
In einer teils aufgebrachten Debatte hat der rheinland-pfälzische Landtag kontrovers über Gewalt an Schulen debattiert. Oppositionsführer Gordon Schnieder skizzierte am Beispiel einer Realschule in Ludwigshafen ein Bild von Beleidigungen, Bedrohung, sexualisierten Anfeindungen, Antisemitismus, Gewalt, Böllern und Messern.
«Wir reden über ein System, das Warnsignale über Jahre ignoriert hat», sagte der CDU-Fraktionschef im Landtag in Mainz. Es meldeten sich massenhaft Lehrer aus dem ganzen Land und berichteten von ähnlichen Fällen. «Die Schul-Titanic sinkt, das SPD-Orchester spielt munter weiter.»
An der Realschule hatte es nach einem Messeralarm Ende Oktober einen Großeinsatz der Polizei gegeben. Über Stunden durchsuchten Einsatzkräfte die Schule, bis schließlich klar war: Auf eine tatsächliche Gefahrenlage oder verletzte Menschen lagen keine Hinweise vor. Kurz darauf wandten sich allerdings die Lehrerinnen und Lehrer der Schule in einem zehnseitigen Brandbrief an die Schulaufsichtsbehörde – ein Hilferuf, unterzeichnet von allen Mitgliedern des Kollegiums.
Der Brief listet eine erschütternde Vielzahl von Vorfällen auf: Lehrkräfte, die mit Büchern beworfen werden; sexualisierte Beschimpfungen; körperliche Übergriffe; Fake-Accounts von Lehrerinnen und Lehrern in sozialen Medien, über die gezielt beleidigt und diffamiert wird. Schüler zerstören Mobiliar, schlagen Löcher in Wände, zünden Böller in Klassenräumen. Im Mai war eine 16-Jährige mit einem Messer in der Hand ins Lehrerzimmer eingedrungen und hatte eine Lehrerin bedroht.
Teuber: Jeder Polizeieinsatz an einer Schule ist einer zu viel
Jeder Polizeieinsatz an einer Schule und jede Tat seien eine zu viel, betonte Bildungsminister Sven Teuber, der die Schule nach dem Brandbrief besucht hat. «Wir waren von Tag eins da.» Mit der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und Schulpsychologen. Der Staat habe eindeutig gezeigt, dass Opfer- vor Täterschutz gehe. «Angst schüren, führt zu noch mehr Gewalt», warnte der SPD-Politiker.
Redner der Regierungsfraktionen SPD und Grüne wiesen die von der CDU verbreiteten Zahl von 121 Anzeigen an der Realschule in Ludwigshafen und allein 18 Feueralarmen im vergangenen Jahr als falsch zurück und bezogen sich dabei auf Angaben der Polizei.
Laut ADD gab es nach Auskunft der Polizei im vergangenen Jahr zwölf Einsätze an der Schule. Aus polizeilicher Sicht werde «kein Schwerpunkt verortet». Es lägen insgesamt 18 Gefährdungsanzeigen von Lehrkräften der Realschule vor, darüber hinaus eine weitere Eingabe des Personalrats, teilte die ADD in Trier auf Anfrage mit. «Zur Einordnung: Die Schule hat laut aktuellster Statistik insgesamt 58 Lehrkräfte.»
SPD wirft CDU «Populismus» vor
Der SPD-Abgeordnete Florian Maier warf Schnieder Populismus vor. Der CDU-Parteichef, der nach der Landtagswahl im März Ministerpräsident werden wolle, solle sich entscheiden, «ob die CDU in Rheinland-Pfalz eine glaubwürdige Kraft der Mitte ist, oder den Weg des Populismus geht».
Die Realschule plus in Ludwigshafen sei nach Darstellung des zuständigen Polizeipräsidiums kein Hotspot, sagte auch Daniel Köbler von den Grünen. Aber der jüngste Vorfall sei dennoch «inakzeptabel». Ein Schlüssel für ein besseres Bildungsklima und weniger Gewalt seien eine aktive Sozial- und Jugendpolitik.
Der FDP-Abgeordnete Stefan Thoma warnte vor einer Vermischung der Debatten über den Bildungs- und den Erziehungsauftrag der Schulen. «Ein Kind ist kein kleinwüchsiger Erwachsener», sondern brauche Erziehung und Führung, sagte Thoma, der selbst elf Jahre lang als Realschullehrer tätig war. Migration spiele bei der Sprache eine Rolle, nicht aber bei Gewalt. «Antisoziales Verhalten» finde sich in deutschen Familien genauso wie in Migrations-Familien.
Der AfD-Abgeordnete und ehemalige Lehrer Joachim Paul, der in Ludwigshafen als Oberbürgermeister kandidieren wollte, aber wegen Zweifeln an seiner Verfassungstreue nicht zur Wahl zugelassen wurde – der Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz wies eine Beschwerde Pauls dagegen zurück – forderte: «Der Aufenthalt in Deutschland ist auch an eine Integration in die Schullandschaft gebunden.» Wenn Migranten in Deutschland bleiben wollten, müssten sie sich an diese Forderung anpassen.
ADD: Migration nicht Ursache für die Probleme an der Schule
Ein Zusammenhang zwischen hohem Migrationsanteil und innerschulischen Problemen werde von den Beteiligten nicht hergestellt, teilte die ADD hingegen auf Anfrage mit. In allen Gesprächen sei seitens der Schulleitung explizit darauf hingewiesen worden, «dass dieses Thema keine Ursache für die Probleme an der Schule» sei.
Der Migrationshintergrund in der Schule habe nach der Definition der Kultusministerkonferenz im Schuljahr 2024/2025 bei 86,5 Prozent gelegen. «Der weit überwiegende Teil dieser Kinder hat die deutsche Staatsangehörigkeit.»
Nach dem Vorfall an der Realschule in Ludwigshafen seien in einem Gespräch mit dem Minister schulintern verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, teilte die ADD weiter mit. So sei etwa das Konzept zum Verhalten bei Feueralarm umgestellt worden, zudem sei der Zugang zum Gebäude nur noch über den Haupteingang möglich. «Die Aufsichtsregelungen wurden optimiert, zum Beispiel wurde die Anzahl der aufsichtführenden Lehrkräfte verstärkt, insbesondere in den Pausen und am Haupteingang.»
CDU-Chef Schnieder forderte die Schulabteilung der ADD auf, «dringend etwas zu ändern». Die Aufsicht hat den Schulen zu dienen und nicht der Vertuschung von Problemen.» News4teachers / mit Material der dpa









…um Beispiel wurde die Anzahl der aufsichtführenden Lehrkräfte verstärkt…
Na siehste, auch diese Schule hat gelernt, dass Fresse halten das Vernünftigste ist. Die hochbezahlten Aufsichtsbeamten, die keine Sicht haben, die hochbezahlten Leiter der ADD in der B-Besoldung sollten regelmäßig evaluiert und auf Qualität überprüft werden, es wird doch offenkundig
Genau-statt entlasten, belasten. Die kurze Pause für Lehrkräfte wird einfach mal gestrichen. Ziemlich bescheuert.
Nun, was geholfen hätte: 1. Dauerhafte Suspendierung der entsprechenden Schülerinnen und Schüler vom Unterricht- und zwar zunächst an dieser Schule. Zweite Chance an einer anderen. Trennung der Kids, die Mist machen indem man sie auf verschiedene Schulen, einschließlich Hauptschulen- verteilt. Verlust des Rechts auf Wahl der Schulform. Hier müssten endlich Regelungen getroffen werden, dass nach solchen Taten eben wirklich Maßnahmen getroffen werden. Wer nicht lernen möchte/kann, ist an einer normalen Bildungseinrichtung erst einmal falsch.- jedenfalls solange, bis sich die Einstellung ändert. Diese SuS brauchen sozial-psychologische Betreuung, die Familien müssen Hilfen bekommen, die Annahme der Hilfe müsste an die Teilnahme des Schulbesuchs gekoppelt werden. Die Leute müssen erst einmal wieder wahrnehmen, dass Schulen einen Bildungsauftrag erfüllen und nicht Gefängnisse sind, in denen Kids zeitweise eingesperrt sind. Schule muss ein Bildungsangebot sein und so wahrgenommen werden.
2. Die Anwesenheit eines Polizeibeamten. Das hilft auch ungemein.
3. Handy weg. Das wäre sehr wichtig. Generelles Verbot der SuS zumindest in der Schule das Handy zu nutzen.
Um Himmels Willen!
Da könnte was von klappen und sinnvoll sein…. Klar, dass das nicht geht!
Nun, Bestrafung und Entzug von Rechten (nachdem die Rechte anderer mit Füßen getreten und missachtet werden) geht natürlich gar nicht. Und wäre doch sehr sinnvoll, notwendig und vermutlich sogar hilfreich. … Klar, dass das nicht geht!
Wir können doch nicht die Grundrechte einiger, die auf die Grundrechte aller anderen pfeifen!, beschneiden!
Hinweis an die Lehrkräfte – es gibt Ärzte!
@Riesenzwerg
Na na na …!
Wir wollen doch mal beim Thema und bei den Fakten bleiben, oder
? 😉
“Wir können doch nicht die Grundrechte einiger, die auf die Grundrechte aller anderen pfeifen!, beschneiden!”
Die haben ja nicht auf die Grundrechte aller gepfiffen – die haben auf die Grundrechte gep*sst und gesch*ssen.
Das macht schon einen Unterschied (jenseits der Elfenbeintürme, denn da oben in den Türmen ist die Luft zwar dünner, aber auch rein).
die Leute von der add können doch die Aufsicht übernehmen. Dann sehen sie, wer warum welchen Unsinn treibt oder sich antisozial verhält. Das ist mit Sicherheit binnen zwei Wochen lehrreicher als jeder brandbrief.
Dem stimme ich zu: geeignet müssen die Maßnahmen sein, d.h. die Konsequenz muss genau auf das Problem wirken!! und nicht die Geschädigten weiter schädigen( Pausenentzug!)
Ich finde, man sollte den dortigen Lehrkräften noch einen pädagogischen Tag zugestehen – dann sind absolut alle Probleme gelöst und die Lehrkräfte können ganz entspannt in eine Schule voller zufriedener Schülerinnen und Schüler gehen, die nur eines im Sinn haben: eifriges Lernen 🙂
Eine laminierte Handreichung sollte aber auch noch drin sein.
Aaahhh vergessen.
NRW tut schon was. Warum lässt man den Kollegen nicht die Taschenkarten aus dem Gewaltpräventionsprojekt zukommen? Das würde doch alle Probleme lösen.
https://www.sicherimdienst.nrw/system/files/media/document/file/taschenkarten_schule_miteinander.stark_.sicher.pdf
Bei sovielen “Taschen”-Karten braucht man aber auch eine Bekleidung mit entsprechend vielen Taschen.
“Taktische Westen” bieten sich hier an…
So ein Block an Karten verhindert wenigstens, dass der Stich tödlich ist.
Tragen Sie immer ein Hemd mit Brusttasche? Das finde ich vorbildlich!
BTW…..die Karten finde ich jetzt gar nicht soooo schlecht…..also nicht alle…..hab mir die PDF mal gespeichert, man weiß ja nie….
Übrigens gab es damalig von Frau Ministerin Sommer so einen DIN A 4 Zettel mit Verhaltenstipps für Lehrer. Der klebte bei uns auf jedem Pult (war eine Anweisung von Cheffe), um das ganze Ausmaß des Irrsinns auch allen deutlich zu machen….und das ist schon fast 20 Jahre her…..
Kein Hemd, aber eine Jacke, weil ich meistens draußen bin 😉
Als ich die Karten gelesen habe, da hatte ich schon ein bisschen Grell auf die düsseldorfer Realitätsverweigerer. Die halten uns wirklich für total bescheuert. Wie Kleinkinder, denen man Selbstverständliches einfach nochmal sagen muss. Den Kollegen ging das ähnlich. Probleme werden dadurch natürlich nicht gelöst.
“«Die Aufsichtsregelungen wurden optimiert, zum Beispiel wurde die Anzahl der aufsichtführenden Lehrkräfte verstärkt, insbesondere in den Pausen und am Haupteingang.»”
Das ist super, denn so haben die Lehrkräfte dort noch weniger Pause.//
In welchen Berufen wird eine solche Tätigkeit eigentlich nicht als Arbeitszeit gewertet? Und an Schulen wie der genannten bedeutet Pausenaufsicht ja so richtig Arbeit, allerdings eher Polizei-Arbeit.
Diese Lösung ist eine Unverschämtheit.
Fehlt nur noch die laminierte Handreichung…
Dass dies (derzeit) kein Brennpunkt für die Polizei ist, bedeutet ja nicht, dass hier schulisch/ bildungspolitisch dringender Handlungsbedarf besteht
Der Sinn dieser Aussage wird mir nicht klar
Dann rufen Sie anscheinend immer und bei jedem Anlass die Polizei.
Es wird Sie freuen zu hören, dass es noch andere Institutionen gibt. 🙂
Welche Institutionen meinen Sie denn da genau, die man in diesen Fällen rufen könnte? Feuerwehr, Notarzt…?
Es besteht also weder für die Polizei noch für Schule/Bildungspolitik dringender Handlungsbedarf! Dann ist ja alles gut! 🙂
“dass hier schulisch/ bildungspolitisch dringender Handlungsbedarf besteht”
Damit will ich sagen, dass schulisch/ bildungspolitisch dringender Handlungsbedarf besteht – auch wenn es (derzeit) nicht in den Fachbereich der Polizei fällt
Das haben Sie aber oben so nicht geschrieben! Deshalb die Verwirrung bei @Berenike und mir.
Polizei ist eine vielfältige aufgestellten Behörde. Wenn die Brennpunktschule kein Aufgabenfeld der Beamt*innen des Wach- und Wechseldienstes ist, dann bleiben nur Spezialitäten (SEK).
Wie wäre es mit Maßnahmen, die nicht in den Aufgabenbereich der Polizei fallen?
Schulamt und Ministerium fällt bestimmt noch ein (Präventions!)Programm ein 🙂
Da es zu vermehrter Nachfrage kommt, möchte ich mich nochmal einfacher und hoffentlch unmissverständlicher ausdrücken:
Die Polizei sieht die Schule (derzeit) nicht als Brennpunkt.
Schule und Bildungspolitiker:innen sehen das anders und wollen handeln.
Ich halte das für richtig.
Ich finde es wichtiger, den Handlungsbedarf seitens Schule und Politik zu betonen, auch wenn die Polizei die Schule (noch) nicht als Brennpunkt beschreibt.
Ich hoffe, meine Haltung zum Thema ist nun verständlicher.
Trotz Brandbrief des Kollegiums: Schulaufsicht sieht Schule nicht als “polizeilichen Schwerpunkt”Ja aber natürlich NICHT. Keine Frage, weil man sich sonst darum kümmern müsste…..
Ja, oder die Polizei schätzt es anders ein.
Vielleicht haben die Einblicke in Brennpunkte die über die unsrigen hinausgehen?
Oh, Schreck! Glauben die am Ende etwa (derzeit), dass dies eine Aufgabe der Schule/ Bildungspolitik und nicht der Polizei seien könnte?
Hmm, nach meiner Beobachtung befinden sich “Brennpunkt-Schulen” meist im Einzugsgebiet von “Brennpunkt-Wohnvierteln”. Könnte da evtl.ein Zusammenhang bestehen? Sind die Schulen dann auch für Drogendelikte, Gewalt und sonstige Kriminalität in den Wohnvierteln zuständig?
Ist klar, jeder hat seinen festgelegten Zuständigkeitsbereich. Da muss man schon trennen.
“…verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, teilte die ADD weiter mit. So sei etwa das Konzept zum Verhalten bei Feueralarm umgestellt worden,…”
Ich habe eine Verständnisfrage: Was hat das “Konzept zum Verhalten bei Feueralarm” mit den Vorfällen an dieser Schule zu tun? Welche Änderung an diesem Konzept wirkt sich positiv auf das Schulklima aus?
Ich glaube, ich hab´s:
Brandbrief, Brennpunktschule – da brennt es ja andauernd! Da würde dauernd Feueralarm ausgelöst werden und Unterricht wäre gar nicht mehr möglich. Also hat man wohl die Feuermelder stillgelegt und im Fall eines echten Brandes läuft dann der Hausmeister mit dem Megaphon durchs Schulhaus. So oder so ähnlich wird das neue Konzept wohl aussehen! 🙂
Ich hoffe, im Falle eines echten Feuers fühlt sich dann wenigstens die Feuerwehr noch zuständig, oder ist die dann wegen des “umgestellten Konzepts zum Verhalten bei Feueralarm” auch aus der Verantwortung raus? Fragen über Fragen…