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Zehn Jahre nach Amoklauf von Erfurt: „Kein Schulsystem bietet Schutz“

ERFURT (Mit Kommentar). Das Massaker hat Deutschland erschüttert: Ein 19-Jähriger richtet am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt ein Blutbad an. Auch zehn Jahre später wird über die Konsequenzen aus der Tat noch immer gestritten.

"Lerne um zu leben": Inschrift über einem Seiteneingang des Gutenberg-Gymasiums. Foto: Christoph Hoffmann / Flickr (CC BY-SA 2.0)

„Lerne um zu leben“: Inschrift über einem Seiteneingang des Gutenberg-Gymasiums. Foto: Christoph Hoffmann / Flickr (CC BY-SA 2.0)

Nach dem Schulmassaker in Erfurt vor zehn Jahren ist nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes (DL) die Sicherheit an den Schulen verbessert worden. Es gebe Fortschritte bei schulischen Sicherheitskonzepten und Notfallplänen, erklärte der Verband. Noch zu wenig ausgeprägt sei die «Kultur des Hinhörens und des Hinsehens», die als Frühwarnsystem nötig sei, erklärte Verbandspräsident Josef Kraus.

An die 16 Opfer des Blutbades vom 26. April 2002 wird an diesem Donnerstag am Gutenberg-Gymnasium mit einer Gedenkstunde erinnert, bei der die Namen der 12 getöteten Lehrer, der beiden Schüler, der Sekretärin und des Polizisten verlesen werden. Die Glocken aller Kirchen in Thüringens Landeshauptstadt werden läuten. Der Täter hatte sich selbst erschossen.

Sicherheitskonzepte sowie technische Ausrüstungen seien wichtig, ebenso ein schärferes Waffenrecht und mehr Schulpsychologen, erklärte Kraus. Es könne aber nicht darum gehen, «mit einem Übermaß an Kontrollen die Schulen zu Festungen auszubauen». Kraus forderte erneut regionale Anti-Gewalt-Gipfel.

Matschie: „Zum Handeln angeregt“

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnte davor, das Gedenken an die Opfer für bestimmte Ziele zu instrumentalisieren. Natürlich müsse mehr auf Warnsignale geachtet und Schulpsychologen eingestellt werden. Aber: «Kein Schulsystem bietet einen Schutz vor solchen Terroraktionen», sagte Meidinger.

Nach Ansicht von Thüringens Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) hat das Massaker «zum Handeln angeregt». Er verwies unter anderem auf Änderungen im Jugendmedienschutz oder die Verschärfung des Waffenrechts. Zudem müsse heute kein Thüringer Schüler mehr nach der 10. Klasse das Gymnasium ohne Abschluss verlassen. Etabliert habe sich ein Notfallsystem; die Zahl der Schulpsychologen in Thüringen sei von 17 auf 32 erhöht worden.

Der Täter, der einen Schulverweis erhalten hatte, erschoss damals in Erfurt innerhalb von etwa zehn Minuten 16 Menschen. Er war Mitglied in einem Schützenverein. Nach der Tat wurde bundesweit über die Ursache von Amokläufen und wie sie verhindert werden können diskutiert. (25.4.2012)

 

Ein Kommentar

  1. Es gibt keinen sicheren Schutz gegen Amoktaten, und auch Präventionsprogramme haben ihre Grenzen. Daher habne sich Schulen auf Amoklagen und Amokalarme vorzubereiten. Nach meiner Erfahrung mangelt es daran in der Hoffnung, dass die eigene Schule ausgeklammert bleibt. Diese Hoffnung mag statistisch aufgehen, nur: Auch Amokalarme, die sich nch Stunden der Angst als Fehlalarme entpuppen, hinterlassen tiefe Wunden auf der Seele aller Betroffenen.

    Als Stichwörter für Amoklagen und Amokalarme seie4n hier nur genannt:
    Ziele des Amoktäters, Ziele von Polizei, Rettungsdiensten und Kirsenteams
    Konzept: Kollektive Rettung vor individueller Rettung
    Rollenwechsel: Von der Lehrkraft zum Krisenmanagement (Führung in der Klasse übernehmen, ohne sich mit Anderen noch beraten zu können; Klasse beruhigen; auf mögliche Lageentwicklungen vorbereiten…)
    Konkretes Verhalten in unterschiedlichen Situationen konkret durchdenken („Was wäre wenn…?“), besser noch: durchspielen und auswerten
    Betreuungskonzepte nach einem Alarm (auch Fehlalarm).
    Ausführlich:
    http://www.gewalt-deeskalationstrainings.de/amok/amok.html mit Hinweisen
    Heinz Kraft, Villigster Deeskalationstrainer, Ennepetal

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