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Roboter-Fahrzeug mit Kieler Technik auf dem Mars gelandet

KIEL. Die Uni Kiel hat jetzt eine Filiale auf dem Mars. Messtechnik von der Förde ist an Bord des Roboterfahrzeugs, das auf dem Roten Planeten Spuren von Leben sucht. Die Freude über das geglückte Manöver «Wake up on Mars» war am Montag riesengroß.

Der Planet Mars auf einer Aufnahme der NASA von 2004. (Foto: Urbanus PD-USGOV/Wikimedia)

Der Planet Mars auf einer Aufnahme der NASA von 2004. (Foto: Urbanus PD-USGOV/Wikimedia)

Stolz, Jubel und Sekt zum Frühstück am Montagmorgen: Die Landung des Roboterfahrzeugs «Curiosity» auf dem Planeten Mars hat in Kiel Begeisterung unter Wissenschaftlern und interessierten Laien ausgelöst. Fast 500 Zuschauer – Wissenschaftler, Studenten und viele Neugierige aus der Bevölkerung – verfolgten die Live-Übertragung von der spektakulären Mission aus dem Nasa-Zentrum in Kalifornien im voll besetzten Hörsaal des Physikzentrums der Universität. Mit einem Gerät zur Messung von Strahlen sind Forscher aus der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt an der historischen Mission beteiligt.

Beifall brandete auf, als die Landung der «Curiosity», ein mit Hightech vollgepacktes fahrendes Labor, perfekt war. «Jetzt haben wir eine Außenstelle auf dem Mars», freute sich der Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, Prof. Wolfgang J. Duschl. «Wir sind stolz.» Etwas kleiner als ein Schuhkarton und nur gut anderthalb Kilo schwer ist der Radiation Assessment Detector Made in Kiel. Sein Stromverbrauch ist geringer als der einer Energiesparlampe, seine Aufgabe: Strahlen aller Art messen. «Deshalb wird sie bei uns auch eierlegende Wollmichsau genannt», sagte der Physiker Jan Köhler. Etwa zehn Mitarbeiter waren über zehn Jahre lang an dem Kieler Millionenprojekt beteiligt. Forscher der Extraterrestrik und der Astrophysik erläuterten ihrem faszinierten Publikum die Mission.

Mindestens zwei Jahre lang – etwa ein Mars-Jahr – soll «Curiosity» auf dem Roten Planeten Spuren von Leben suchen. Fotos, von denen es bereits viele gebe, sagten bei weitem nicht genug aus, betonte Prof. Duschl und belegte das mit fast identisch wirkenden Landschaftsfotos vom Mars und aus Marokko. Der Krater von Gale auf dem Mars soll nun Klarheit bringen. «Konnte Gale Leben hervorbringen oder ermöglichen?», ist die Kernfrage. Im Ergebnis könnten auch Aufschlüsse über frühes Leben auf der Erde stehen. «Wir bekommen Daten, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat», sagte Duschl.

Eine entscheidende Spur könnte das Wasser bringen, dessen Existenz auf dem Planeten lange unklar war. «Ja es gibt Wasser, zwar in Eisform, aber es gibt Wasser», sagte der Kieler Arbeitsgruppenleiter Prof. Robert F. Wimmer-Schweingruber, Experte für extraterrestrische Physik. Sehr wahrscheinlich sei es, dass der Mars in der Vergangenheit auch flüssiges Wasser hatte, was wiederum eventuell auf früheres Leben deuten könnte. Im Krater von Gales könne die Geschichte des Mars wie in einem Buch gelesen werden, sagte Wimmer-Schweingruber. Dazu soll «Curiosity» Gestein einsammeln, Aufnahmen machen, die Zusammensetzung von Gestein bestimmen und Umweltmessungen vornehmen.

Die Landung des Marsrovers wurde von den Experten in Kiel mit Hochspannung erwartet, weil sie um die Kompliziertheit des Manövers wussten. Immerhin musste binnen weniger Minuten die Geschwindigkeit von 6.000 Meter je Sekunde auf einen bis einen halben Meter je Sekunde gedrosselt werden – und das bei einem 900 Kilo schweren Fahrzeug mit 72 Kilo wissenschaftlicher Nutzlast an Bord. «Nervenkitzel sieht langweilig dagegen aus», befand Wimmer-Schweingruber. Nachdem alles geklappt hatte, lobte er beim Sekt seine Mitstreiter: «Wir waren ein fantastisches Team». dpa

(6.8.2012)

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