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BLLV kritisiert Umsetzungsproblem: Tests im Bildungsbereich führen zu selten zu Reformen

MÜNCHEN. Vera, PISA, TIMSS, Orientierungsarbeiten, IQB-Ländervergleich – Bayerns Schüler müssen nach Angaben des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes in der ersten Jahreshälfte vor allem eines: Prüfungen schreiben. Der „Testmarathon“ ziehe sich von Februar bis Juni 2015. „Das zweite Schulhalbjahr ist zweifellos ein ‚Testjahr‘. Nichts gegen sinnvolle Tests, wenn aus den Ergebnissen die richtigen Schlüsse gezogen und hilfreiche Förderangebote unterbreitet werden“, sagt Klaus Wenzel, der Präsident des Verbandes.

Schüler bei der Hausaufgabenbetreuung

Drittklässler in Deutschland müssen Ende April und Anfang Mai 2015 Vergleichsarbeiten in Mathematik und Deutsch schreiben. Foto: gumtau /flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Allerdings habe es bislang nach den Veröffentlichungen solcher Testergebnisse wenig tiefgreifende Reformen gegeben. Im Gegenteil: „Gerade die bayerische Schul- und Bildungspolitik verharrt seit Jahren in einer gewissen Starre. Sie wird kaschiert mit einem Aktionismus, der im Wesentlichen für Unruhe sorgt und weder Schülern noch Lehrkräften konkrete Hilfen bringt.“ In der Schule sollte es nicht nur um ein permanentes Monitoring, sondern vor allem um Menschenbildung gehen, so Wenzel. „Schülerinnen und Schüler brauchen Zeit für Vertiefung, Anwendung und Reflexion. Sie sollten nicht permanent durch Test-Torturen gestört werden.“ Auch Lehrkräfte müssten dringend entlastet werden: „Für sie bedeutet jeder Test einen immensen Mehraufwand. Viele Schulen bringt das angesichts der personellen Unterversorgung an die Grenze des Machbaren.“

Die Bedürfnisse junger Menschen und das, was sie tatsächlich brauchen, spielten im schulischen Alltag eine immer noch untergeordnete Rolle. „So ist es trotz der zahlreichen Tests den Lehrkräften bis heute kaum möglich, alle Schülerinnen und Schüler individuell und gezielt zu fördern – obwohl sie dies gerne tun würden und als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansehen.“ Die Bildungsungerechtigkeit sei in Bayern unverändert hoch, was regelmäßig von Studien belegt werde. Mit anderen Worten: „Die Testeritis wird zwar mit einem riesigen personellen und finanziellen Aufwand betrieben, unterm Strich kommt aber für die am Schulleben Beteiligten wenig heraus.“ Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) ist der Überzeugung, dass die Bundesrepublik und das Land Bayern „weniger ein Erkenntnis- sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem“ haben. „Erkennbare Verbesserungen sind jedenfalls bis zum heutigen Tag ausgeblieben.“

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