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Nach Dohnanyi-Vorstoß: Debatte um Lehrergehälter

Soll Lehrern das Geld gekürzt werden, um mehr in die Bildung investieren zu können?  Mit dieser Idee hat der frühere SPD-Bildungsminister Klaus von Dohnanyi eine Debatte um die Lehrergehälter in Deutschland losgetreten. „Manche Lehrer bekommen zu viel Geld”, hatte er in einem Interview mit „Welt-Online“ geäußert.

Klaus von Dohnanyi (SPD) war unter dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt Bundesbildungsminister. Foto: Chester 100, Udo Grimberg / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)

Klaus von Dohnanyi (SPD) war unter dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt Bundesbildungsminister. Foto: Chester 100, Udo Grimberg / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)

BERLIN (nin). Im deutschen Bildungswesen fehle es an Geld, sagte Dohnanyi, der zwischen 1972 und 1974 Bundesbildungsminister und zwischen 1981 und 1988 Bürgermeister von Hamburg war. Allerdings werde es angesichts der schlechten Finanzausstattung von Bund, Ländern und Gemeinden und der angekündigten Schuldenbremse sehr schwer sein, zukünftig mehr Geld für das Bildungswesen zur Verfügung zu stellen. Die Antwort werde also zunächst nur darin zu finden sein, dass man konsequent Prioritäten setze: also an einigen Stellen spart, um Ausgaben an anderem Ort zu finanzieren. Nach Dohnanyis Meinung könne man bei den Lehrergehältern ansetzen. In Deutschland seien sie teilweise zu hoch, sagte der 83-Jährige. Sie lägen 20 Prozent höher als im OECD-Durchschnitt. Andere Staaten könnten mit demselben Geld sehr viel mehr Lehrer beschäftigen. Ein französischer Gymnasiallehrer mit zwei Fächern etwa verdiene nach 15 Jahren im Beruf rund 25.000 Euro weniger im Jahr als sein deutscher Kollege.

Von Dohnanyi löste mit seinen Aussagen eine rege Diskussion um die Lehrergehälter in Deutschland aus. Tatsächlich seien die deutschen Lehrereinkommen fast die höchsten weltweit. „Kein Berufsstand hat sich seit dem Ende des Krieges in der Besoldung so verbessert wie die Lehrer“, sagte der Dortmunder Schulforscher Ernst Rösner der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ). Das größte Problem sieht er dem Bericht zufolge aber in der vergleichsweise schlechten Bezahlung der Grundschullehrer. „Ausgerechnet sie, die ja die Grundlagen schaffen für Bildungserfolg, verdienen weniger als ihre Kollegen in den Sekundarstufen“, sagte Rösner der WAZ. Hier setzt auch die Kritik von Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), an. Er sieht ein soziales Gefälle zwischen den Schulformen. In der vergangenen Woche hatte der VBE mit einem Gutachten gegen die Einkommensunterschiede mobil gemacht und gleichen Lohn für alle Lehrer gefordert, egal ob sie am Gymnasium, an der Realschule oder an der Grundschule unterrichten, ob sie Angestellte oder Beamte sind.

GEW: „Es müssen doch die richtigen Relationen her“

Kritik kommt auch von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW): „In der Wirtschaft bekommt ein Physiker erheblich mehr Gehalt als jemand, der sich nach fünf Jahren Physik-Studium als Lehrer betätigt. Es müssen doch die richtigen Relationen her“, sagte der Hamburger GEW-Chef Klaus Bullan der „Hamburger Morgenpost“. Der öffentliche Dienst liege keineswegs in der Einkommensspitze, sondern im Mittelfeld, sagte Bullan weiter. Lehrer hätten  ein langjähriges Studium und das Referendariat hinter sich gebracht. Das müsse anerkannt werden in der Bezahlung. Zudem werde es in naturwissenschaftlichen Fächern immer schwieriger, ausreichend Lehrkräfte zu bekommen – in der Wirtschaft werde mehr gezahlt, so Bullan: „Es geht nun mal auch darum, für Nachwuchs zu sorgen.“

Der Essener  Bildungsforscher Klaus Klemm hält laut WAZ den Vorstoß Dohnanyis für „absurd“. Man sollte deutsche Lehrergehälte nicht mit denen in anderen Ländern vergleichen, sondern mit dem Einkommen anderer Akademiker in Deutschland: Ingenieure, Staatsanwälte, Ärzte. „Diesen Vergleich gewinnen die Lehrer zumeist nicht.“

Im Forum von www.4teachers.de werden die Aussagen des SPD-Urgesteins Dohnanyi differenziert diskutiert. Ein Nutzer hält die Aussagen des Politikers für ein Ablenkungsmanöver, angesichts der Tatsache, dass Deutschland im internationalen Vergleich mit den Bildungsausgaben auf dem 30.Platz stehe. Ein anderer Nutzer meint, dass die Bezahlung nur eine Seite der zwei Seiten des Beschäftigungsverhältnisses sei. Der Bezahlung stünden Aufgaben gegenüber. „Die Aufgabenliste französischer Kollegen, die sie neben dem eigentlichen Unterricht erledigen müssen, sind kürzer. Daneben gibt es dann auch noch das Verhältnis Anzahl Schüler zu Lehrer, bei dem differieren Deutschland und Frankreich ebenfalls.“ Ähnlich sieht es ein anderer Nutzer: Statt mehrerer Sozialarbeiter, Krankenschwestern, technischem Personal und mehreren Sekretärinnen wie Schulen sie etwa in Finnland hätten, habe seine Schule eine Sekretärin und einen Hausmeister bei doppelt so vielen Schülern wie in Finnland. Die Arbeit des Verwaltungspersonals machten die Lehrer nebenbei. Da liege die Ineffizienz, meint der Nutzer.

Ein Kommentar

  1. Soll Lehrern das Geld gekürzt werden ?????
    ES MUSS- die kosten zu VIEL im VERGLEICH zu LESITUNG-
    VOR ALLEM DIE RENTE, die DIE KRIEGEN _WAHNSINN!!!!!

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