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Nach Missbrauch: Erneut Debatte über Sicherheit an Berliner Schulen

BERLIN. Nach dem Missbrauch einer Achtjährigen Anfang März auf der Toilette einer Berliner Grundschule ist heute ein Tatverdächtiger festgenommen worden. Nur wenige Tage nach dem Übergriff soll es an einer anderen Berliner Grundschule einen weiteren Vorfall gegeben haben. Das berichtet die „Berliner Morgenpost“. Unterdessen ist erneut eine Debatte über die Sicherheit an Berliner Schulen entbrannt.

Erneute Debatte über Sicherheit an Berliner Schulen entbrannt; Foto: harry_nl /Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Erneute Debatte über Sicherheit an Berliner Schulen entbrannt; Foto: harry_nl /Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Am Freitagnachmittag wurde ein 30 Jahre alter Verdächtiger festgenommen. Er wird verdächtigt, ein Kind auf einer Schultoilette an einer Grundschule im Berliner Stadtteil Wedding vergewaltigt zu haben. Obwohl aufmerksame Lehrer schnell die Polizei benachrichtigten, floh der Täter vor dem Eintreffen der Beamten, heißt es in der „Berliner Morgenpost“. Der Mann stehe „in dringendem Verdacht“, das Mädchen Anfang März auf der Schultoilette eingeschlossen und sexuell missbraucht zu haben, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich der „Berliner Morgenpost“. Dem Artikel zufolge wurde gegen den Mann Haftbefehl wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs erlassen. Intensive Ermittlungen des Landeskriminalamtes, 
Ergebnisse der Spurensicherung am Tatort und die Auswertung einer Mobilfunkzelle führten
 die Ermittler schließlich auf die Spur des Mannes, ist  in der gemeinsamen Pressemitteilung des Polizeipräsidenten und der Generalstaatsanwaltschaft Berlin zu lesen.

Laut der „Berliner Morgenpost“ ermittelt die Polizei noch in einem weiteren Missbrauchsfall. Am 7. März, also nur wenige Tage nach dem Vorfall an der Grundschule in Wedding, soll ein Unbekannter einer Schülerin im Stadtteil Frohnau ebenfalls auf der Schultoilette aufgelauert haben. Eine Freundin des Mädchens habe den Täter jedoch gestört. Dem Berliner Blatt zufolge schließen die Ermittler bisher einen Zusammenhang mit dem Missbrauch in Wedding aus.

Derweil lösten die Vorfälle erneut eine Diskussion über die Sicherheit an Berliner Schulen aus: Die Eltern fordern der „Berliner Morgenpost“ zufolge, dass die Schulsekretariate kontinuierlich besetzt sind. Sie wollen „flächendeckende Maßnahmen“, die dafür sorgen, dass Schulfremde nicht ohne Kontrolle in das Gebäude kommen können. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Günter Peiritsch, sagte gegenüber der Zeitung, dass überlegt werde, Eltern einen Schulbesuchsausweis auszustellen, Schüler in den Pausen als Meldeaufsichtsdienst einzuteilen und festzulegen, dass Kinder während der Unterrichtszeit nur zu zweit im Gebäude unterwegs sein dürfen.

Inge Hirschmann, die Vorsitzende des Grundschulverbandes, sagte, dass jede Schule zwischen 6 Uhr und 18 Uhr einen Hausmeister brauche, der kontrollieren müsse, wer sich in der Schule aufhält. Dies sei besser, als aus den Schulen Hochsicherheitstrakte zu machen. Die Schule lebe schließlich davon – so Hirschmann in der „Berliner Morgenpost“ –, dass sich dort auch Eltern aufhalten könnten.

An der Grundschule in Wedding, an der sich der Vorfall ereignete, sind der „Berliner Morgenpost“ zufolge vier der fünf Zugänge zum Schulareal verschlossen worden. Außerdem seien Reparaturen und Erneuerungen am Schultor am Haupteingang vorgenommen worden. An der Grundschule in Frohnau wurde eine Projektgruppe gegründet, die sich mit dem Thema „Schulsicherheit“ beschäftigt, heißt es in dem Berliner Blatt. Die Kinder dürfen indes nur noch zu zweit auf die Toilette gehen. Darüber hinaus würde das Schulgebäude morgens nicht mehr um 7 Uhr, sondern erst eine Viertelstunde vor Unterrichtsbeginn geöffnet. In einem Schreiben forderte der Schulleiter die Eltern auf, die Kinder bis zum Schultor zu begleiten und sie dort nach Schulschluss abzuholen.

In Berlin wird über die Sicherheit an den Schulen nicht erst seit beiden jüngsten Vorfällen debattiert. In Neukölln haben nach zahlreichen Zwischenfällen die Schulen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen getroffen und sind unter anderem vier Jahre lang von einem privaten Wachschutz beschützt worden. An dem Albert-Schweitzer-Gymnasium hat es nur einen Tag nach dem Abzug des jährlich 700.000 Euro teuren Wachschutzes einen drastischen Zwischenfall mit Heroinsüchtigen auf der Schultoilette gegeben. Seitdem wird die Schule wieder bewacht – derzeit von Ein-Euro-Jobbern. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet hat das Bezirksamt beschlossen, den Wachschutz für zehn Schulen erneut auszuschreiben, sobald der Haushalt steht. Dem Artikel zufolge wird an der Albert-Schweitzer-Schule der Einbau einer Wechselsprechanlage geprüft. Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD) sagte gegenüber der „Berliner Morgenpost“ die beiden Vorfälle an den Grundschulen zeigten, dass das Thema Sicherheit an Schulen nicht nur ein Neukölln-Problem ist. FRAUKE KÖNIG

(30.3.2012)

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