Start Politik Studie: “Willkommensklassen” hemmen (Sprach-)Lernerfolg von Flüchtlingskindern

Studie: “Willkommensklassen” hemmen (Sprach-)Lernerfolg von Flüchtlingskindern

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HALLE. Berlins Integrationsbeauftragte Katarina Niewiedzial weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist, die deutsche Sprache in einer Klasse zu lernen, in der niemand Deutsch spricht. Nun belegt eine neue Untersuchung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wissenschaftlich, was sie schon als Zwölfjährige ahnte – und was auch die GEW bundesweit kritisiert: dass die Aussonderung bei Flüchtlingskindern zu deutlich schlechteren Ergebnissen führt als die Integration.

Integration hilft (Symbolfoto). Foto: Shutterstock

„Schon als Zwölfjährige habe ich nicht verstanden, wie ich die Sprache in einer Klasse lernen soll, in der alle anderen auch kein Deutsch sprechen“, erzählt Katarina Niewiedzial. Die heute 48-Jährige kam Anfang der 1990er Jahre aus Polen nach Deutschland und wurde zunächst in einer sogenannten Willkommensklasse unterrichtet. Erst nach einem Schulwechsel in eine reguläre Klasse – mit separatem Sprachförderunterricht während der Deutschstunden, aber gemeinsamem Unterricht in allen anderen Fächern – machte sie schnelle Fortschritte. „Dass dieser Ansatz wirksamer ist, bestätigt auch die Bildungsforschung“, sagte sie gegenüber der Deutschen Presseagentur im vergangenen Jahr.

Aktuelle Studie: Direkter Kontakt zu deutschsprachigen Mitschülern entscheidend

Wie groß der Einfluss des Unterrichtssettings auf den Spracherwerb ist, zeigt nun eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, veröffentlicht im Fachmagazin Acta Sociologica. Die Autoren Oliver Winkler und Anne-Kathrin Carwehl werteten dafür Daten von 1.097 geflüchteten Jugendlichen aus Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen aus. Diese Jugendlichen waren zum Befragungszeitpunkt zwischen 14 und 16 Jahre alt und hatten alle eine Regelklasse besucht – teils nach einer Wartezeit, teils nach dem vorherigen Besuch einer Willkommensklasse, teils direkt ab ihrer Einschulung in Deutschland.  Grundlage der Untersuchung sind Erhebungen des Panels „Refugees in the German Educational System“ (ReGES) aus den Jahren 2016 bis 2021, bei denen auch standardisierte Tests zur Überprüfung der Deutschkenntnisse durchgeführt wurden.

Die Forschenden fanden deutliche Unterschiede: Kinder, die lange auf ihre Einschulung warten mussten – oft mehr als ein halbes Jahr – hatten auch Jahre später noch schlechtere Deutschkenntnisse. „In dieser Zeit fehlt der tägliche Kontakt zu deutschsprachigen Gleichaltrigen, und dieser ist für den Spracherwerb entscheidend“, erklärt Winkler.

Ähnlich problematisch wirken sich Willkommensklassen aus. Ehemalige Schülerinnen und Schüler solcher separierenden Klassen verfügten im Schnitt noch Jahre später über geringere Sprachkompetenzen als Geflüchtete, die sofort in eine Regelklasse integriert wurden. „In den Vorbereitungsklassen gelingt es offenbar nicht ausreichend, Anfangsunterschiede beim Sprachniveau auszugleichen“, so der Wissenschaftler.

Auch der Aufenthaltsstatus spielt eine Rolle: Wer unter der ständigen Unsicherheit lebt, möglicherweise abgeschoben zu werden, investiert laut Winkler oft weniger in das Erlernen der deutschen Sprache. Seine Schlussfolgerung fällt eindeutig aus: „Eine möglichst schnelle Einschulung, eine rasche Integration in den Fachunterricht und ein sicherer Asylstatus sind gute Voraussetzungen für das Erlernen der deutschen Sprache. Insbesondere in den Grundschulen sollte auf separierende Vorbereitungsklassen verzichtet werden.“

Für die Integrationsbeauftragte Niewiedzial dürften diese Ergebnisse eine Bestätigung sein. Sie warnt seit Langem vor den Folgen der Aussonderung: „Wenn wir die Kinder segregieren, verliert die Schule ihre integrative Wirkung. Das dürfen wir nicht zulassen.“ Gerade an einer regulären Schule entstehe der tägliche Kontakt zu anderen Kindern, dort lernten Geflüchtete nicht nur die Sprache, sondern auch „viel über das Land, in dem ich jetzt lebe“.

Das Problem betrifft nicht nur Berlin. In Mecklenburg-Vorpommern kritisierte GEW-Landesvorsitzender Nico Leschinski im vergangenen Jahr, dass zahlreiche geflüchtete Schülerinnen und Schüler weiterhin in sogenannten Vorklassen unterrichtet würden – oft bis zu zwei Jahre lang. „Sie erhalten nur ein eingeschränktes Unterrichtsangebot, ein Großteil ihrer Lehrkräfte hat nicht einmal eine Lehrbefähigung, und ihr Übergang in den regulären, gemeinsamen Unterricht hängt nicht allein von ihren erworbenen Deutschkenntnissen ab, sondern auch von räumlichen und sächlichen Ressourcen der jeweiligen Schule“, so Leschinski. „Ihr Recht auf Bildung wird damit beschnitten. So darf es nicht weitergehen!“

Auch GEW-Bundesvorsitzende Maike Finnern machte schon im Oktober 2023, dass die Praxis ein weiträumiges Problem ist: „Viele Tausend geflüchtete Kinder und Jugendliche warten in Deutschland noch auf einen Schulplatz, gerade in den Erstaufnahmen. Eigentlich müsste es von Anfang an Bildung geben, damit Integration möglichst schnell erfolgen kann. Bildung ist der Schlüssel – nicht erst nach Monaten, sondern sofort.“ Finnern betonte, dass schnelles Ankommen im regulären Unterricht nicht nur sprachlich, sondern auch sozial entscheidend sei: „Es geht darum, Freundschaften zu schließen, Routinen zu entwickeln und sich als Teil der Klassengemeinschaft zu fühlen.“

Frühere Forschung: Deutliche Leistungseinbußen nach Willkommensklassen

Dass separierende Vorbereitungsklassen nicht nur den Spracherwerb bremsen, sondern auch den allgemeinen Bildungserfolg mindern, zeigte bereits eine Untersuchung des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung aus dem Jahr 2022. Die Forschenden nutzten Individualdaten der Hamburger Schulbehörde aus den Jahren 2013 bis 2019, verknüpft mit den Ergebnissen der standardisierten Tests Vera und KERMIT. Die Analyse ergab: Kinder, die zunächst eine Willkommensklasse besuchten, schnitten in der fünften Klasse in Mathematik und Deutsch deutlich schlechter ab als Geflüchtete, die von Anfang an in einer Regelklasse lernten – selbst wenn diese parallel zusätzlichen Deutschunterricht erhielten. Besonders gravierend: Schülerinnen und Schüler aus Vorbereitungsklassen schafften deutlich seltener den Sprung aufs Gymnasium.

RWI-Wissenschaftlerin Lisa Sofie Höckel fasste die Befunde damals so zusammen: „Unsere Studienergebnisse deuten darauf hin, dass die direkte Integration von neu zugewanderten Grundschulkindern in Regelklassen ihre schulischen Leistungen stärker fördert als der Besuch von Vorbereitungsklassen.“ News4teachers

Flüchtlingskinder: Besuch einer “Willkommensklasse” führt zu deutlich schlechteren Leistungen als die sofortige Integration

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Fräulein Rottenmeier
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ja, so einfach ist das mit dem Verteilen aber auch nicht…..in der Regel werden die Kinder an der nächstgelegenen Schule eingeschult…und es gibt halt nicht überall gleichmäßig Unterkünfte/Wohnungen…..

Rainer Zufall
7 Monate zuvor

Aber das ist ja politisch so gewollt. 2015 entschied sich die Regierung für eine zentrale Unterbringung der Flüchtlinge. Weder gab es Kritik noch nennenswerte Forderungen nach dezentraler Unterbringung seizens der Bevölkerung.

Und jetz regen sich alle auf, bekommen zu haben, was sie wollten – Deutschland eben 😉

Mr X
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Welche Städte bringen denn Flüchtlingen in den “besseren” Vierteln unter sodass die Kindern dann alle gemeinsam in eine Grundschule gehen?

Gerne mit Quelle. Ich bezweifle, dass das viele sind.

Dezentral ja, aber auch gleich verteilt?

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Mr X

Wäre aber selbst dann nicht unbedingt gewährleistet, dass die Kinder gemeinsam mit deutschen Kindern zur Schule gehen. Ich habe z.B. Berichte einer Schulleiterin gelesen, dass die Familien, die in den Einfamilienhäusern direkt neben ihrer Schule wohnen, ihre Kinder auf andere Schulen schicken.

Mr X
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Ja natürlich zur Not für Geld auf Privatschulen.
Das geht immer.

Alex
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Genau so ist es. Ich zweifle auch nicht die Wissenschaft generell an, jedoch vieles von dem, was Bildungswissenschaftler behaupten. Hätten ihre Befunde und Reformvorschläge einigermaßen gestimmt, stünden Kitas und Schulen heute besser da.

@Redaktion
Wenn Praxiskenner, also Lehrer, etwas “glauben” und aus “eigener Erfahrung” für “wahrscheinlich” halten, vertraue ich ihren Worten mehr als blauäugigen Bildungswissenschaftlern in ihren Elfenbeintürmen.
Sie, werte Redaktion, prangern immer wieder “Wissensschaftsfeindlichkeit” an. Es gibt aber auch ihr Gegenteil, die “Wissenschaftsgläubigkeit”. Beide Begriffe haben ihre Berechtigung.

Brennpunktschule
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Die GEW fordert dauernd Unfug, da haben Sie vollkommen Recht.

Brennpunktschule
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Es wäre ja schlimm, wenn die Mitglieder alle persönlich verantwortlich für alle Äußerungen der Gewerkschaftsfunktionäre wären – sind sie natürlich nicht.

Überraschenderweise gibt es sogar viele Forderungen der GEW, die ich unterstützen würde. Allerdings nicht in ihrer Vorstellung des Bildungssystems und ihrer Idee über das Schulsystem. Das sind ja doch ziemlich zentral Punkte.

RainerZufall
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Freut mich, dass Sie der GEW etwas abgewinnen zu können. Nicht selten liest man hier Beschwerden und Bekundungen “jetzt!” austreten zu wollen 🙂

Haben Sie in SH jemanden gewählt? Eventuell ist dieser Umstand ja nicht ein allzu großes Problem..

Martin
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Deshalb: Augen auf bei Wahlen und nicht unüberlegt Mandate verteilen!

Fräulein Rottenmeier
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Doch Sie wählen die Personalräte…..und die Bezirkspersonalräte…..also wählen können Sie schon

Unfassbar
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich frage mich auch, wieso eine Lehrergewerkschaft so viele Mitglieder hat, wenn sie gleichzeitig so gut Freund mit den Arbeitgebern ist.

Unfassbar
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Wenn das so wäre, wären die Tarifabschlüsse besser. Auch kann ich mich nicht daran erinnern, dass sich die gew während der Pandemie sonderlich für die Lehrer eingesetzt hat.

E.S.
7 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Und wann hat sie sich jemals für Lehrerrechte bzw. -befugnisse im Umgang mit Schülern und Eltern eingesetzt? Ich kenne nur ihre ständige Zustimmung bei immer mehr Erweiterung von deren Rechten.

AvL
5 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Das war einmal wieder so eine unfassbar trollig-diffamierende Bemerkung ihrerseits über in demokratisch bestimmten Wahlen bestätigte Arbeitnehmervertreter. Da weiß man wessen Geistes Kind Sie sind.

Unverzagte
7 Monate zuvor
Antwortet  Brennpunktschule

Initiieren Sie bitte Ihre neue Vorzeigegewerkschaft, setzen alle Ihre glorreichen Ideen in die Tat um und erzeugen Fug vom Feinsten.

Brennpunktschule
7 Monate zuvor
Antwortet  Unverzagte

Brauche ich nicht, es gibt ja die VBE und andere Lehrerverbände. 🙂

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Gibt auch Betroffene vor Ort, die die praktische Durchführung von “Migrationsdeckeln ” in der Praxis für kaum durchführbar halten.

https://www.dw.com/de/obergrenze-f%C3%BCr-migranten-an-schulen-eine-gute-idee/a-73222738

Grundsätzlich keine schlechte Idee, aber konkrete Vorschläge, wie das gerecht, rechtssicher, verfassungskonform, finanzierbar usw. organisiert werden könnte, habe ich bisher noch nicht gelesen.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

In der öffentlichen Diskussion ging es halt um den Begriff”Migrationsdeckel” . Und im Artikel ging es auch nur um Zuwanderer.

Aber selbst wenn das Auswahlkriterium “Sprachkompetenz” sein soll, habe ich bisher keine konkrete Vorschläge gesehen, wie die Auswahl und Verteilung gerecht, rechtssicher, verfassungskonform, finanzierbar usw. organisiert werden könnte.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Da würde ich nicht widersprechen, wobei sich die Diskussion m.M. schon stark auf Geflüchtete und deren Wohngegenden fokussiert.

Im Zusammenhang mit “Little Tokio” in Düsseldorf habe ich solche Forderungen z.B. noch nicht wahrgenommen.

Hysterican
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

“Es gibt keinen Ariernachweis (mehr), der den einen aufgrund von Abstammung mehr Rechte als den anderen verleihen würde.”

@Redaktion: Ihr vergesst euch mal wieder … lasst doch einfach mal diese dumpfe Nazi-Keule im Köcher … denn DerechteNorden hat nichts in die Richtung geschrieben.

Pauker_In
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Ich glaube, die wird gerade vom Herrn Weimer abgeschafft!

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Warum sollte jemand, der aus seinem Herkunftsland geflüchtet ist und in Deutschland um Schutz bittet kein Geflüchteter sein?

Es stimmt aber natürlich auch, dass es Statistiken gibt wie hoch die jeweiligen Schutzquoten je nach Herkunftsland sind und es dabei signifikante Unterschiede gibt.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Warum sollte das so sein? Zuwanderung erfolgt ja auf verschiedene Wege.

Ich verstehe hingegen nicht, warum Menschen, die in DE einen Antrag auf Asyl oder Flüchtlingsschutz stellen, nicht als “Geflüchtete” gelten sollen.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Das glaube ich kaum, da ich z.B. keine gesetzliche Definition des Begriffs “Geflüchtete” oder “geflüchtet” kenne.

Wie z.B. die BPP den Begriff definiert, dürfte vermutlich bekannt sein.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Dass “die BPP” wohl nicht das gleiche sein wird wie “der BPP”, könnte man eigentlich wissen.

Ich halte es zwar für besser die Bedeutung von Begriffen zu kennen, die man benutzt, aber das ist vermutlich Anssichtssache.

Ebenso ob man die Aussage “Nicht einmal alle Geflüchteten sind tatsächlich Geflüchtete.” für sinnig hält.

Dass laut BAMF bei den im Jahr 2025 bisher getroffenen Entscheidungen in 18,7% der Fälle ein Schutzstatus zuerkannt wurde, wäre aber natürlich auch Fakt.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Dass es beim Schutzstatus verschiedene Kategorien gibt wie
a) Status nach § 3 Abs. 1 AsylG / Art. 16a GG
b) subsidiärer Schutz gem. § 4 Abs. 1 AsylG
c) Abschiebungsverbote gem. § 60 Abs. 5 oder 7 AufenthG
dürfte bekannt sein.

Dass laut BAMF von Jan – Jul 2025 in 81,3% der Entscheidungen kein Schutzstatus erteilt wurde (51,2% Ablehnung, formelle Entscheidung 30,1%) , lässt sich aber auch nachlesen.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Bund Philetalistischer Orpfer” ???? Dann sollten Sie Ihre Suchbegriffe ändern.

Wenn Sie nicht selber herausfinden können wie “die BPP” den Begriff Geflüchtete definiert, erteilen Sie einfach einen Rechercheauftrag an Ihre Schüler*innen.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Da hatte ich in der Tat einen Tippfehler im Akronym, bitte entschuldigen Sie diese Falschangabe. Die korrekten Suchbegriffe müssten zwar BPB + Geflüchtete + Definition lauten, aber selbst mit “BPP” sollte es entspechende Treffer geben.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  ed840

Das mit BPP statt BPB war eindeutig mein Fehler, da trifft Sie keine Schuld.

Bei einer Internet-Recherche werden die Ergebnisse besser eingegrenzt, wenn man mehrere Suchbegriffe kombiniert verwendet.

Ich habe übrigens gerade mal BPP alleine bei google eingegeben und hatte als dritten Treffer “bpb.de”.
Bei duckduckgo allerdings erst, wenn die Suchergebnisse auf Sprache Deutsch eingegrenzt wurden.
Bei bing gab es dagegen keinen Treffer zu bpb.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Das Grundgesetz kennt Bürgerrechte und Menschenrechte. Auf die Bürgerrechte, wie z.B. Art 11 GG, können sich nur Staatsbürger berufen.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

Da es m.W. keine einheitliche Definition von “Migrationshintergrund” gibt und das Grundgesetz nur zwischen Menschen mit und ohne deutsche Staatsbürgerschaft unterscheidet, kann es auch m.M. keinen “Migrationsdeckel” geben.

Das Recht nach Art 11 Abs 1 GG, dürfte Menschen, die in DE einen Antrag auf Asyl oder Flüchtlingsschutz stellen, nicht zustehen.

Pauker_In
7 Monate zuvor
Antwortet  Redaktion

(…) es gibt eine grundgesetzlich garantierte Niederlassungsfreiheit für alle Deutschen, die gleichermaßen für Menschen in Deutschland gilt, die einen dauerhaften Aufenthaltsstatus (…)
Ich glaube, Sie verwenden den Begriff “Niederlassungsfreiheit” hier irreführend, denn er betrifft die Ausführung wirtschaftlicher Tätigkeiten.
Besser wäre der Begriff der (allgemeinen) Freizügigkeit.
Diese wird tatsächlich im GG Art. 11 (1) garantiert, aber für diese Garantie wird schon im nächsten Absatz GG Art. 11 (2) so einiges an Ausnahmen vorgestellt. Eine Folge davon ist z. B. die Aussetzung der Freizügigkeit für Soldaten.
Die allgemeine Freizügigkeit ist also nicht in Stein gemeißelt.

Gugelhupf
7 Monate zuvor

Es ist immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kinder schneller Deutsch lernen, wenn sie in Regelklassen gesteckt werden. Die russlanddeutschen Kinder in den 1990er Jahren, die oft nur Russisch konnten, machten es vor. (Dazu muss allerdings die Mehrheit in einer Klasse deutschsprachig sein. Logisch.)

Nur hörte man nicht darauf.

Omg
7 Monate zuvor
Antwortet  Gugelhupf

Echt? Gibt es dazu Daten? Ich kenne keine. Aber ganz viele Schüler von damals und deren Kinder, die wieder heute Schüler sind

Schrankwand
7 Monate zuvor
Antwortet  Omg

Und? Was sagen diese Erfahrungen und Meinungen? Dass es nicht stimmt, was Gugelhupf schrieb? Da wären ja dann tatsächlich mal Studien interessant. Wobei, dieser Artikel bezieht sich doch auf eine Studie?!?

ed840
7 Monate zuvor

Interessant auch, dass die Forscher angeben, dass sich die Sprachkompetenzen der jungen Geflüchteten zwischen einzelnen Bundesländern signifikant unterscheiden, vor allem wenn auch die soziodemografischen Faktoren berücksichtigt wurden.

Unfassbar
7 Monate zuvor

Die Studie kommt wie gerufen für die Politik, die diese Willkommensklassen und im Zweifel auch die nur dafür angestellten Lehrer abschaffen wollen.

Aligator
7 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

Arbeitsplätze nur, damit niemand arbeitslos ist, hatten wir in der DDR.

Unfassbar
7 Monate zuvor
Antwortet  Aligator

Für solche Tricks gibt es Bewerbungstrainings und andere Maßnahmen durch die JobCenter.

AvL
5 Monate zuvor
Antwortet  Unfassbar

In Bezug auf die Arbeitsmarktpolitik hatte der SS-Staat noch ganz andere Tricks auf Lager, angefangen mit dem Reichsarbeitsdienst, durch den Arbeitslose zu Kriegsvorbereitungen im Straßenbau eingesetzt wurden. Die wöchentliche Arbeitszeit wurde wieder von 40 auf 48 Wochenstunden angehoben. Das wäre doch ganz in ihrem Sinn.1933-1945: Die Arbeitsmarktpolitik der Nazis – Geschichte der Gewerkschaften

mimü
7 Monate zuvor

Wie wird denn individuell entschieden, ob ein Kind in eine Vorbereitungsklasse geht oder gleich in eine Regelklasse? In meiner Gemeinde gibt es beide Modelle. Mein Verdacht ist, dass in die Regelklassen im Schnitt eher leistungsfähigere Kinder geschickt werden. Haben die Forscher das berücksichtigt oder (mal wieder) eine reine Korrelationsstudie gemacht?

Hysterican
7 Monate zuvor

“Erst nach einem Schulwechsel in eine reguläre Klasse – mit separatem Sprachförderunterricht während der Deutschstunden, aber gemeinsamem Unterricht in allen anderen Fächern – machte sie schnelle Fortschritte.”

So wäre es am Besten – und zwar flächendeckend … aber genau diese gesonderten Sprachförderkurse kosten zusätzliche LuL-Stunden, einen geeigneten Raum und die Bereitschaft, allen Schulen diese Voraussetzungen zur Verfügung zu stellen.
Dort, wo es ernsthaft solche zusätzlichen Abgebote gibt, werden die LuL,die mit dem Sprachförderunterricht betraut sind dann aber quasi immer als erstes herangezogen, wenn Vertretungskräfte für ganze Lerngruppen gebraucht werden … mit dem Ergebnis, dass die zu fördernde SuS in den Regelunterricht geschickt werden, wo der Spracherwerb nun mal deutlich langsamer vonstatten geht – und das mit “schöner Regelmäßigkeit”.

Wir alle wissen, was es braucht, um diese Probleme langfristig erfolgreich angehen zu können – jetzt brauchen wir nur noch die passenden Rahmenbedingungen.

Ruhrgebiet
4 Monate zuvor
Antwortet  Hysterican

Genauso erlebt, als ich Lehrerin für eine “Auffangklasse” – so hieß es vor gut 24 Jahren – war. Es war zum Verzweifeln – fehlte eine Kollegin, wurden die SuS verteilt und ich machte Vertretung. Und das kam sehr, sehr oft vor. Es herrschte ja damals schon Mangel, eine Vertretungsreserve, von denen ältere Kolleginnen und Kollegen erzählten, habe ich nie kennen gelernt. Seit 1998 bin ich im Schuldienst und kann nur den Kopf darüber schütteln, wie das Schulsystem gegen die Wand gefahren wurde und wird. Es zerbricht gerade.

Brennpunktschule
7 Monate zuvor

Fassen wir einige Aussagen der Studie doch einmal zusammen:

1) “The survey started in 2017, and interviews were carried out in early 2018.” Also Daten von 2018, das muss ja noch nichts heißen. Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen – auch für Willkommensklassen / Eingliederungsklassen usw. wesentlich seit 2018 verändert. Nach meiner Erfahrung haben sie sich wesentlich verbessert.

2) In Bayern gab es signifikant bessere Sprachkenntnisse als in Nordrhein-Westfalen, wenn individuelle und familiäre Faktoren kontrolliert wurden. Dies deutet darauf hin, dass weitere, hier nicht untersuchte Aspekte der Bildungssysteme der Länder eine Rolle spielen.

3) Da ein Mangel an Perspektive (unsicherer Status) laut Studie die Motivation senkt, würde der Erwerb des Aufenthaltsstatus nur mit dem Nachweis guter Deutschkenntnisse die Motivation und damit wahrscheinlich auch die Sprachkenntnisse verbessern.

4) Die Studie gibt Wartezeiten von im Schnitt 7 Monaten bis zur Einschulung an. Dazu habe ich aktuell für NRW (dem Vergleichsmaßstab der Studie) keine Daten gefunden. Allerdings sind die Wartezeiten gesunken. Die Wartezeit für Flüchtlinge aus der Ukraine sind erheblich kürzer, nach meiner Erfahrung handelt es sich nur um Wochen.

5) In der Stichprobe hatten 29% der Eltern keine formale Bildung, 7% Grundschulbildung, 32% Sekundarstufe und nur 3% post-sekundäre/tertiäre Bildung. Der Bildungshintergrund der Familie hat deutliche Auswirkungen auf den Spracherwerb, aber die institutionellen Bedingungen (Wartezeiten, Aufenthaltsstatus, Klassentyp) bleiben auch nach Berücksichtigung des Bildungshintergrunds weiterhin bedeutsam (also statistisch signifikant).
Der Bildungshintergrund zeigt die stärksten Einzeleffekte:
Grundschulbildung der Eltern hat mit -0.645 den stärksten negativen Effekt – fast doppelt so stark wie:
Vorbereitungsklassen (-0.342)
Unsicherer Aufenthaltsstatus (-0.241) 

6) Die wichtige Information zur Klassenzusammensetzung fehlt in der Studie und wäre ein interessanter Ansatzpunkt für zukünftige Forschung zum Spracherwerb in unterschiedlichen schulischen Kontexten.

Folgende These ist für mich naheliegend und möglich, und wird durch die Studie nicht untersucht:
SuS die direkt in Regelklassen integriert wurden, wurden deshalb nicht in Willkommensklassen beschult, da die Anzahl von SuS ohne Deutsche Muttersprache an der entsprechenden Schule gering war, und es keine Willkommensklasse gab. Wenn nur sehr wenige Kinder mit keinen oder geringen Sprachkenntnissen integriert werden, ist ein Spracherwerb in der Regelklasse möglich. Müssen zu viele integriert werden, ist der Spracherwerb nicht möglich.

Junge Geflüchtete besuchen eher eine Vorbereitungsklasse, wenn die Konzentration von Geflüchteten im Bezirk hoch ist, was darauf hindeutet, dass solche Klassen häufiger dort eingerichtet werden, wo die Anzahl der Geflüchteten hoch ist.

Schulen mit niedrigem Migrantenanteil konnten Einzelfälle direkt integrieren, während Schulen mit hoher Konzentration Willkommensklassen einrichteten. Dies führt zu einem “Matthäus-Effekt”: Wer wenig Unterstützung braucht, bekommt die beste (direkte Integration), wer viel braucht, wird separiert und fällt weiter zurück.

Die wichtigste Schlussfolgerung für mich:
Man kann aus der Studie auf keinen Fall ableiten, dass das Auflösen aller Willkommensklassen zum jetzigen Zeitpunkt (2025) einen positiven Einfluss auf den Spracherwerb hätte. Trotzdem kann und sollte man die institutionellen Rahmenbedingungen verbessern.

ed840
7 Monate zuvor
Antwortet  Brennpunktschule

In der Tat wäre es interessant zu wissen , wie hoch der Anteil an Kindern ohne ausreichende Deutschkenntnisse in den Klassen war, in denen die Kinder ohne Besuch von Willkommensklassen integriert wurden. Und ob und ggf. wie sich die Ergebnisse bei gleichen individuellen Voraussetzungen unterschieden, wenn der Anteil bestimmte Werte überschritten hatte.

Mrs Claypool
7 Monate zuvor

Die Forschenden benennen in der Studie selbst, dass sie keine eindeutige Aussage treffen können zur Wirkung von Willkommensklassen: “Our study design does not allow us to definitively con­clude that preparatory classes as an institutional instrument of educational policy are suitable or unsuit­able when it comes to educational integration.”

Aus der Praxis mit jugendlichen Neuzuwanderern der letzten 10 Jahre fehlen mir in der Studie die Unterscheidungen zur bisherigen Bildungsbiographie der SuS und über den Umfang von DaZ ergänzend zur Regelklasse sowie die Zusammensetzung der Klsssen selbst. Kaum oder bislang nicht beschulte Jugendliche gehen in Regelklassen eher unter, insbesondere, wenn sie noch Schriftsprache überhaupt oder als zweite Literalisierung lernen müssen.

Kleopacs
3 Monate zuvor

Was nicht so recht beachtet wird:
“Die jugendlichen Migranten waren nicht schlechter in Deutsch, weil sie Willkommensklassen besuchten, sondern sie besuchten Willkommensklassen, weil sie schlechter in Deutsch waren.”
“In der Tat wurden die Willkommensklassen vor allem mit solchen Jugendlichen gebildet, die der deutschen Sprache besonders fern gegenüberstanden, etwa weil sie sich erst seit sehr kurzer Zeit in Deutschland aufhielten oder in Milieus mit hoher Migrationsquote lebten.”
“In den Regelschulen wiederum wären die Lehrer froh, wenn die zu beschulenden Migranten insgesamt viel besser Deutsch sprechen würden, so dass man nicht einen Großteil der Zeit auf die Beseitigung von Sprachproblemen verwenden müsste, sondern effektiven Unterricht durchführen könnte.”
Das sind Zitate von einer Bewertung der Sache (nicht von mir).