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Gegen den Hunger: Deutsche Forscher wollen Reisfelder stapeln

STUTTGART. Pilze im ehemaligen Bunker sind Schnee von gestern. Wissenschaftler der Uni Hohenheim wollen jetzt den Reisanbau revolutionieren – indem sie die Pflanze auf bis zu 50 Etagen anbauen.

Der traditionelle Reisanbau: Mit viel Wasser und Schlamm - unter freiem Himmel. Foto: Franzfoto/Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

“Skyfarming” heißt ihr neue Konzept gegen den Hunger in der Welt. Der Reis könnte in einem Hochhaus mit ausgeklügelter Technik selbst in großen Städten heranwachsen – unabhängig von Umwelteinflüssen das ganze Jahr über. Die Transportwege zu den Verbrauchern wären kürzer, und es würde weniger Wasser und Dünger benötigt. Die Wurzeln der Reispflanzen hängen dabei frei im Raum und werden über einen künstlich hergestellten Nahrungsnebel mit Nährstoffen und Flüssigkeit versorgt.

Ein Modell von einer solchen “Skyfarm” existiert bereits. Ein Prototyp könne wohl in fünf bis zehn Jahren stehen – wenn sich Geldgeber fänden, sagte der Agrarforscher Professor Folkard Asch. Rund 12 bis 15 Millionen würde so ein Haus etwa kosten, schätzt er. Die Idee für das Mega-Gewächshaus hätten er und Professor Joachim Sauerborn Ende 2008 “über einem Bier”gehabt. Seitdem tüfteln sie an der Umsetzung – mit bislang gerade mal 5200 Euro Zuschüssen, wie Asch betont.

Ziel sei ein möglichst geschlossener Kreislauf, in den im Idealfall nur etwas regenerative Energie fließe und aus dem dann Reis herauskomme, erklärte Asch. “Da müssen wir noch ein bisschen dran arbeiten.” Auch die Frage der optimalen Beleuchtung und das Problem von schädlichen Keimen beschäftige sie noch. Ein Vorteil des Systems sei, dass der Reis beim Heranwachsen durch das Haus transportiert werden könne – immer genau in die Zone, wo gerade die idealen Bedingungen herrschen.

Der Agrarforscher machte klar, dass die Weltbevölkerung bis 2050 voraussichtlich auf rund 9 Milliarden anwachsen wird. Die Ackerflächen seien begrenzt. Reis als wichtigstes Nahrungsgetreide liefere rund ein Fünftel des globalen Kalorienbedarfs. Allein bis 2035 müsse die Produktion um rund 17 Prozent gesteigert werden. “Die Städte werden zu schwarzen Löchern für Nahrung”, sagte der Wissenschaftler voraus. Allein in Asien, wo der Reiskonsum sehr hoch sei, gebe es 15 Megastädte. Die knapp 35 Millionen Einwohner Tokios würden pro Tag insgesamt rund 5250 Tonnen Reis verspeisen, was der Ladung von etwa 130 großen Lastwagen mit 40 Tonnen entspreche. Ein Teil davon könne eines Tages vielleicht in der Stadt heranwachsen.

Anfangs seien sie mit ihrer Idee “abgewatscht” worden, berichtete Asch. Inzwischen sei das Interesse zuzuhören in den letzten drei Jahren allerdings enorm gestiegen. Nachhaltige Produktion von Lebensmitteln in Städten werde zu einem immer wichtigeren Thema – auch vor dem Hintergrund weltweiter Nahrungssicherheit. Zunächst geht die Idee von Asch und Sauerborn erst einmal auf Reisen: Ein verkleinertes Modell des “Skyfarming”-Hochhauses tourt vom 1. Juni bis 15. Oktober auf dem Ausstellungsschiff “MS Wissenschaft” durch rund 35 deutsche Städte. dpa

(22.05.2012)

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