
Der Berliner Flüchtlingsrat und andere Organisationen haben sich gegen sogenannte Willkommensschulen gewandt, in denen ausschließlich Kinder von Geflüchteten unterrichtet werden. Durch derartige «Segregationsschulstandorte» in großen Flüchtlingsunterkünften werde geflüchteten Kindern und Jugendlichen gleichberechtigter Zugang zu Bildung und Teilhabe verwehrt, kritisierten die Unterzeichner eines offenen Briefes an Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU).
Was einmal als Notlösung gedacht gewesen sei, dürfe nicht zum neuen Standard werden. Junge Geflüchtete müssten in regulären Schulen unterrichtet werden, um in Kontakt mit anderen Kindern und Jugendlichen zu kommen und miteinander zu lernen. Das sei auch wichtig, um die deutsche Sprache zu erlernen.
Zu dem Bündnis gehören neben dem Flüchtlingsrat unter anderem der Migrationsrat, Beratungsnetzwerke und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Etwa 20 Vertreter machten mit einer Protestaktion vor dem Abgeordnetenhaus auf ihr Anliegen aufmerksam.
Anspruch auf Schulbildung
Günther-Wünsch verwies im Parlament darauf, dass sie nach ihrem Amtsantritt 2023 Willkommensschulen wegen Platzmangels und Enge in regulären Schulen eingerichtet habe. Geflüchteten Kindern und Jugendlichen werde so überhaupt ihr verfassungsmäßiger Anspruch auf Schulbildung ermöglicht. Vorher seien Kinder etwa aus der Notunterkunft Tegel überhaupt nicht beschult worden.
Nach Angaben der Bildungsverwaltung lernten zuletzt etwa 180 junge Geflüchtete in Tegel und 50 in Tempelhof in dortigen «Willkommensschulen». Auch in der Flüchtlingsunterkunft Landsberger Allee wurde eine solche Möglichkeit geschaffen. Ziel sei, alle Schülerinnen und Schüler in «Willkommensschulen» so schnell wie möglich an reguläre Schulen zu bringen, wenn ihre Deutsch-Kenntnisse dazu ausreichten.
Viele Schüler in Willkommensklassen
Nicht zu verwechseln sind «Willkommensschulen» mit sogenannten Willkommensklassen. In solchen speziellen Klassen für Geflüchtete an regulären Schulen wurden zuletzt in Berlin etwa 10.000 Kinder unterrichtet. News4teachers / mit Material der dpa
Studie: “Willkommensklassen” hemmen (Sprach-)Lernerfolg von Flüchtlingskindern









In der Praxis sollen also die MitschülerInnen für das ‘Sprachbad’ sorgen, ohne dass die so wunderbar Integrierten diese Sprache auch nur ansatzweise verstehen. In der Kita mag das funktionieren, spätestens Pubertierende werden ausgegrenzt oder suchen sich selbst Gruppen ähnlicher ‘Underdogs’. Jedenfalls stehen in den Pausen meist die Geflüchteten zusammen, vermischt mit deutschsprachigen Schülern, die eher als problematisch gelten und sich deshalb auch als ausgegrenzt empfinden. Welch ein Erfolg, unzureichende Sprachkenntnisse, daher schwache Leistungen, deshalb keine Perspektive, aber wenigstens eine scharf abgegrenzte Gruppe, die gemeinsam Aggressionen gegen den Rest der Welt und deren Ungerechtigkeit entwickelt. Das betrifft etwa 2/3 der Jungen, Mädchen etwas weniger, denn die stehen eher in Zweiergruppen in der Ecke. Immerhin, ‘Zugang zu Bildung’ im Sinne von räumlicher Nähe haben alle. Aber wahrscheinlich läuft es in Berlin viel besser als in NRW, sonst würde das ja niemand so machen. Man könnte mit besserem und mehr Sprachunterricht und mehr (oder überhaupt speziell dafür eingestellten) Sozialpädagogen und anderen Maßnahmen sicherlich auch bei sofortiger Regelklasse einiges erreichen, nur sehe ich das nirgends. Also weiter, Stuhl dazu und hoffen. Wann haben wir eigentlich angefangen, den Ist-Zustand einfach zu leugnen und lieber mit rosaroten wolkigen Annahmen zu planen? War das mit der Turboinklusion? War es mit der Abschaffung der Hauptschulen ohne für Alternativen zu sorgen?
Mit den passenden Axiomen lässt sich jede Idee (ideo)logisch ableiten, mit ‘Heterogenität ist toll’ und ‘wenn es nicht funktioniert wird es nur falsch gemacht’ geht das auch hier. Warum besuchen die Kinder deutscher Diplomaten und Manager im Ausland so oft deutsche oder internationale Schulen? Wäre es nicht großartig, in einer lokalen Schule durch tägliches Hören und zwei Stunden Unterricht pro Woche Koreanisch, Arabisch oder Portugiesisch zu lernen? Die sind übrigens in einem geregelten Schulsystem ohne Kriege aufgewachsen und bekommen oft vor dem Umzug (nicht Flucht) und vor Ort Sprachunterricht.
Das eine Willkommensschule immer noch besser wäre als gar keine Beschulung, erscheint mir logisch nachvollziehbar.
Interessanterweise schnitten in Berlin die Schüler*innen mit Migationshintergrund 1. Generation bei IQB-2024-Mathematik sogar leicht überdurchschnittlich ab und siginifikant besser als die Pendants in Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, MVP, Niedersachsen, NRW, Sachsen-Anhalt, Schleswig Holstein und Thüringen.
“Gar keine Beschulung” ist keine Option. Auch geflüchtete Kinder haben ein Recht auf Bildung, das in Deutschland durch die Schulpflicht sowie durch völkerrechtliche Abkommen wie die
UN-Kinderrechtskonvention garantiert wird. Herzliche Grüße Die Redaktion
Dann verstehe ich die Ordnungsmaßnahmen für Absentismus nicht. Die SuS fliehen doch vor der Schule. Sollten sie deshalb nicht besonders gefördert werden?
“Gar keine Beschulung” ist keine Option”
Wenn man den Artikel sorgfältig liest, würde ich eher “sollte keine Option” sein schreiben.
Die Realität sah ja scheinbar ganz anders aus.
Das stimmt. In Deutschland herrscht Schulpflicht, was natürlich auch für Geflüchtete gilt. Das ist auch gut. Ob es allerdings sinnvoll ist, traumatisierte Kinder schon 2-3 Tage nach ihrer Ankunft in die Schulen zu zwingen, sei dahin gestellt.
Ich habe mitbekommen, dass der Flüchtlingsrat Berlin schon die Amtsvorgängerin mehrfach aufgefordert hatte dafür zu sorgen, dass diese Kinder endlich in die Schule gehen können und deswegen auch vor dem Büro der zuständigen Senatorin demonstriert hat.
Cool. Als Nächstes können sich dann alle beschweren, dass diese Schüler:innen kaum mit deutscher Sprache und Kultur in Kontakt geraten – müssen Integrationsverweiger*innen sein (augenroll)
Bei IQB-2024-Mathematik lag der Schnitt der Schüler*innen mit Migrationshintergrund 2. Generation aus Berlin nur 3 Pkt. niedriger als z.B. der Schnitt der Pendants in “The Länd”.
Wenn man den obigen Artikel genau liest, erscheint es aber ziemlich unwahrscheinlich, dass die oben genannten Schüler*innen in Berlin bisher eine Chance hatten in die IQB-Stichprobe zu gelangen.
Sorry , war ein Tippfehler: Muss natürlich 1. Generation heißen, also im Ausland geboren und selber eingewandert.
Und darum mehr Segregation?
Bin gespannt wie ein Flitzebogen, wie gut sich die Schüler*innen ohne Kontakt zu Muttersprachler:innen entwicklen (augenroll)
Und darum mehr Segregation? Wenn Sie das glauben wollen, sei es Ihnen unbenommen,
Würden Sie denn Verhältnisse wie in der Regierungszeit der Amtsvorgängerin vorziehen?
“Und darum mehr Segregation? Wenn Sie das glauben wollen, sei es Ihnen unbenommen,”
??
Ich gebe die Kritik des Artikels wieder: “Durch derartige «Segregationsschulstandorte» in großen Flüchtlingsunterkünften werde geflüchteten Kindern und Jugendlichen gleichberechtigter Zugang zu Bildung und Teilhabe verwehrt, kritisierten die Unterzeichner eines offenen Briefes an Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU).”
Seit 2015 sprach sich die Politik nicht selten gegen dezentrale Unterbringung aus. Finde es irritierend, wenn sich dann über mangelnde Integration beschwert wird und dass Flüchtlinge “unter sich bleiben”.
Kritik an der vergangenen Vorgängerregierung ändert nichts an der Verantwortung und der Handlungsfähigkeit der jetzigen.
Ich sehe das pragmatisch. Eine Willkommensschule wäre m.M zwar nicht ideal, aber immer noch besser als das was der Flüchtlingsrat regelmäßig bei der Amtsvorgängerin moniert hat.