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Neue Aufregung im bayerischen Zentralabitur – jetzt echter Betrugsfall?

MÜNCHEN. Ein weiterer spektakulärer Fall: In der Bayerischen Landeshauptstadt soll ein Schuldirektor einem seiner  Schüler vorab die Lösungen für die Abituraufgaben verraten haben. Zuvor hatte es schon Aufruhr um einen Schulleiter in Coburg gegeben, der die Noten im Fach Deutsch um einen Punkt aufgewertet hatte. In Schweinfurt schließlich hat eine Privatschule  ihren Betrieb eingestellt, nachdem ein kompletter Jahrgang durch das Fachabitur gerasselt war.

Ein Münchner Schulleiter soll einem Schüler Abiturlösungen zugeschanzt haben und ist deshalb vorläufig vom Dienst suspendiert worden. Der 61 Jahre alte Direktor soll dem Schüler die Lösungen in mehreren Fächern weitergereicht haben, berichtete der «Münchner Merkur». «Wir überprüfen den Vorwurf, dass ein Schüler möglicherweise an Ergebnisvorlagen herangekommen sein könnte», sagte der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger dazu. «Wenn nachweislich getäuscht worden sein sollte und die Ergebnisse nicht auf den Leistungen des Schülers beruhen, dann hat das sicherlich auch Konsequenzen für den Schüler.»

Aufgabenzettel mit Stift

Sollte sich der Verdacht gegen den Münchener Oberstudiendirektor bewahrheiten, hat auch der Schüler Konsequenzen zu befürchten. Foto: marco51186 / Flickr (CC BY 2.0)

Die Stadt hatte den Schulleiter vorläufig suspendiert. «Ich kann bestätigen, dass der Schulleiter derzeit nicht im Dienst ist», sagte eine Sprecherin des Schulreferats. Da es sich um ein laufendes Verfahren handele, gebe es keine weiteren Informationen, hieß es auch beim Personalreferat. In einen Schreiben an Lehrerkollegium und Eltern hieß es, der Oberstudiendirektor sei «wegen einer vorläufigen personalrechtlichen Verfügung» bis auf weiteres nicht im Dienst.

Der «Merkur» zitiert den Direktor in dem auch in der «tz» veröffentlichten Bericht mit den Worten: «Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Ich denke, dass die Gerechtigkeit siegen wird.» Den Berichten zufolge war der Verdacht durch auffällige Lösungen des Schülers beim Musikabitur aufgekommen. Der Zweitkorrektorin sei eine frappierende Ähnlichkeit mit dem «Erwartungshorizont» aufgefallen, auf dessen Basis die Lehrer die Abiturprüfungen korrigieren. Wie die Lösungen weitergegeben worden sein könnten, blieb unklar. Laut «Merkur» müssen sie bis zum Tag der Prüfung versiegelt aufbewahrt werden; der Direktor darf sie dann erst öffnen, und zwar in Anwesenheit eines weiteren Lehrers.

Erst kürzlich hatten nachträglich verbesserte Abiturnoten an einem Coburger Gymnasium für Wirbel gesorgt. Der Schulleiter hatte die Bewertungen aller 93 schriftlichen Deutscharbeiten um einen Punkt nach oben korrigiert. Inhaltlich war das laut Ministerium richtig, dazu wäre aber ein Beschluss der Lehrerkonferenz notwendig gewesen, sofern Schulleiter und Korrektor sich nicht verständigen können. Die Schüler müssen in diesem Fall aber keine Nachteile befürchten und können die guten Noten behalten.

An der privaten Fachoberschule (FOS) in Schweinfurt wiederum war eine Klasse fast komplett durchs schriftliche Abi gefallen. Die Schule stellt nun den Betrieb ein. Nachdem zwei Schüler bei den mündlichen Prüfungen ihr Abitur doch noch geschafft haben, können die anderen die 12. Klasse an der staatlichen FOS noch einmal machen, wenn sie die Aufnahmeprüfung in sieben Fächern bestehen.(dpa)

zum Bericht: Geschönte Abi-Noten? Ministerium entlastet Direktor nur zum Teil

zum Bericht: Schweinfurter Privatschule schließt nach Abi-Desaster

Ein Kommentar

  1. Ohne den Fall dieses Münchner Schulleiters ebenso wie den der Schweinfurter Privatschule auch nur im Geringsten herunterspielen zu wollen, möchte ich doch sagen, dass mir auffällt, wie sehr das Land Bayern immer mehr in die Zange genommen wird durch gehäufte und an die große Glocke gehängte Meldungen von Schulskandalen, die es immer wieder auch in anderen Bundesländern gibt.
    Dort werden solche Dinge aber als Einzelfälle und persönliches Versagen behandelt und nicht unterschwellig dem ganzen Bundesland angelastet.
    Ganz anders sieht es mit der Berichterstattung über schwarze Schafe in Bayern aus. Hier wird dafür gesorgt, dass ein Versagen oder Vergehen wie ein allgemeines Symptom wirkt. So ist jedenfalls mein Eindruck.

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