BERLIN. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) wirbt für verbindliche Bildungsziele, bessere Daten und ein gemeinsames Gegensteuern von Bund und Ländern gegen die Bildungskrise. Doch aus Sicht der Bundesvorsitzenden des Deutschen Philologenverbands, Prof. Susanne Lin-Klitzing, ist die Lage längst klarer, als es die politische Debatte vermuten lässt. Genug gemessen – entscheidend sei jetzt nicht neues Monitoring, sondern schlicht mehr Leistungsorientierung und konkrete Förderung.

Prien hatte zuletzt in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betont, Bund und Länder befänden sich in „intensiven vertraulichen Gesprächen“, um den negativen Bildungstrend umzukehren. Ziel seien gemeinsame, verbindliche Bildungsziele, die von allen Ländern mitgetragen werden. Leistungsmessungen, so die Ministerin, hätten nur dann einen Sinn, wenn aus ihnen auch wirksame Konsequenzen gezogen würden. Bildung sei zur „Überlebensfrage für unsere Volkswirtschaft und zunehmend auch für unsere Demokratie“ geworden (News4teachers berichtete).
Diese Diagnose teilt Susanne Lin-Klitzing ausdrücklich. „Ja, ich stimme dem zu – wenngleich man auch sagen muss, dass die Deutschen es von jeher lieben, den Zustand ihrer eigenen Nation als katastrophal zu beschreiben. Das gilt auch für unser Bildungswesen. Es gibt viele Herausforderungen, aber wir ignorieren auf der anderen Seite auch gerne Spitzenleistungen, die von den Besten an unseren Gymnasien erbracht werden“, sagt sie in einem Interview mit der Welt. Entscheidend sei nun, die bekannten Aufgaben endlich konsequent anzugehen. „Es geht jetzt vor allem darum, die seit Langem anstehenden Aufgaben nachhaltig und ohne ideologische Scheuklappen anzugehen.“
„Wir brauchen eine bessere Passung von Leistung und Leistungsbewertung, damit die Schüler einen tatsächlichen Eindruck über ihre Leistung bekommen und keinen geschönten“
Für Lin-Klitzing ist klar: Die zentralen Stellschrauben liegen seit Jahren offen zutage. Sie benennt sie deutlich: „Dazu gehören die Diagnose-indizierte vorschulische Förderung, ein höherer Grundwortschatz in der Grundschule und die Stärkung der Bildungssprache Deutsch durch zusätzliche Deutschstunden. Wir brauchen eine verbindliche Schulart-Empfehlung und eine bessere Passung von Leistung und Leistungsbewertung, damit die Schüler einen tatsächlichen Eindruck über ihre Leistung bekommen und keinen geschönten. Und wir brauchen eine qualitativ hochwertige Lehrkräftebildung sowie eine Stärkung der Bestandslehrkräfte.“ In diesem Sinne sei sie für den dramatischen Appell der Ministerin ausdrücklich dankbar.
Gleichzeitig warnt die Philologen-Chefin davor, sich weiter in Zieldebatten und Datenerhebungen zu verlieren. „Die Festlegung von Bildungszielen und das Monitoring sind ja nicht neu. Das machen wir seit PISA“, sagt Lin-Klitzing. Das eigentliche Problem liege woanders: „Die Frage ist, wie man gezielt gegensteuert, wenn die Ziele nicht erreicht werden. Welche Konsequenzen ziehen wir aus den Daten und welche pädagogischen Förderkonzepte kommen dann zum Tragen?“ Aus ihrer Sicht klaffe hier nach wie vor eine große Lücke. Lehrkräfte bräuchten vor Ort eine verlässliche Auswahl empirisch geprüfter Fördermaßnahmen, die sie gezielt einsetzen könnten.
Als positives Beispiel nennt sie das SPD-geführte Hamburg. Dort stelle die Schulbehörde bei festgestellten Schwächen einen konkreten Maßnahmenkatalog zur Verfügung – von digitaler Förderung bis hin zu zusätzlicher Nachhilfe außerhalb der Schule. Nur so könne datengestützte Schulentwicklung tatsächlich zu mehr Leistung führen.
Besonders deutlich wird Lin-Klitzing bei der Frage der Leistungsorientierung insgesamt. „Ein ganz klares Ja“, antwortet sie auf die Frage, ob Deutschland wieder mehr Leistungsorientierung brauche. „Wenn wir unseren gesellschaftlichen Wohlstand halten wollen und Kinder und Jugendliche bestmögliche Entwicklungschancen haben sollen, brauchen wir mehr Leistungsorientierung.“ Die Politik sei aus ihrer Sicht jedoch zu zögerlich, dies auch einzufordern oder umzusetzen – etwa wenn immer wieder über die Abschaffung des Gymnasiums oder die Einführung einer Einheitsschule diskutiert werde.
Dabei, so Lin-Klitzing, sei die gesellschaftliche Haltung erstaunlich eindeutig. 71 Prozent der Bevölkerung sprechen sich laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Philologenverbands für das mehrgliedrige Schulsystem aus, 92 Prozent wollten, dass die Entscheidung über die weiterführende Schulart nicht allein vom Elternwillen abhängt, sondern von Leistung und der Einschätzung der Lehrkräfte (News4teachers berichtete). Für die Philologen-Chefin ist das ein klarer Hinweis darauf, dass Leistungsprinzipien gesellschaftlich weiterhin breit akzeptiert sind.
„Bei festgestellten Defiziten muss auch wirklich eine verbindliche Förderung erfolgen“
Auch mit Blick auf die Ursachen der aktuellen Bildungskrise mahnt Lin-Klitzing zu Realismus. Die Ausgangslage sei deutlich schwieriger als nach dem PISA-Schock 2001: Covid-Folgen, psychische Belastungen, Migration, Defizite in der Bildungssprache Deutsch und die zunehmende Smartphone-Abhängigkeit erschwerten nachhaltige Leistungsentwicklung erheblich. Zugleich warnt sie davor, nur Defizite zu betonen. Deutschland biete Jugendlichen nach wie vor außergewöhnlich gute Chancen – auch das müsse Teil der Debatte sein.
In der frühen Bildung sieht Lin-Klitzing einen entscheidenden Hebel. Sprach- und Entwicklungstests im Kita-Alter begrüßt sie ausdrücklich, macht aber klar, dass Diagnosen allein wertlos seien. „Bei festgestellten Defiziten muss auch wirklich eine verbindliche Förderung erfolgen. Unsere Position ist ganz klar: Das Ziel ist die Schulreife.“ Verbindliche Bildungsstandards bereits in der Kita hält sie für sinnvoll und begrüßt, dass Bildungs- und Familienpolitik im Bund nun enger zusammen gedacht werden.
Trotz ihrer deutlichen Kritik bescheinigt Lin-Klitzing der Bundesbildungsministerin hohe fachliche Kompetenz. Karin Prien sei „die kompetenteste Bundesbildungsministerin der letzten Jahrzehnte“ und stehe für eine anspruchsvolle Bildungspolitik von der Kita an. Entscheidend werde nun sein, ob sie ihre bildungspolitischen Vorhaben tatsächlich gemeinsam mit den Ländern umsetzen könne. Denn, so Lin-Klitzing, „die bildungspolitische Musik spielt in den Ländern“. News4teachers
und mehr Digitales für die Schulen.
Viele wollen tablet, Digitalunterricht und Möglichkeiten im sogenannten Distanzunterricht.
Analog war es zu meiner Zeit 🙂
Ja super, wir in Hamburg, machen schon viel Distanznterricht, win-win für Teens und teacher
Gelebtes Homeoffice also
… und die schulischen Entwicklungen in HH der letzten Jahre können sich ja im Vergleich zu allen anderen Bundesländern mehr als sehen lassen
Scheint nicht überall angekommen zu sein. Bei uns funktioniert flüssiges Schreiben nicht und was gibt es – die Anton App… schön digital. Um am Gymnasium festzustellen, dass die Kinder Mühe haben, Texte zu verfassen… oder Rechtschreibung auch in diesen anzuwenden
Kommt darauf an was man vergleicht.
Zum Beispiel schnitten bei IQB-2024-Mathematik die Schüler*innen mit Migrationshintergrund in HH nicht nur deutlich schlechter ab als der Bundesschnitt, sondern auch schlechter als die Pendants in Berlin oder NRW. Der soziale Gradient war in HH mit 51 sogar bundesweit am höchsten, weit über dem Bundesschnitt von 40.
„[D]ie bildungspolitische Musik spielt in den Ländern“. Und Frau Prien will dennoch stets mitquatschen. Damit ist alles gesagt.
So richtig prickelnd scheint das Erbe, das sie in SH hinterlassen hat auch nicht unbedingt zu sein.
siehe:
https://www.news4teachers.de/2026/01/wahlkampf-spd-will-guenther-wegen-versagens-in-der-bildungspolitik-angreifen/
SHZ “Schüler ohne Abschluss: Neuer Höchststand in Schleswig-Holstein erreicht“
NDR: “Weniger Unterricht an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen in SH”
Hamburger Abendblatt
“Schwarz-Grün streicht 400 Lehrerstellen – SPD: „Unglaublich“
Mehr Leistungsorientierung? Wieso wurde die durch all die Lehrplanänderungen dann immer mehr verringert?
Weil der Fokus insbesondere von Grün oder Rot geführten Kultusministerien mehr darauf liegt, das Wellbeing der Schülerschaft zu erhöhen. Leistung, Anstrengung, Üben sind pfui….altmodisch, überholt, von gestern. Keiner darf besser sein als der Andere! Nichts dagegen, Spaß in der Schule zu haben, aber wenn alles nur noch Spaß machen soll, ist das einfach weltfremd. Manchmal muss ein Kind oder Jugendlicher sich auch durchbeißen, Hürden überwinden, arbeiten, um zu einem selbst errungenen Erfolg zu kommen, der dann auch Freude und echte Zufriedenheit mit sich selbst bringt. Kein guter Sportler, Musiker usw. kommt ohne intensives, oft hartes Training aus, das auch nicht immer Spaß macht – aber das Ziel zählt! Die Folgen der reinen Wohlfühl-“Pädagogik” sieht man an den Studienabbrüchen oder an der Tatsache, dass laut Industrie und Handwerk eine beträchtliche Anzahl Schulabgänger keine ausreichende Ausbildungsreife aufweisen, weil sie nie dazu angehalten wurden, auch Dinge zu tun, auf die sie gerade keine Lust haben. Eine Lebenstüchtigkeit braucht auch Einsatzbereitschaft und gegebenenfalls manchmal Frustrationstoleranz, wenn es noch nicht so klappt wie erhofft. Die “Schule ohne Noten”, ohne Wettbewerb und mit dem Motto “Mach-nur-wozu-du-Lust-hast” ist kein Lernen für das Leben, sondern eigentlich unterlassene Hilfeleistung durch die Verantwortlichen!
Statt immer wieder die Leistungsorientierung der Schüler*innen zu fordern, wäre endlich mal an der Zeit, vor der eigenen Türe zu kehren und die Leistungsorientierung der Lehrkräfte in den Blick zu nehmen bzw. diese einzufordern. Dazu gehört auch die Forderung nach einer Bezahlung nach Leistung (Schüler*innen mit höherer Leistung sollen ja wahrscheinlich auch in Form von besseren Noten besser “bezahlt” werden als andere) und damit auch eine Abschaffung des Beamtenstatus.Es muss endlich aufhören, dass sich einzelne, wenige Lehrkräfte auf Kosten der engagierten Lehrkräfte einen Faulen Lenz machen können – das schadet nämlich dem Ansehen des Berufsstandes insgesamt und trägt mit dazu bei, dass die engagierten Lehrkräfte zusätzlich belastet werden, weil sie die Arbeit der anderen auch noch mitmachen müssen.Schulen müssen die wenigen, nicht leistungsbereiten und die ungeeigneten Lehrkräfte, die es zweifelsohne (wie in jedem anderen Beruf auch) gibt, schneller loswerden können – zum Wohle der Schülerinnen und Schüler und zum Schutz des Kollegiums/des Ansehens des Berufsstandes. Das sollte auch nicht weiter ein Tabuthema sein.
Un wie wollen die Leistung der Lehrkräfte messen?
Anhand der Schülerleistungen die Leistung der Lehrkräfte ablesen?
NIEMAND wird dann mehr Lehrkraft!!!
Viele Schüler können ja nicht mal ihre eigene Leistung einschätzen.
So lange jeder und jede, der sich nicht wehrt und einen einigermaßen geraden Satz bilden kann, vor eine Klasse gestellt wird…
Egal ob gute oder schlechte Idee, wie soll ein Vorgehen gegen die nach ihren eigenen Worten wenigen nicht leistungsbereiten Lehrkräfte die Gesamtsituation an allen Schulen verbessern? Würde es nicht deutlich mehr helfen, einen halbwegs vernünftigen Personalschlüssel zu fordern, deutlich kleinere Klassen, statt den verständlichen Ärger über einige mit der Forderung nach Ende des Beamtenstatus zu verknüpfen?
Wie würden Sie denn konkret eine “gute” Leistung eines Lehrers definieren und messen?
Leistung = Arbeit je Zeit.
Also mehr Unterrichtsstunden je Woche und schon ist die Leistung erhöht – die gute Leistung zu einer besseren geworden
Bei mehr Leistung müsste nach meinem Verständnis entweder der gleiche Lehrstoff in kürzerer Zeit geschaftt werden oder in der gleichen Zeit mehr Lehrstoff.
Gut gebrüllt Löwe….und was ist mit Schulen (und das sind jetzt fast die meisten überwiegend), die nur unter 100% ausgestattet sind, und es sich schlicht nicht leisten können, Kollegen loszuwerden? Sollen das die „engagierten“ Kollegen übernehmen, oder wie stellen Sie sich das vor?
Mich würde interessieren, wie Sie Leistung einer Lehrkraft eigentlich definieren oder gar messen wollen.
Sind Kollegen an der Leistungsspitze, die immer wieder tolle MINT-Projekte machen, Gelder von Stiftungen einwerben und tolle Experimente machen, um Kinder zu begeistern?
Oder sind es die Musik-Kollegen, die fleißig jede Veranstaltung begleiten, Schüler zu Auftritten begleiten usw.?
Leisten die Kollegen, die zwar gewissenhaft sind, aber “nur” ihren Unterricht machen und die Jugendlichen gut auf das Abitur vorbereiten wirklich weniger?
Erbringen Klassenlehrkräfte, die sich gut um ihre wenigen Kinder kümmern und diese durch schwierige Situationen begleiten weniger als z.B. eine Vertrauenslehrerin, die sich um ganz viele Kinder kümmert?
Vielleicht sollten wir zunächst mit Arbeitszeiterfassung und dem Ende des Deputatsmodells beginnen.
Danach sollte m.E. überlegt werden, was Lehrkräfte überhaupt leisten sollen. In Zeiten, in denen immer mehr Aufgaben auf Schulen abgewälzt werden, ist das gar nicht mehr klar.
Erst danach, wenn man weiß, wie viel Zeit Lehrkräfte genau arbeitet und nachdem man definiert hat, welche Aufgaben außer Unterricht eine Lehrfaft hat (und welche eben nicht), kann man sich doch fragen, wer die Leistungen erbringt.
Naja, es wäre schon ein Beginn, zu überprüfen, wer den Unterricht pünktlich beginnt und wer nicht oder wer den Lehrplan einhält und wer nicht oder wer sich nach jedem Nachmittagstermin am nächsten Tag krankmeldet und wer nicht etc. Andere Kriterien können ja dann noch dazukommen.
Im Ernst? Lehrer A beginnt den Unterricht später, weil er noch einen kranken Schüler zum Sekretariat gebracht hat. Lehrer B hält den Lehrplan ein, weil er pfiffige SuS hat – Lehrer C schafft den Lehrplan nicht, weil die intellektuellen Fähigkeiten eines Großteils seiner SuS dafür nicht ausreichen und er deshalb lieber weniger, aber das richtig übt.
Das sind für Sie dann Lowperformerkriterien?
Selbst bei gleichen kognitiven Voraussetzungen zweier paralleler Lerngruppen, die von der gleichen Lehrkraft unterrichtet werden, kann das Ergebnis der Gruppen sehr heftig von einander abweichen.
Gruppe A hat den Unterricht an einem Tag in den beiden ersten Stunden, Gruppe B an zwei unterschiedlichen Tagen, einmal in der dritten und einmal in der fünften, den “selben” Unterricht.
Und wenn man jetzt noch mit Gruppe C vergleicht, die den gleichen Unterricht bei der angeführten Lehrkraft als Doppelstunde in der dritten und vierten hat, dann ham wa drei unterschiedliche Leistungsbewertungen für ein und die selbe Lehrkraft. Such is live
So ist es. In der einen Lerngruppe ist der Lehrer dann „Leistungsträger“, in der anderen „Lowperformer”
Live is a bitch…
Böse Texterkennung…
Life statt Live…
Forget IT, ich habe auch schon einige bitches live im Unterricht erlebt. Das ist der Unterschied zu Bildungsforschen, die sehen immer nur ausgewählte Ausschnitte der Aufzeichnungen. Im besten Fall auch noch aus mehreren Perspektiven
Life is live na na na nana
*dankendes Drohnenpiepsen für erfolgte Selbstkorrektur* 😉
Ja, denn über Lehrer AX sagen die Schüler “der kommt ja immer zu spät”, über Lehrerin BX sagen sie “wie sind letztes Jahr mit dem Buch wieder nicht fertig geworden” und über Lehrer CX sagen sie “wie checken es einfach nicht, so wie er es erklärt.” Ganz klare Minderleistung seitens dieser fiktiven, aber nicht völlig aus der Luft gegriffenen Lehrpersonen. Die Gruppe DX, die nach jedem Nachmittagstermin am nächsten Tag krank ist, könnte ich an meiner Schule persönlich mit Namen benennen, möchte aber nicht unkollegial sein. Außerdem ist dies Aufgabe der Führungsebene.
Trotz großer Sympathie für die Ihrem Beitrag zugrunde liegenden Axiome (Ordnung, Leistung, Disziplin) erlaube ich mir mal ein kleines Praxisbeispiel zu bringen: Moi, oui oui. 😀
“Pünktlichkeit des Unterrichtsbeginns” nehme ich mal als Beispiel.
Mein vorletzter SL fand mich so richtig doofi und bösgemein – hat es also über diese Schiene mal versucht und mich (schriftlich, haha, gedient ist gedient, gelernt ist gelernt) dazu verpflichtet, meinen “Unterricht pflichtgemäß stets pünktlich zu beginnen, und das immer” (sic!).
Dies hatte folgende Ergebnisse:
– Ich bin regelmässig an SuS mit diversen Problemen vorbeigegangen bzw. habe diese abgewiesen: “Ich habe Anweisung, stets und immer pünktlich zu sein.”
– Für schulische IT-Probleme hatte ich keine Zeit mehr, den Unterrichtsraum verlassen oder dort unpünktlich erscheinen, das ist ja mega-bösi-bös.
Wie viel Schaden im Sinne zerschossener Stunden das angerichtet hat…irgendwie nicht mein Problem, oder ? Der Befehl war ja ganz klar formuliert. 🙂
– Zu diversen schulischen Veranstaltungen kleinerer Art bin ich nun statt unpünktlich eben garnicht mehr erschienen: Ort, Zeit usw. abweichend von der offiziellen Einladung geändert, wie das in Schulen (besonders großen Schulen) laufend passiert ? Nicht mein Problem, Tablet-Selfie und GPS-Punkt mit meiner rechtzeitigen Anwesenheit gesetzt, 10 Minuten gewartet, es kommt (natürlich) keiner, tschüssi.
Pünktlichkeit, Ordnung usw. wären eigentlich gute Ziele – im System “Schule” bewegen wir uns aber im letztlich sozialen “Verfügungsraum” 😉 – da “fordistisch” ranzugehen hilft nur ergänzend.
Aber wenn es die in allen Berufen gibt, warum dann nur den Kündigungsschutz an den Schulen aufweichen? Warum den Kündigungsschutz nicht komplett abschaffen, damit man die Minderleister endlich überall loswerden kann!
Es hat nicht jeder Kündigungsschutz!
Beamte haben auch keinen …
Das ist Teil des Problems. Zum einen, weil es faktisch keine wirksame Handhabe gibt, wenn jemand seinen Verpflichtungen nicht nachkommt oder nur in einer Qualität liefert, die einfach nicht reicht. Zum anderen, weil das Bewusstsein für andere Arbeitsrealitäten komplett fehlt. Ein Arbeitsverhältnis ist kein unverbindliches Mitmach Projekt, sondern ein Verhältnis mit Rechten und Pflichten.
Wer nicht versteht, dass die Verletzung von Pflichten in vielen Jobs sehr schnell existenzielle Konsequenzen haben kann, diskutiert hier aus einer komfortablen Parallelwelt.
Beamte verstehen das leider nur selten.
Doch. Nach 6 Monaten.
Und Kündigungsschutz heißt nicht unkündbar.
Es gibt Kündigungsgrund. Minderleistung kann personen- oder verhaltensbedingt sein.
…und muss erstmal NACHGEWIESEN werden.
Also, so richtig.
Nix mit “abba Herr Richter, Sir, Sie sehen doch was das für ‘ne Tüphe is!!!11”.
Viel Spaß dabei, wenn es um “Arbeitsrecht” (jaja, ich weiß…) und Beamte geht.
Wenn es doch nur so wenige sind, sollte man sich lieber um die Mehrheit kümmern und ihnen die Arbeitsbedingungen stellen, die man erwarten könnte, allen voran eine Arbeitszeiterfassung samt Ausgleich, Pausenregelungen und Räume dafür,
dabei einbezogen die Anerkennung der außerunterrichtlichen Tätigkeiten, seien es Korrekturen oder Schulentwicklung oder ein erheblicher Aufwand hinsichtlich Förderung, Differenzierung und Elterngesprächen.
Wenn Leistung sich lohnen soll, muss man die bei Lehrkräften auch wahrnehmen und anerkennen wollen.
Derzeit übernehmen Lehrkräfte bei gleichbleibend hohem Deputat erheblich mehr und stetig zunehmende Aufgaben für Verwaltung, Inklusion, Betreuung.
Die Vertretung kann nicht gewährt werden, weil Lehrkräfte fehlen und nicht genug Personen für die Anzahl der Klassen bereitstehen.
Förderung wird permanent gestrichen, zudem müssen Kehrkräfte immer häufiger mangelnde Therapie auffangen (siehe u.a. Artikel zu mangelnden Sprachfähigkeit).
Das liegt nicht daran, dass Lehrkräfte keine Leistung erbringen wollen, sondern daran, dass trotz der in Arbeitszeitstudien erfassten Mehrarbeit das Personal nicht ausreicht für die Anzahl an Aufgaben.
Da müssten die Länder mal mehr Leistungsbereitschaft zeigen, die EU-rechtliche Arbeitszeiterfassung zeitnah für Lehrkräfte umzusetzen, was zu einer Entlastung der Mehrheit der Lehrkräfte führen würde.
Whataboutism ist eine rhetorische Taktik, bei der Kritik oder eine Frage nicht beantwortet, sondern mit einer Gegenfrage oder einem Verweis auf ein anderes Problem kontert wird, oft um vom Thema abzulenken oder die eigene Verantwortung zu relativieren.
Wenn meine Leistung gemessen wird, dann wende ich auch meine Methoden an.
Ansontsen sollte die Gesellschaft sich erstmal einigen, was Schule überhaupt alles leisten soll und wie die Leistung dann gemessen werden soll. Da sagt nämlich gerade jeder Hampelmann was anderes.
Abschaffung der Verbeamtung/Beamten? Gerne, dann sollte aber auch die individuelle Verhandlung über das eigene Gehalt und dem zugehörigen Stundendeputat ermöglicht werden.
Zusätzlich sollte auch definiert werden, was als “Faulheit” und was als “Leistung” definiert wird.
Ein Deutsch/Englisch-Lehrer, der nur seinen Unterricht macht, da er seine Wochenenden mit Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung verbringt?
Der Sportlehrer, der das jährliche Sportfest organisiert und durchführt?
Der Physiklehrer, den man selten im Lehrerzimmer und sonstigen Veranstaltungen sieht, da er die veraltete Sammlung (Material noch aus DDR-Zeiten) zusammenhält?
Ich bereite meinen Unterricht sehr engagiert vor und habe regelmäßig enorme Mengen an Überstunden. Aber die Minderleistung andere kompensiere ich damit Null. Was hat mein Unterricht mit dem eines Kollegen zu tun? Oder meinst du etwas, dass manche Lehrer keine Zusatzaufgaben übernehmen wollen? Nun ich übernehme auch keine außer Klassenlehrertätigkeit. Und hey ich bin nicht faul.
Wie, man kann Unterricht vorbereiten? Und das erfahr ich jetzt, nachdem ich in Rente bin. Hätte mir das bloß mal jemand eher gesagt
Dieser Esprit – einfach köstlich!
Nix E-fuels, ganz normaler fossiler Brennstoff
Lehrer, die sich breit auf Instagram präsentieren und sich bei jedweder Gelegenheit für Momentaufnahmen im Klassenzimmer das Handy ins Gesicht halten, sind hier sicher von Vorteil. Die Kommentarspalten sind nämlich voller Begeisterung („So einen Lehrer wünsche ich mir für meine Kinder“).
Oder solche Lehrer, die sich auf x Kanälen und als DER tolle innovative Netzlehrer präsentieren, überall als “Experte” in Podcasts und Gesprächsrunden auftauchen und inzwischen den Schuldienst gekündigt haben… !
Ich staune. Das Foto von ihr ist so klischeehaft “Lehrer”. War das Absicht?
“Die Bevölkerung in Deutschland sieht das größte Gefährdungspotenzial für das Land insbesondere durch Probleme im Innern. Das geht aus einer Forsa-Umfrage für den Deutschen Beamtenbund hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Demnach wurden auf die Frage, wodurch Deutschland derzeit am meisten gefährdet sei, am häufigsten die Schwierigkeiten im Bildungssystem genannt: 90 Prozent der Befragten sehen hier starke bis sehr starke Probleme. Auf dem zweiten Platz landeten mit 88 Prozent gesellschaftliche Spannungen und Konflikte, gefolgt von wachsenden Unterschieden zwischen Arm und Reich (85 Prozent), der verfallenden Infrastruktur (83 Prozent) sowie Hackerangriffen und Cyberkriminalität (83 Prozent).”
Bürger sehen die größten Probleme im Bildungssystem
Nur für SuS oder auch für verbeamtete LuL?
Susanne Lin-Klitzing trifft den Kern. Genau an diesem Punkt grenzt sich der Philologenverband klar von der GEW ab, die unter dem Vorwand einer sogenannten Gerechtigkeit lieber die Leistungsstarken ausbremst und sich im Grunde bereits damit zufriedengibt, wenn alle Schüler im dritten Versuch ihren Namen fehlerfrei schreiben können.
„Es gibt viele Herausforderungen, aber wir ignorieren auf der anderen Seite auch gerne Spitzenleistungen…“
Kein Wunder. Spitzenleistungen passen schlecht in ein System, das sich im Mittelmaß wohler fühlt als im Anspruch.
Genau! Unsere Besten im MINT‑Bereich, Landessieger bei Physik‑Olympiaden, verzweifeln an IQB‑Abituraufgaben, die Scheinkompetenzen abfragen, damit selbst der Fachschwächste noch mitgenommen wird. Fachliches Denken? Wird zunehmend als Störgröße behandelt.
Und wir Sachsen dürfen das ab Abi 2025 offiziell ausbaden.
„Wir brauchen eine bessere Passung von Leistung und Leistungsbewertung…“
So, so. Und trotzdem mussten die „bestellten“ IQB‑Standards allen Ländern übergestülpt werden, auch Sachsen, das im MINT‑Bereich einmal Spitze war, lange bevor die Kompetenz‑Kosmetik aus Berlin kam.
Die IQB‑Materialien?
Worthülsen, fachliche Flachheit, pädagogischer Nebel. Solides Wissen soll „irgendwie nebenbei“ entstehen – vermutlich durch Zauberei.
Wir Sachsen waren im MINT‑Bereich mal Spitze
ganz ohne IQB‑Bildungsstandards und Kompetenzberuhigungsspritze. Wir haben lange versucht, dagegen anzumotzen.
Was bleibt uns noch, den ganzen Unsinn zu erkennen und drüber zu kotzen.
Die Darstellung der Bildungsaktivitäten der Bundesbildungsministerin Karin Prien im Interview mit der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG am 14. Dezember 2025 ist aufschlussreich und wegweisend.Der zielorientierte Bildungsansatz ist jedoch zu ergänzen: Denn der Bildungsprozess verläuft als Kontinuum zwischen den elementaren Faktoren Grundlage und Ziel. Die geplanten Zielvereinbarungen bedürfen daher einer Vervollständigung durch den Faktor Grundlage.Zur Klärung und fundamentalen Bedeutung der Grundlage einige Anmerkungen:Fundamentale Grundlage sind die Schulkinder als den Bildungsprozess tragende bio-psychische elementare Basis. Die Realisierung der vereinbarten Ziele ist abhängig von neuronaler Verarbeitung der entsprechenden Lerninhalte durch das Gehirn jedes Kindes in einem kognitiven Prozess der neuronalen Anpassung, verbunden mit förderlichen Emotionen.Grundbedingung für den angestrebten Lernerfolg ist die Respektierung der angeborenen anthropologischen Attribute der bio-psychischen Konstitution des Kindes:;das eigene Lerninteresse mit intrinsischer Motivation, das Grundbedürfnis nach Freiheit, das Grundbedürfnis nach „autonomer Selbstbestimmung“ (Immanuel Kant).Die Forderung, diese Attribute im Bildungsansatz zu respektieren, ist legitimiert durch die anthropologisch-evidente, existenzielle Faktizität jeder Schülerin/jedes Schülers. Aus den angeborenen anthropologischen Attributen resultiert der freiheitliche Bildungsansatz liberaler Demokratie, der in der basisdemokratisch organisierten Alemannenschule Wutöschingen durch „autonomes Lernen“ (Peter Fratton) mit dem „Freiland-Abitur“ (Stefan Ruppaner) realisiert ist. Der Bildungsansatz liberaler Demokratie respektiert die angeborenen anthropologischen Attribute des „kompetenten Kindes“ (Jesper Juul, Wassilios Fthenakis). Der Bildungsansatz liberaler Demokratie respektiert jede Schülerin/jeden Schüler als kompetentes Lernsubjekt.Demgegenüber ist das dreihundert Jahre alte Denkmuster der autokratischen Untertanen-Gesellschaft als Bildungsansatz antiquiert, der das Schulkind als Verfügungsmasse der Schulpflicht wie ein Lernobjekt behandelt.Im 21. Jahrhundert basiert der Bildungsprozess essenziell auf der Grundlage des kompetenten Schulkindes als Lernsubjekt in Verantwortung vor dem eigenen SELBST, vor der liberal-demokratischen Gesellschaft und vor den Ressourcen der Erde.Es ist zu erwarten, dass eine Bildungspolitik, die nicht nur Ziele formuliert, sondern das zur Freiheit geborene, kompetente Schulkind als tragende bio-psychische Grundlage mit seinen angeborenen anthropologischen Attributen respektiert, die rechtsextremen Umtriebe in Schulen reduzieren würde.
In mir drin weigert sich alles, von Frau Lin-Klitzing Begriffe wie “Leistungsorientierung” und “ohne ideologische Scheuklappen” anzunehmen. Im Philologen- und allgemeinen Konservativ-Sprech bedeutet das erste regelmäßig eine Verengung des Leistungsbegriffs auf einen Wissenstrichter, das zweite eine Polarisierung von “links-grün-versifft” (= mit ideologischen Scheuklappen) vs. “bürgerlich” (= die Guten, die ohne die Scheuklappen).
Das Abrufen der Buzzwords hilft aber nicht weiter und macht auch keine gute Gewerkschaftsarbeit aus. Schulen müssen Freiheiten in der Organisation des Lernens und Lebens bekommen, um sich an ihre jeweilige Klientel adäquat anpassen zu können, und LuL müssen darin unterstützt werden, einen hohen Anspruch vorleben und an ihre Klassen herantragen zu können, statt immer neue pdf-Wälzer mit Detailfragen zur Klausurerstellung und -Korrektur aufgedrückt zu bekommen.
Den Glauben daran, dass Bund und Länder die Bildungskrise in den Griff bekommen, habe ich aufgegeben, das muss vor Ort stattfinden. Insofern sind immer neue “verbindliche Ziele” kontraproduktiv, was Frau Prien nicht zur kompetentesten Bildungsministerin machen kann (oder nur auf sehr niedrigem Niveau), womit sich mein subjektiv-emotionaler Kreis zu Frau Lin-Klitzing schließt.
“Disziplin” und “Leistung” sind zunächst einmal *innere* Werte.
Dauerhaft kommen in demokratischen Gesellschaften behördliche Regelungen oder normative Forderungen von “Oben” gegen den Zeitgeist nicht an.
Wenn Gesellschaften sich dann davon eben abwenden und das doofi-doof finden (was ja nicht verboten ist oder sowas, halt Entscheidungsfrage; “sich gut fühlen” oder “Siesta” muss ja auch kein schlechter Wert sein, bedingungslose Stahldisziplin muss auch nicht immer gut sein) – dann bringt es auch nix, mit steten leeren Apellen ohne Durchsetzungskraft selbiges zu beschwören oder peinlich-schwach zu “verlangen”, lol.
Konsequenz ist dann eben, dass auch Institutionen sich ändern…z.B. Schulen eben ver-emotionalisieren und das sich auch zu den Lehrern fortsetzt.
“Versiffung”, “Verunkrautung” eben (ausdrücklich ohne ein politisch konnotiertes Adjektiv davor).
Denn was “unten” erlaubt ist, das wird “oben” auch mitgenommen, so ist das unhintergehbare soziale Gesetz.
Dementsprechend bin ich in der Schule halt auch ziemlich gechillt (abgesehen von allen Beamtenrecht-Sachen, die mich persönlich betreffen) unterwegs: Natürlich würde mit Disziplin und Leistungsorientierung der Ertrag der SCHÜLER deutlich höher sein…aber WARUM GENAU sollte ich das tun?
Um mich dafür ständig in die Nesseln zu srtzen, da “unerwünscht” ?
Nö. 🙂
Diese Drohne liefert bestellungsgemäß – immer mit Kurs auf “Fünf Sterne”. Diszipliniert eben.