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Herrn Schmieds Kolumne – „Raus mit euch“

ERLANGEN. Unser Kolumnist Nicolas Schmidt, alias Herr Schmied, ist Lehrer im fränkischen Erlangen. Die neueste Folge von „Dem Herrn Schmied sein Schultag” lesen Sie hier. Heute: “Raus mit euch.”

Herr Schmied, was machen Sie jetzt eigentlich in den Sommerferien?
Also, ich werd heute und morgen meine Sachen hier aus der Schule mit nach Hause nehmen, sortieren, wegschmeißen und abheften, dann werd ich anfangen, den ganzen Krempel auf meinen Schreibtisch abzuarbeiten, die ganzen Klassenarbeiten für die Respizienz fertig machen, dann den anderen Kram anschauen, der in den letzten Wochen wegen der vielen Konferenzen und Zeugnisse und pipapo liegen geblieben ist, dann erste Planungen für die Unterrichtsverteilung im neuen Schuljahr machen, mich um die Anschaffung neuer Unterrichtsmaterialien kümmern, Gespräche mit dem Sachaufwandsträger wegen des Erweiterungsbaus an der Sporthalle führen, dann den Pädagogischen Tag vorbereiten, die Nachprüfung für die Fast-Sitzenbleiber durchführen, die neuen Stundenpläne für Lehrer und Schüler entwerfen, und dann sind die Ferien rum.

Was? Sie haben überhaupt keine Freizeit?
Sie Armer!
Na, ich wird nicht Lehrer!
Was is’n des für’n Scheiß?

Naja, vielleicht langt’s für einen Tag im Sonnenstudio.
Echt jetzt? Das ist alles?

Ach Kinder, bitte jetzt! Geht’s noch? Ich bin Lehrer! LEHRER! Am ersten Ferientag mach ich die Fliege und komm am letzten Ferientag 20 Minuten vor der ersten Lehrerkonferenz wieder.
Na, Lehrer müsste man sein!
Sie haben’s gut.

Und in den sechs Wochen werde ich in Italien jeden Abend Antipasti futtern und Chianti trinken und meinen Blick über die sanften Hügel der Toskana schweifen lassen und an euch denken.
Ich wird beim Saufen auch an Sie denken, Herr Schmied, vielleicht schick ich Ihnen auch n Selfie über What’s App.
Bist du schwul, Hannes?

Hannes, du hast doch gar nicht meine Nummer.
Doch, die hab ich noch von der Klassensprecherfahrt letztes Jahr.

Dann lösch sie bitte, Hannes.
Nö. Sonst kann ich Ihnen ja aus dem Urlaub kein Bild schicken.

Wohin fährst du überhaupt?
Nach Österreich. Meine Oma wohnt da.
Herr Schmied, ich fahr nach Südfrankreich mit meinen Eltern.
Cool, wir fahren auch nach Frankreich, aber in die Normandie, mein Vater mag die Hitze nicht so.
Herr Schmied, ich mach n Sprachkurs in Südengland!

Prima, Ryan, du kannst es ja auch gut gebrauchen.
Was?

Ich sagte, das wird bestimmt ne tolle Erfahrung.
Ich fahr in die Türkei, Herr Schmied, wie immer eigentlich. Ich hab da ganz viele Tanten und Onkels und 23 Cousins und 17 Cousinen.

Das ist ja voll schön, Gülsen. Freust du dich, die alle zu sehen?
Schon, aber ich versteh da niemand. Die sprechen kein Wort Deutsch und ich kein Türkisch. Wir gehen dann immer shoppen.
Herr Schmied, ich bleib dieses Jahr daheim. Meine Mama muss die ganze Zeit arbeiten und kann nicht weg. Dafür hat sie mir ne Dauerkarte fürs Freibad geschenkt, und ich darf so lang fern sehen, wie ich will.

Nicolas Schmidt ist seit Dezember 2013 Kolumnist auf News4teachers.de

Nicolas Schmidt ist seit Dezember 2013 Kolumnist auf News4teachers.de

Und dein Papa?
Meine Eltern haben sich vor zwei Jahren scheiden lassen, und mein Papa hat gesagt, ich soll in den Ferien zu ihm kommen, aber er hat ne neue Frau, und die kann ich nicht leiden.

Wie ist es bei dir, Eugen?
Och, mein Papa hat gesagt, wir haben kein Geld und können deshalb nicht wegfahren. Ist mir aber auch egal, dann zock ich halt die ganzen sechs Wochen.
Herr Schmied, mein Papa sagt, ich soll die ganzen Ferien über jeden Tag mindestens eine Stunde Mathe lernen, weil ich heuer n Fünfer im Zeugnis hab.
Mathematik, immer Mathematik, überall Mathematik…
Na und, ich hätt fast n Sechser im Zeugnis gehabt, und trotzdem muss ich in den Ferien nix machen. Meine Eltern haben gemeint, man kann nicht immer nur Schule im Kopf haben.

Hmm, schwierig, Nico. Von selber wird deine Mathenote im neuen Schuljahr nicht besser. Auf der anderen Seite haben deine Eltern schon recht. Man muss diesen ganzen Schultrott auch mal aus dem Kopf rauskriegen und Sachen machen, für die man sonst nicht so die Muße hat und die sich fast schon wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit anhören: Ein Buch lesen, auf Bäume klettern, tagträumen, Kirschkernweitspucken, am Waldrand zelten, einfach nur in der Sonne liegen, ne Wasserbombenschlacht machen, rumtrödeln, am Grillplatz ein Lagerfeuer machen, am See rumhängen, T-Shirts batiken, sich gegenseitig mit Fingerfarbe bemalen, Drachen steigen lassen, sich Pfeil und Bogen basteln…
Was labert der?
Bin ich Robin Hood oder was?
Was heißt ‚batiken’, Herr Schmied?

Damit kannst du dein T-Shirt farbig machen, und die weiße Wäsche deiner Mama auch. Probier’s mal aus, die wird sich freuen.
Okee, Herr Schmied. Schöne Ferien dann.

Danke schön, Patrick. Das wünsch ich dir auch. Bis in sechs Wochen dann.

 

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