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Umfrage: Zuwanderer legen Wert auf Bildung

GÜTERSLOH (red). Viele Bürger aus Zuwandererfamilien sehen in einem gerechten Bildungssystem den Schlüssel für eine bessere Integration. Sie haben zudem klare Vorstellungen davon, wie dieses Ziel erreicht werden kann: nämlich durch einen verbindlichen Kita-Besuch, die flächendeckende Einführung der Ganztagsschule sowie eine bessere Ausstattung der Schulen in Problemvierteln.  

Das zeigt eine repräsentative Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, bei der auch Bürger mit türkischem und russischem Migrationshintergrund befragt wurden.

Türkischstämmige Bürger denken über Bildung nicht viel anders als deutschstämmige.  Foto: chrisschuepp / Flickr (CC BY 2.0)

Türkischstämmige Bürger denken über Bildung nicht viel anders als deutschstämmige. Foto: chrisschuepp / Flickr (CC BY 2.0)

In der Umfrage spricht sich die große Mehrheit für einen verbindlichen Kita-Besuch aus: 86 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung stimmen dieser Forderung ebenso zu wie 92 Prozent der Befragten aus russischen Zuwandererfamilien und 96 Prozent der Befragten mit türkischem Migrationshintergrund. Das bevorzugte Schulmodell ist für alle Bürger in Deutschland die Ganztagsschule: Sowohl in der deutschsprachigen Bevölkerung als auch unter den Befragten mit russischem oder türkischem Migrationshintergrund wünschen sich über 70 Prozent schulische Angebote auch am Nachmittag.

Klare Mehrheiten finden sich auch auf die Frage, ob Schulen in benachteiligten Stadtteilen besser ausgestattet sein sollen als andere Schulen: Das wünschen sich 66 Prozent der deutschsprachigen, 71 Prozent der russisch- und sogar 76 Prozent der türkischstämmigen Befragten. Alle drei Bevölkerungsgruppen zeigen sich bereit, auch einen finanziellen Beitrag für die Verbesserung des Bildungswesens zu leisten. 73 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung, 82 Prozent der Befragten mit türkischem und 67 Prozent der Bürger mit russischem Migrationshintergrund bekunden ihren Willen, für ein besseres Bildungswesen höhere Steuern zu zahlen.

„Hauptschulabschluss reicht nicht aus, um voranzukommen“

58 Prozent der Bürger bezweifeln zudem, dass ein Hauptschulabschluss ausreicht, um in der Gesellschaft voranzukommen – bei Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion sind es 63 Prozent, bei türkischstämmigen Migranten sogar 76 Prozent. Übereinstimmung gibt es auch beim Wunsch nach einer Ausbildungsplatzgarantie: 90 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung, ebenfalls 90 Prozent der Befragten mit russischer und sogar 95 Prozent der Befragten mit türkischer Zuwanderungsgeschichte befürworten eine solche.

„Die Menschen in Deutschland – besonders diejenigen mit Migrationshintergrund – sehen in der Bildung den zentralen Hebel zu gesellschaftlichem Fortkommen“, so kommentiert Jörg Dräger, Mitglied des Vorstandes der Bertelsmann Stiftung, das Ergebnis. Den Ergebnissen der Studie zufolge sind die meisten Bürger davon überzeugt, dass Bildung der Schlüssel zu wirtschaftlichem Erfolg und Integration ist. Unter den deutschsprachigen Befragten sind 83 Prozent der Ansicht, dass ein besseres Bildungssystem die deutsche Wirtschaft international stärken würde. 78 Prozent glauben, dass in Deutschland bei einem besseren Bildungssystem weniger soziale Ungleichheit herrschte. 65 Prozent meinen, Ausländer würden besser eingebunden, wenn Deutschland ein besseres Bildungssystem hätte. Diese Ansicht vertraten auch 69 Prozent der Befragten mit russischem und sogar 85 Prozent mit türkischem Migrationshintergrund.

Bildung für persönliche Zufriedenheit

Als Schlüssel für die persönliche Zufriedenheit sehen 39 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung das wichtigste Motiv für den Erwerb guter Bildung. Weitere 35 Prozent geben den beruflichen Erfolg als wichtigstes Motiv an, für 10 Prozent ist ein guter Verdienst das ausschlaggebende Ziel. Eine etwas andere Prioritätensetzung nehmen die Befragten mit türkischer Zuwanderungsgeschichte vor: Hier steht für 45 Prozent der berufliche Erfolg auf Platz eins, gefolgt von persönlicher Zufriedenheit (20 Prozent) und sozialer Akzeptanz (16 Prozent). Unter den Befragten mit Wurzeln in Russland steht der berufliche Erfolg für 34 Prozent an erster Stelle, 21 Prozent definieren persönliche Zufriedenheit als wichtigstes Ziel guter Bildung und für 19 Prozent ist ein guter Verdienst der größte Anreiz.

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