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VBE kritisiert Qualität der Gemeinschaftsschulen

STUTTGART. 76 Schulen in Baden-Württemberg wollen zum Schuljahr 2015/16 Gemeinschaftsschule werden. Während Kultusminister Andreas Stoch (SPD) das Interesse als positives Zeichen dafür bewertet, dass die Städte und Gemeinden die Qualität der Gemeinschaftsschulen anerkennen und ihr vertrauen, bezeichnet der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg das positive Fazit des Kultusministeriums als Augenwischerei. Bislang verfüge die neue Schulart nicht über die Schülermischung, die Wissenschaftler für deren Erfolg als zwingend notwendig erachten, so der Verband.

„Wenn die Gemeinschaftsschule wirklich eine Schule für alle sein soll, darf diese neue Schulart nicht fast ausschließlich aus sterbenden Haupt-/Werkrealschulen wiedergeboren werden“, sagt der VBE-Sprecher. Insbesondere Gymnasien, aber auch die meisten Realschulen hielten sich bei den Anträgen auf Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule weiterhin vornehm zurück.

Andreas Stoch zieht beim Thema Inklusion die Reißleine. (Foto: PR/Landesregierung BW)

Andreas Stoch, Kultusminister Baden-Württembergs, sieht die hohe Zahl der Schulen, die Gemeinschaftsschule werden wollen, als positives Zeichen der Anerkennung der Qualität der neuen Schulform. (Foto: PR/Landesregierung BW)

Die 23 Anträge, die aus Kommunen mit CDU-Bürgermeistern kommen, seien laut Verband lediglich der Versuch, den Schulstandort zu erhalten, und entstammten in den seltensten Fällen pädagogischer Überzeugung. Viele Hauptschulen seien erst kurz zuvor zur neuen Werkrealschule mit Ganztagesbetrieb ausgebaut worden. Dafür hätten die Kommunen sehr viel Geld in die Hand genommen, „das sie jetzt nicht in den Sand gesetzt sehen wollen“, so der VBE. „So hat die Entscheidung für die Gemeinschaftsschule selten etwas mit dem Parteibuch des Bürgermeisters zu tun, auch wenn die Pressestelle des Kultusministeriums das gerne genüsslich so ausschlachtet“, sagt der VBE-Sprecher.

Das Ganze sehe momentan noch allzu sehr nach Etikettenschwindel aus: Die Schule lege zwar ein neues pädagogisches Konzept vor, dass das selbstorientierte individuelle Lernen in den Vordergrund stelle, aber ansonsten werde lediglich das Schild „Hauptschule“ gegen die gefälligere Bezeichnung „Gemeinschaftsschule“ ausgetauscht. Eltern, deren Kinder eine Gymnasialempfehlung haben, gäben weiterhin dieser stark leistungsorientierte Schulart mit dem allgemein guten Ruf den Vorzug. Eltern, deren Kinder die Haupt-/Werkrealschule besuchen sollen, glaubten nur allzu gerne, dass ihr Kind an der Gemeinschaftsschule bis zum Abitur geführt werden kann, selbst wenn es die Voraussetzungen gar nicht mitbringe.

28 Kommentare

  1. so lange es Gymnasien gibt, hat die gemeinschaftsschule keine chance. punkt. aus. ende.

    • Milch der frommen Denkungsart

      Die ist freilich der springende Punkt, weshalb die Prediger der Gemeinschaftsschule in allen Landen
      deren Hohelied singen; nach außen hin plädieren sie für Bildungsvielfalt, während sie durch immer
      mehr reformatorische Kunststückchen in Wahrheit das Gymnasium zu unterminieren und assimilieren
      im Sinn haben. Allerdings soll dieses Einheitsragout aber gern noch eine Weile unter dem Rubrum
      „Gymnasium“ firmieren, da diese Schulform immer noch die leistungsorientierteste, mithin von der
      Elternschaft gesuchteste darstellt (auch wenn die Politik vornehmlich linker Couleur wacker im Begriff
      ist, es zu kompromittieren und in Beliebigkeit verkommen zu lassen – das Wort „Elite“ ist ja schon zum
      angeblich inhumanen Schimpfwort degradiert worden, während man dem Gymnasium doch von gleicher
      mit penetranter Bosheit das Adjektiv „selektiv“ anhängt wohl wissend, daß solch Qualifizierung in der Tat
      aus dem Wörterbuch des Unmenschen stammt).

      Zum sogenannten „selbstgesteuerten Lernen“, wie es insbesondere die Zeloten der Kompetenzorientierung
      propagieren, sei an dieser Stelle nur soviel entgegengehalten: In unserem Nachbarn Österreich, das ja eine
      mit Deutschland vergleichbare Bildungslandschaft aufweist, wurde dieses Experiment nach fünf Jahren als
      gescheitert beerdigt.

      • Ursula Prasuhn

        Die Gymnasien stehen m. E. trotz Dementi längst auf der Abschussliste. Klammheimlich und Schritt für Schritt werden sie mit hehren Begründungen ihrer Standards beraubt, bis sie sich schließlich von den Gemeinschaftsschulen im Niveau nicht mehr unterscheiden und es Eltern egal ist, welche Schule ihr Kind besucht.
        Bei diesem schleichenden Prozess gibt es keinen Widerstand, weil er nicht ins Auge springt. Das Einzige, was bisher auffällt, sind Pläne zur künftigen Lehrerausbildung, die von der GEW unterstützt werden. Ziel ist der Einheitslehrer, der überall unterrichten kann in einer Bildungslandschaft, die nicht mehr von Gymnasien, sondern von Einheits- bzw. Gemeinschaftsschulen geprägt sein soll.
        Die Öffentlichkeit nimmt die künftige Lehrerausbildung nicht wahr oder weiß sie nicht zu deuten. Sogar Lehrer verkennen meist ihre Tragweite und fragen eher nach der Gehaltsstufe der Einheitslehrer als nach dem Sinn und Zweck der neuen Ausbildung.
        Dass die linkslastige GEW den Blick auf das Einheitsgehalt richtet und damit in der für sie typischen Weise vom Eigentlichen ablenkt, ist verständlich. Dass aber auch die Lehrer kaum über den Rand des Geldbeutels hinausgucken, ist bedauerlich.
        Vielleicht irre ich mich. Hoffentlich.

        • Die Gymnasien stehen nicht auf der Abschussliste, aber sie stehen sich selbst im Wege.

          Wie der Schulkonsens in NRW klar aufzeigt, ist seitens der Politik parteienübergreifend mit Hinblick auf die demographische entwicklung ein Zei-Säulen-Modell angedacht. Als Schulformen der Zukunft soll es auf der einen Seite Schulen „des längeren, gemeinsamen Lernens“ geben und auf der anderen seite die Gymnasien. Schulen des „längeren gemeinsamen Lernens“ können Gemeinschafts-, Sekundar- oder Gesamtschulen sein. Gemeinschafts- und Sekundarschulen müssen mit Schulen, die eine Gymnasiale Oberstufe unterhalten, Kooperationsverträge schließen, um für SuS mit einem FOR-Q einen schulischen Anschluss zu gewährleisten. Diese Kooperationsschulen können Gymnasien, Gesamtschulen oder Berufkollegs sein.

          So weit so gut. – Die Gymnasien stehen sich deshalb im Weg, weil die Übertrittsquote nach der Grundschule mit über 40% Schüler an die Gymnasien bringt, die das gymnasiale Lernumfeld schlicht und ergreifend überfordert. Dies führt spätestens nach der Erprobungsstufe zu Schulwechseln. Auf der anderen seite täten die Gymnasien gut daran, wenn sie ihre schulischen Bemühungen wieder stärker auf die allgemeine Studierfähigkeit ausrichten würden. Dies geht aber nur, wenn das Leistungsniveau des gymnasialen unterrichts angehoben wird. Das kostet die Gymnasien einen Teil ihrer schülerschaft und damit zwangsläufig auch eine Reihe von Beförderungsstellen – sowohl bei den Funtionsstellen als auch bei den Koordinatorenstellen. Und da beißt sich die (gymnasiale) Katze in den Schwanz.

          • Bedenken Sie aber auch, dass die Politik ihre Bildungserfolge durch die hohen Abiturquoten begründet und diese auch erhalten möchte. Das geht natürlich nur mir hohen Übergangsquoten ans Gymnasium und mit entsprechend geringen Abituranforderungen. Für letzteres können die Gymnasien nichts, schließlich fallen die Abitur- und Vergleichsklausuren im Vergleich zu „normalen“ Klausuren nicht umsonst häufig besser aus.

            Ansonsten stimme ich Ihrem Kommentar zu.

          • Aber ein Drittel der vergebenen Hochschulzugangsberechtigungen (FHR und AHR) werden doch gar nicht an Gymnasien erworben. GOSten gibt es nämlich auch an BKs und GeSen.

          • Aha, die Gymnasien sind also selbst schuld an ihrem Schrumpfungsprozess, „sie sind sich selbst im Wege“.
            Münchhausen lässt grüßen!
            Die beiden Vorkommentare geben im Gegensatz zu Ihrem opportunistischen Gerede die Wirklichkeit ohne politfreundliche Schminke wieder.

          • Die Gymnasien schrumpfen ja nicht. Die Zahl der Gymnasien ist konstant, die Anzahl der Schüler ist rückläufig. Letzteres liegt aber nicht an sinkenden Anmeldezahlen sondern an der Tatsache, dass infolge des G8 ein Jahrgang fehlt.

            Den Gymnasien – hier in NRW – ist es de facto nicht gelungen sich konzeptionell auf diese Situation einzustellen. Da die Oberstufe von der Schulzeitverkürzung nicht betroffen ist, ist der Druck auf die Jahrgänge 7 bis 9 unverhältnismäßig gestiegen. Hinzu kommt dass den meisten Gymnasien die Voraussetzungen für den Ganztag fehlen bzw. dieser weder von Eltern noch von Studienräten gewünscht wird und die Schulträger somit die benötigte Infrastruktur auch nicht vollumfänglich zur Verfügung gestellt haben. Das einzige Politikum ist, dass es den Gymnasien schwerer bzw. fast unmöglich gemacht worden ist, Schüler abzuschulen und sie keine Schüler ablehnen können, die von ihren Eltern angemeldet werden.

            Ein weiterer Aspekt ist die Situation nach Bologna. Da zur Studienaufnahme an einer Hochschule lediglich ein Fachabi benötigt wird, ist die Zahl der Studienanfänger, die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht an einem Gym erworben haben, gestiegen. Des Weiteren steigt die Zahl der Auszubildenden mit Abi.

            Es machen also heute mehr Schüler ihr Abi, von einer Schrumpfung der Gymnasien kann also absolut keine Rede sein. Die konkurrenz für die Gymnasien ist allerdings größer geworden, ihnen ist das Alleistellungsmerkmal „Oberstufe“ abhanden gekommen.

        • Zur Diskussion passt ein Artikel in der FAZ mit der Überschrift „Schulform Gymnasium – Ende eines Erfolgsmodells“.
          In ihm geht es auch um die von Ihnen angesprochene folgenschwere Abschaffung der Gymnasiallehrerausbildung.
          Zitat: „Denn die Schulform Gymnasium wird schon lange von innen ausgehöhlt.“

          http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schulform-gymnasium-ende-eines-erfolgsmodells-12134001.html

          Lesenswert sind auch die Kommentare.

          • Worin besteht jetzt noch einmal die bessere Ausbildung der zukünftigen Studienräte im Vergleich zu den Lehrern?

          • @ dickebank:

            Sie sind kompetent im Sinne von kompetenzorientiert ausgebildet. Die zahlreichen kritischen Artikel über die Kompetenzorientierung kennen Sie sicherlich …

            PS: Ihr Kommentar war ein Elfmeter, den ich hiermit versenkt habe.

          • Nee, ich besitze noch Fähigkeiten und Fertigkeiten, bin also bezüglich einer etwaigen Kompetenzorientierung mehr oder weniger inkompetent.

            Im übrigen wird meine Frage bezüglich der „besseren“ Gymnasiallehrerausbildung so auch nicht beantwortet.

          • Wie sollte sie das auch werden, da doch der Braten zu riechen ist?! Jeder tut gut daran, nicht in die Falle Ihrer Fragestellung zu tappen.

          • @ Dickebank:

            Mit „Sie“ meinte ich auch die neuen Lehrer, in diesem Sinne habe ich den versenkten Elfmeter nur etwas missverständlich ausgedrückt. Asche auf mein Haupt. Natürlich habe ich Ihre aufgeworfene Frage nicht beantwortet. Das wird aber auch kein Bildungspolitiker können.

          • @xxx Sehen Sie, „Asche auf mein Haupt!“ kommt für den raus, der auf die Frage eingeht, auch wenn es sich hier nur um ein Missverständnis handelt.
            Warum machen Sie sich so klein und reagieren so schuldbewusst?
            „Sie haben mich missverstanden. Mit dem ‚Sie‘ am Anfang des Satzes meinte ich die neuen Lehrer“, hätte doch genügt und wäre nicht unhöflich gewesen.
            Im Übrigen halte ich die Frage für durchaus beantwortbar, allerdings nicht für ein Zeichen echten Interesses.

          • Wenn die Frage so leicht beantwortbar ist, warum gibt es dann keine Erläuterung von Ihnen?

            Für BaWü mögen Sie vielleicht recht haben, da es in BaWü als einzigem Bundeslamd noch PHs gibt. In anderen Bundesländern studieren alle Lehramtsstudenten an Hochschulen. Das Studium des Lehramtes GHR unterscheidet sich vom Lehramt Gy/BK lediflich durch die Studiendauer von einem Semester. In beiden Studiengängen müssen die Fachstudiengänge mit einem Bachelor abgeschlossen werden. dauerhaft wird die Trennung zwischen gehobenem und höherem Dienst im Schulbereich nicht aufrecht zu erhalten sein, da die Einstellungsvorausetzung für den höheren Dienst ein master-Abschluss ist – und den haben alle Lehramtsstudenten vor Eintritt in den Vorbereitungsdienst.

          • Begründung bitte zur Kenntnis nehmen!
            „dauerhaft wird die Trennung zwischen gehobenem und höherem Dienst im Schulbereich nicht aufrecht zu erhalten sein,…“.
            Typische dickebank- Argumentation. Meinungsmache im Kleid von Verkündigung objektiver Sachzwänge.
            Immerhin eine Abwechslung zum Moralzwang anderer Wahrheitsverkünder.

          • Wieso Meinungsmache? Alle lehramtsexamen schließen mit einem Master und einem Zweiten Staatsexamen ab. Dies sind die Einstellungsvoraussetzungen für den höheren Dienst.

            Einstellungsvoraussetzung für den gehobenen Dienst sind Bachelor und erfolgreich absolvierter Anwärterdienst, siehe Polizeidienst- Kommissarlaufbahn.

            Die unterschiedliche Regelstudienzeit bei den Lehrämtern reicht als Begründungszusammenhang nicht aus. Die Versuchung für die Länder alle Lehrkräfte zunächst im Eingangsamt zu A12 zu besolden wächst.

          • Die finanzielle Schiene ist eine Sache für sich. Auf keinen Fall rechtfertigt sie die Abschaffung der wichtigen Gymnasiallehrerausbildung.

          • Aber worin besteht der Unterschied zwischen Gymnaiallehrerausbildung und der der SekI-Lehrkräfte?

            Welche fachlichen Inhalte werden denn dem Lehrämtler für SekI im Fach Chemie im Vergleich zum Lehamtsstudenten für das Gymnasium im gleichen Fach vorenthalten? Wir können das gerne auch auf andere Fächer wie Englisch, Erdkunde etc. ausdehnen. Bitte keine beliebigen Ausflüchte sondern harte Fakten, die durch Studien- und Prüfungsordnungen belegbar sind.

          • @dickebank:

            Ich kann nur für meine Ausbildung sprechen: Als Gymnasial- / Gesamtschullehrer habe ich nahezu ausschließlich Hauptfachveranstaltungen besuchen dürfen / müssen. Das galt für beide Unterrichtsfächer und auch für das pädagogische Studium. Besonders letzteres fand ich mehr als wirklichkeitsfremd. Die GHR-Studenten hatten ihre eigene Fakultät, wo es fachwissenschaftlich nicht viel tiefer ging als in meinem Grundstudium. Dafür gab es für diese Studenten viel mehr Didaktik. Wie brauchbar diese Veranstaltungen für das spätere Berufsleben sind, kann ich nicht beurteilen. Meine selbst besuchten didaktischen Veranstaltungen an der Fakultät hatten einen eher geringen unterrichtspraktischen Nutzen.

          • Auch wenn der eine oder die andree gezweifelt haben, die Frage war ernsthaft gemeint, da ich sie als Seiteneinsteiger mit ingenieurwissenschftlichem Hochschulstudium (TU) nicht beantworten kann.

            Dass der Unterricht in der Oberstufe mehr und detailltere Vorbereitung und somit fundierteres Faktenwissen benötigt ist nicht von der hand zu weisen. Nur an der Gesamtschule (IGS) unterrichten bis Klasse 10 ja Lehrkräfte mit Lehrbefähigung GHR(HRGe) und GY/Ge parallel; und es ist ja nicht so, dass die Studienräte nur die E-Ebene und die Lehrer die G-Ebene unterrichten. Auch die Ergebnisse bei den LSE in Jahrgang 8 oder die ZP-Ergebnisse in jahrgang 10 lassen keine Rückschlüsse auf die Lehrbefähigungen der Lehrkräfte zu, die die jeweiligen Kurse geführt haben.

            Nur eines verstehe ich wirklich nicht, warum ist man der Meinung, dass gymnasiale Lehrkräfte weniger didaktische und erziehungswissenschaftliche Studieninhalte benötigten als die Lehrämtler für GHR. Dass die jeweiligen Inhalte mehr als suspekt sind, habe ich ja dann noch während des Vorbereitungsdienstes erfahren können. Dass die theoretischen Plattitüden in der Praxis nicht brauchbar sind, erfahre ich seit mehreren Jahren tagtäglich.

          • @ dickebank:

            Meine universitäre Ausbildungsordnung war damals so. In einer Schule war ich während des gesamten Studiums fünf Wochen, eine Woche länger als vorgeschrieben. Heute ist das (glücklicherweise) anders, mittelfristig soll das Referendariat wohl an die Universität angegliedert werden. Für das Land hat das den Vorteil, dass es die angehenden Lehrer nicht mehr bezahlen muss und die — auch bei den Referendaren extrem unbeliebten — Studienseminare schließen kann.

  2. Aha, es gibt also ein Konzept für „das selbstorientierte individuelle Lernen“. Konzepte sind bekanntlich geduldig. Erst die Praxis wird zeigen, wie tauglich sie sind. Allerdings wird da regelmäßig gemauschelt. Immerhin braucht die Gemeinschaftsschule Erfolgsmeldungen, und zwar rasch.
    Der Begriff „selbstorientiertes individuelles Lernen“ erinnert an das Aufregerthema hier bei news4teachers von 2012:
    http://www.news4teachers.de/2012/12/modellversuch-selbstorganisiertes-lernen-zeigt-gute-ergebnisse/

    Im Modellversuch wurde da „bewiesen“, dass Kinder, die unter Diskalkulie litten oder zumindest bis dato in Mathematik größte Probleme hatten, durch das tolle Konzept innerhalb von 3 Monaten „geheilt“ und zu mathematischen Überfliegern wurden.

  3. Ich bin schon seit fast 20 Jahren im Schuldienst und arbeite seit einem Jahr an einer Gemeinschaftsschule. Es ist zwar viel Arbeit und erfordert viel Engagement; trotzdem ist meine Berufszufriedenheit enorm gewachsen. Die Arbeit mit den Kindern ist viel befriedigender, die Lehrer-Schüler-Beziehungen sind sehr intensiv und auch schwache Kinder haben Erfolgserlebnisse und sind motiviert. Schüler können in den Fächern auf unterschiedlichen Niveaus in ihrem Arbeitstempo arbeiten. In einer immer mehr heterogen werdenden Gesellschaft ist das starre Denken in drei Kategorien nicht mehr zeitgemäß. Es ist Zeit für eine Veränderung!

    • Ich beneide Sie. Meine Erfahrungen sind leider andere. Ich fühle mich täglich überfordert, arbeite ebenfalls sehr viel und habe den Kindern gegenüber ein permanent schlechtes Gewissen, weil ich ihnen auf den verschiedenen Niveaus nicht gerecht werde. Ich kann sie zwar beschäftigen, aber nur wenig weiterbringen. Ich fühle mich mehr als Betreuer (Animateur) und weniger als Lehrer.
      Außerdem habe ich das, was die Kinder leisten, nicht mehr richtig im Auge. Zur Kontrolle und Beurteilung der unterschiedlichen Arbeiten komme ich aus Zeitgründen viel zu wenig.
      Was die Kinder machen, ist zwar selbstorientiert und individuell, doch hinter den Lerneffekt möchte ich oft ein dickes Fragezeichen machen.

  4. Ursula Prasuhn

    @dickebank
    Dass es heutzutage eine Abiturienten-Schwemme gibt, ist bekannt. Woher aber kommt sie? Regnet es plötzlich Hirn vom Himmel?
    An Gemeinschaftsschulen ist die „Oberstufe“ eine konkurrierende Mogelpackung. Gymnasien haben seit jeher in allen Jahrgängen einen höheren Bildungsanspruch. Darum ist ihre Oberstufe kein aufgepfropfter Fremdkörper mit zwangsläufigem Minderniveau, sondern integrierter Bestandteil eines früh einsetzenden hochwertigen Bildungswegs.
    Dass Gemeinschaftsschulen zu demselben Abitur führen wie die allgemein bildenden Gymnasien, ist ein Trugbild, das für weitere Akzeptanz der Gemeinschaftsschulen sorgen soll. Dagegen wäre nichts einzuwenden, wenn es einen ausgewiesenen Qualitätsunterschied zwischen einem gymnasialen und einem gemeinschaftsschulischen Abitur gäbe. Das aber widerspricht dem politischen Leitbild – insbesondere dem rot-grün regierter Länder, deren politische Führung nichts lieber möchte als die Nivellierung „ungerechter“ Bildungsstände und -ausweise.
    „Moralische Entrüstung ist Neid mit einem kleinem Heiligenschein“ sagt Herbert George Wells. Er hat Recht, denn die geheiligte Empörungsmasche feiert große Erfolge. Neid auf Geld ist dabei nichts Neues, Bildungsneid allerdings schon. Ihn zu schüren und auszunutzen ist das politische Erfolgsrezept der Gegenwart, dem sich auch CDU und CSU allmählich nicht mehr entziehen können. Jedenfalls unterscheiden sie sich meiner Beobachtung nach immer weniger von ihren „missgünstigen“, aber erfolgreichen Wahlkonkurrenten.
    Für meinen Geschmack beschreiben Sie, dickebank, zu sehr und zu unkritisch die bildungspolitischen Weichenstellungen und Ist-Zustände, so als seien sie gottgegeben und hinzunehmen. Mich interessieren mehr die Auswirkungen auf die Zukunft. Und da sehe ich genauso wie „wetterfrosch“ schwarz für die Gymnasien und rosig für die politisch gewollten Gemeinschaftsschulen.
    Noch haben die Gymnasien Zuspruch und Zulauf, aber wie sieht es aus bei einer weiteren Zerrüttung ihres Alleinstellungsmerkmals, das weniger in der Existenz einer Oberstufe besteht als in der Qualität ihrer Lehre und ihres Schulabschlusses.

    • Eine Gemeinschaftsschule hat keine Oberstufe – zumindest hier in NRW nicht. Sollte in baWü die Gemeinschaftschule eine GOSt haben, dann ist sie eine Oberschule nach Berliner Facon.

      GOSten an BKs und GeSen unterliegen den gleichen Bedingungen beim Zentralabi wie die der gymnasien. Die Durchschnittsnoten der Abizeugnisse an GeSen liegen um eine Notenstufe unter der der Gyms. Dieser Punkt ist der Zusammensetzung der Schülerschaft geschuldet – hoher Migrantenanteil, viele SuS, die von der HS oder RS in die Oberstufe gewechselt sind.

      Im übrigen bin ich nicht unkritisch bezgl. der Bedingungen unter denen ich unterrichte, zumal ich nur bis Ende SekI unterrichte. Aber ich bin auch Elternteil und habe sowohl ein Kind, das das abi an einem Gym erreiocht hat, als auch ein Kind, das seinen weg bis zum Abi an einer GeS gegegangen ist. Ist erstere besser im sprachlichen Bereich, so lässt die Zweite die Erste in allen naturwissenschaftlichen Belangen hinter sich.

      Das Manko der Gymnasien ist, dass sie allenfalls auf Studiengänge wie Medizin, Psychologie, Theologiem Philosophie und Rechtswissenschaften – also die klassischen Fakultäten – vorbereiten, bei allen anderen Studiengängen aber keine Vorteile bieten gegenüber Absolventen anderer Schulformen. Und bevor hier wieder mein Sachverstand angezweifelt wird, ich habe ein Großes Latinum, einen abgeschlossenen ingenieurwissenschaftlichen Ausbildungsgang, ein Zweites Staatsexamen in einer technischen Disziplin sowie die lLehrbefähigung für GHR (HRGe) – also Grund-, Haupt-, Realschule und entsprechende Klassen der Gesamtschulen.

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