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Ahnen stellt 250 Lehrer mehr ein als geplant – VBE: Reicht nicht

MAINZ. Für über 540.000 Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz hat das neue Schuljahr begonnen. Weil die Schülerzahlen weniger stark als angenommen sinken, gibt es im Land mehr Lehrerstellen als zuvor geplant. Trotzdem kommt Kritik von Opposition und Lehrerverband.

Kaum hat das Schuljahr begonnen, hat sie schon wieder Ärger: die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen. Foto: Marc Bleicher / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Kaum hat das Schuljahr begonnen, hat sie schon wieder Ärger: die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen. Foto: Marc Bleicher / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Mit 250 Lehrerstellen mehr als ursprünglich geplant hat das Land Rheinland-Pfalz auf höhere Schülerzahlen reagiert. Insgesamt seien zum Beginn des neuen Schuljahres über 1200 junge Lehrer auf mehr als 1100 Vollzeitstellen eingestellt worden, sagte Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) anlässlich des ersten Schultages am Montag in Mainz. Der Bedarf an neuen Lehrkräften sei sehr gut gedeckt worden, auch in naturwissenschaftlichen Fächern sowie im Fach Mathematik. Der Opposition und dem Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE) ist das nicht genug.

Unter den Neueinstellungen sind Ahnen zufolge auch 200 neu besetzte Stellen für den Pool an Vertretungslehrern. Dieser umfasse nun 500 Stellen, bis 2016 soll er auf 1000 ausgebaut werden. Insgesamt gibt es im Land mehr als 41 000 hauptamtliche Lehrkräfte. Vor allem in berufsbildenden Schulen seien weitere Einstellungen zu erwarten.

Das neue Schuljahr ging am Montag für knapp 540.700 Schüler im Land los. Das sind zwar gut 6600 Kinder und Jugendliche weniger als 2013, es war jedoch ein Rückgang um 10.900 prognostiziert worden. Dass das Minus geringer ausfiel, liegt laut Ahnen vor allem an der Zuwanderung. Bei der Bevölkerungsvorausberechnung von 2010 seien der Zuzug wegen der Wirtschaftskrise in Südeuropa, die Zuwanderung aus Südosteuropa sowie die Folgen der Krisen in Afrika, im Nahen Osten und im Mittleren Osten nicht vorhersehbar gewesen.

Ahnen sprach von einer guten Unterrichtsversorgung in Rheinland-Pfalz. Sie habe den Anspruch, dass der strukturelle Unterrichtsausfall in diesem Schuljahr sinke, genaue Zahlen ließen sich aber noch nicht sagen. Im vergangenen Schuljahr hatte der strukturelle Unterrichtsausfall an allgemeinbildenden Schulen bei 2,1 Prozent gelegen, im Jahr davor bei 1,9 Prozent. Die Quote erfasst nicht den kurzfristigen Ausfall wegen Krankheiten von Lehrern.

Kritik kam von der Union. «Wir fordern, dass der Unterricht, der im Lehrplan vorgesehen ist, auch gehalten wird», sagte CDU-Chefin Julia Klöckner und verlangte von der rot-grünen Landesregierung ein Ende des Unterrichtsausfalls. «Wenn sich die Landesregierung mit weniger als 100 Prozent Unterrichtsversorgung schon zum Start des Schuljahres zufriedengibt und strukturell Unterrichtsausfall einplant, heißt das, es wird gar nicht zu 100 Prozent kommen.»

Der Lehrerverband VBE betonte, auch mit den zusätzlichen Einstellungen werde das zu erwartende Defizit nicht ausgeglichen. Es gebe immer noch einen strukturellen Lehrermangel von 500 bis 600 Stellen, was 10.000 Unterrichtswochenstunden entspreche, die nicht gehalten werden könnten, sagte der VBE-Landeschef Gerhard Bold.

Wichtigste Neuerung zum neuen Schuljahr ist Ahnen zufolge, dass Eltern behinderter Kinder nun wählen können, ob ihr Kind auf eine Förderschule oder eine besondere Regelschule – eine sogenannte Schwerpunktschule – geht. Neu für die Förderung in einer inklusiven Schule hätten sich die Eltern von rund 500 Kindern entschieden, sagte die Ministerin. Das sei ein moderater Anstieg und zeige, dass Eltern verantwortungsvoll mit ihrem Wahlrecht umgingen.

Die Inklusionsquote stieg von 27 Prozent im Vorjahr auf rund 30 Prozent im neuen Schuljahr. Der VBE kritisierte, dass es für die Eltern kein «vorbehaltloses Wahlrecht» gebe, da sie nur zwischen einer Schwerpunktschule und einer Förderschule wählen könnten. Das seien mit etwa 400 Standorten aber nur ein Viertel aller Schulen im Land. Die bildungspolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Bettina Dickes, monierte, die Schulen seien nicht angemessen auf die steigende Zahl an Inklusionsschülern vorbereitet. dpa

Zum Bericht: Funktioniert das rheinland-pfälzische System der Schulbuchleihe im neuen Schuljahr ohne Panne?

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