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Eine Studie belegt: Das gegliederte System ist falsch

Ein Kommentar von NINA BRAUN

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Die Bildungsjournalistin Nina Braun. Foto: www.bildungsjournalisten.de

Außer in Fachkreisen hat die Studie bislang noch nicht für viel Aufsehen gesorgt. Dabei hätte sie gerade in Deutschland viel Aufmerksamkeit verdient: Britische Forscher fanden heraus, dass sich der Intelligenzquotient im Teenager-Alter noch deutlich verändert – um bis zu 20 Punkte nach oben oder unten. Das sind gewaltige Sprünge: von minderbemittelt hinauf zu durchschnittlich intelligent oder von hochbegabt hinab zu gutem Mittelmaß.

Das Ergebnis ist nichts Geringeres als der wissenschaftliche Nachweis dafür, dass die dem gegliederten Schulsystem in Deutschland zugrundeliegende Begabungstheorie schlicht falsch ist. Es gibt sie nicht, die Trennlinie zwischen den lernbegabten Kinder hier und den „eher praktisch begabten“ Kinder dort, wie ja der gebräuchliche Euphemismus für “dumm” hierzulande lautet. Auch Kinder, die bis zum 4. Schuljahr leistungsschwach sind, haben noch ein großes Potenzial – wenn man ihnen die Chance nicht vorenthält, es zu entwickeln. In einem anregungsarmen Umfeld, wie es die Hauptschule mit ihrer aussortierten Schülerschaft zwangsläufig bietet, kann das aber kaum gelingen. Bislang war die Strukturdebatte ein Glaubenskrieg. Jetzt gibt es wissenschaftliche Argumente: Die Hauptschule gehört abgeschafft.

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4 Kommentare

  1. Es kann wirklich so sein. Einer meiner Söhne hat diese Entwicklung vollzogen!
    Aber er fand eben im gegliederten Schulsystem genug Aufstiegsmöglichkeiten, um letztendlich nach Realschulabschluss und folgendem Fachabitur seine Gesellenprüfung als Kirchenmaler abzuschließen und dann ein Studium der Innenarchitektur durchzuziehen (Examensnote 1,3!) und heute erfolgreich in diesem Bereich tätig zu sein.
    Das Schulsystem ist unwesentlich, wichtig ist die Durchlässigkeit!
    Das tollste System nützt dem Schüler nicht, wenn er auf Grund irgendwelcher dubioser Kriterien abgestuft wird (siehe andere Rassen in den USA und anderswo in den 60ern)!
    Das beste Systen nützt nichts, wenn dann vor der Hochschule rigide Auswahlprüfungen anstehen.
    Wichtig ist doch, dass der Lernende sich wohlfühlt, überzeugt ist, die Anforderungen erfüllen zu können, nicht dauernd auf den höheren Kurs starren muss.
    Und er muss mit seinem Abschluss weitermachen könne, so er will!
    Schon oft durfte ich ehemalige Realschüler späte als Praktikanten oder Referendare betreuen!
    Im Gedächtnis ist mir auch noch die Diskussion mit meinem Kaminkehrermeister (einfacher Hauptschulabschluss!) über den Sinn oder Unsinn grafikfähiger Taschenrechner.
    Die blöde Systemdebatte verdeckt das Wichtigste! Einen Bildungsabschluss für jedes Kind, der seinen Begabungen entspricht und ihm das Fortkommen ermöglicht!
    rfalio

    • Liebe/r rfalio,

      Sie haben recht – das Schulsystem ist unwichtig, wenn Durchlässigkeit herrscht. Von Hauptschulen allerdings, die (wie Wissenschaftler sagen) lediglich ein anregungsarmes Umfeld bieten können, ist der Aufstieg kaum zu schaffen. Hier geht so manches Potenzial auf der Strecke verloren.

      Herzliche Grüße
      Nina Braun

  2. Nicht nur Studien selbst können unseriös und darum ärgerlich sein (siehe Gefälligkeits- oder Pseudostudien), sondern auch der Umgang mit ihnen, wie Sie mit der Überschrift Ihres Artikels beweisen, Frau Braun.
    Eine Ihnen genehme und wahrscheinlich deswegen auch vorgenommene Interpretation der Studie machen Sie zu deren unerschütterlichem Beleg.
    Es wäre für Anhänger eines gegliederten Schulsystems ein Leichtes, die Ergebnisse der Studie für die Unterstützung ihrer Auffassung zu nutzen, was legitim ist, solange sie daraus keinen Beleg durch die Studie selbst machen. Diese enthält sich nämlich jeglicher Stellungnahme zu Schulsystemen.
    Außerdem sollte das wahrscheinlich wichtigste und von den Gender-Ideologen gegen jeden gesunden Menschenverstand immer wieder geleugnete Ergebnis nicht so hastig beiseite geschoben werden: Die Gene spielen bei jedem Menschen eine ganz entscheidende Rolle.

    • Absolut richtig! Obwohl ich Ihre Kritik an Frau Brauns Artikel vollkommen teile, stimme ich ihr in der Bestätigung der Meinung von rfalio zu, dass das Schulsystem unwichtig ist, “wenn Durchlässigkeit herrscht”.
      Durchlässigkeit bedeutet allerdings, dass die Verteufelung eines gegliederten Systems falsch ist, denn Durchlässigkeit setzt Gliederung voraus.

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