäftigt derzeit noch der Fall eines Schulabstinenzlers, der die 8. Klasse im dritten Anlauf macht, weil er einfach nicht in die Schule kommt. Beim Gespräch mit dem Mitarbeiter des Jugendamts klang durch, dass man den Jungen ja nicht zwingen könne, wenn er nicht wolle… Aha… Der Junge wird nun sehr wahrscheinlich aufgrund seines Alters zum Ende des Schuljahres ohne Abschluss ausgeschult. Alle Maßnahmen von uns (Begleitung in die Schule) und der Lehrer (Attestpflicht, Bußgelder, die dann nicht bezahlt wurden, Amtsarzttermine, die ignoriert wurden) verpufften.

Besseranonym
9 Monate zuvor

Weiß nicht warum, bei uns
(BSzentrum/ Bayern) halten sich die Absenzen absolut in Grenzen.
(Allerdings haben wir auch weiterhin Attestpflicht).

GBS-Mensch
9 Monate zuvor

Klingt doch nach einer substantiellen Entlastung für den Lehrkörper.

447
9 Monate zuvor
Antwortet  GBS-Mensch

Ist es (heimlich) auch.

Ceterumcenseo
9 Monate zuvor

Einen Aspekt, den man an der Berufsschule auch anmerken sollte, ist, dass viele Betriebe ihre Azubis oft ohne Vorlaufzeit von heute auf morgen aus dem Unterricht „ziehen“! Egal ob eine wichtige Arbeit geschrieben wird oder ein gemeinsames Sommerfest an der Schule stattfindet (Schulgemeinschaft und so…) Dies trägt auch nicht dazu bei, dass die Azubis die Schule als wichtig für ihre Ausbildung erachten. Bis die meisten blicken, dass sie von solchen Betrieben nur ausgenutzt werden, ist es oft zu spät!

Besseranonym
9 Monate zuvor
Antwortet  Ceterumcenseo

Die Schule, die dies zulässt, macht sich mit strafbar. Der BStag ist freizuhalten, BSbesuch ist ein Recht der Auszubildenden.
Sowas kann man klären. Versuche, vorzugehen, wie sie schreiben, gibt es, doch da gilt es eben, je nach Grad der SuSausnutzung, seinen Lehrer/ESeL/SL zu stehen.

Ceterumcenseo
9 Monate zuvor
Antwortet  Besseranonym

Schöne Theorie. Selbst die Betriebe, welche es auf die Spitze treiben werden von der IHK „gedeckt“

Besseranonym
9 Monate zuvor
Antwortet  Ceterumcenseo

Jetzt würde mich das Bundesland interessieren.

Ceterumcenseo
9 Monate zuvor
Antwortet  Besseranonym

The länd

Indra Rupp
9 Monate zuvor

Schwänzen aus Angst vor Chemieklausur, denn zu wenig verstanden. 18jähriger darf sich schon selber krank melden, verpennt aber. Ruft dann um 13.30 Uhr in der Schule an : “Hallo, ähm…., ich wollte mich eigentlich krank melden, aber mein Wecker hat nicht geklingelt…”
“OK, ruf aber nächstes Mal früher an!”
“OK, tschüüüß!”
Ich als Mutter und Vorbild appeliere hier an die Schule :Wie soll mein Sohn für die Zukunft lernen sich anständig rauszureden, wenn ihm das so leicht gemacht wird?
Ist Schwänzen eigentlich schlimm? Nö! Man hat mehr Zeit, Chemie zu verstehen und dies wirkt sich positiv auf den Abschluß, den späteren Beruf und die Sozialabgaben an den Staat aus. Nicht zuletzt kompensiert man damit die endlos vielen Ausfall Stunden aufgrund des Lehrermangels, die dazu führen, alles in deutlich weniger Schulstunden können zu müssen.

Sepp
9 Monate zuvor
Antwortet  Indra Rupp

Schwänzen aus Angst vor Chemieklausur, denn zu wenig verstanden. 18jähriger darf sich schon selber krank melden, verpennt aber. Ruft dann um 13.30 Uhr in der Schule an

Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen ist, aber beim Fehlen bei Klassenarbeiten/Klausuren können die Schüler sich nicht einfach selbst eine Entschuldigung schreiben. Ohne ärztliches Attest wird die Arbeit bei uns einfach mit “ungenügend” bewertet.

Ist Schwänzen eigentlich schlimm? Nö! Man hat mehr Zeit, Chemie zu verstehen und dies wirkt sich positiv auf den Abschluß, den späteren Beruf und die Sozialabgaben an den Staat aus. Nicht zuletzt kompensiert man damit die endlos vielen Ausfall Stunden aufgrund des Lehrermangels, die dazu führen, alles in deutlich weniger Schulstunden können zu müssen.

Wenn z.B. der Nachmittagsunterricht ausfällt, beschäftigt man sich also nicht einfach am Nachmitttag selbst mit dem Stoff. Nein, man schwänzt also lieber die wenigen, stattfindenden Stunden, um in diesen Stunden zu lernen? – Und das finden Sie sinnvoll?

Läuft das schon unter das sog. Eigenverantwortliches Lernen, das man dann später in der Uni braucht?

Indra Rupp
9 Monate zuvor
Antwortet  Sepp

Nee, nochmal lesen, bitte.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor

Das KM haut ja echte Weisheiten für Eltern raus! Sowas wie ein morderner Meister Yoda 😀

Nun gut. Den Jugendlichen geht es schlecht und offensichtlich haben einige ihr Leben nicht im Griff – wie hart können wir sie bestrafen? (augenroll)

447
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Wie man ja sieht kann alles, absolut ALLES ein Grund für Fehlzeiten sein – nur eines nicht, was es schon in Rom gab:
Dass eine Minderheit so kombiniert renitent-dumm ist, dass diese sich lieber mut Händen und Füssen wehrt, als zur Schule zu gehen, ergo: selbst schuld ist.

Alles, wirklich alles andere kann es wie gesagt sein.
Ausser das.

Joa gut, ok.
Ist dann halt so.
/shrug

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  447

“Dass eine Minderheit so kombiniert renitent-dumm ist, dass diese sich lieber mut Händen und Füssen wehrt, als zur Schule zu gehen, ergo: selbst schuld ist.”

Verblüffend, sollten Sie ernsthaft Lehrkraft sein – da hechtete wohl jemand in die Verbeamtung auf Lebenszeit 😉

Wenn Sie Ihren eigenen Gedanken weiterführen wollen, stellt sich die Frage, was man als Nächstes tun kann.
Selbstgerecht Jugendliche als zu dumm, quasi nicht bildbar zu bezeichnen, schafft meines Wissens keine Jobs. Ist wohl mehr ein Förderprogramm für Kriminalität.

Aber immer lustig zu lesen, wenn jemand anderen Unwillen und Faulheit unterstellt, danach aber auch deren (nachgewiesenermaßen unzureichende) Eigenverantwortung pocht, um selbst nichts machen zu müssen und andere für die Diskussion darüber, geschweige den Versuch kritisiert.
So isses halt 😛

Besseranonym
9 Monate zuvor
Antwortet  Rainer Zufall

Es ist zusätzlich die Frage: wie in welchem Alter einnordend helfen > bedeutet für mich nicht strafen, auch wenn das zunächst so aussieht.
Wenn ich sage: Spring nicht über die Klippe und jemand dabei versuche ! aufzuhalten, so ist das bestimmt keine Strafe. Bei Jugendlichen werden die Dummheiten, unbedachten Taten derzeit extremer, nicht mehr, aber auffälliger. So werden auch die “Strafen” extremer. Das wird zum Selbstläufer, der uns immer wieder überholt.
Was auch widerlichst mehr wird: Verleumdungen, falsche Beschuldigungen…..teils bei glorreicher Stelle durch SuS und Eltern (meist um Vorteile – Noten, Abschluss rauszuschlagen), ekelhaft ):

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Besseranonym

“Spring nicht über die Klippe”
Es geht ja noch zig Ecken kleiner.

Wenn jemand versäumte Zeit nachholt, die auf Verspätung oder Schwätzen zurückgeht, KANN dies als Strafe wahrgenommen werden.
Hier kann man den Jugendlichen klar und mit den Jugendlichen tansparente Regeln aufstellen und Konsequenzen erfolgen lassen. Das ist ein RAHMEN, der in nicht wenigen Haushalten fehlt, keine Strafe.

Umgekehrt verlangt es seitens der Lenrkräfte ein Mindestmaß an Teilnahme und Arbeit MIT Menschen, die manche aber vermeiden wollen und nach einer angeblichen “Eigenverantwortung!” rufen, die keine ist.

Sonst müsste man sich ja auch kümmern, anstatt achselzuckend und selbstgerecht im sinkenden Boot zu sitzen -__-

Realo
9 Monate zuvor

„Warum schwänzen Schüler den Unterricht? (…) Möglich seien individuelle Gründe, wie etwa (…) häufiges Sitzenbleiben.“

Muss man auch erstmal drauf kommen.

Sepp
9 Monate zuvor
Antwortet  Realo

Tja, sowas passiert halt, wenn Leute den Unterschied zwischen Ursache und Wirkung nicht verstehen.

Rainer Zufall
9 Monate zuvor
Antwortet  Realo

Wenn ich zum wiederholten mal eine Klasse wiederholen müsste, die ich aus Eigenantrieb und (mangelnder) Unterstützung durch das Elternhaus nicht schaffte, ohne dass sich etwas an der Situation geändert hätte, würde ich mich dem täglichen Ungenügend-sein entziehen wollen…

Wir könnten ja mal was anderes versuchen, als jenen, die es nachweislich nicht alleine schafften, zuzuschreien, sie sollen es alleine schaffen :/

Mr X
9 Monate zuvor

Um das zu verbessern müsste man dringend die Schulen zu lebenswerten Orten machen.

Gutes Essen, angenehme Temperaturen, schalloptimierte Räume, schöne grüne Pausenhöfe, AGs an beruflichen Schulen und Lehrkräfte die sich ebenfalls wohl und wert geschätzt fühlen.

ein interessierter Bürger
9 Monate zuvor

Die Aussagen des Kultusministerium sind aus meiner Sicht schon sehr fragwürdig. Einerseits sagt man, dass man die Schulen vor zu viel Bürokratie schützen möchte und darum keine Statistik zu Schulschwänzern führt.

Schaut man sich jedoch die möglichen Handlungsoptionen – wie das Verlangen eines ärztlichen Attests, das Einfordern eines Gutachtens vom Amtsarzt oder das Verhängen eines Bußgeldes – genauer an, dann erkennt man schnell, dass für die Durchsetzung der entsprechenden Maßnahmen ein enormer bürokratischer Aufwand an den Schulen entsteht.

Das Auftreten höherer Fehlzeiten kann wie angemerkt ins Zeugnis eingetragen werden. Da Zeugnisse in Baden-Württemberg mit Hilfe des vom Kultusministerium bereitgestellten Systems ASV-BW Notenerfassung Online (NEO) erstellt werden, frage ich mich: Welcher organisatorische Aufwand entsteht bei einer zentralen Abfrage dieser Daten aus NEO durch das Kultusministerium in den Schulen? Ist dem Kultusministerium vielleicht dieser Aufwand schon zu hoch oder will man das Ergebnis nicht wissen?

Damit einher gehen natürlich auch folgende Fragen: Welche umfangreiche Ressourcen zur Verfügung werden zur Verfügung gestellt? Wie tragen Möglichkeiten zum Teamteaching, zu Absprachen im Klassenteam sowie der flexiblen Umsetzung der Stundentafeln zur Lösung der Problematik konkret bei?

Phantomdiskussion
9 Monate zuvor

Auch wenn’s scheinbar nicht konveniert: wer schwänzt, also die Bildungs- und Qualifikationsangebote an der BBS– quasi als Erwachsener- nicht wahrnimmt, soll gehen. Zur Arbeit und seinen Lebensunterhalt verdienen. Oder wieder zurück. Geben und nehmen bzw. zurückgeben heißt die Devise. Fachkraft kann man nur werden mit Fleiß, nicht durch Gepampere.

Simba
9 Monate zuvor

Hab mich als ehemalige Kollegin nochmal für eine neue Ausbildung entschieden.
Bin dabei in einer Klasse mit Umschülern gelandet. Fast alle hatten abitur, viele schon studiert oder eine andere Lehre gemacht. Ein Haufen kluger und fähiger Leute die anfangs ehrlich motiviert waren und aus denen man wirklich was hätte machen können.
Und was mussten wir über uns ergehen lassen: Unterrichtsausfall zum abwinken (bis zu 5 Stunden warten auf Schulschluss bei nicht vorhandener Vertreting, yeah!), ziellose Türschwellendidaktik, Small-Talk oder übermotivierte Deutschlehrerinnen denen die höfliche Teilnahme am Groß-/Kleinschreibung Unterricht zu wenig waren.
Nicht jeder hat diese Geduld so viel Blödsinn über sich ergehen zu lassen.
Aber was manch hochbezahlter Kollege in der Berufsschule liefert ist unterste Schublade und des Wortes Bildung nicht würdig.

Mondmatt
9 Monate zuvor

Was mir fehlt ist eine differenziertere Sicht auf das komplexe System Berufsschule.

Zunächst haben wir zwei Zweige an der Berufsschule

Der klassische Teilzeitbereich beinhaltet die Berufsausbildung. Hier verbringen die Schüler ein Drittel ihrer Ausbildungszeit an der Berufsschule. Die Ausbildungsbetriebe behandeln die Berufsschulzeit wie die Arbeitszeit im Betrieb.
Durch die Unterstützung der Betriebe sind die Fehlzeiten in diesem Bereich je nach Ausbilder sehr gering bis durchschnittlich im eher untern Bereich.

Der zweite Zweig ist die so genannte Vollzeit. Hier versuchen Schüler ohne Ausbildung einen Abschluss nach zu holen, welchen sie in der allgemeinbildenden Schule nicht erreicht haben.
Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Fachhochschulreife…

Neben Schülern welche den erhofften Abschluss auf Grund einer Krise (familiäre Probleme, Krankheit, schlechte Entscheidungen) verpasst haben und jetzt normal laufen gibt es hier eben auch einen großen Anteil von Schülern die ihren Abschluss aufgrund von fehlender Orientierung oder fehlender Motivation verpasst haben.
Diese Probleme werden in der Berufsschule dann oft erneut deutlich. Hier sogar verstärkt weil in manchen Klassen dann nicht ein bis zwei sondern 50% Problemschüler sitzen.
Dies führt dort zeitweise tatsächlich zu massiven Fehlzeiten.

Als Mittel stehen der Berufsschule hier Mahnungen an die Eltern und im weiteren Verlauf Bußgeldbescheide zur Verfügung.
Viele Eltern von Problemschülern haben jedoch aufgegeben, die Kontrolle über ihre fast erwachsenen Kinder verloren oder stammen selbst aus bildungsfernen Schichten.
Bußgelder sind auch nur bei Familien wirksam die das finanzielle Potential haben diese bezahlen zu können.

Die Fehlzeiten der Berufsschulen entstehen also hauptsächlich in den beruflichen Schulformen in welchen sich problematische Schüler der allgemeinbildenden Schulen sammeln um eine zweite Chance zu erhalten.
Diese wird dann eben doch oft nicht wahr genommen wenn außerhalb der Schule Freunde, das Bett, das Schwimmbad, ein neues Videospiel und andere Verlockungen warten.