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KI verändert das Lernen – Kultusministerin baut deshalb die Prüfungskultur der Schulen grundlegend um

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MÜNCHEN. Künstliche Intelligenz stellt Schulen vor ein Problem, das weit über die Frage nach Schummeln und Täuschen hinausgeht. Wenn Chatbots Texte schreiben, Informationen zusammenfassen und Aufgaben lösen können, gerät auch die traditionelle Prüfungskultur unter Druck. Das bayerische Kultusministerium reagiert darauf nun mit einer Reform der Leistungsbewertung. Debatten, Erklärvideos und digitale Portfolios sollen künftig stärker berücksichtigt werden. Gleichzeitig hält der Freistaat ausdrücklich an tradierten Formaten fest.

„Auch die Prüfungskultur an unseren Schulen muss mit der Zeit gehen“: Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler). Foto: StMUK

Die Prüfungskultur an Bayerns Schulen wird modernisiert. Künftig dürfen Lehrkräfte neue Formate wie Debatten, Erklärvideos oder digitale Portfolios als Leistungsnachweise nutzen. Weitere Beispiele sind Präsentationen oder Podcasts. Solche Formate sollen stärker erfassen, ob Schülerinnen und Schüler Wissen anwenden, einordnen und adressatengerecht vermitteln können.

Im Gymnasium soll sich das beispielsweise in einem stärker prozessorientierten Schreiben zeigen. Schülerinnen und Schüler verfassen einen Text, erhalten Rückmeldungen und überarbeiten ihre Arbeit anschließend. Bewertet wird nicht allein das Endprodukt, sondern auch die Fähigkeit, Feedback aufzunehmen und für die Weiterentwicklung der eigenen Arbeit zu nutzen.

Herkömmliche Formen der Leistungserhebung wie Klassenarbeiten, Klausuren und andere schriftliche Prüfungen bleiben jedoch weiterhin ein zentraler Bestandteil des Systems. Das betont das Kultusministerium bei der Vorstellung seiner Reform.

„Bewährte Formen der Leistungserhebung werden durch neue Methoden ergänzt“

Aus Sicht der Staatsregierung geht es dabei um weit mehr als um einzelne neue Prüfungsformen. Das Ministerium begründet die Neuausrichtung ausdrücklich mit den Folgen der Digitalisierung und insbesondere mit dem rasanten Aufstieg Künstlicher Intelligenz. „Mit Blick auf rasante gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und den Einfluss von KI ist klar, dass auch die Prüfungskultur an unseren Schulen mit der Zeit gehen muss“, heißt es. Schule müsse die Kompetenzen vermitteln und prüfen, „die Kinder und Jugendliche für Ausbildung, Studium und Beruf brauchen“.

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) begründet die Reform mit veränderten Anforderungen in Gesellschaft und Arbeitswelt: „Die Herausforderungen durch die Künstliche Intelligenz und den digitalen Wandel in all seinen Facetten nehmen in nahezu allen Lebensbereichen rasant zu“, erklärt sie. „Um in der Lebens- und Berufswelt der Zukunft bestehen zu können, brauchen unsere Schülerinnen und Schüler heute mehr denn je die Fähigkeit, Gelerntes anzuwenden, Informationen kritisch zu hinterfragen, eigenständig zu denken und zu urteilen und verantwortungsvoll mit digitalen Technologien umzugehen.“ Diese Fähigkeiten müssten sich nicht nur im Unterricht, sondern auch in Prüfungen widerspiegeln.

Das Kultusministerium beschreibt die Reform deshalb als Teil eines längerfristigen Umbaus. Bereits mit dem „LehrplanPLUS“ sei der Weg zu stärker kompetenzorientiertem Lernen eingeschlagen worden. „Die Förderung selbstgesteuerten Lernens, die Entwicklung von Problemlösungsfähigkeiten und die Anwendung des Gelernten in realitätsnahen Kontexten sind heute selbstverständliche Bestandteile in schulischen Prüfungen“, heißt es in den Ministeriumsunterlagen.

Neu ist nach Darstellung des Ministeriums weniger die grundsätzliche Idee alternativer Leistungsnachweise als deren systematische Verankerung. Schon bislang hätten Schulen innerhalb bestimmter rechtlicher Spielräume etwa Projektprüfungen, Präsentationen oder Debatten einsetzen können. Die nun vorgesehenen Änderungen bauen auf diesen Erfahrungen auf.

Gleichzeitig bemüht sich das Ministerium erkennbar um die Botschaft, dass die Reform keinen Abschied vom Leistungsprinzip bedeutet. „Vergleichsstudien belegen regelmäßig die hohe Qualität des bayerischen Schulsystems. Bei der Weiterentwicklung der Prüfungskultur halten wir an dieser Qualitätsorientierung fest“, heißt es ausdrücklich.

An Zensuren etwa soll nicht gerüttelt werden. „Bei der Bewertung von Schulleistungen haben sich Ziffernnoten etabliert. Sie werden von Schülerinnen und Schülern wie auch Eltern als leicht verständliche Rückmeldung geschätzt. Auch in einer modernen Prüfungskultur dienen sie deshalb weiterhin als grundlegendes Bewertungsinstrument“, erklärt das Ministerium. Gleichzeitig allerdings soll sich ein verändertes Feedback etablieren. „Bewährte Formen der Leistungserhebung werden durch neue Methoden ergänzt“, heißt es in den Unterlagen. Noten sollen künftig stärker durch „verschiedene Formen von lernförderlichem, transparentem Feedback“ ergänzt werden.

Das Kultusministerium formuliert fünf Leitmotive, die künftig die Prüfungskultur prägen sollen. Genannt werden „Qualitätssicherung und Leistungsorientierung“, „Digitalisierung und KI“, „Vergleichbarkeit und Rechtssicherheit“, „Zukunftskompetenzen“ sowie „lernförderliches Monitoring und Feedback“.

„Oberstes Ziel ist es, Schule als Ort des Lernens zu gestalten und junge Menschen als Persönlichkeit mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten heranzubilden“

Das Ministerium versucht damit einen Spagat. Prüfungen sollen künftig stärker Kompetenzen erfassen, die in einer von KI geprägten Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen – etwa Problemlösung, Urteilsfähigkeit, Kommunikation und die Fähigkeit, Rückmeldungen zu nutzen. Zugleich soll verhindert werden, dass die Vergleichbarkeit schulischer Leistungen verloren geht. Neue Prüfungsformen sollen deshalb nicht an die Stelle klassischer Leistungsnachweise treten, sondern diese ergänzen.

Allerdings wird die Zahl verpflichtender Leistungsnachweise teilweise reduziert. An den Realschulen sind künftig nur noch mindestens zwei statt drei kleinere Leistungsnachweise pro Halbjahr vorgeschrieben. An den Gymnasien sinkt die Mindestzahl der großen schriftlichen Klassenarbeiten im Fach Deutsch in den Jahrgangsstufen fünf bis acht sowie in Mathematik in Jahrgangsstufe neun von vier auf drei.

Die Debatte über die Zukunft schulischer Prüfungen hatte zuletzt auch außerhalb des Ministeriums Fahrt aufgenommen. Eine Schülerin gewann mit ihrer Petition zur Abschaffung der sogenannten Exen fast 60.000 Unterstützerinnen und Unterstützer. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schloss eine Abschaffung unangekündigter Leistungsnachweise jedoch aus. Der Bildungsausschuss des Landtags lehnte die Petition später mit den Stimmen von CSU, Freien Wählern und AfD ab (News4teachers berichtete).

Das Kultusministerium gibt sich mit der jetzigen Reform zukunftsgewandt. „Oberstes Ziel ist es, Schule als Ort des Lernens zu gestalten und junge Menschen als Persönlichkeit mit Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten heranzubilden“, heißt es in den Erläuterungen.

Die rechtlichen Änderungen sollen zum 1. August 2026 in Kraft treten. Das Kultusministerium bezeichnet die Reform dabei ausdrücklich nicht als abgeschlossenen Vorgang. Die Weiterentwicklung der Prüfungskultur sei ein „offener, kontinuierlicher Prozess auf der Grundlage von Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis“, an dem alle bayerischen Schulen mitwirken sollen. News4teachers / mit Material der dpa

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3 Kommentare
Götz
1 Stunde zuvor

Es ist großartig, wie sehr das bayerische Kultusministerium auf der Höhe der Zeit ist. Sicher wird es auch aktuelle Gerichtsurteile zur Arbeitszeiterfassung demnächst berücksichtigen, darauf vertraue ich ganz fest.

Katze
1 Stunde zuvor

„Das bayerische Kultusministerium reagiert darauf nun mit einer Reform der Leistungsbewertung. Debatten, Erklärvideos und digitale Portfolios sollen künftig stärker berücksichtigt werden.“
Bayern ersetzt damit klassische Prüfungen durch Formate, die garantiert niemandem wehtun. Ein Erklärvideo kann jeder drehen, ein Portfolio kann jeder füllen – und die Noten steigen ganz von selbst, weil die Formate es so wollen.
„Ich freu mich riesig über die Debatten, Portfolios, Podcasts, Erklärvideos besonders in Chemie.“
In Chemie ersetzt der Podcast die Rechnung, das Portfolio den Versuch und das Video das Verständnis. Hauptsache, es klingt engagiert. Fachliche Präzision wäre da nur störend.
„Leporellos und Lapbooks und Kahoot-Abfragen als Leistungserhebungen und Bewertungsgrundlage habt ihr noch vergessen.“
Bitte, Bayern, vergesst diese Schätze bei eurer Reform auf gar keinen Fall.
Lapbooks, Leporellos und Kahoot‑Klickduelle sind die perfekte Ergänzung für ein System, das Noteninflation nicht bekämpft, sondern dekorativ pflegt. Wer basteln, falten oder schnell tippen kann, hat bestanden. Wissen ist optional.
„Im Gymnasium soll sich das beispielsweise in einem stärker prozessorientierten Schreiben zeigen. Schülerinnen und Schüler verfassen einen Text, erhalten Rückmeldungen und überarbeiten ihre Arbeit anschließend.“
Rückmeldungen durch KI, Sofatutor oder irgendein Tool, das den Text praktisch fertig liefert. Bewertet wird dann die Überarbeitung eines Produkts, das kaum noch vom Schüler stammt. Leistung wird zur Dokumentation von Fremdhilfe.
„Gleichzeitig bemüht sich das Ministerium erkennbar um die Botschaft, dass die Reform keinen Abschied vom Leistungsprinzip bedeutet.“
Treppenwitz. Wenn Prüfungsformate so weich sind, dass niemand mehr durchfallen kann, bleibt vom Leistungsprinzip nur das Etikett übrig. Die Noten steigen weiter (sollen weiter steigen?), die Aussagekraft sinkt weiter.
„Vergleichsstudien belegen regelmäßig die hohe Qualität des bayerischen Schulsystems.“
Ein Echo aus besseren Zeiten. Während die Reform die Bewertungsgrundlagen verwässert, hält man rhetorisch an der alten Stärke fest. Der Abgesang läuft leise, aber unüberhörbar: Bayern verabschiedet sich aus seinem eigenen Bildungsmythos – mit Portfolios, Podcasts und Klickduellen als Fanfare.

Wann reagiert das sächsische Kultusministerium endlich? Bildungsinitiative „Schland 2035“. Wir wollen auch dabei sein.

diehoffnungstirbtzuletzt
29 Minuten zuvor

„lernförderliches Monitoring und Feedback“ Wenn ich in jeder meiner Arbeiten schriftlich dokumentieren darf was der Schüler warum wie falsch gemacht hat und individuelle Lerntipps sich hier noch anschließen, na dann erhöht das bestimmt nicht die Arbeitszeit bei jedweder Korrektur. Noten sind ja eigentlich auch eine Rückmeldung, ob man den abgefragten Stoff verinnerlicht hat. Aber ich denke eine KI macht das sehr schnell und sehr individuell…meinen Schülern ist oft schon die Verbesserung einer Klassenarbeit einfach nur lästig…ich bin in freudiger Erwartung was das Kultusministerium mit seinen praxiserfahrenen Experten für Vorschläge an die Front hat…LG aus der Mittelschule

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