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Experte: Niedersachsen bei Inklusion Schlusslicht

CLOPPENBURG. Behinderte Kinder haben inzwischen das Recht, nicht ausgegrenzt zu werden und dieselben Schulen zu besuchen wie Nichtbehinderte. Bei der Umsetzung dieses Anspruches hängt Niedersachsen aber noch zurück, glauben Experten.

Niedersachsen ist nach Ansicht des Oldenburger Erziehungswissenschaftlers Heinrich Ricking beim gemeinsamen Unterricht von Behinderten und Nichtbehinderten Kindern bundesweit Schlusslicht. Es gebe großen Aus- und Weiterbildungsbedarf bei Lehrern, sagte der Professor für Sonder- und Rehabilitationspädagogik am Dienstag bei einer Fachtagung der Caritas in Stapelfeld bei Cloppenburg. Trotz aller verstärkten Aus- und Weiterbildungsprogramme werde es noch fünf bis zehn Jahre dauern, bis die Zahl der Lehrkräfte ausreichend sei. «Man hätte schon vor fünf Jahren beginnen müssen», sagte er mit Blick auf eine entsprechende UN-Konvention für die Rechte von Behinderten.

In Niedersachsen gibt es seinen Angaben zufolge etwa 50 000 Kinder mit Förderbedarf. Seit 2013 haben Eltern einen Anspruch darauf, dass ihre behinderten Kinder eine Regelschule besuchen dürfen. Es werde aber auch künftig Förderschulen und Tagesbildungseinrichtungen geben, sagte Ricking. Entscheidend sei der Elternwille: «Gegen den Willen der Eltern Inklusion durchzusetzen, geht nicht.»

Erfahrungen aus Nordamerika und Skandinavien zeigten, dass es auch möglich ist, bis zu 80 Prozent der Schüler mit Förderbedarf in einer allgemeinbildenden Schule zu unterrichten. In diesen Ländern sei die Förderquote zwei bis drei Mal so hoch wie in Deutschland. Das bedeute, dass vom Unterricht an einer Schule, die die Inklusion praktiziere, auch Kinder profitierten, die bislang nicht eine Förderschule besuchen konnten.

Sonderpädagogen werden in Niedersachsen an den Universitäten Oldenburg und Hannover ausgebildet. Um auf den Inklusionswunsch von Eltern reagieren zu können, seien bereits 60 Lehrer von Grund- und Hauptschulen in Aufbaustudiengängen weitergebildet worden. Die stellvertretende Staatssekretärin im niedersächsischen Sozialministerium, Claudia Schröder, räumte ein, dass Niedersachsen seinen Bedarf an Sonderschullehrern nicht allein decken könne. «Wir wildern in anderen Bundesländern.»

Damit Inklusion ein Erfolg werden könne, müsse es möglichst viele positive Erfahrungen mit dem gleichberechtigten Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten geben, sagte Ricking. «Wir sind alle aufgewachsen in Zeiten der Trennung.» Wichtig sei es, dass bei der Förderung auf die individuellen Bedürfnisse der Kinder Rücksicht genommen werde. Es gehe nicht um Ideologie und nicht um einen Weg, der für alle gültig sei. «Es darf keine Zwangsinklusion geben», sagte Ricking. dpa

3 Kommentare

  1. die anderen Bundesländer sollten sich an Niedersachsen orientieren. das ist besser für die geistig behinderten kinder, die regelschulkinder und alle lehrer.

    • Der Unterschied zwischen den Förderschwerpunkten Lernen und Lernbehindert ist Ihnen wohl schwer zu vermitteln, oder?

      • bitte klären sie mich auf, denn meines wissens wurde lernbehindert in forderschwerpunkt lernen umbenannt, um das wort behindert zu umgehen.

        beachten sie aber, dass ich – wohl zu ungenau – unter geistig behindert alle kinder mit einer behinderung zusammen gefasst habe, die körperlich weitgehend gesund sind. z.b. trisomie 21, genetisch bedingtes adhs (nicht das wegen falscher erziehung), genetisch bedingte intelligenzminderung, hirnschaden bei der geburt, nach unfall usw.

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