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Lügen lassen sich nicht am Blick erkennen

CAMBRIDGE. «Ocean’s Eleven» oder «Verhandlungssache»: In vielen Filmen wird gezeigt, wie sich Lügner mit ihren Augenbewegungen verraten. Eine britische Studie zeigt: Das geht gar nicht.

Lügner lassen sich anders als vielfach angenommen nicht durch genaues Beobachten der Augenbewegungen entlarven – das zumindest hat eine Studie britischer Forscher ergeben. Der Blick nach rechts oder links oben stehe in keiner Verbindung mit dem Wahrheitsgehalt von Aussagen, berichten die Wissenschaftler um Caroline Watt von der Universität Edinburgh in der Fachzeitschrift «PLoS ONE».

In vielen Filmen wie «Ocean’s Eleven» oder «Verhandlungssache» wird gezeigt, wie sich Lügner mit ihren Augenbewegungen verraten. «Viele Menschen glauben, dass bestimmte Augenbewegungen ein Zeichen der Lüge sind, und diese Behauptung wird sogar in Kommunikationsschulungen gelehrt», erklärt Watt in einer Mitteilung zur Studie. «Unsere Forschung bestätigt dies nicht und legt nahe, dass es an der Zeit ist, diesen Ansatz aufzugeben.»

Lügen erkennt man doch nicht an den Augenbewegungen, sagen Wissenschaftler. (Foto:Okapi/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Entgegen gängiger Annahmen erkennt man Lügen doch nicht an den Augenbewegungen, sagen Wissenschaftler. (Foto:Okapi/Flickr CC BY-NC-SA 2.0)

Im ersten Experiment testeten die Forscher 32 Rechtshänder, bei denen Lüge und Blick nach rechts der Theorie nach besonders eng verknüpft sein sollten. Einige Probanden wurden aufgefordert, zu einem bestimmten Sachverhalt zu lügen, während andere die Wahrheit sagen sollten. Die Videoauswertung der Interviews hinsichtlich kurzer und längerer Blicke nach links und rechts oben ließen keinen Zusammenhang zwischen Wahrheitsgehalt der Aussage und Blickrichtung erkennen.

Die 32 Videos aus dem ersten Studienteil wurden in einem weiteren Schritt von 50 Laien eingeschätzt. Dabei war nur ein Teil der Gruppe über die Lügen-Theorie informiert: Sie schnitt aber nicht deutlich besser oder schlechter ab als die Gruppe ohne Vorwissen.

Um das Lügen unter Realbedingungen zu untersuchen, ließen Watt und ihr Team auch Videos echter Vermisstenmeldungen analysieren. 26 von 52 Videos zeigten Lügner. Besonders oft nach rechts oben blickten diese aber nicht.

Die These, dass sich Lügner durch ihre Augenbewegungen verraten, geht zurück auf die umstrittene Technik NLP (Neurolinguistisches Programmieren). In Kommunikationskursen lernen Teilnehmer, die Verhaltensweisen ihres Gegenübers anhand bestimmter Regeln zu analysieren. NLP zufolge lügt ein Mensch, der nach rechts oben blickt, während eine Person mit Blick nach links oben die Wahrheit spricht.

«Die Augenbewegung hat zwar zu tun mit geistiger Anstrengung, etwa dem Abrufen von Wissen oder dem Rekapitulieren einer Geschichte», sagte Michael Niedeggen, Psychologie-Professor an der FU Berlin, «sie ist aber nicht spezifisch für Lügen». Da das Abrufen wahrer Sachverhalte eigentlich keine besondere geistige Aktivität erfordern dürfe, sei die Annahme entstanden, dass vor allem Lügner die Augen verdrehten. dpa

(11.07.2012)

2 Kommentare

  1. Naja, ich sag ja immer: Die Wahrheit ist eine Lüge, die man glaubt, bis man es besser weiß. Das bleibt dann wohl vorerst noch so.

  2. Stefan Wehmeier

    There in middle of the circle in lies
    Heaven, help me
    Then all could see by the shine in his eyes
    The answer had been found

    R. J. Dio (Temple Of The King, 1975)

    Wer kann noch Wahrheit und Lüge unterscheiden, wenn die ganze Welt eine Lüge ist?

    http://www.deweles.de/willkommen/apokalypse.html

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