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Studie: „Guter Ruf“ hängt von Hilfsbereitschaft gegenüber vielen Menschen ab

LONDON. «Wenn Sie einen guten Ruf haben möchten, dann helfen Sie mehr Menschen. Helfen Sie nicht zu oft ein und derselben Person.» Diesen Ratschlag erteilen drei US-Wissenschaftler in der Fachzeitschrift «Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences».

Die Anthropologen hatten auf einer Karibikinsel untersucht, wie kooperativ sich Menschen verhalten und wie ihnen später selbst geholfen wird. Dabei zeigte sich: Den besten Ruf hatten junge Einheimische, die den meisten Kollegen halfen. Und nicht jene, die am häufigsten halfen oder etwas älter waren.

Die Studie wurde in einem Dorf auf der Insel Dominica durchgeführt. Die rund 400 Dorfbewohner pflanzen vor allem Westindischen Lorbeer (Pimente racemosa) an. Aus den Blättern dieses Baums destillieren die Einheimischen ein Öl. Das ist so aufwendig, dass das kein Mann allein tun kann. Trotzdem bittet der Baum-Besitzer niemanden um Hilfe, sondern fängt alleine an zu arbeiten. Er vertraut den Forschern zufolge auf eine Dorf-Regel: Wem man früher geholfen hat, der wird einem nun helfen. «Weil das Dorf klein ist und die Arbeit nicht zu übersehen ist, erkennen die Menschen, wann sie verpflichtet sind zu assistieren.» Das schreibt das Team um Shane J. Macfarlan von der Universität von Missouri in Swallow Hall.

Freiwillige Feuerwehr

So könnte man sich auch einen guten Ruf erarbeiten: Bei der freiwilligen Feuerwehr. Foto: barockschloss / Flickr (CC BY 2.0)

Der Anthropologe hatte 20 Monate lang täglich dokumentiert, wer in den acht Destillerien des Dorfes arbeitete. Lorbeer-Bäume können alle zehn Monate geerntet werden. In den ersten zehn untersuchten Monaten wurde 193 Mal Öl aus den Lorbeer-Blättern destilliert. Daran waren 92 Männern beteiligt, die entweder als Chef des Tages oder als Assistent tätig waren. In der zweiten Phase wurden 272 Destillationen durchgeführt, und zwar von 101 Männern. Die Forscher ermittelten den Ruf von jenen 53 Männern, die in beiden Phasen mitgearbeitet hatten.

Die Analyse ergab: «Prosoziale Reputation hängt mit der Anzahl an Individuen zusammen, denen jemand bei der Produktion hilft, nicht mit der Anzahl der hilfsbereiten Taten.» Besonders kooperative Menschen waren die beliebtesten Kollegen. Ihnen halfen mehr Leute als den weniger kooperativen Einheimischen. Das führte allerdings dazu, dass sich diese kooperativen wie beliebten Arbeiter nicht bei allen Handlangern revanchieren konnten. Das wiederum könne dafür sorgen, dass jene Kollegen bald als unkooperativ gelten würden.

Ein weiteres Problem: Jüngere Destillateure waren besser angesehen als ältere. Ein Grund könnte den Forschern zufolge sein: Die Öl-Destillation ist eine anstrengende Arbeit und deswegen ließen sich manche lieber von jungen Kollegen helfen. Die älteren Kollegen würden zwar durchaus zur Hand gehen wollen, hätten aber nicht mehr so viel Kraft. «Das kann zu niedrigeren Reputationswerten führen.» dpa

(11.5.2013)

2 Kommentare

  1. Großartig!! Da sitzen dann ein paar Anthropologen 20 Monate in der Karibik unterm Lorbeerbaum und machen Strichlisten, um herauszufinden: „Besonders kooperative Menschen waren die beliebtesten Kollegen.“ Wo kann ich mich für ne ähnliche Studie noch bewerben??

  2. Tolle Erkenntnis dieser Studie.
    Kaum zu glauben, dass für so etwas überhaupt eine kostspielige wissenschaftliche Untersuchung gemacht wird.
    Ein Bekannter in Australien berichtete mir von einer dortigen Studie, durch die herausgefunden wurde, dass die Menschen dadurch dick werden, dass sie mehr Kalorien zu sich nehmen als sie verbrauchen.

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