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Schulische Defizite: Eltern „stehen genauso unter Druck wie die Kinder“

MÜNCHEN. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, fordert von der bayerischen Staatsregierung, Familien schulpflichtiger Kinder deutlich zu entlasten: „Vor allem Mütter sehen sich häufig in der Pflicht, nachmittags oder abends mit ihren Kindern zu lernen, um dadurch die Leistungen zu verbessern. Sie stehen genauso unter Druck wie die Kinder. Vielfach leidet das Familienleben, denn es gibt fast nur noch ein Thema: Das Pauken um Punkte und Noten.“

Zwei Nachhilfeschüler am Schreibtisch

BLLV-Präsident Wenzel fordert mehr individuelle Förderung an Schulen, um Nachhilfeunterricht überflüssig zu machen. Foto: VNN Bundesverband der Nachhilfe- und Nachmittagsschulen e.V.

Gleichzeitig, so Wenzel, müsse der privat subventionierte Nachhilfeunterricht überflüssig gemacht werden. „Der finanzielle Aufwand, den Familien betreiben müssen, um schulische Defizite auszugleichen, ist skandalös.“ Aus Wenzels Sicht muss die individuelle Förderung junger Menschen wieder dorthin, wo sie hingehört: in die Schulen. „Lehrerinnen und Lehrer brauchen dafür optimale Bedingungen: Ausreichend Personal, kleinere Klassen und ein neues Lern- und Leistungsverständnis.“ Zwar versichere die Staatsregierung unaufhörlich, wie gut es um die individuelle Förderung an Schulen bestellt sei – Tatsache sei aber, dass sie an den Schulen kaum stattfinden könne und an die Familien delegiert werde. „Die Nachhilfe boomt weiter“.

Allein bayerische Eltern gäben für privaten Nachhilfeunterricht ihrer Kinder 200 Millionen Euro pro Jahr aus, deutschlandweit seien es zwei Milliarden Euro. „Mit dieser gigantischen Summe entlasten private Haushalte den Staat.“ Viele Familien bringe das in finanzielle Nöte, was wiederum den Stressfaktor erhöhe und stark belaste. Kinder hätten zudem immer weniger freie Zeit, denn sie müssten nach der Schule weiterpauken. Familien, die sich privaten Nachhilfeunterricht nicht leisten könnten, gerieten zudem ins Hintertreffen. „Ungerechtigkeiten im Bildungswesen werden durch die Untätigkeit der Politik zementiert, nicht abgebaut.“

Der BLLV-Präsident sieht die Bayerische Staatsregierung in der Pflicht, Familien zu entlasten und allen Kindern beste Bildung zu ermöglichen: „Lernen muss wieder hauptsächlich an den Schulen und nicht zu Hause oder in Nachhilfeinstituten stattfinden.“ Es sei absurd, dass Eltern ein privates Bildungssystem subventionierten, das originäre Aufgaben von Schule übernehme, nämlich die individuelle Förderung von Schülern.

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2 Kommentare

  1. „Lernen muss wieder hauptsächlich an den Schulen und nicht zu Hause oder in Nachhilfeinstituten stattfinden“, sagt der BLLV-Präsident.
    Das sehe ich genauso. Aber woher kommt diese Entwicklung? Es kann sich doch nicht immer nur um falsche Schulwahl und zu viel Ehrgeiz der Eltern handeln.

    • Falsche Schulwahl z.B. wegen falschem Ehrgeiz der Eltern ist ein wichtiger Punkt. Wenn diese Schüler die Schulform wechseln würden, gäbe es an den Gymnasien — vorrangig geht es ja darum — kleinere Klassen. Den Begriff „individuelle Förderung“ sollte man dringend aus dem Wortschatz entfernen, weil diese in Gruppen ab (maximal) fünf Personen schon nicht mehr möglich ist, was die Erfahrungen vieler Eltern in Nachhilfeinstituten bestätigen würden. Dazu kommt in Bayern die noch wesentlich schlechtere Umsetzung des G8 als z.B. in NRW. Ich möchte hiermit G8 nicht schlecht reden, viele Schüler kommen trotz langer Schultage gut oder sehr gut damit zurecht.

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