In rechtsextremer Hochburg: Schüler schreiben Buch gegen Extremismus (unterstützt von…)

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SENFTENBERG. 27 Schüler und Schülerinnen aus dem brandenburgischen Senftenberg haben ein Buch geschrieben, das die Demokratie bewerben soll. Ein mutiges Unterfangen: Die Lausitz gilt als Hochburg des Rechtsextremismus in Deutschland – immer wieder geraten dort Schulen wegen demokratie- und fremdenfeindlicher Umtriebe in den Fokus. Für das Vorwort erhalten die Kinder und Jugendlichen prominente Unterstützung.

Engagiert sich: Schauspielerin Iris Berben. Foto: Shutterstock / Sahara Prince

Schüler und Schülerinnen des Senftenberger Friedrich-Engels Gymnasiums haben gemeinsam mit der Schauspielerin Iris Berben ein Buch veröffentlicht. Entstanden sei ein Plädoyer für die Demokratie, hieß es in einer Pressemitteilung des Verlags. Es gehe darum, sich gegen jegliche Form von Extremismus stark zu machen und gegen Hass, Hetze, Gewalt und Wut von rechts oder links vorzugehen. Das Buch ist ab sofort erhältlich.

Sie sei stolz, ein winzig kleines Rädchen bei diesem Projekt zu sein, sagte Berben bei der Vorstellung des Buches in Senftenberg. Es sei besonders, wie die jungen Menschen Zugang gefunden und welchen Blick sie auf das Problem geworfen hätten. «Wenn wir die richtigen Fragen stellen, sind wir schon ein ganzes Stück weiter.» Sie habe einen riesigen Respekt vor den Schülern.

Iris Berben steuert für das Buch ein Vorwort bei, erklärte die Herausgeberin Dona Kujacinski. Berben sei es wichtig gewesen, dass bei der Vorstellung die eigentlichen Autorinnen und Autoren, die Schülerinnen und Schüler, im Fokus stünden. Die Schauspielerin engagiert sich seit langem in verschiedenen Bereichen, etwa für Frieden und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Die Region gilt als Hochburg des Rechtsextremismus. Dass die Lausitz – wie auch einige andere Regionen –, ein dezidiertes Problem mit Rechtextremismus habe, das sei kein neues Phänomen, erklärte bereits vor zwei Jahren die Rechtsextremismusforscherin Prof. Heike Radvan von der BTU Cottbus.

„Rechtsextremismus ist ein Thema, bei dem sich auch immer Leute entscheiden, eher wegzugucken und es eben nicht zu thematisieren“

„Das zeigen schon Forschungen von Kolleginnen und Kollegen aus den 90er Jahren. Zudem kenne ich Pädagog:innen, die damals für das Landesprogramm ‘Tolerantes Brandenburg’ Fortbildungen an Schulen durchgeführt haben. Sie haben mir erzählt, wie schwer es in dieser Zeit war, das Thema Rechtsextremismus an Lehrerkollegien heranzutragen und eine Auseinandersetzung herbeizuführen. Es gibt natürlich immer engagierte Lehrkräfte, aber gerade Rechtsextremismus ist ein Thema, bei dem sich auch immer Leute entscheiden, eher wegzugucken und es eben nicht zu thematisieren oder auch Lehrkräfte, die rechte Einstellungen selbst vertreten“, erklärte sie. Deshalb hätten sie die Meldungen nicht überrascht.

Gemeint waren Berichte zu den Vorgängen im nur knapp 50 Kilometer von Senftenberg entfernten Burg. Dort hatten an der Oberschule rechtsextreme Schüler Mitschüler bedroht und eingeschüchtert. Dazu gab es im gesamten Schulgebäude immer wieder Hakenkreuz-Schmierereien, Hitler-Grüße im Klassenzimmer, Mobbing gegen die wenigen Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund. Der Fall wurde nach einem Brandbrief von zwei Lehrern öffentlich und sorgte bundesweit für Schlagzeilen (News4teachers berichtete).

Zuletzt geriet die Berufsorientierende Oberschule (BOS) im wiederum nur 30 Kilometer von Senftenberg entfernten Spremberg in die Schlagzeilen, nachdem ein Schüler eine Lehrerin gleich mehrfach körperlich angegriffen und rassistisch beleidigt haben soll. An der BOS sollen rassistische Beleidigungen, Hitler-Grüße und rechtsextreme Provokationen zum Alltag gehören. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg hat mit Betroffenen gesprochen, die anonym bleiben wollen. Eltern, Schüler und sogar Lehrkräfte berichteten von einem Klima der Angst (News4teachers berichtete auch darüber). News4teachers / mit Material der dpa

Hier lässt sich das Buch bestellen.

Hitler-Grüße, Pöbeleien, Lehrerinnen als “polnische Schlampen” beschimpft – wenn Rechtsextremismus eine Schule prägt

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3 Kommentare
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unverzagte
8 Monate zuvor

Es braucht deutlich mehr Prominente vom Format Iris Berben, deren Respekt garantiert auch Schüler*innen impliziert.

potschemutschka
7 Monate zuvor
Antwortet  unverzagte

…oder auch solche, wie den Kabarettisten Christoph Sieber. Kann man sicher gut im Unterricht zum Thema Demokratie und Medienbildung (tiktok u. ä.) einsetzen.
https://www.youtube.com/watch?v=hNdmsLLPGPY

unverzagte
8 Monate zuvor

Kürzlich schrieb im Forum zum zukünftig verpflichtenden Schulbesuch einer Gedenkstätte wer, dass all die bisher geleistete Erinnerungskultur in Schulen etc. nichts gebracht habe, auch angesichts der “Erfolge” von Nichtwählbaren (vonwegen Informationsüberfluss!) und man könne Empathie nicht erzwingen etc. – also ich z.B. erhielt erst im Germansitikstudium während der 90 er mit unserer finstersten Vergangenheit ausreichend Raum zur Auseinandersetzung und Reflektion mit diesem komplexen Thema. Eine Gedenkstätte habe ich auch erst auf dem zweiten Bildungsweg mit einem jüdischen Geschichtslehrer besucht.

Es vielmehr Bedarf an weiteren Infos auf allen Ebenen, gerade weil die letzten Überlebenden Zeitzeug*innen jetzt sterben, sind wir alle mhr denn je in der Pflicht, das n i c h t s (sic!) in Vergessenheit zu geraten droht. Neben Besuch von Gedenkstätten empfiehlt sich die in jeder Hinsicht bereichernde Bearbeitung mit Exillyrik (Paul Celan, Nelly Sachs, Else Lasker- Schüler u.v.m.) ebenso wie entsprechende Bestseller ” Damals war es Friedrich”, “Tagebuch der Anne Frank” und für Abijahrgänge das wunderabre Werk des Theatermachers George Tabori.