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Kaum Chancen für Jugendliche aus türkischen Familien

BERLIN. Migrantenkinder haben einen schweren Stand auf dem Ausbildungsmarkt – noch schwerer, wenn ihre Familien aus der Türkei oder arabischen Staaten stammen. Selbst wenn sie über die gleichen Schulabschlüsse verfügen. Dies zeigt eine aktuelle Analyse des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Die Untersuchung beruht auf der Befragung ausbildungsreifer Jugendlicher, die bei der Bundesagentur für Arbeit als Bewerber um einen Ausbildungsplatz gemeldet waren. Sie zeigt, dass sich bei Bewerbern mit türkisch-arabischem Hintergrund kein Vorteil eines mittleren Schulabschlusses erkennen lässt. Die Übergangsquoten in eine betriebliche Ausbildung sind mit 20 Prozent ebenso niedrig wie bei einem Hauptschulabschluss. Selbst wenn diese Jugendlichen eine (Fach-)Hochschulreife vorweisen können, bleiben ihre Aussichten gering (26 Prozent).

Bei Bewerbern südeuropäischer Herkunft ist dies anders: Während auch ihnen mit einem Hauptschulabschluss nur vergleichsweise selten der Übergang gelingt (22 Prozent), steigt ihre Erfolgswahrscheinlichkeit bei einem mittleren Schulabschluss bereits beträchtlich an (40 Prozent). Besitzen sie die (Fach-)Hochschulreife, so ist die Einmündungsquote mit 59 Prozent sogar die höchste von allen Vergleichsgruppen – einschließlich der Jugendlichen ohne Migrationshintergrund.

Junge Migranten werden bei der Ausbildungsplatzsuche zudem seltener zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Während sich mehr als drei Fünftel der Bewerber ohne Migrationshintergrund persönlich in Betrieben vorstellen können, trifft dies nur auf die Hälfte der jungen Migranten zu. Noch niedriger liegt der Anteil bei Jugendlichen mit türkisch-arabischem Hintergrund (46 Prozent).

Angesichts solcher Zahlen plädiert BIBB-Präsident Friedrich Hubert Esser dafür, insbesondere Jugendlichen mit Migrationshintergrund über eine verstärkte Berufsorientierung und Praktika einen Einblick in die Betriebe und damit den Betrieben beste Voraussetzungen für die Rekrutierung ihres Nachwuchses zu ermöglichen. So hätten beide Seiten – Betrieb und Jugendliche – die Möglichkeit, sich kennen und schätzen zu lernen. Esser: „Denn letztendlich müssen wir allen eine faire Chance auf Ausbildung geben.“

Von den rund 550.000 im Berichtsjahr 2009/2010 bei der BA gemeldeten Bewerbern haben 26 Prozent einen Migrationshintergrund. Von ihnen kommt über ein Drittel (36 Prozent) aus osteuropäischen und den GUS-Staaten. Fast ebenso groß (35 Prozent) ist der Anteil mit türkischem oder arabischem Hintergrund, wobei die Mehrheit aus der Türkei stammt.

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