LÜNEBURG. Mit 5,8 Millionen Euro fördert das Land Niedersachsen gemeinsam mit der VolkswagenStiftung den Aufbau eines Zentrums für Empirische Bildungsforschung in Lüneburg. Ziel ist es, bildungspolitische Entscheidungen künftig stärker auf wissenschaftlich erhobene Daten zu stützen und den Transfer von Forschungsergebnissen in Schulen und Verwaltung systematisch zu verbessern.

Niedersachsen bündelt seine Aktivitäten in der empirischen Bildungsforschung in einer neuen institutionellen Struktur. Das Zentrum für Empirische Bildungsforschung (ZEB) am Standort Lüneburg wird gemeinsam von der Leuphana Universität Lüneburg und der Leibniz Universität Hannover getragen. Die Finanzierung erfolgt über sechs Jahre mit rund 5,8 Millionen Euro aus dem Förderprogramm zukunft.niedersachsen des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur sowie der VolkswagenStiftung.
Parallel dazu stellt das Programm weitere rund 4,1 Millionen Euro für begleitende Maßnahmen in einer „Forschungsallianz zur Interventions-, Implementations- und Transferforschung“ bereit. An dieser Allianz sind neben der Leibniz Universität Hannover auch die Technische Universität Braunschweig und die Universität Hildesheim beteiligt.
„Gute Bildung ist der Schlüssel für den Wohlstand von morgen. Aber was macht gute Bildung aus“
Im Zentrum der Arbeit des ZEB stehen zunächst die Kompetenzmessung von Lernenden und Lehrpersonen, innovative Ansätze des Bildungsmonitorings sowie datenbasierte und evidenzinformierte Schulentwicklung. Das Zentrum versteht sich als Schnittstelle zwischen Bildungswissenschaft, Bildungspolitik und Bildungsadministration. Es soll Expertise bündeln, zentrale Akteure vernetzen und wissenschaftlich fundierte Grundlagen für politische Entscheidungen bereitstellen.
Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD) erklärte zur Gründung: „Gute Bildung ist der Schlüssel für den Wohlstand von morgen. Aber was macht gute Bildung aus und wie bleibt unser Bildungssystem immer auf der Höhe der Zeit? Ich freue mich, dass wir mit der Gründung des ZEB die empirische Bildungsforschung in Niedersachsen auf noch breitere Beine stellen und hier genau diese Gegenwarts- und Zukunftsfragen beantwortet werden – wissenschaftlich fundiert, innovativ und nah am Leben der Schülerinnen und Schüler.“
„Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die angestoßenen Innovationsprozesse systematisch in ein erweitertes Bildungsmonitoring einzubetten“
Auch Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) sieht in dem Zentrum eine Antwort auf wachsende Anforderungen an das Schulsystem. „Die Anforderungen an unsere Schulen sind immens – und sie wachsen weiter. Der Umgang mit Heterogenität, die Sicherung von Basiskompetenzen, der Fachkräftemangel, Inklusion, Integration und Digitalisierung sind Themen, die immer mehr an Relevanz gewinnen“, erklärte sie.
Weiter sagte Hamburg: „Mehr Bildungsgerechtigkeit und Bildungsqualität dürfen wir aber nicht dem Zufall überlassen. Wir müssen wissen, wie die Programme und genutzten Freiräume wirken, unter welchen Bedingungen sie erfolgreich sind und wo sie Unterstützung brauchen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die angestoßenen Innovationsprozesse systematisch in ein erweitertes Bildungsmonitoring einzubetten – mit belastbaren Daten, kontinuierlicher Beobachtung und wissenschaftlich fundierter Evaluation.“
Strukturell ist vorgesehen, drei Professuren sowie bis zu zehn Stellen für Doktorandinnen und Doktoranden einzurichten. Die beteiligten Universitäten sichern die Verstetigung der Professuren nach Ablauf der Förderphase zu. Darüber hinaus sollen zwei zusätzliche Juniorprofessuren geschaffen werden. Die Initiative zur Gründung des Zentrums ging von der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen aus.
Prof. Sascha Spoun, Präsident der Leuphana Universität Lüneburg, betonte die gesellschaftliche Dimension des Vorhabens: „Gute Bildung ist essenziell – allem voran für die Demokratie, die Wirtschaft und auch die Persönlichkeitsentwicklung. Mit dem neuen Forschungszentrum wollen die beteiligten Universitäten das Land Niedersachsen dabei unterstützen, die Ausbildung von Schülerinnen und Schülern auf der Basis wissenschaftlicher Daten gezielt zu verbessern.“
„Die empirische Bildungsforschung liefert viele Hinweise, wie unser Schulsystem, die Schulverwaltung und die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler verbessert werden können“ – aber…
Der Präsident der Leibniz Universität Hannover, Prof. Volker Epping, verwies auf den Transferanspruch: „Mit der Stärkung unserer Forschung schaffen wir im Gegenzug wissenschaftsbasierte Erkenntnisse als Entscheidungsgrundlage für Bildungswesen, Politik und Schule und können so eine fundierte Unterstützung für die dringend notwendigen Transformationen im Bildungswesen leisten. Mit der Professur Educational Innovation & Change liegt an der LUH der Schwerpunkt darauf, den Transfer aus den empirischen Daten in die Bildungspraxis zu beforschen und damit konkrete Schulentwicklung zu ermöglichen.“
Auf eine strukturelle Schwäche bisheriger Bildungsforschung wies Prof. Jutta Allmendinger, Vorsitzende der Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsen, hin. „Die empirische Bildungsforschung liefert viele Hinweise, wie unser Schulsystem, die Schulverwaltung und die Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler verbessert werden können. Eine Leerstelle besteht allerdings oft in der nachhaltigen Über- und Umsetzung der empirischen Forschung in den Bundesländern, in den Bildungsverwaltungen, in der Lehrerbildung und in der Situation in den Schulen vor Ort. Diese Lücke zu schließen, ist zwingend. Ich bin froh, dass sich das ZEB nun an die Arbeit macht.“ News4teachers
Entfremdung: Schulen verschließen sich zunehmend der Bildungsforschung









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