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Dohnanyi fordert erneut niedrigere Lehrergehälter

HAMBURG. Der ehemalige Bundesbildungsmininister und Hamburger Ex-Bürgermeister Klaus von Dohnanyi sowie Jörg Dräger, ehemaliger Hamburger Wissenschaftssenator, haben sich bei einer „Zeit“-Matinee für eine bessere Lehrerausbildung und den Bildungsförderalismus ausgesprochen.

Klaus von Dohnanyi (SPD) war unter dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt Bundesbildungsminister. Foto: Chester 100, Udo Grimberg / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)

Klaus von Dohnanyi (SPD) war unter dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt Bundesbildungsminister. Foto: Chester 100, Udo Grimberg / Wikimedia (CC-BY-SA-3.0)

Dräger, der mittlerweile Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung ist und mit dem „Deutschen Lernatlas 2011“ gerade eine große Bildungsstudie vorgestellt hat, fordert mehr Stabilität im deutschen Bildungssystem. Vor allem im Norden Deutschlands gebe es zu viele Veränderungen, sagte Dräger im Gespräch mit Klaus von Dohnanyi und „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe. Dräger sieht darin einen wichtigen Grund, dass die südlichen Bundesländer in Bildungsfragen erfolgreicher seien.

Von Dohnanyi sprach sich auf der Veranstaltung für den Bildungsföderalismus aus. Er, von Dohnanyi, sei nicht dafür, alles zu standardisieren. Die Länder müssten verantwortlich sein, möglichst auf kommunaler Ebene. Die Verantwortung müsse dort liegen, wo die Schule tatsächlich stattfindet, sagte der ehemalige Bundesminister für Bildung und Wissenschaft. Er halte aber eine „zentrale Qualitätsüberprüfung“ für notwendig.

Sowohl von Dohnanyi als auch Dräger plädieren für eine bessere Lehrerausbildung, die die Motivation und Eignung von Lehramtsstudenten überprüfe. Dräger betonte, dass sich Lehramtsstudenten selbstkritisch damit beschäftigen müssten, ob sie für den Lehrerberuf überhaupt geeignet seien. Es gebe viel zu viele Lehrer, die überfordert seien.

Von Dohnanyi sagte, dass sich zu viele Abiturienten nicht aus „Zuneigung zur Pädagogik“ für den Lehrerberuf entschieden, sondern etwa wegen der flexiblen Arbeitszeiten. Er forderte zudem eine neue Lehrerbesoldungsstruktur, mit der mehr Lehrer eingestellt werden könnten – sprich: niedrigere Gehälter. (kö)

5 Kommentare

  1. Heike Schürmann

    Ja, klar,
    wenn man immer zu den Spitzenverdienern des Landes gehörte und sicher auch keine mickrige Rente von 1000 oder 1200 € bekommt, kann man solche Forderungen gut stellen. Dann hat man ein Hausbau auch schnell und locker in 5 bis 10 Jahren abbezahlt, muss somit auch keine Miete von 600 bis 800 € bezahlen, hat gut für die eigene Rente vorgesorgt, kann sich gut und gerne regelmäßig einen Neuwagen leisten, weil der alte irgendwann muckt, den stören auch nicht die steigenden Lebenshaltungs- und Energiekosten oder die Mieten und Studiengebühren der studierenden Kinder. Nein, so einer fordert mit Recht niedrigere Gehälter für eine Berufsgruppe, die eine hohe Verantwortung trägt: die Verantwortung, wegbegleitende Autorität für junge Menschen zu sein. Das verlangt Einsatz,Kraft und Zeit!Auch nach der Schule (diese ist für viele Kollegen inzwischen auch eine Ganztagsveranstaltung!)Die Zeit und die Kraft wird allerdings weniger, wenn sich auch Lehrer im Angestelltenverhältnis inzwischen nach 400 €- Jobs umsehen müssen. Sie als SPD-Mann, Herr von Dohnanyi, haben mich mit Ihrer Forderung sehr enttäuscht!

  2. Barbara Eckert-Wagner

    Gab es nicht mal einen Wunsch/Forderung nach mehr Männern im Lehrerberuf? Gerade an Grund- und Hauptschulen sind immer mehr Frauen im Einsatz! Mit weniger Gehalt wird man Männer nicht motivieren können!

  3. „Die Zukunft der Kinder entscheidet sich im Klassenzimmer“ Auch diese Idee von Herrn Dräger ist bekannt. Er vergisst dabei freilich – aber nicht zufällig – die Resultate von Studien, welche die hohe Bedeutung des Elternhauses für Schulerfolg und Berufserfolg ergeben haben.

  4. Die gesellschaftliche Anerkennung der Arbeit wird auch in einem guten Gehalt ausgedrückt. Die Idee die Gehälter der Lehrer herabzusetzen steht wohl im Zusammenhang mit der Idee, dass die Leistung der Lehrer nicht das wert ist, was dafür bezahlt wird.
    Das Bild des Pädagogen, der morgens in der Schule seinen Unterricht abhält und nachmittags seiner Freizeitbeschäftigung nachgeht, existiert leider in vielen Köpfen um Lehrer abzuwerten.
    Ich denke, es ist zu wenig bekannt, was Lehrer tatsächlich leisten und welche Investitionen auch privat notwendig sind, um guten Unterricht machen zu können. Oder umgekehrt: Sind Lehrer Supermen und Superladies, die ohne Vorbereitung und spezielles Unterrichtsmaterial den Superunterricht abhalten können?

    Ich komme ursprünglich aus einem anderen pädagogischen Bereich, der erheblich schlechter bezahlt wird und die Situation dort sieht etwa so aus: unzufriedene Pädagogen, hohe Fluktuation, wenig Identifikation mit dem Arbeitsplatz, schlechte Unterrichtsqualität, so gut wie keine privaten Anschaffungen für Unterricht, hoher Krankenstand, ständige Angst um den Arbeitsplatz.

    Für die Demokratie ist eine gute Bildung der Heranwachsenden äußerst wichtig. Eine gute Bildung erhält man aber nur durch gute Lehrer – und gute Umstände ermöglichen auch gute Arbeit.

    Und, folgendes möchte ich hier noch loswerden: Da mir bekannt ist, dass es auch hochrangige Personen gibt, die glauben, dass man sich mit Fachwissen einfach so vor die Klasse stellen könnte folgender Vorschlag: Diese Personen sollen sich doch bitte mal als Lehrkraft an einer Schule erproben und zwar gerne an einer Förderschule Schwerpunkt emotionale Entwicklung oder einer Hauptschule Mal schauen, ob die Personen eine Woche durchhalten.

  5. „Es gäbe viel zu viele Lehrer, die überfordert seien.“ Manchmal fragt man sich, ob das Problem von vermeintlichen Luschen im Beruf nur auf Lehrer beschränkt ist. Da sah ich eines Tages einen Fernsehbericht: die zum Finanz-Thema / zur Eurokrise befragten Politiker hatten absolut kein Hintergrundwissen mussten aber schon bald zur Abstimmung antreten und nach vernünftigen Gründen abstimmen. Schön, dass man in der Runde von Bloßgestellten nicht alleine ist.

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