Home Praxis GEW: Debatte um Bundesjugendspiele lenkt von den Problemen beim Schulsport ab

GEW: Debatte um Bundesjugendspiele lenkt von den Problemen beim Schulsport ab

10
Anzeige

DÜSSELDORF. Die GEW NRW hat die erneute Debatte über die Bundesjugendspiele kritisiert und davor gewarnt, sich auf die Frage von Wettkampf oder Wettbewerb zu konzentrieren, statt die grundlegenden Probleme des Schulsports anzugehen. Anlass ist der Beschluss der Kultusministerkonferenz, Grundschulen für die Klassen 3 und 4 künftig wieder die Wahl zwischen der Wettbewerbsform und der klassischen Wettkampfform mit exakter Leistungs- und Zeitmessung zu ermöglichen.

Hauptsache Leistung (Symbolbild.) Foto: Shutterstock

„Die Debatte um Wettkampf oder Wettbewerb wird häufig mit einer Bedeutung aufgeladen, die sie tatsächlich nicht hat. Weder wird an einem Tag Spitzensport gefördert oder verhindert, noch lösen die Bundesjugendspiele die Bewegungsprobleme unserer Kinder. Stattdessen wird von den eigentlichen Herausforderungen abgelenkt“, erklärte die Vorsitzende der GEW NRW, Ayla Çelik.

Die Gewerkschaft verteidigt dabei die 2023 eingeführte Umstellung auf die Wettbewerbsform. Diese habe einen pädagogischen Ansatz verfolgt, bei dem individuelle Fortschritte und persönliche Entwicklungen stärker berücksichtigt würden als normierte Leistungswerte. Gerade angesichts der Tatsache, dass sich viele Kinder zu wenig bewegten, sei dieses Ziel weiterhin wichtig. „Wer Kinder dauerhaft für Sport und Bewegung begeistern will, erreicht dies eher über gemeinsame Erfolgserlebnisse und Motivation als über die ausschließliche Orientierung an Zeiten, Weiten und Platzierungen“, sagte Çelik.

„Hier bröckelt der Putz sprichwörtlich von der Decke, während gleichzeitig über die Ausgestaltung eines einzelnen Sporttages diskutiert wird“

Nach Auffassung der GEW NRW liegen die eigentlichen Probleme des Schulsports an anderer Stelle. Noch immer verließen viele Kinder die Grundschule, ohne sicher schwimmen zu können. Zudem falle an zahlreichen Schulen Sportunterricht aus, weil Sporthallen sanierungsbedürftig seien oder aus Sicherheitsgründen nicht genutzt werden könnten. „Hier bröckelt der Putz sprichwörtlich von der Decke, während gleichzeitig über die Ausgestaltung eines einzelnen Sporttages diskutiert wird“, so Çelik.

Die Gewerkschaft fordert deshalb einen stärkeren Fokus auf die Rahmenbedingungen des Schulsports. Notwendig seien mehr und verlässlicher Sportunterricht, eine bessere Ausstattung der Schulen, ausreichend Schwimmunterricht sowie qualifizierte Bewegungsangebote für alle Kinder. Nur so könnten Kinder Freude an Bewegung entwickeln und die motorischen Fähigkeiten erwerben, die sie für ein gesundes und selbstbestimmtes Leben benötigten.

Die Bundesjugendspiele sollen nach dem Willen der KMK-Bildungsministerkonferenz auch an den Grundschulen wieder leistungsorientierter werden – wenn die Schulen dies wollen. Künftig soll es in dritten und vierten Klassen wieder erlaubt sein, die Bundesjugendspiele in der Leichtathletik und im Schwimmen wieder im klassischen Wettbewerbsmodus durchzuführen – also beispielsweise mit genauem Messen und Zeitnehmen.

Seit dem Schuljahr 2023/2024 waren die jährlich stattfindenden Spiele für alle Grundschulkinder bis zur vierten Klasse nur noch als Wettbewerb und nicht mehr als Wettkampf organisiert worden. Davor war das nur in den ersten beiden Klassen der Fall gewesen. Die Reform hatte für viele Diskussionen gesorgt.

Zum nächsten Schuljahr seien nun wieder zwei Austragungsformen zulässig: „Wettbewerb, aber eben auch Wettkampf“, sagte die amtierende Präsidentin der Bildungsministerkonferenz, Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). „Das unterstütze ich ausdrücklich, weil das am Ende eben auch eine positive Leistungskultur stärkt.“ Die Schulen hätten aber Wahlfreiheit, betonte sie: ob in den betreffenden Klassenstufen beispielsweise nun wieder Zeiten und Weiten genau gemessen werden – oder wie zuletzt in Zonen oder ähnlichem.

Ob die Schulen aber tatsächlich die Wahlfreiheit haben, ist strittig. Das Kultusministerium Baden-Württemberg prüft nach eigenen Angaben, ob ein Wettkampf-Modus bei den Bundesjugendspielen bindend sein soll. News4teachers / mit Material der dpa

Wettkampf? Wettbewerb? Beides? Wie die CDU mit ihrer (halben) Rolle rückwärts die Bundesjugendspiele ins Chaos stürzt

Anzeige
Info bei neuen Kommentaren
Benachrichtige mich bei
10 Kommentare
Einer
13 Stunden zuvor

Mal wieder typisch. Die KMK entscheidet nicht und lässt die Schulen alleine. Da steht nun die Schulleitung und wird nach jeder Entscheidung bedrängt von abgedreht Insta-Müttern.

Meiomei
7 Stunden zuvor
Antwortet  Einer

Was wollen wir jetzt? Jetzt haben die Schulen endlich mal Entscheidnungsfreiheit und dann wird wieder gejammert, dass die KMK doch wieder alles festlegen soll.

Rainer Zufall
4 Stunden zuvor
Antwortet  Einer

Die lässt die Schulen nicht alleine. Die KMK erinnert die Schulen an ihre Eigenverantwortung 😛

Teacher Andi
13 Stunden zuvor

Schön, dass man nun endlich erkannt hat, dass es an den Rahmenbedingungen des SU mangelt. Aber ändern wird sich nicht viel. Immer noch bestimmen Böcke, Pauschenpferd, Schwebebalken und Stufenbarren die Geräteräume, man hat es in 100 Jahren nicht geschafft, die Grundausstattung anzupassen. Pädagogisch sinnvolle Geräte und Materialien anzuschaffen erfordert einen Bittstellermarathon an Bürokratieaufwand, da zahle ich so manches lieber aus eigener Kasse.
Sportunterricht hat trotz erheblichem Bewegungsmangel unter den Schülern noch immer nicht den Stellenwert, den er verdient. Ich kenne Kollegen, die ernsthaft der Meinung sind, dass Sportlehrer nicht gleichermaßen bezahlt werden sollten wie Lehrer mit „wissenschaftlichen“ Fächern.
Die ganze Einstellung zum Sport stimmt hinten und vorne nicht, allein der Pausenhof sollte schon zu Bewegung einladen. Wir streiten schon seit 10 Jahren um Tischtennisplatten und Basketballkörbe, kein Budget. Man investiert offenbar nicht gerne in die Zukunft, die schlimm enden wird, wenn die Schüler körperlich immer mehr verkümmern, was einhergeht mit der geistigen Verkümmerung.

mama51
7 Stunden zuvor
Antwortet  Teacher Andi

… Kollegen, die ernsthaft der Meinung sind, dass Sportlehrer nicht gleichermaßen bezahlt werden sollten wie Lehrer mit „wissenschaftlichen“ Fächern.

Dazu erstmal zur Info:

  • Ein Sportstudium (Lehramt) gleicht der Ausbildung zum olympischen Athleten, nur in zig-Sportarten! Dieses Lehramt muss jemand wirklich wollen.
  • Es gibt zusätzlich noch eine Aufnahmeprüfung/ Eignungsprüfung wie für angehende Musiklehrer/innen auch.
  • Es ist kein Verlegenheitslehramt wie „joa, eigentlich möchte ich nur Kunst studieren, geht aber solo nicht, naja, dann nehme ich halt „Sport“ dazu… das geht nicht!!! – Mit Erdkunde oder Geschichte klappt das schon!
  • Dazu kommt noch die außerordentliche Verantwortung im „eigentlichen“ Unterricht, insbesondere beim Schwimmen oder mit speziellen Geräten.
  • Für die Nutzung etlicher Geräte, zB Trampolin + Schwimmen, braucht es (in manchen BL) auch noch eine Zusatzqualifizierung.
  • Für die Lärmbelastung während des Sp.U. müsste es sowieso eigentlich Schmerzensgeld geben.

Soviel zur Meinung einiger Kuk mit NUR wissenschaftlichen Fächern am Gym, s. o. von Teacher Andi.

Pädagogisch sinnvolle Geräte und Materialien anzuschaffen erfordert einen Bittstellermarathon an Bürokratieaufwand,…

Das Stimmt! Nur:
Es wird sich nicht viel ändern, solange Städte und Gemeinden als Schulträger für die Bereitstellung, Instandhaltung, Renovierung, Sanierung,… der Sportstätten und Hallen-/Schwimmbäder „zur Kasse“ gebeten werden, ohne auskömmliche Finanzierung derer, die zwar „bestellen, aber nur wenig, besser nichts, bezahlen wollen“. Wie überall, wenn es um die Ausstattung von Schulen geht. 🙁 Seufz!

Unverzagte
6 Stunden zuvor
Antwortet  mama51

Vielen lieben Dank für Ihren differenzierten Beitrag.

Kleine Ergänzung: In Hamburg braucht es keine Aufnahmeprüfung.

ed840
4 Stunden zuvor
Antwortet  mama51

„Ein Sportstudium (Lehramt) gleicht der Ausbildung zum olympischen Athleten, nur in zig-Sportarten!“

Es gibt zusätzlich noch eine Aufnahmeprüfung/ Eignungsprüfung

Wie schnell müsste ein Mann denn z.B. die 100 m laufen, wie hoch oder wie weit springen und wie weit die Kugel stoßen um zum Studium zugelassen zu werden?

unfassbar
2 Stunden zuvor
Antwortet  mama51

Hinweis: Das anspruchsvollere Sek II-Studium war kein Argument gegen A13 für alle.

In der Sache haben Sie aber recht. Ich bin froh, kein Sportlehrer zu sein. Die Lärmbelästigung, das Verletzungsrisiko usw. wird durch die fehlende Korrektur ausgeglichen.

ed840
4 Stunden zuvor

„Wer Kinder dauerhaft für Sport und Bewegung begeistern will, erreicht dies eher über gemeinsame Erfolgserlebnisse und Motivation als über die ausschließliche Orientierung an Zeiten, Weiten und Platzierungen

Verstehe ich nicht.

Beim Wettbewerb geht es ja ausdrücklich nur um Platzierungen, denn die Punkte gibt es nur dafür besser gewesen zu sein als andere Kinder in der Gruppe.

Egal wie langsam gelaufen oder wie kurz gesprungen / geworfen wird, wenn genügend andere Kinder noch schlechter sind, gibt es für die am wenigsten schlechten Kinder Ehrenurkunden, für die schlechtesten Kinder nur Teilnehmerurkunden.

Wo soll da ein gemeinsames Erfolgserlebnis sein?

Rainer Zufall
4 Stunden zuvor

„Hier bröckelt der Putz sprichwörtlich von der Decke, während gleichzeitig über die Ausgestaltung eines einzelnen Sporttages diskutiert wird“
Die Eltern können ja auch „mehr Eigenverantwortung“ zeigen, um Sportstätten wieder herzustellen (augenroll)

wpDiscuz
Die mobile Version verlassen