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Schleswig-Holstein stellt neue Lehrerausbildung vor – Opposition kritisiert „Einheitslehrer“

KIEL. Praxisnah und pädagogisch besser: Bildungsministerin Wende stellte die künftige Lehrerausbildung im Norden vor. Die drei beteiligten Hochschulen loben die gefundenen Lösungen. Die Opposition kritisiert den «Einheitslehrer» und die ungeklärte Besoldung.

Nach langen Querelen zwischen den Hochschulen und dem Bildungsministerium steht das Konzept der künftigen Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein. Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) und die an der Lehrerausbildung beteiligten Hochschulen lobten bei der Vorstellung am Donnerstag in Kiel die innovativen Lösungen. Gewinner der Reform seien die Studierenden und damit die Schüler, sagte Wende. Der Praxis-Anteil in den Studiengängen und die Qualifizierung für Inklusionsunterricht von Schülern mit und ohne Behinderungen werden ausgeweitet. So sollen Lehrerstudenten künftig ein Praxissemester machen.

Während die Regierungsparteien SPD, Grüne und SSW sowie die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das neue Konzept in höchsten Tönen lobten, übten CDU und FDP Kritik. Die Abschaffung des Gymnasiallehrers sei ideologisch motiviert und die Einführung des Einheitslehrers teuer erkauft, meinte die Opposition. Dass die Bezahlung der künftigen Grundschullehrer mit längerem Studium ungeklärt sei, sei mehr als fahrlässig.

«So viel Gemeinsamkeit mit den Hochschulen war noch nie», sagte Wende. Hätten die Vorstellungen in der Vergangenheit teils auseinandergelegen, «so fährt jetzt ein Tandem in die gleiche Richtung mit doppelter Kraft». Auch die Leitungen der Universitäten Flensburg und Kiel sowie der Musikhochschule Lübeck lobten das neue inhaltliche und praxisnahe Profil und die Aufteilung der Lehrerausbildung zwischen den drei Hochschulen.

Löst Kontroverse aus: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Die Unis loben ihr Konzept: Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende. (Foto: Steffen Voss/Bildungsministerium Schleswig Holstein)

Eine auf zehn Semester ausgeweitete Grundschullehrerausbildung wird im Herbst in Flensburg eingeführt. Außerdem werden dort Sekundarstufenlehrer für Gemeinschaftsschulen ausgebildet. In Kiel werden angehende Sekundarstufenlehrer für Gymnasien und Gemeinschaftsschulen studieren. Die Musikhochschule Lübeck wird ebenfalls für beide Schultypen Lehrer ausbilden.

Der Präsident der Uni Flensburg, Werner Reinhart, lobte, dass die Universitäten im Norden jetzt ihre Absschlüsse endlich gegenseitig anerkennen. Prof. Gerhard Fouquet betonte, keine Hochschule haben für andere bluten müssen. Es gebe auch keinen Verschiebebahnhof der Ressourcen.

Wende sagte, die Unis Kiel und Flensburg sollen künftig etwa 900 000 beziehungsweise 400 000 Euro pro Jahr zusätzlich erhalten. Die Neustrukturierung der Lehrerausbildung soll im August in Kraft treten. Die Besoldung der künftigen Grundschullehrer ist noch offen. Die GEW lobte Wendes Reform, die die Aufteilung in «niederes» und «höheres» Lehramt in Schleswig-Holstein beende. Logischerweise müsse sich daraus auch eine einheitliche Besoldung nach der Besoldungsgruppe A 13 für alle Lehrkräfte ergeben. dpa

2 Kommentare

  1. Halberstadt, Fred

    Welche Rolle spielt das IQSH noch für die neue Form der Lehrerausbildung? Ist das IQSH ganz aus der Lehrerausbildung abgekoppelt? Wer begleitet die Studenten / Studentinnen in der Praxis an den Unis ?

  2. Dass alle Lehrer der weiterführenden Schulen die gleiche Ausbildung bekommen, also auch überall einsetzbar sind, finde ich gut und richtig. Das Lehrerstudium für die Grundschullehrer auszuweiten, finde ich unsinnig. Noch mehr Theorie bringt nichts, Praxis ist wichtig!!!

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