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“Sei locker, sei lustig, sei Lehrer!” – eine Glosse

BERLIN. Ihr Berufsalltag als Lehrer ist belastend? Das muss doch nicht sein, weiß die Berliner Lehrerin und Autorin Gabriele Frydrych, seitdem sie Ratgeber zum Thema “positive Lebenseinstellung” liest. Eine Glosse.

Frech. Der Titel des neuen Buches von Gabriele Frydrych.

Frech. Der Titel des neuen Buches von Gabriele Frydrych.

 

Tolle Tipps

Ihr Leben könnte so schön sein! Statt pausenlos über Disziplinprobleme und Korrekturbelastungen zu klagen, kaufen Sie sich einfach einen Stapel dieser wunderbaren Ratgeberbücher: „Sei locker, sei lustig, sei Lehrer!“, „Sieg im Klassenkampf“ oder „Mantras fürs Lehrerzimmer“. Schon Kleinigkeiten machen Ihren Alltag entspannter. Man muss nicht ständig den Dienstherrn mit Boykottdrohungen und Brandbriefen erpressen und völlig überzogene Forderungen stellen. Stattdessen ein Plakat mit Sonnenuntergang ins Klassenzimmer, ein Schälchen Aromaöl aufs Lehrerpult und Kräutertöpfe aufs Fensterbrett – schon sind Schüler und Lehrerin friedlich und konzentriert. Kauen Sie im Unterricht hin und wieder ein Blatt Koriander. Spüren Sie, wie das die Hirnströme belebt?

Ihr neues Leben beginnt frühmorgens beim Zähneputzen. Sagen Sie Ihrem Spiegelbild etwas Nettes, z.B. „Ich bewundere dich!“. Auch die Wahl der Kleidung beeinflusst Ihre Stimmung. Nein, nicht schon wieder betongrau und erdbraun! Warum nicht mal rote Unterwäsche mit kleinen Bären drauf? Das zaubert ein Lächeln in Ihr Gesicht! Eine orange Bluse macht gleich viel unternehmungslustiger. Lackieren Sie jeden Fingernagel in einer anderen Farbe. Gurke im Gesicht und auf dem Frühstücksbrot erfrischt! Haben Sie sich für die große Pause einen Spieß mit sechs Sorten Obst gebastelt, eine Thermoskanne mit heißem Wasser gefüllt und ein paar Gläser Gemüsedip angerührt? Dann kann es ja losgehen. Allerdings nur, wenn Sie am Vorabend Ihre Ängste und Zweifel auf kleine Zettel geschrieben und selbige auf dem Balkon verbrannt haben.

Im Lehrerzimmer greifen Sie erst mal in die Energiebox. Dort sammeln Sie und Ihre Kollegen Weisheiten, mit denen Sie sich gegenseitig stärken. Spielen Sie im Morgenkreis nicht immer biedere Kinderlieder, sondern Ihre Lieblingsmusik: etwa. „I want to break free“! Haben Sie Handschmeichler und Massagebällchen eingesteckt? Überbrücken Sie brenzlige Situationen, indem Sie damit kneten. Auch ein Beißring hilft, Wut und Frust abzubauen. Tränken Sie eine Mullwindel mit Lavendelöl und riechen Sie mit geschlossenen Augen daran, wenn Patrick Ihnen mit seinem Gekippel und Gezappel auf den Keks geht. Wechseln Sie häufiger den Fokus. Fixieren Sie abwechselnd die Krähe auf dem Dach und Merlin in der ersten Reihe,  der wieder kein Arbeitsmaterial dabei hat. Atmen Sie tief und bewusst und trinken langsam zehn Schluck heißes Wasser, bevor Sie auf Cheyennes Unflätigkeiten reagieren.

Unterricht muss nicht kräftezehrend sein! Trainieren Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur,  wenn die Schüler etwas im Internet suchen. Machen Sie isometrische Übungen und Finger-Yoga. Gehen Sie abwechselnd auf den Zehenspitzen und auf den Außenkanten der Füße durchs Klassenzimmer. Erkunden Sie Ihre Akupressur-Punkte an Hinterkopf und Oberschenkel. Verwöhnen Sie sich heimlich mit einem heißen Fußbad hinterm Lehrerpult. Nach fünf Stunden empfiehlt sich ein kleines „Power-Napping“ in der Sporthalle oder im Materialraum. Sehr belebend sind auch barfuß durchgeführte Aufsichten. Steigen Sie in den Pausen zu Ihren Schülern auf die Kletterwand (Seltsam, noch nie bin ich auf die Idee gekommen,  mit meiner Klasse auch mal privat zu reden und zu scherzen! Da muss erst der Ratgeber „Mensch werden, Mensch bleiben – das Handbuch für die Bildungsfront“ erscheinen!).

Gestalten Sie Ihre schulischen Rückzugsräume, also die Lehrertoiletten, gemütlich und ästhetisch. Kaufen Sie Palmen und Farne, Spitzengardinen und weiches Klopapier. Malen Sie die Klobrillen bunt an.

Selbst öde Konferenzen werden zur Wellnessoase, wenn Sie unter dem Tisch Fußroller aus dem Orthopädiefachgeschäft einsetzen. Oder sammeln Sie mit den Zehen Murmeln ein, wenn Ihr Direktor über die nächste Evaluation / Inspektion / Reform doziert. Bringen Sie Ihren Balance-Sitzball mit. Wer zwingt Sie, Ihr Arbeitsleben auf wirbelsäulenfeindlichen Holzstühlen zu verbringen? Tragen Sie im Schulgebäude Gesundheitsschlappen und Massagesandalen. Man darf die Bedeutung der Fußreflexzonen nicht unterschätzen!

Und abends halten Sie in Ihrem Schmunzelbuch alle Situationen fest, die Ihnen heute ein  Lächeln entlockt haben!  GABRIELE FRYDRYCH

(4.2.2013)

Der Text ist dem neuen Buch von Gabriele Frydrych entnommen. Titel: “Die Dümmsten aus meiner Klasse sind Lehrer geworden!” Das Buch ist bei “Books on Demand” erschienen und  kostet 11,90 Euro.

Zum Beitrag: “Hart, aber lustig – Neue Glossen der Lehrerin Gabriele Frydrych”

 

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