Anzeige


Startseite ::: Praxis ::: Untersuchung: 90 Prozent der Schulmensen sind mangelhaft

Untersuchung: 90 Prozent der Schulmensen sind mangelhaft

MÖNCHENGLADBACH. Über 90 Prozent der Schulen erfüllen die Qualitätsstandards für gesundes Essen nicht. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Hochschule Niederrhein.

Fünf Jahre lang haben Wissenschaftler der Hochschule das Speiseangebot in bundesweit knapp 200 Schulmensen untersucht, bewertet und zertifiziert. Ihr Fazit fällt ernüchternd aus: Noch gibt es wenige Caterer, die sich überhaupt zertifizieren lassen – und häufig kommt mangelhaftes Essen auf den Teller der Kinder.

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagen die Wissenschaftler (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Häufig mangele es an der Qualität des Schulessens, sagen die Wissenschaftler (Foto: Moe/Flickr CC BY 2.0)

Nach den Vorstellungen der Forscher sollten in Schulmensen mindestens einmal pro Woche ein Fischgericht, jeden Tag Gemüse und Salat sowie regelmäßig Vollkornprodukte angeboten werden. Fleisch sollte fettarm und nicht paniert sein, und bei den Nachspeisen seien Milchprodukte und Obst wünschenswert. Auch sollte möglichst täglich ein vegetarisches Essen angeboten werden. Der Leiter der Untersuchung, Prof. Volker Peinelt, sagte auf der Pressekonferenz, während der die Ergebnisse vorgestellt wurden: „Es gibt inzwischen viele attraktive vegetarische Gerichte, die von den Schülern angenommen werden.“ Das größte Problem in den Schulen sei aber ein anderes: Speisen würden zu lange warmgehalten, bevor sie serviert werden. „Oft vergehen mehr als drei Stunden zwischen Zubereitung und Ausgabe – sehr ungünstig für die Qualität der Speisen“, erklärt Peinelt. „Wer zu lange warmhält, kann die Prüfung nicht bestehen.“ Ideal sei es, wenn Schulverpflegung in einer  Zentralküche mit gutem Personal zubereitet werde, und das Essen anschließend heruntergekühlt oder tiefgefroren werde.  In diesem Zustand sollte es in die Schulen transportiert und erst unmittelbar vor der Ausgabe erhitzt werde.

Gutes Catering bekommt ein bis drei Kochmützen

Prinzipiell müssten sich Schulen an die Qualitätsstandards für Schulverpflegung der deutschen Gesellschaft für Ernährung halten, schreibt die Nachrichtenseite „der Westen“. Trotzdem seien die bisherigen Versuche, in Deutschland die Situation zu verbessern, fehlgeschlagen. Die Wissenschaftler der Hochschule Niederrhein haben ein Angebot, das dabei helfen könnte.  Freiwillig können Schulen ihr Mensaessen von ihnen gründlich und ganzheitlich prüfen lassen. Speisenproduktion, Transport, Speiseplan und vor allem die Hygiene werden unter die Lupe genommen – von der Herstellung beim Caterer bis zur Ausgabe in der Schule. Idealerweise werden beide Bereiche geprüft. Im Erfolgsfall werden ein bis drei Kochmützen vergeben.

Insgesamt etwa 3000 Euro kostet die Einzel-Zertifizierung für Cateringbetriebe oder Schulen in drei Jahren. Günstiger ist die Gruppen-Zertifizierung, bei der die Kosten pro Schule grob gedrittelt werden. Die Zertifizierung nach dem Kochmützen-Modell könnte für Schulen und Städte, die auf der Suche nach einem Anbieter für gutes Schulcatering seien, als Auswahlkriterium gelten. Wer zertifiziert wurde, wird in einer Positivliste der AG-Schulverpflegung der Hochschule Niederrhein im Internet angegeben. „Wir hoffen, dass sich der Wettbewerb einmal umkehren wird und statt des Preises die Qualität an erster Stelle steht“, sagte Peinelt. NINA BRAUN

Liste der Schulen, die positiv getestet wurden:

www.ag-schulverpflegung.de/index.php/positivliste

Zum Bericht „Das Schulessen soll besser werden – aber wer zahlt?“

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*