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Wer klug sein will, treibt Ausdauersport

TUCSON. Eine neue Hypothese in der anthropologischen Forschung besagt, dass Veränderungen der Muskulatur bei den frühen Menschen auch die Entwicklung des Gehirns beschleunigt haben. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Muskeln, desto mehr Gehirnmasse. 

Körperliche Ausdauerleistung und Kraft wurde vermutlich bislang als Faktor für die Entwicklung des menschlichen Geistes unterschätzt. Foto: 
Minette Layne/Flickr (CC BY 2.0)

Wie „Wissenschaft aktuell“ berichtet, vermuten Wissenschafter der Universität von Illinois, dass es neben den Überlebensvorteilen durch  komplexe Hirnleistungen, die wiederum ein starkes Wachstum des Gehirns förderten, noch eine ganz andere Antriebsfeder für diese Entwicklung gab. Denn die verstärkte Laufaktivität, die mit dem Übergang zum Leben als Jäger und Sammler einherging, war wahrscheinlich mit einer erhöhten Produktion bestimmter Wachstumsfaktoren gekoppelt. Diese Botenstoffe dürften auch einen stimulierenden Einfluss auf das Hirnwachstum gehabt haben. Die neue Hypothese widerspricht der gängigen Vorstellung einer wachsenden Intelligenz, die den frühen Menschen in die Lage versetzte, körperliche Mängel auszugleichen, schreiben David A. Raichlen und John D. Polk in ihrem Aufsatz für das im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“.

Hirnentwicklung steht im Zusammenhang mit körperlicher Ausdauerleistung

„Wir wollen mit unserer Arbeit nicht behaupten, dass körperliche Ausdauerleistung allein für alle Aspekte der Hirnentwicklung verantwortlich gewesen wäre. Aber sie ist ein bisher unbeachteter Faktor, der bei diesem Prozess eine wichtige Rolle gespielt haben könnte“, erklären die Biologen. Grund für diese Annahme sind Ergebnisse von Tierversuchen, Analysen paläontologische Skelettfunde und sportmedizinische Befunde anderer Wissenschaftler. So fand das Forscher-Team Hinweise, dass regelmäßiges Ausdauertraining sowohl bei Nagetieren als auch bei Menschen die Neubildung von Hirnzellen stimulieren und Hirnleistungen verbessern kann. Das geschieht wahrscheinlich, indem vermehrt Botenstoffe wie das Neurotrophin BDNF und Wachstumsfaktoren wie IGF-1 und VEGF gebildet werden. Diese verstärken die Durchblutung und damit die Leistungsfähigkeit der Muskeln, wirken aber gleichzeitig auch stimulierend auf das Hirngewebe. Nagetiere, die solche Botenstoffe nicht mehr in ausreichendem Maß produzieren konnten, bildeten weniger Hirnmasse als gesunde Tiere.

In der Evolution des Menschen könnte vor etwa zwei Millionen Jahren eine Auslese anhand der Ausdauerleistung erfolgt sein. Dadurch veränderten sich die Vormenschen körperlich so, dass sie fähig waren, bei der Jagd stundenlang große Strecken laufend zurückzulegen. Gewissermaßen als Nebeneffekt könnte so ein Wachstum einiger Hirnregionen angeregt worden sein, wodurch sich wiederum die kognitiven Fähigkeiten verbesserten.

(22.11.2012)

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